Google legt sich mit der Motion Picture Association of America an

Die Motion Picture Association of America (MPAA) ist ein Verband der sechs großen Filmstudios, vertritt deren Interessen und betreibt Lobby-Arbeit. Vor knapp drei Jahren wollte die MPAA ein Gesetz verwirklichen, das den Mantel der Verhinderung von Raubkopien für eine Internet-Zensur genutzt hätte. Viele große Internetdienste protestierten gegen SOPA (Stop Online Piracy Act), vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die schwarzen Webseiten, die an diesem Tag aus Protest angezeigt wurden.

Google Office

Fast drei Jahre später scheint es einen neuen Versuch zu geben, ein SOPA sehr ähnliches Gesetz auf den Weg zu bringen. Verschiedene Seiten werden in Googles Blog-Post zitiert, darunter auch The Verge und die New York Times. Das Budget hierfür ist großzügig, geschossen wird vor allem gegen Google. Ein 79-seitiges Schreiben des Generalstaatsanwaltes Jim Hood ging an Google, enthalten sind zahlreiche Anschuldigungen gegen Google.

Interessant wird die Geschichte, wenn man Jim Hood einmal genauer betrachtet. Der gute Mann setzte sich schon für SOPA ein. Auch lässt er sich nach eigener Aussage nicht von der MPAA in seinen Entscheidungen beeinflussen. Der Huffington Post gegenüber äußerte er dies vergangene Woche und teilte auch mit, dass er gar nicht wüsste, welche Anwälte die MPAA vertreten. Komisch nur, dass der Brief an Google von den MPAA-Anwälten Jenner & Block verfasst wurde.

Google ist – verständlicherweise – nicht erfreut über die Anschuldigungen und wird die Sache vor Gericht bringen. Die MPAA wurde 1922 gegründet, um staatlicher Zensur von Künstlern entgegenzuwirken. Heute wird hingegen versucht, das Internet zu zensieren. Passt nicht zusammen? Sieht Google auch so. Außerdem seien die Anschuldigungen nicht haltbar, verstoßen zum Teil sogar gegen geltendes Gesetz. Deshalb wendet sich Google nun an den Bundesgerichtshof, um zum einen gegen Jim Hood vorzugehen und zum anderen noch einmal zu erläutern, welche Maßnahmen Google ergreift, um Raubkopien vorzubeugen.

Gesetze wie SOPA sind meisten nicht für alle Beteiligten gut. Im Fall von SOPA hätte das Gesetz eine einfache Zensur im Internet ermöglicht, ein Zustand, den kein Nutzer wirklich will. Dass sich die MPAA hinstellt und die bösen Raubkopien – die meiner Meinung nach wesentlich weniger finanziellen Schaden verursachen als von Rechteinhabern oft hochgerechnet wird – als Mittel zum Zweck hernehmen kann, ist eigentlich schon wieder witzig, wenn es nicht so einen gefährlichen Hintergrund hätte. Dass hier gegen Google geschossen wird, ist nachvollziehbar, die Suchmaschine bietet durch ihre weite Verbreitung einfach eine riesige Angriffsfläche.

Auf jeden Fall ist dieser neue Versuch der MPAA kein gutes Zeichen für das Internet als Gesamtheit. Sicher bedarf es gewisser Regeln und Gesetze, damit Rechte der Einzelnen gewahrt werden können. Eine weltweite Vernetzung bedeutet aber auch weltweiten Informationsaustausch, den möchte man sicher aufrecht erhalten und nicht durch Lobbyisten wegzensieren lassen. Weitere Informationen zu diesem Thema findet Ihr in dem Google Blog-Post, sehr interessant, wenn man sich auch für die Hintergründe interessiert.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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7 Kommentare

  1. Wieso erwähnt der Artikel nicht, was Google denn eigentlich vorgeworfen wird?

  2. „attorney general of Mississippi“ ist der Generalstaatsanwalt von Mississippi und der hat fast nichts zu sagen vielleicht sollte man das klarstellen

  3. Natürlich Stimmen die hochgerechneten zählen nicht. Ich denke das die meisten, die „illegale“ Websites nutzen dies tun, weil sie a) nicht genug Geld haben um die Filme oder Musik zu kaufen oder b) dies aus bewusstem Protest gegen die gier von Hollywood und co. tun..

    Ich denke das die Mehreinnahmen, welche durch die Austrocknung des illegalen Marktes erzielt werden würden eher sehr gering wären!

    Dieses rumgeheule auf hohem Niveau (Schauspieler etc. verdienen immer noch Millionen, während ehrliche arbeiter gerade mal genug bekommen um über die Runden zu kommen) ist einfach lächerlich und armselig!

  4. „Ich denke das die meisten, die “illegale” Websites nutzen dies tun, weil sie a) nicht genug Geld haben um die Filme oder Musik zu kaufen oder b) dies aus bewusstem Protest gegen die gier von Hollywood und co. tun..“

    Ne, einfach weils kostenlos ist. Das Argument ist, dass die Leute die Raubkopien runterladen die FIlme eh nicht gekauft hätten.

  5. @iruwen

    genau das habe ich doch gesagt, aber halt gründe dafür genannt 😉

  6. Vllt. sollte Google einfach mal die 6 Studios und deren Filme nicht mehr in der Suche berücksichtigen… da will ich mal sehen was dann passiert… wahrscheinlich jammern die sofort und laut wegen verbotener Zensur 😉

  7. Eigentlich ist die große Marktmacht Googles gar nicht so schlecht.

    Bis auf das Thema Datenschutz kämpft Google an vielen Fronten auf der selben Seite, wie es viele Bürger auch täten, scheint mir.

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