Google muss sich auf hohe Strafe im EU-Kartellstreit um Shopping-Ergebnisse einstellen

Google hat sich seit Jahren mit der EU in den Haaren. Es geht um die Bevorzugung eigener Ergebnisse im Bereich von Google Shopping. Nach Ansicht der EU nutzt Google hier seine Position aus und benachteiligt Mitbewerber. Google schlug in der ganzen Zeit bereits mehrmals Änderungen vor, diese gingen aber nicht weit genug. So kommt es nun anscheinend zu einer Strafe, die Google empfindlich treffen soll, außerdem wird von der EU vorgegeben, dass Google seine Vorgehensweise ändern muss.

Google Office

Seit 2010 dauern die Untersuchungen der Europäische Union bereits an, Google wird der Vorwurf gemacht, andere Shoppinganbieter seit 2008 durch die Art und Weise der Darstellung der Suchergebnisse zu benachteiligen. Die Strafe soll nun hoch genug ausfallen, dass sie Google tatsächlich auch abschrecken. Als Basis für die Berechnung könnten AdWords-Einnahmen, Einnahmen aus dem Shopping-Vergleich und Einnahmen aus normalen Suchergebnissen zu Produkten herhalten.

Die Europäische Kommission geht davon aus, dass Google Wettbewerber wissentlich benachteiligt hat und durch die Darstellung der Suchergebnisse auch die eigene Position bevorteilt wurde. Google hat nun noch Zeit, um sich den Vorwürfen erneut zu stellen, kann diese Zeit auf Wunsch auch verlängern. Die 10-Wochen-Frist begann im April, sodass diese nun bald vorbei sein dürfte.

Berühmte Empfänger empfindlicher Strafen hat die EU bereits hervorgebracht. Microsoft und Intel mussten beide schon Strafen in Milliardenhöhe zahlen, wobei Microsoft insgesamt fast doppelt so viel auf den Tisch legen musste. Vielleicht reiht sich Google nun in die exklusive Gesellschaft der Höchststrafenzahler ein, wir werden sehen. Dem Nutzer kann es relativ egal sein, er wird auch weiterhin seine Produkte bei Google suchen, wenn er nicht eh direkt Amazon oder andere Preisvergleichsseiten aufsucht.

(Quelle: Bloomberg)

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24 Kommentare

  1. Schon lächerlich, wie sich die Politiker mit Unterstützung von Lobbyisten immer wieder speziell auf Google einschießen. Gerade „Google Shopping“ hat nun wirklich kein Monopol bei den Shopping-Portalen.

  2. Google Shopping? Das sind diese separaten Teile am Anfang der Suchergebnisse bei den Leuten, die kein Adblock Plus installiert haben?

  3. @Orbis
    Was meinst du mit immer wieder? Ich glaube Google ist das bisher einzige Monopol, dass noch gar nicht beachtet wurde. Eigentlich hätte das Kartellamt schon viel früher eingreifen müssen. Bei Online-Werbung ist Google quasi schon lange Monopolist.

  4. @Tobe: Nein, Google Shopping ist eine extra Seite: http://www.google.de/shopping

    Die Tatsache, dass die meisten diese Seite noch nicht mal kennen, zeigt, wie verlogen diese lobbygesteuerte EU-Kampagne ist.

  5. @Orbis
    Bitte informier dich mal genauer! Google Shopping listet auch ganz oben in den normalen Suchergebnissen Anzeigen auf, die gekauft werden können. Insofern haben die Händler, die keine Anzeigen beim Google Monopol kaufen einen Nachteil. Das ist ganz sicher ein Fall für das Kartellamt und hat mit Lobbyismus nichts zu tun. Die interessante Frage ist doch eher, warum die EU erst jetzt eingreift. Möglicherweise wollte man sich nicht mit Google anlegen.

