iFixit zerlegt Surface Pro 4: Besser, aber immer noch eine klebrige Angelegenheit

Surface_Pro_4Kaum sind neue Geräte auf dem Markt, legen die Teardown-Spezialisten von iFixit Hand an und zerlegen sie in ihre Einzelteile. Dazu gibt es immer wieder eine Punktzahl, wie gut das Device denn zu reparieren ist bzw. ob es bei einem Defekt quasi einem Wegwerfartikel gleichkommt. So nun auch geschehen mit Microsofts neuen Surface 4 Pro-Tablet, welches die ein oder andere Überraschung parat hielt und vor allem mit deutlich weniger verklebten Komponenten als die alten Surface-Modelle aufwarten konnte, aber – um es vorweg zu nehmen – offenbar immer noch auf zu viel Kleber zu setzen scheint.

Während die Vorgänger als K.O.-Kriterium immer mit einer gefühlten Wagenladung an Kleber zusammengehalten wurden und so eine Reparatur schier unmöglich machten, scheint Microsoft beim Surface Pro 4 eine andere Strategie verfolgt zu haben, wie Kay Kay Clapp auf dem offiziellen Teardown-Blogeintrag vermeldet:

Das Gerät ist deutlich leichter zu zerlegen, da man deutlich weniger Gebrauch vom unbeliebten Kleber gemacht hat, wenngleich er auch immer noch zu omnipräsent zu sein scheint – wirtschaftlich ein No-Go bei einer Gerätekategorie, die in der Maximalausstattung immerhin 2449 Euro kosten soll und somit im Falle eines Defekts quasi einem Wegwerfartikel gleichkäme.

Warum das so ist, kann man nur mutmaßen – die Kollegen von iFixit vermuten, dass Microsoft hier endlich einmal seine Hausaufgaben gemacht und sich in Sachen Reparaturfähigkeit ein wenig geöffnet, aber noch viel Luft nach oben hat.

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Die weiteren Überraschungen des neuen Tablet-Arbeitstiers aus Redmond sind unter anderem die Batterie, die mit 5087 mAh um ca. neun Prozent kleiner als die des direkten Vorgängers, dem Surface Pro 3, ist. Diese kam seinerzeit noch 5547 mAh daher, wird aber ersten Tests zufolge durch das Nachfolgermodell in Sachen Laufzeit geschlagen – dies ist wohl auf eine gesteigerte Effizienz seitens des Prozessors zurückzuführen. In der Sensorleiste des Gerätes wurde zudem ein IR-Sensor gefunden, der wohl schon einmal die hardwareseitigen Grundvoraussetzungen für Windows Hello bereitstellen soll und auch das Konzept der Heatpipes scheint im neuen Modell entsprechend optimiert worden zu sein.

Des Weiteren stellten die Menschen bei iFixit fest, dass es über dem Prozessor im vorliegenden M3-Basismodell nur eine passive Kühlung gibt und ein aktiver Lüfter fehlt – dieser sollte sich indes in den grösseren Varianten des Tablets wie gewohnt an dem in diesem Modell freien Platz befinden und so nur das kleinste Pferd im Stall lüfterlos halten.

Microsoft hat also augenscheinlich einiges im Inneren des Surface Pro verändert – anscheinend aber nicht genug, springt am Ende doch nur eine Punktzahl von 2 von 10 möglichen Punkten heraus: Das ist zwar immer noch ein Punkt mehr als Teardown-Desaster beim Surface Pro 3, aber für ein Gerät dieser Preisklasse bzw. ein Arbeitsgerät eigentlich nicht tragbar. Hauptkritikpunkte sind immer noch das Display und der Faktor Kleber – letzterer ist zwar weniger geworden, aber leider immer noch ein tragendes bzw. klebendes Element. Auch der AHCI-Controller des Einstiegs-Surface Pro sorgt für Kopfschütteln, scheint Microsoft hier doch auf die bereits aus Reviews bekannte NVMe SSD verzichtet zu haben.

