Google gewinnt gegen Oracle, Java-APIs in Android unter Fair-Use-Policy verwendet

Google App Artikel LogoDer seit nunmehr 6 Jahren andauernde Streit zwischen Google und Oracle hat vorerst ein Ende gefunden. Oracle warf Google vor, Java-APIs unrechtmäßig zu verwenden, Google berief sich auf die Fair-Use-Policy, die das ohne Zahlungen an Oracle ermöglichen würde. Nun kam das Gericht zu einer Entscheidung, Google nutzt die Java-APIs im Rahmen der Fair-Use-Policy, Oracle geht also als Verlierer aus der Sache. Zahlungen seitens Google sind nicht zu leisten. Vorbei dürfte es damit aber nicht sein, Oracle hat bereits anklingen lassen, die Entscheidung anzufechten. Da Google als Gewinner hervorgeht, gibt es auch keine Entscheidung über mögliche Zahlungen, da diese ja nicht zu leisten sind.

Es stand eine Summe von 9 Milliarden Dollar im Raum, aber das ist ein klassischer „was wäre wenn“-Fall. Die hohe Summe geht wohl daraus hervor, dass Google 37 APIs von Oracle verwendet. Das summiert sich dann doch recht flott. 2012 entschied ein Gericht, dass APIs generell nicht mit einem Copyright versehen werden können, die Entscheidung wurde jedoch in einem Berufungsverfahren gekippt.

Für kommende Android-Versionen wird sich Google keine Gedanken um Oracle machen müssen. Ab Android N setzt Google auf die Open Source Version OpenJDK. Bringt zwar für den alten Fall und die alten Android-Versionen nichts mehr, in Zukunft sollte Google damit aber auf der sicheren Seite sein.

(Quelle: ArsTechnica)

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12 Kommentare

  1. George99 says:

    Ein Sieg der Vernunft über die Raffgier Oracles

  2. Oracle ist wirklich ein sehr unsympathischer Laden geworden. Wer sich mal die Details zu dem Prozess durchgelesen hat wird sich sicher auch an den Kopf gepackt haben 🙂
    Haben die nix besseres zu tun als permanent Klagen zu starten, das Lizenz-Modell für ihre Datenbank total zu vermurksen, das ehemals schöne MySQL vor die Hunde gehen zu lassen und auch sonst nur Schrott zu fabrizieren ? 😀

  3. Wieso ist Oracle „ein sehr unsympathischer Laden geworden“? Larry Ellison war immer so, und seit seiner Übernahme von Sun war das schon allein an OpenOffice für jeden zu sehen. Oracle stattet übrigens auch die NSA aus.

  4. Rolf Brandt says:

    Die Entscheidung gefällt mir sehr. Stimme mit George99 überein.

  5. Jedes Objekt in der Android API ist direkt von Java (java.lang.Object) abgeleitet: https://developer.android.com/reference/java/lang/Object.html
    Google hätte ihre eigene API entwickeln können. Sie haben sich aber entschieden die von Oracle/Sun zu verwenden.

    Oracle wird sicher in Berufung gehen, sie sind per Definition im Recht. Sun hat die Java APIs nicht unter einer freizügigen Lizenz geöffnet, sondern unter GPL. Das heisst, das alle Derivate ebenfalls unter GPL zur Verfügung stehen müssen. Das sind sie aber nicht. Android ist so konzipiert dass sich Dritte (Carrier, Hersteller) den Code mit eigenen proprietären Änderungen nutzen können.
    Sun hat schon immer gesagt dass Google Java entweder frei verwenden könne, wenn die GPL eingehalten wird, oder ansonsten die IP lizenzieren muss. Google ist die einzige Firma, die so agiert (nichts neues). Jeder andere Hersteller, der in der Vergangenheit Java IP auf seinen Geräten eingesetzt hat, ist ein Lizenz-abkommen mit Sun und später Oracle eingegangen. Und das sind im Grunde alle grossen Player wie Moto, HTC, Sony Ericsson, Samsung, LG, Nokia, RIM (Blackberry), etc.
    Google verletzt die GPL und Oracle’s Rechte and den APIs. Das hat Larry Rubin auch frühzeitig erkannt und die verantwortlichen Managr bei Google frühzeitig gewarnt. Hier ist eine seiner Emails: http://www.groklaw.net/pdf3/OraGoogletrialexhibits/2012-04-24/0230.pdf

  6. PS: Ob die Summe, die im Raum steht, gerechtfertigt ist, kann man natürlich anzweifeln. Der Zug war für Sun/Oracle zum Zeitpunkt als Google diese dumme Entscheidung getroffen haben schon längst abgefahren. So viel Schadenersatz ist ungerechtfertigt.

  7. Gratulation an Google, kommt uns allen zugute!

  8. Eine Schande, dass die API einer Open-Source-Library nicht Open sein soll. Hoffen wir, dass das jetztige Urteil Bestand hat. Schon wegen Fair Use und gesundem Menschenverstand.

    Mit raffgierigen Abzocker-Firmen wie Oracle sollte man keine Geschäfte machen.

  9. Die Vernunft hat sich durchgesetzt. Ein wichtiger Sieg für alle Entwickler und die gesamte Softwareindustrie.

    Würde Oracle mit so einer Abzockmasche durchkommen, müsste jede Codezeile eines Entwicklers von einem Anwalt überprüft werden.

  10. Mit solch generellen Dingen wie Codezeilen von irgendwelchen Entwicklern hat der Fall überhaupt nichts zu tun. In dem Fall geht’s um eine konkrete Technologie, die Java IP und ob sich Google bedient hat.
    Die Arbeit von Entwicklern wäre durch die Entscheidung des Richters gefährdet, dass APIs nicht mit einem Copyright versehen werden können. *Das* würde im Grunde die Praxis, Codezeilen unter einer oder mehrerer Lizenzen zu veröffentlichen, ad absurdum führen und wurde aus gutem Grund schnell gekippt.

  11. @Kalle, naja, es geht schon um Codezeilen, oder nicht:
    https://majadhondt.wordpress.com/2012/05/16/googles-9-lines/

    Und überhaupt:
    http://blog.fefe.de/?ts=a9b9ae64

  12. Ellison ist zwar ein Unsympath vor dem Herrn und Oracle ein übler Laden, aber da hat er wohl doch mal recht. Google verletzt die GPL bei Android laufend selber. Trotzdem ist die *Nutzung* einer Schnittstelle nicht lizenzpflichtig, sei sie nun in Hardware oder wie hier, in Software.

    Oracle wird sicher weiter klagen, bis der Chefdenker von dem Verein an Altersschwäche stirbt. Ist ja nicht sein privates Geld, was er da verbrennt.