FDP würde Öffentlich-Rechtliche in Deutschland gerne reformieren

Klingt nach einer überfälligen Idee, die aber möglicherweise dem Populismus dienen soll: Die FDP möchte gerne den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland reformieren. Zu ausufernd und kostspielig sei das aktuelle System, das zudem mehr und mehr in direkte Konkurrenz zu privatwirtschaftlichen Unternehmen trete, was eigentlich nicht so sein sollte. Kritik an den Plänen hagelte es jedoch aus den eigenen Reihen und auch von anderen Seiten bereits.

Laut der Westdeutschen Zeitung fordern Teile der FDP, das Angebot der Öffentlich-Rechtlichen auf Informationen und Kultur beschränken. Damit sollen dann auch Personalabbau und ein niedrigerer Rundfunkbeitrag verbunden sein. Ich persönlich kann diese Forderungen nachvollziehen, denn es müssen nachmittags sicher nicht die x-te Seifenopfer oder abends der hundertste Regionalkrimi vom Rundfunkbeitrag finanziert werden. Das kann man auch dem Privatfernsehen überlassen.

Laut einem Änderungsantrag für das Wahlprogramm wünsche sich die FDP einen „schlankeren öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR), der sich primär auf Nachrichten, Kultur, politische Bildung und Dokumentationen konzentrieren soll“. Die Annahme war erfolgreich aber knapp – mit 185 zu 179 Stimmen. Dagegen war z. B. der FDP-Generalsekretär Volker Wissing. Kritik gab es auch vom Deutsche Journalisten Verband, der hier Populismus witterte. Die Rundfunkpolitik liege bei den Bundesländern, man frage sich, warum die FDP also im Bundestagswahlprogramm damit kokettiere.

Die FDP kritisiert hingegen zusätzlich die Internet-Angebote des ÖRR, denn die Konkurrenz mit privaten Presse- und Medienhäusern sei nicht Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der FDP-Innenpolitiker Stephan Thomae allerdings plädierte vielmehr dafür den  ÖRR zu stärken, um Desinformationskampagnen einzudämmen. Da dürften Kritiker aber wohl einwenden, dass auch der ÖRR nicht immer ausgewogen und korrekt informiert, wie in der Vergangenheit z. B. Frontal 21 mit reißerischen Beiträgen über Videospiele zeigte. Und auch die Berichterstattung über die damalige Umstellung des Beitragsmodells war von irreführenden Aussagen geprägt.

Jeder wird da seine Meinung haben. Ich selbst bin durchaus für den ÖRR in Deutschland, bewerte das aktuelle System allerdings auch als zu teuer und zu komplex. Eine Reduzierung auf Information und Kultur würde ich daher ebenfalls befürworten – zudem eine Entschlackung der Verwaltung. Am Ende würden davon die Beitragszahler profitieren und langfristig auch der ÖRR selbst, da Akzeptanz und Relevanz wieder steigen würden.

In diesem Artikel sind Amazon-Links enthalten. Durch einen Klick darauf ge­lan­gt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalten wir ei­ne kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts.

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

Neueste Beiträge

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.

89 Kommentare

  1. Als erster Schritt könnte man die vielen Unterkanäle zusammenstreichen, gefolgt von der Abschaltung der SD-Kanäle.
    Für 2030 erwarte ich dann den Plan zum Einstellen des linearen Sendebetriebs über die DVB-x Plattformen.

    • Mira Bellenbaum says:

      So, so, Sie wollen den ÖRR also abschaffen! Denn nur so ist Ihr Kommentar zu verstehen.

      Und in welcher Form (HD oder SD) ausgestrahlt wird, tut doch erst einmal nichts zur Sache!
      Schon einmal daran gedacht, dass es Menschen gibt, die gar keinen HD-Empfang haben?

  2. Meine Stimme haben sie.
    So wie Rainald Becker auf Twitter reagiert hat geht gar nicht.
    Deutschland braucht eine liberale Stimme

    • Eine liberale Stimme braucht Deutschland, richtig, aber nicht die der FDP. Die hängen ihr Fähnchen immer in den Wind. In der Opposition sind sie viel wertvoller als in der Regierung.

      • Da können sie wenigstens keinen Unsinn verzapfen…

        • Cullen Trey says:

          Da kann man momentan aber auch gut alle anderen Parteien parken …
          Da geht es doch momentan wieder mehr um Stimmenfang als um sinnvoll zukunftsgerichtete Politik, und um Absicherung der eigenen finanziellen Zukunft.

