„Heroland“ angespielt: Werdet zum Herren eines RPG-Vergnügungsparks

“Heroland” ist ein kleines aber feines Indie-Game, das im Ausland schon eine Weile für Konsolen und PC zu haben ist. Ich habe mir mal die PS4-Version angeschaut und durchaus meinen Spaß mit diesem Titel gehabt, der mich in die Rolle des Managers eines RPG-Vergnügungsparks schlüpfen ließ. Erwartet aber kein Strategiespiel: „Heroland“ wandelt eher auf RPG-Pfaden.

Alternativ gibt es “Heroland” ab 31. Januar im Handel nicht nur offiziell für die Sony-Konsole, sondern auch für den PC sowie die Nintendo Switch. Und was das Gameplay anbelangt, so glaube ich, dass dieser Titel auf der portablen Switch sogar am besten aufgehoben ist.

Warum? Nun, auch wenn das Spiel tiefergehende Mechaniken bietet als das typische Mobile Game, so hat es doch die gleiche Neigung zu einer gewissen Monotonie. Ihr durchlauft beim Betreuen eures Fantasy-Parks bzw. der Gäste regelmäßig ähnliche Zyklen, sodass die Dauerrotation am heimischen TV nicht unbedingt die ideale Umgebung für “Heroland” ist. Auch wenn ich das Game also an der PS4 gezockt habe, sehe ich Switch-Besitzer da als ideale Zielgruppe an: Zwischendurch unterwegs mal eine halbe Stunde zocken, dafür ist dieses Spiel ein launiger Zeitvertreib.

Etwa hoch gegriffen finde ich den Preis: 39,99 Euro sollt ihr für das Game latzen. Meiner Ansicht nach wären eher 19,99 Euro angesichts des Gebotenen ein angemessener Preis, sodass ihr vielleicht auf einen Sale warten solltet. So setzt “Heroland” auf Pixel-Art-Grafik und schmeißt euch in die Rolle eines Recken, der nicht selbst zum Helden wird, aber einen Vergnügungspark für eben jene betreiben soll.

Die Hintergrundgeschichte geht aber etwas tiefer: Ihr sollt Prinz Elric helfen den dunklen Lord zu besiegen, der als finaler Endgegner wartet. Dass es sich dabei nur um einen Schauspieler im Park handelt, das ist geschenkt. Denn der realitätsfremde Elric glaubt daran, dass ihn erst der Sieg über diesen Schergen für die Thronfolge qualifiziert. Ihr seht also, dass sich “Heroland” nicht allzu ernst nimmt und das tut dem knuffigen, aber manchmal auch bitterböse satirischem Game sehr gut.

Auch wenn ihr also viel Text lesen müsst, lohnt es sich genau hinzuschauen: Es sind viele Anspielungen auf andere Rollenspiele versteckt und der Wortwitz hat mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht. Trotz der Retro-Grafik entwickelt “Heroland” dann auch durch dieses Gespür für Witz und gut geschriebene Texte viel Charme und zieht einen durchaus in die absurde Geschichte um Elric und den Hauptcharakter Lucky. Aber auch die anderen Figuren haben jeweils kleine Handlungsbögen, die mich manchmal an die guten alten 16-bit-RPGs auf dem SNES erinnert haben.

Wer also auf JRPGs mit einer guten Geschichte steht, für den sind die, wie gesagt etwas steilen, 39,99 Euro definitiv eine Überlegung wert. Die Schwachpunkte von “Heroland” sehe ich weniger in Story und Charakteren, sondern leider im Gameplay. Auch wenn das Spiel anfangs so anmutet, als würdet ihr hier a la “Theme Park” einen Vergnügungspark gestalten, so tut ihr das mehr auf dem Papier. Denn “Heroland” ist kein Aufbau-Strategiespiel. Vielmehr müsst ihr einzelne Dungeons im Park überwinden und euer Hauptcharakter ist eine Art Führer für die Besucher (siehe Screenshot).