  6. @Ratio: mit „immer wieder“ meine ich z.B. den Lobbyismus der Axel-Springer-Lobby gegen Google, ähnlich wie beim deutschen Leistungsschutzrecht. Federführend eingebracht wurde entsprechende EU-Anträge von dem deutschen Abgeordneten Andreas Schwab (CDU). Recherchen der New York Times hatten aufgedeckt, dass er jährliche Beraterhonorare von der deutschen Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle empfängt. Diese vertritt ihrerseits unter anderem den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), der zu den Beschwerdeführern in den EU-Wettbewerbsermittlungen gegen Google zählt.

    Die Axel Springer AG hat übrigens auch das Portal „Idealo“ übernommen. Eine direkte Konkurrenz zu Google Shopping, nur in der EU viel verbreiteter. Klingelt’s?

  7. Haha, da waren die Lobbyisten wohl wieder mit allerhand Geldkoffern in Brüssel unterwegs.

    Ich denke ja, dass Google von den Großen im Tech-Bereich einer der Sympathischsten ist, der noch am wenigsten Dreck am Stecken hat, aber wie alle Unternehmen sind sie sicher nicht selbstlos am Werk.

    Das was aber hier an Vorwürfen im Raum steht, ist an Lächerlichkeit gar nicht mehr zu überbieten. Google-Shopping hat so dermaßen keine praktische Relevanz.
    Mir persönlich ist es bisher noch gar nie aufgefallen, dass es das überhaupt gibt. Ich mache alle Kauf-Recherchen über Google und bekomme ganz vorne ständig Amazon, Ebay und sonstige Shops angezeigt.

  8. Ist ja der Hammer. Die Google-Shopping-Seite kannte ich auch noch nicht. Aber ich wusste noch gar nicht, dass Idealo zu Axel Springer gehört. Ab jetzt wird Idealo von mir boykottiert, wegen üblem Lobbyismus von Axel Springer.

  9. Die EU sollte mal eine Milliardenstrafe wegen Trollings zahlen müssen. Meine Fresse, wenn den Leuten dort langweilig ist, sollen sie an sich selbst rumspielen und sich nicht sone Scheisse ausdenken!

  10. @Orbis:

    Haha, nach kurzer Recherche im Internet zeigt sich tatsächlich, dass sich unter den federführenden Beschwerdeführer tatsächlich die folgenden alten Bekannten befinden:

    Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ)
    Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV)
    Axel Springer Verlag

  11. Sorry, den Link wollte ich noch nachliefern.

    Microsoft ist natürlich auch dabei 😉

    http://www.zdnet.de/88233045/bericht-eu-kartellverfahren-gegen-google-basiert-auf-19-beschwerden/

  12. Schon wirklich merkwürdig, gegen eine Praxis vorzugehen, die kaum Relevanz hat und bei der jeder Nutzer ohne Weiteres die freie Wahl der Alternativen hat.

    Gleichzeitig scheint es die Kommission nicht die Bohne zu jucken, dass Apple über den App Store den einzigen Vertriebsweg an iOS Kunden komplett abschottet und an jedem App- und In-App Verkauf zwangsweise mitverdient.

  13. Noch ein pikantes Detail:

    Im Vorstand der Axel-Springer-Stiftung sitzt übrigens Joachim Sauer, der Ehemann von Angela Merkel. Der Axel-Springer-Verlag und die Bundeskanzlerin verstehen sich glänzend. Und wer hat den EU-Kommissionspäsidenten Juncker durchgesetzt? Angela Merkel. Eine Hand wäscht die andere.

    Recherchieren macht Spaß. 🙂

  14. Die Kommentare sind besser als der Artikel. Schade, dass solche Hintergrundinfos nicht gleich im Artikel stehen.

    Jetzt wird mir klar, warum der Springer-Verlag (BILD, WELT usw.) immer so aggressive Hetze gegen Google betreibt.