Am Ende der Fahnenstange stellt sich also die Frage, wie Pro ein Gerät sein kann, das zwar technisch wirklich klasse daherkommt, aber weder modular erweiterbar noch im Schadensfall einfach zu reparieren ist  – auch wenn sich der Kunde beim Kauf bewusst darauf einlässt. Auch wenn Microsoft hier einen Schritt in die richtige Richtung zu machen scheint, machen der Form-Faktor und die Bauweise es doch schwer, das Gerät Kunden zu vermitteln, die täglich darauf angewiesen sind und im Falle eines Defekts eine schnelle Reparatur verlangen. Das scheint aber der Preis zu sein, den der ein oder andere für das Design der heutigen Zeit zu zahlen bereit ist und übrigens auch kein reines Microsoft-Problem, denn schlank und schick können andere – mit ähnlichen Problemen bei der Reparaturfähigkeit – auch.

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Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant.

7 Kommentare

  1. Es gibt also 2/10, weil den geübten Schraubern diesmal das Display nicht zerbrochen ist? Mit anderen Worten für den Anfänger noch immer irreparabel wenn der Akku nach zwei Jahren in die Knie geht.
    Zuletzt las ich, dass der Akkutausch bei Microsoft 320€ kostet. Dafür gibt es dann ein refurbished Austauschgerät, also besser immer die Daten sichern. Ist das noch aktuell?

    Von Umweltaspekten will ich mal gar nicht anfangen.

  2. Juhu 2449 Euro für einen Wegwerfartikel in der besten Ausstattung? Nicht schlecht Microsoft 😛

  3. Einfach nicht kaufen und fertig. Handhabe ich auch so bei Smartphones, wenn der Akku der nicht wechselbar ist, kann der Hersteller seinen Wegwerfartikel eben behalten. Das gleiche gilt für Notebooks.

  4. Hey was ist denn hier los? Wo sind die M$ Fanboys?!

    Kürzlich gab es doch einen ähnlichen Artikel zum MacDINGSBUMS. Ergebnis 1/10 wenn ich mich da recht erinnere.

    Das sind doch die Apple Jünger komplett Amok gelaufen, als jemand gesagt hat er findet es doof, dass das den iDingens nicht reparieren oder aufrüsten kann.

    Umfangreiche Total Cost of irgendwas Postings…

    Los Jungens, haut mal rein ;-P

  5. @tom – Egal, welcher Fanboy von welcher Fraktion man ist: Am Ende ist es doch gehopst wie gesprungen – das Logo, welches auf dem Gerät zu finden ist, ist doch sekundär im Zeitalter schlanker, portabler Geräte, deren Style wir als Endanwender durch die böse geplante Obsoleszenz und mangelnde Reparaturfähigkeit bezahlen. @andy2010 hat es da genau auf den Punkt gebracht. Ob ich jetzt auf Äpfel oder Oberflächen (ich mag übrigens beide Systeme, auch zum täglichen Arbeiten) stehe, ist schnuppe, der Trend geht doch in die Richtung der Nicht-Reparierbarkeit. Davor ist keine Fanboy-Fraktion gefeit 😉 !

  6. @Tom msft fanboys sind halt nicht so fanatisch und finden Dinge die schlecht gelöst sind eben schlecht gelöst.

    Und m$ stimmt wohl lange nicht mehr. In redmond schaut man schon länger in Richtung Innovation und nicht Richtung aktienwert etc. wie A$ aus Cupertino.

  7. Moin.

    „Am Ende der Fahnenstange stellt sich also die Frage, wie Pro ein Gerät sein kann, das zwar technisch wirklich klasse daherkommt, aber weder modular erweiterbar noch im Schadensfall einfach zu reparieren ist – auch wenn sich der Kunde beim Kauf bewusst darauf einlässt.“

    Für uns als Firma ist die Frage, welchen Supportlevel Dell anbietet. Wenn wir wie bei Dell Latitudes einen NBD onsite Support über 3 Jahre bekommen, ist uns im Endeffekt ziemlich schnuppe, ob die die Geräte mangels Reparaturmöglichkeit tauschen oder reparieren.

    Von daher, das „Pro“ Gerät braucht „Pro“ Support, also geringe Ausfallzeiten und Instandsetzungskosten im Fehlerfall.

    Grüße