    • Hallo Martin, also willst Du mir als blindem menschen Unterhaltungssendungen mit Audiodeskription wegnehmen? Denn AD ggibt es bei den privaten nicht. Genausowenig wie Gebärdeneinblendungen für Gehörlose. Aber das war die FDP ja immer gut , „das zudem mehr und mehr in direkte Konkurrenz zu privatwirtschaftlichen Unternehmen trete, “ das zeigt wessen Lied die FDP singt . Menschen mit Behindderung finden in der FDP nicht statt . Und deren Interessen ich denke nur an den Widerstand gegen ein gutes Teilhabegesetz das auch _private_ Anbieter verpflichtet Angebote barrierefrei zu gestalten spricht für sich. Auch Unterhaltung , und sei es eine Soap oder ein krimi , sind etwwas das zur Kultur gehört genau wie eine Oper oder ein Theaterstück. Diese Unterscheidung „U“ und „E“ z. B. in der Musik finde ich eh einen Anachronismus. Und wenn Kultur: dann überlege mal bitte: welche Sendeanstalten unterhalten eigene Klangkörper , also Symphonie-, Jazz- oder tanzorchester? RTL? SAT1? Erst (nach-)denken dann FDP/AfD -Sprech nachplappern bitte .

  3. Bin da ganz deiner Meinung.

    Wir schauen mit den Kindern viele Programme des ÖRR.
    zB Sesamstraße, Sendung mit der Maus, Sendung mit dem Elefanten, dass Baumhaus oder das Sandmännchen.
    Ich selbst höre diverse Podcast oder schaue die Tagesschau.
    Aber sonst ist nicht viel davon zu gebrauchen was die so produzieren und ausstrahlen.

    • Schön, dass damit alles klar ist. Kleiner Tipp: Wenn die Eltern mit Kindern nicht im Kleinkindalter genauso herangehen wie du, wirst du wohl selbst für Baumhaus und Co. sorgen müssen (Maus mal ausgenommen).
      Wenn man eine große Masse bedienen will, muss für jeden etwas dabei sein, aber nicht jeder muss auch alles mögen bzw. Kommunizieren. Die Vielfalt ist bunt.

      • Korrektur: sollte „konsumieren“ statt „kommunizieren“

      • Mir muss nicht alles gefallen. Dafür gefällt es anderen. Da stimme ich dir vollkommen zu.
        Aber wenn man ehrlich ist, ist es zurzeit echt übertrieben.
        Wir brauchen nicht 21 verschiedene lokale TV Programme, die oftmals das gleiche Programm zur gleichen Zeit senden. Das ganze aufteilen auf 5 Regionen (Nord, Ost, Süd, West und Mitte) sollte eigentlich dicke Reichen.
        Ebenso brauchen wir nicht 70 öffentliche Radiosender.

        Die Gehälter die die Zahlen und dann die Rentenausgaben der ÖR. Das ist der reine Wahnsinn.
        Es gehört einfach zusammengestrichen.
        Und dann sind alle wieder Glücklich mit dem ÖR.

  4. Und meine Oma soll dann den ganzen Tag Nachrichten oder Netflix schauen oder wie? Mal aus dem eigenen kleinen Dunstkreis rausschauen, es sind nicht alle Mittdreißiger. Eine Grundversorgung sollte für jeden etwas parat haben.

    • Gibt ja noch die Privaten für Trash!

      Es scheint als hätten einige eine vollkommen falsche Vorstellung des Begriffs Grundversorgung.

      Dieser aufgeblähte, definitiv nicht unabhängige Apparat gehört gnadenlos gestutzt und neu aufgestellt.

      Insofern bin ich hier ganz bei der FDP.

      • Weil jede Serie „Trash“ ist, richtig? Der FDP geht es hier doch einfach nur um Lobbyismus für die Privaten, weil die durch Netflix & Co. schon leiden. Ein starker ÖR-Rundfunk tut dann gleich doppelt weh, besonders wenn man Wert auf eine gewisse Qualität legt. Da kommen die Privaten nicht mehr hinterher mit ihren Trash-Formaten und xten-Wiederholungen.
        Wäre vielleicht auch eine Option für die Privaten, ihre zig Ableger mal etwas zusammenzustreichen.