  15. @Theo Ja Recherchieren macht Spaß, aber es handelt sich um die Friede-Springer-Stiftung und die fördert Wissenschaft, Kunst, Kultur und Bildung. Da darf der Mann der Bundeskanzlerin ja wohl arbeiten oder nicht?
    http://becklog.zeitgeist-online.de/2011/02/03/friede-springer-grundet-3-stiftung-im-vorstand-merkel-ehemann/

  16. mac.extra says:

    @DomBok, anderer Name aber der Hintergrundgedanke ist derselbe. Steht sogar in dem von dir verlinkten Artikel gleich zu Beginn:

    „Stiftungen haben vor allem zwei Funktionen: 1. Sie sind ein Steuersparmodell. 2. Man kauft sich mit ihrer Hilfe Einfluss.“

    Die Angie direkt zu bezahlen geht ja nicht, also holt man sich den Ehemann mit ins Boot. Das ist nichts weiteres als Korruption a la Bananenrepublik.

  17. @Jan
    Ein weiterer Grund für die Hetze dürfte vor allem auch der Hintergrund sein, dass Springer massiv für das „Leistungsschutzrecht“ (Achtung, Euphemismus) lobbyiert hat.

  18. An alle für die die Welt so einfach zu sein scheint. Nur weil Springer im Spiel ist, heißt doch noch lange nicht, dass Google eine weiße Weste hat. Selbst wenn Springer hier ‚böse‘ sein sollte, wird Google dadurch nicht automatisch zum Heiligen. Springer beherrscht diese Republik schon seit es BILD gibt. Das ist keine Neuigkeit. Ändert aber nichts an den Tatsachen, meine Herren. Fakt ist nunmal, dass Google im Online Anzeigenmarkt ein Quasi-Monopol hat und Händler, die sich mit Google nicht gut stehen oder Google nicht bezahlen wollen, schlechtere Chancen beim Kundenfang haben, weil Sie eben auf ein Unternehmen, nämlich Google angewiesen sind. Das ist für mich ganz klar ein Fall von Marktversagen bzw, Ausnutzung von Marktmacht und die Kartellämter hätten hier schon viel früher eingreifen müssen. Warum hier immer wieder krampfhaft Google verteidigt werden muss, als wäre das der Konzern der Heilsbringer ist lächerlich. Die arbeiten genauso profitorientiert und agressiv-expansiv wie jedes andere Unternehmen. Kommt mal von eurem Verherrlichungstrip herunter!

  19. @Ratio: Danke!

  20. Ratio, es geht hier um Google Shopping. Marktmacht?! Kennst Du jemanden, der jemanden kennt, der schon mal Google Shopping genutzt hat?

  21. @Joe, es geht nicht darum, wie viele Leute Google Shopping nutzen. Ausgangspunkt ist die nahezu absolute Dominanz bei der Suche – dort lautet der Vorwurf: Bevorzugung der eigenen Dienste (Mail, Maps, … & eben auch „Shopping“) ggü. derer der Konkurrenz. Ob der eventuelle Missbrauch Googles seiner Dominanz bei Internetsuchen jetzt eher erfolgreich ist (Maps!) oder eher nicht (Shopping) ist zunächst nicht relevant.

  22. @Ban
    Endlich hat es Jemand verstanden.

    @Joe
    Du hast es nicht verstanden. Google Shopping ist keine Online Plattform zum verkaufen. Google Shopping ist in erster Linie eine Werbeplattform für Unternehmen die etwas verkaufen möchten. Insofern kein Vergleich mit Amazon und Co. Da Google aber ein Quasi-Monopol im Anzeigenmarkt hat, ist Google Shopping sehr wohl ein Monopol in diesem Bereich. Mal davon abgesehen, dass wie Ban bereits geschrieben hat, die Google Suche ein Monopol hat, welches Google ausnutzt um seine eigenen Produkte (Google Shopping) vor denen anderer zu bewerben. Wir haben es hier doppelt mit dem Missbrauch von Marktmacht zu tun.

  23. @Ratio Morgen soll also die Lufthansa für China Airlines werben?

  24. @Florian K.
    Wenn die Lufthansa auch ein Werbeunternehmen wäre und dort ein Monopol hätte ganz klar ja.