Google äußert sich zu Android-Beanstandungen der Europäischen Kommission

artikel_android_nDie Europäische Kommission hat Google immer mal wieder im Visier. Seit April auch Android, es geht um vorinstallierte Apps und die Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung. Google kündigte schon vor ein paar Tagen an, sich bald dazu äußern zu wollen und macht dies nun auch ausführlich im hauseigenen Blog. Google möchte durch die Ausführungen klarstellen, dass Android nicht für weniger, sondern für mehr Wettbewerb sorgt und die Europäische Kommission offensichtlich nicht so ganz versteht, um was es eigentlich geht. Schon die Basis, nämlich dass Android und Apple (iOS) keinen Wettbewerb führen, sei eine falsche Annahme.

Sogar die Europäische Kommission selbst habe in einer Umfrage von 89 Prozent der Befragten die Antwort erhalten, dass Android und Apple konkurrierende Systeme sind. Das könne man nach Meinung von Google nicht einfach ignorieren und Google als alleinstehend auf dem Smartphone-Markt behandeln. Der zweite Punkt richtet sich an die Fragmentierung, die eine Gefahr für ein System darstellt, von Google aber so gut wie möglich unter Kontrolle gebracht wird. Zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Herstellern.

So soll gewährleistet bleiben, dass Entwickler – ein wichtiger Teil des kompletten Ökosystems – eine gleiche Basis haben, ihre Apps automatisch auf tausenden unterschiedlichen Geräten laufen, obwohl Hersteller Android eben relativ flexibel abändern können. Hersteller können oberhalb dieser Basis letztendlich machen, was sie wollen, nur darunter dürfen sie nicht gehen, eben damit die generelle Funktionalität erhalten bleibt.

Der dritte Punkt sind die vorinstallierten Apps. Google liefert diese zwar aus, allerdings sei kein Hersteller gezwungen, diese App-Suite auch zu nutzen. Sie bietet den Herstellern aber die Möglichkeit, Nutzern ein vertrautes App-Angebot zu liefern. Google erklärt auch, dass Hersteller sogar direkt neben den Google-Apps, gleichartige Konkurrenz-Apps installieren dürfen, etwas das weder bei Windows Phone, noch bei Apple der Fall ist.

Außerdem sei es für den Nutzer sehr einfach, vorinstallierte Apps zu ersetzen. Europäische Nutzer laden während der Nutzung eines Gerätes im Schnitt 50 Apps herunter. 2015 wurden 65 Milliarden Apps heruntergeladen, das entspricht 175 Millionen Downloads am Tag. Und seit 2011 gab es 15 Milliarden App-Downloads von Apps, die denen der Google App Suite ähnlich sind, kein Nutzer muss also die Google Apps verwenden.

Die vorinstallierte Suche und der Google Play Store sind wiederum Googles Methode, um Android zu finanzieren. Google bietet Android den Herstellern kostenlos an, sie müssen keine Gebühren dafür bezahlen, bekommen aber alles an die Hand, um ihre Hardware mit einem Betriebssystem zu versehen. Das sorgt für niedrigere Gerätepreise, sowohl beim Hersteller als auch beim Verbraucher.

Zu guter Letzt stellt Google noch heraus, dass das Vorgehen der Europäischen Kommission ein falsches Signal senden könnte. Nämlich eines, das geschlossene Systeme bevorzugt. Open Source funktioniert durch eine Balance der Bedürfnisse aller Beteiligten. So würde ein Eingreifen oder gar eine Bestrafung nur dafür sorgen, dass nicht nur Google geschädigt wird, sondern auch Hersteller, Entwickler und letztendlich der Kunde, der dann eventuell teurere Geräte kaufen muss.

Insgesamt ist das schon eine sehr deutliche Ansage von Google, die man sich ruhig auch einmal im Original durchlesen kann. Wird spannend sein, wie die Europäische Kommission darauf reagiert, im Klartext hat Google der Kommission ja einfach nur Unfähigkeit vorgeworfen. Nicht unbedingt ungerechtfertigt, wie ich meine.

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Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

13 Kommentare

  1. Kaum auszudenken, wenn IBM Linux gegen SCO in Europa hätte verteidigen müssen – da leistet Google jetzt Entwicklungshilfe in Europa, wo derzeit auch überall die Bezahlschranken zurückkehren.

  2. Einfach mal im Text Google durch Microsoft ersetzen und schauen, ob die Meinung dieselbe bleibt. Aber Google sind natürlich die Guten, dass ich nicht lache.

  3. Lustige Aussage. Monopolgesetze bzw. Ausnutzung einer markbeherrschenden Stellung gilt wohl für manchen Blogger nur wenn Firmen unbeliebt sind?