      • Was heißt denn hier schon wieder „definitiv nicht unabhängige Apparat“?
        Bitte um Aufklärung.

    • Komisch bei den Printmedien klappts doch auch. Da ist auch niemand gezwungen irgendeine Zeitung zu nehmen sondern kann sich zwischen FAZ, über Süddeutsche bis hin zur regionalen Zeitung alles aussuchen. Warum soll das nicht beim TV klappen.

      • Insbesondere bei Regionalzeitungen klappt es nicht mehr. Auch hier wurde schon überlegt analog zum ÖR eine Grundversorgung abzusichern. Das fände ich als Kompromiss eigentlich ganz gut. Rundfunk etwas komprimieren und lokalen Journalismus stärken.

    • Cullen Trey says:

      Du hast da leider was falsch verstanden, die Öffentlichen sind nie für eine Grundversorgung gedacht gewesen.
      Die haben einen Informations- und Bildungsauftrag. Und sie sind von der Regierung entkoppelt, damit sie diesem Auftrag politisch neutral nachkommen. Mit einer Bespaßungs-Grundversorgung haben die nichts zu tun.

    • Die Oma kann die Kiste auch einfach mal ausschalten, so wie jeder andere. TV ist nicht lebensnotwendig, im Gegenteil: Ohne TV würde es sicher vielen Leuten besser gehen. Von mir aus also gerne komplett abschaffen, ÖRR und private gleich mit.

  5. „Eine Reduzierung auf Information und Kultur würde ich daher ebenfalls befürworten – zudem eine Entschlackung der Verwaltung.“
    Dies und eine Reform, die Regierungsferne herstellt, die Sendergremien in der Hinsicht demokratisiert, dass Organisationen, die althergebrachte, im Vergleich zur tatsächlichen gesellschaftlichen Bedeutung überrepräsentierte Gruppen vertreten, auf ein realistisches Maß zurechtgestutzt werden und zudem eine Anhebung des Informationsniveaus von entsprechenden Sendeformaten im Bereich Dokumentationen (weg von bevormundender Infantilisierung, weg von der Sendung mit der Maus für Erwachsene). Es wäre auch schön, wenn weniger oft der Eindruck erweckt würde, die Zukunft dieser Gesellschaft bestünde in dem kuhwarmen Glück eines Agrarstaates und stattdessen zur Abwechslung einmal das Augenmerk auf Forschung in Wissenschaft und Technik gelegt und diese Themenbereiche auch entsprechend attraktiv für die Jüngsteren gestaltetet würde. Ein wenig mehr Zuversicht in die Zukunft wäre auch mal nicht schlecht, oder?
    Ganz zu schweigen von einer Gebührensenkung.

    • Hier ist sicher Funk gemeint. Gibt es schon.

    • Hallo qbrick, mehr Wissenschaft und Technik – noch nie Deutschlandfunk oder Deutschlandfunk Nova gehört? Von – gerade ja auch zur Diskussion gestellten – Dritten TV-programmen oder DreiSat mal ganz abgesehen – da laufen viele gute dokus , und das nicht nur über technische Fragen sondern auch über Gesellschaftswissenschaften, Soziologie und so weiter – Themen die genau so wichtig sind. Und : Unterhaltung ist auch Kultur . Und damit auch Teil der Grundversorgung. Auch der Abend-Krimi ist – und war übrigens immer – Teil einer lebendigen Kultur , egal ob als Paperback auf dem nachttisch oder als 90-Min-Film im Fernsehen. Und zur Begründung warum gerade in Deutschland ein öffentlich-rechtliches – nicht staatliches , das ist ein Unterschied – rundfunkwesen gestaltet wurde empfehle ich ein Geschichtsbuch über die Rolle des Rundfunks im III. Reich und die Lehren die man daraus gezogen hat. Gerade die Regionalisierung des ÖR sollte verhindern daß es wieder zu einer Gleichschaltung des Rundfunks in der BRD kommt. Als „Gegenbeispiel“ in einem teil nachkriegsdeutschlands sei hier ein Studium des Rundfunkwesens in der DDR empfohlen. So hätte man es auch machen können – pro Forma viele programme die alle doch nur eines waren. Der ÖR ist , gerade in zeiten von Fake-news in den (A-)Sozialen medien ein notwendiges Bolllwerk zur Veersorgung mit redaktionell gut recherchierten Beiträgen . Ja auch ich bin für Änderungen z. B. gänzliche Werbefreiheit im ÖR – das könnte helfen ihn noch unabhängiger von Lobby-Interessen der wirtschaft zu machen . Dann hätte man ein gutes gänzlich werbefreies programm – und ich sehe bzw. in meinem Fall höre lieber einen krimi , ja auch das ist Grundversorgung – ohne viertelstündliche werbeunterbrechungen – denn unterbrechungsfereie Sendungen sind schon eine Qualität an und für sich .