Wer zieht dann in die Kämpfe gegen die Angestellten des Parks? Klar, das sind die Besucher, welche ihr selbst zu einer Party zusammensammelt. Ganz klassisch haben sie dabei bestimmte Rollen, die sie einnehmen können: etwa als Heiler oder als Tank, also als Kämpfer, der besonders viel Schaden abfangen kann. Ihr weist den Streitern dabei auch das richtige Equipment zu. In den jeweiligen Dungeons könnt ihr euch aber nicht frei bewegen, sondern folgt wie bei einem Brettspiel bestimmten Pfaden, auf denen euch neben Kämpfe auch andere Ereignisse erwarten. Ab und an könnt ihr euch für die eine oder die andere Abzweigung entscheiden, aber frei Erkunden ist eben nicht drin.

Leider könnt ihr die Kämpfe nicht aktiv steuern und da kommt die eingangs erwähnte Nähe zur Monotonie der Mobile Games ins Spiel. Als Tour Guide könnt ihr den Besuchern nur dezente Hinweise geben, um sie etwa zu bestimmten Angriffen anzuregen. Nach jedem Eingreifen müsst ihr eine Cooldown-Phase abwarten, sodass ihr dabei taktisch vorgehen müsst. Das richtige Timing kann über Sieg und Niederlage entscheiden. Geht alles daneben, könnt ihr aus eurer Tasche zusätzliche Gegenstände zaubern, um dem Team auszuhelfen – auch das natürlich aber nur in beschränkter Anzahl (siehe Screenshot unten).

Wie man es von einem RPG erwarten sollte, so levelt ihr selbst nach erfolgreichen Kämpfen auf und auch die jeweiligen Besucher werden stärker. Nehmt ihr einzelne Gäste besonders oft und erfolgreich mit in die Dungeons, könnt ihr sogar spezielle Nebenquests für sie freispielen. Das Problem ist aber eben, dass die Kämpfe relativ zügig eintönig werden, da ihr nur sehr beschränkte Eingriffsmöglichkeiten habt. Sitzt ihr unterwegs in Bus und Bahn, kann gerade das angenehm sein, weil ihr euch nicht zu arg konzentrieren müsst. Wer “Heroland” wie ich im Wohnzimmer am TV zockt, sollte aber zu kürzeren Sitzungen greifen, um nicht gelangweilt zu werden.

Das gilt insbesondere, wenn ein Abschnitt zu schwer wird und ihr einzelne Charaktere zunächst aufleveln wollt bzw. müsst. Leider erhalten nämlich Gäste, die nicht aktiv mitkämpfen, nur reduzierte Erfahrungspunkte. Das führt dazu, dass ihr mit fortschreitender Spielzeit immer wieder die Partymitglieder austauschen müsst, um alle halbwegs auf dem gleichen Stand zu halten. Dieses Grinding erinnert an Mobile Games und macht einfach kaum Laune. So besucht ihr alte Dungeons deswegen erneut, was aber zur reinen Pflichtübung ausartet. Vielleicht wollte man so die Spielzeit strecken.

Nebenbei müsst ihr auch noch die Waffen der Gäste im Auge behalten, denn wenn sie ihre Spezialangriffe trotz eurer Aufsicht überstrapazieren, könnten ihre Waffen über den Jordan gehen. Wer muss sie ersetzen? Das seid ihr als Parkbesitzer. Glücklicherweise kann man derartige Situationen aber leicht vermeiden, wenn man hin und wieder an den passenden Stellen eingreift. Dazu sei generell angemerkt, dass der Schwierigkeitsgrad von „Heroland“ eher niedrig gewählt ist. Frust kommt also nicht so schnell auf.

Mein Fazit? Solltet ihr eine Nintendo Switch besitzen, kann „Heroland“ ein echter Tipp sein – besonders wegen des sehr gelungenen Humors. An der PS4 würde ich den Kauf aktuell weniger empfehlen, besonders da ich den Launch-Preis zu hoch finde. Das Gameplay an sich ist mir außerdem etwas zu passiv geraten, da man über weite Strecken doch dem Spektakel eher zusieht und nur in unregelmäßigen Abständen eingreift. Kann natürlich auch entspannend sein, eignet sich aber eben mehr fürs Zocken unterwegs.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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2 Kommentare

  1. Danke für den Tipp. Wenn der Preis fällt hole ich es mir

  2. Nächstes Jahr oder so safe 4 Free bei Epic ^^

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