Google: Android erhält eine virtuelle Braille-Tastatur

Die Brailleschrift macht blinden Menschen das Lesen und Schreiben möglich. Bislang wird hierfür zur Verwendung am Smartphone oder Computer eine physische Braille-Tastatur benötigt, welche extern dann natürlich immer angeschlossen werden muss.

Google schafft mit einer neuen TalkBack-Braille-Tastatur eine direkte Android-Integration für eine virtuelle Braille-Tastatur. Google möchte damit Informationen universeller zugänglich machen und Barrierefreiheit schaffen.

Das Ergebnis: Eine Punktschrift, welche im Standardlayout mit 6 Tasten kommt, wobei jede Taste einen von 6 Schriftpunkten darstellt. Angetippt geben diese einen beliebigen Buchstaben oder ein beliebiges Symbol.

Um ein „A“ zu tippen, würden Sie Punkt 1 drücken und um ein „B“ zu tippen, die Punkte 1 und 2 zusammen.

Wie gewohnt, ploppt die Tastatur jedes Mal dann auf, wo Texteingabefelder zu finden sind. Wie mit einer normalen Tastatur ist es neben der Texteingabe auch möglich Buchstaben oder Wörter zu löschen, sowie neue Zeilen einzufügen. Ebenso lässt sich zwischen internationalen Tastaturen wechseln. Google weist darauf hin, dass während der Texteingabe TalkBack-Gesten nicht funktionieren.

Die TalkBack-Braille-Tastatur startet ab heute für Android-Geräte ab Android 5 oder höher und unterstützt die Braille-Schrift der Klassen 1 und 2. Zu Beginn ist nur eine englische Tastatur verfügbar. Die Braille-Tastatur kann in den Android-Einstellungen im Abschnitt Barrierefreiheit (TalkBack) eingeschaltet werden, zur Einrichtung wird diese über ein Tutorial dem Nutzer näher gebracht.

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Felix Frank

Baujahr 1995. Technophiler Schwabe & Student auf Lehramt. Unterwegs vor allem im Bereich Smart Home und ständig auf der Suche nach neuen Gadgets & Technik-Trends aus Fernost. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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10 Kommentare

  1. Und wie genau soll ein blinder Mensch nun wissen, wo auf dem Display die Punkte sind?
    Irgendwie ist das ein typisches Beispiel für „gut gemeint ist nicht gut gemacht“.

    • Ich gehe davon aus, dass einige Entwickler und Gestalter sich viele Tage lang Gedanken darüber gemacht haben. Wahrscheinlich auch in Kooperation mit Blinden Menschen. Diese haben ein ausgezeichnetes Vorstellungsvermögen mit hervorragendem räumlichen Vertändnis.

      Ich bin mir auch sicher, du hast dich mit einem blinden Menschen darüber unterhalten, die Software getestet und mehr als nur zwei Minuten darüber nachgedacht, bevor du diesen Kommentar geschrieben hast und ihn nicht so „abfällig gemeint, wie er rüber kommt“.

    • Daniel Däschle says:

      Vielleicht über Vibration

    • Einfach die Hände wie abgebildet auf das Display legen, dann passt es automatisch.

  2. Ich habe fast 20 Jahre bei einem
    Anbieter von Hilfsmitteln für Blinde
    gearbeitet…ich kenne diese Gruppe
    daher sehr gut.Deshalb weiss ich aus
    meiner beruflichen Erfahrung heraus,dass
    die meisten Blinden überhaupt keine Brailleschrift können.Ein Kollege sagte
    mal was von 80% aller Blinden die mit
    Braille nichts anfangen können.Die
    meisten nutzen andere Systeme.

    Kurz: Ganz nett,aber etwas anderes(z.B. Leitsysteme)wäre sinnvoller gewesen.

    • Ich betreue seit ca. 15 jahre Projekte für Blinde in einem Großkonzern mit mehr als 200000 Mitarbeiter in Deutschland. Wir nutzten bis Win 7 das Progamm Magic und nun seit der Umstellung auf Win 10 Zoomtext mit Brailtastatur. Unsere Mitarbeiter kommen damit sehr gut zurecht. Es ist eine Frage der Übung und auch Schulung. Dann klappt dies sehr gut. Unsere Sehbehinderten sind von 60 – 100 % blind.

      • Natürlich kommen eure sehbehinderten Mitarbeiter mit eurer Technik gut zurecht – sonst wären sie ja keine Mitarbeiter bei euch. Selbst wer als Sehbehinderter in einer Behindertenwerkstatt beschäftigt ist oder werden möchte muss eine gewisse Produktivität an den Tag legen, sonst kann er kein Beschäftigter sein.

        Was ist denn eigentlich aus den haptischen Displays geworden, welche vor einigen Jahren mal in der Entwicklung gewesen sein sollen? Da sollten sich Teile des Displays nach außen oder innen wölben können. Das wäre hier womöglich genau die richtige Lösung.

    • Ach Mist. Die hätten dich vorher fragen sollen. Jetzt ist es zu spät.

  3. Die Kenntnis der Brailleschrift ist zum Teil eine Frage der persönlichen Vita: wer von Geburt an blind ist oder in jungen Jahren erblindet ist lernt diese i. d. R. auf Blinden- und Sehbehindertenschulen. Wer erst im höheren Alter blind oder hochgradig sehbehindert wird – und das ist die übergroße Mehrheit diser Personengruppe , einfach durch altersbedingte Augenerkrankungen – lernt Braille oft nicht oder nur als eben „Notbehelf“. Das ist aber auch gar nicht die Frage die über die Sinnhaftigkeit dieser Eingabemöglichkeit entscheidet. Sondern einfach die Wahlfreiheit für Menschden mit Seheinschränkungen das für sie persönlich am besten geeignete Werkzeug wählen zu können. Also ein guter Schritt. Gibt es gut funktioniererend unter iOS übrigens schon lange , also wirklich nichts was nicht funktionieren würde. Das Programm erkennt die Aufsetzpunkte der Finger und erstellt danach die Zeichen. Wer da gut geübt ist kann u. U. schneller mit dieser Tastatur Eingaben erledigen als mit dem Querz-Bildschirmkeyboard.

  4. Ich bin selber Blind und nutze die Braille Eingabe schon seit Apple diese vor einigen Jahren in iOS bzw. VoiceOver integriert hat.
    Dank dieser Eingabemöglichkeit ist es mir deutlich schneller möglich Texte zu schreiben als mit der virtuellen QWERTZ-Tastatur.
    Das Google hier endlich nachzieht wurde höchste Zeit, aber Android ist generell nicht ganz so weit wie iOS, wenn es um Zugänglichkeit für blinde Nutzer geht.
    Wenn Google sich bei der Braille Eingabe ein Beispiel an Apple genommen hat bin ich mir sicher wird es ein großer Schritt in die richtige Richtung von Android für blinde User sein.

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