  4. Wolfgang Denda says:

    „Google bietet Android den Herstellern kostenlos an“
    Das findet Oracle bestimmt total klasse, und freut sich auf die Nachzahlungen.

  5. Frickel-Pit says:

    Die Europäische Kommission! Es gab Zeiten, da hatten Bürokraten mit Ärmelschonern nichts zu melden. Gute, alte Zeit.

  6. DIe Argumente Googles sollten jedem mit auch nur etwas Gehirnmasse einleuchten.

    Bei der EU-Kommission hab ich da allerdings so meine Zweifel.

    Wie immer, kann man nur die Schweizer beneiden, dass sie sich selbst von diesem Käfig voller Narren verschont haben.

  7. Google wird hier wegen seinem OpenSource System angegangen, das jede Firma binärkompatibel mit eigenen Logos ausliefern kann (und zB Amazon tut das ja auch), aber Google bekommt Monopolismus Vorwürfe und Microsoft kann seit 30 Jahren ungeschoren walten (und diese Browser Strafe war doch ein Witz und viel zu spät). Und jetzt lese ich hier ernsthaft in Kommentaren ausgerechnet in diesem Zusammenhang befürworter von Microsoft? Mich wundert in dieser Wert nicht, dass Trump gewonnen hat, wenn selbst die einfachsten Zusammenhänge immer noch zu schwierig für manche sind! 😉 lieber blind nachplappern von dem was man kennt…

  8. Der Eingangssatz machte bereits deutlich, daß der Artikel pro Google sein wird. Und man wurde nicht enttäuscht.
    Die Monopolausbeutung beruht darauf, daß man den Playstore nur nutzen kann, wenn man die Google App-suite installiert. Friß oder Stirb Methode nennt man das.

  9. Ach, Fraggle, und jetzt vergleich das mal mit der Situation bei dem Unternehmen mit dem Biotonne-Logo.

    Dort kannst du denn AppStore natürlich nutzen, ohne das ganze Apple-Zeugs installiert zu haben, oder? Und natürlich kannst du dir auch den Anbieter/Herstellers des Gerätes innerhalb einer riesigen Auswahl aussuchen, bist also nicht an einen einzigen Hersteller mit einer eng vorgegebenen Auswahl (Motto: Friss oder Stirb) gebunden?

    Frag dich einfach mal, wie der Smartphone-Markt heute ohne Android mit einem Apple-Monopol aussehen würde, und was das für Vielfalt-statt-Einfalt, Individualität-statt-Konformität und vor allem für die Preise, die Konsumenten zu zahlen hätten, bedeuten würde.

  10. Wolfgang Denda says:

    @Kirk
    Wär doch mal lustig, Apple zu zwingen, als Alternativsystem für jedes Smartphone ein Image bereitzustellen. Oder Microsoft, mit Windows Mobile.

    Unterm Strich tut die Konkurrenz durch Android zu anderen Mobilsystemen dem Markt insgesamt gut. Sonst würde die Oberfläche von IOS bestimmt immer noch wie beim ersten Iphone aussehen.

  11. @Fraggle: Ja genau, und dass Microsoft seit Jahren Internet-Explorer, Media-Player etc. mitliefert, inzwischen auch eigene Stores, sein Dokumentenformat möglichst inkompatibel hält, PC Hersteller einst untersagt hat, andere Browser aufzuspielen, wenn man Windows verkaufen will (vergleich Android: Jeder kann zusätzlich andere Browser aufspielen oder ganz auf die Zusammenarbeit mit Google verzichten und Android trotzdem nutzen)… usw.. ich könnte Stunden weiter schreiben, aber habe nicht das Gefühl, dass Argumente deine Meinung ändern könnten…

  12. Die EU ist so sehr darauf fixiert, Google zu schaden und es abzuwickeln, das ihr jeglicher Realitätssinn abhanden gekommen ist. Im Interesse der Europäer entscheiden? Wieso denn? Das bringt dich kein Geld rein?!?

  13. @Wandrer: Es geht bei diesem Google-Bashing der EU um deren Umsonstkultur und um Neid auf die Werbeeinnahmen. Maßgebliche Druckmacher sind etwa Mathias Döpfner, der gegen Google Axel Springers Kampf gegen sein 68er-Klischee fortsetzen will. Nahezu alle Verlage haben in ihrer konservativen bis reaktionären Bräsigkeit keine Geschäftsmodelle für das Internet entwickelt un fühlen sich ohnmächtig wegen ihrer Abhängigkeit, Leser über die Google-Suche zu bekommen, wie die zunehmenden Bezahlschranken zeigen. Dies unsäglichen albernen Versuche, Google wegen Android zu drücken sind leider Ausdruck von derart aufgestauten Haß, zumal OpenSource die einzige Chance der Europäer wäre, in der IT überhaupt nochmal mitzuspielen.