  6. Naja… bei „das kann man den privaten überlassen“ bin ich nicht dabei.
    Es ist in Ordnung, wenn auch ÖRR Krimis, Talk und wegen mir auch Soap und Sitcom produzieren.

    Ich könnte mir nur vorstellen, dass die Kräfte auch gebündelt werden könnten. Es wirkt ja teils so, als würden sich ARD, ZDF, „Dritte“ … konkurrieren, im Wettbewerb stehen… obwohl sie doch alle öffentlich gefördert / finanziert werden. Ja ich weiß, dass es Gemeinschaftsproduktionen gibt – warum es aber an manchen Tagen auf nahezu ALLEN Sendern NUR Sportsendungen geben muss – und zwar verschiedene(!) die am Ende aber alle dasselbe zeigen, erschließt sich mir nicht. Wenn die verschiedene Sportarten im Fokus hätten würde ich das verstehen… wenn es aber überall gefühlt nur um Fußball geht, dann würde auch eine Sendung genügen.

    Private Sender habe ich seit einigen Jahren so gut wie gar nicht mehr eingeschaltet. Die Werbung ging mir zunehmend auf den Keks und inzwischen gibt es im Dorf auch schnelles Internet, so dass plötzlich On-Demand (Mediathek, Prime, Netflix) technisch möglich wurden. Wenn ich also wirklich etwas sehen(!) möchte, kann ich den Film oft auch dort finden und ohne Werbung schauen … und wenn ich nur etwas zum dösen auf dem Sofa brauche, dann finde ich etwas in der Mediathek

    • „warum es aber an manchen Tagen auf nahezu ALLEN Sendern NUR Sportsendungen geben muss – und zwar verschiedene(!) die am Ende aber alle dasselbe zeigen, erschließt sich mir nicht.“

      Ganz einfach weil Konkurrenz in der Regel die Qualität verbessert. Wenn die Sendestatistik zeigt, dass alle ZDF-Sport schauen und kaum einer ARD-Sport werden die sich überlegen was sie besser machen können. Wenn es ZDF-Sport nicht gäbe würden alle gezwungenermaßen ARD-Sport schauen (weil besser als gar kein „kostenfreier“ Sport) und die Qualität würde sich nicht verbessern.

      • Gerade beim Sport ist dieses Argument aber eher schlecht. Wer z.B. kein Fußball mag, wird nicht plötzlich ARD statt ZDF schauen, weil die Kommentatoren dort besser sind. Außerdem ist das Argument von ÖR ja gerade auch, dass man sich nicht nur auf das konzentriert, was die höchsten Zuschauerzahlen garantiert.

        Persönlich würde ich es bereits begrüßen, wenn man auf den Kauf von Sportrechten verzichtet. Der Breitensport darf gerne unterstützt werden, aber es müssen keine Millionen für die CL ausgegeben werden, wenn solch ein Programm auch bei RTL oder Sat1 funktioniert.

  7. Eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird es (im Sinne einer Verschlankung) niemals geben. Wer sägt denn den Ast ab auf dem er sitzt?

    9 Landesrundfunkanstalten plus ZDF plus Deutschlandfunk sind 11 wunderbare Gebilde, in denen ungeliebte und/oder überflüssige/unfähige Mitarbeiter der mittleren Verwaltungsebene bestens bis zur Pensionierung geparkt werden können.
    Selbstverständlich in einer höheren Besoldungsstufe als im alten Job.

    Ich bin eigentlich ein Freund der Öffis und sehe ihren allgemeinen Beitrag durchaus mit Wohlwollen, aber die Verwaltung der „Anstalten“ ist ein Sumpf aus Parteipolitik und Postengeschacher par excellence.

  8. Wolfgang D. says:

    Da sieht man nur, wie verzweifelt auf der Jagd nach mehr Wählerstimmen diese Gelbe Gefahr aus dem Westen, mitsamt dem Populistenhäuptling, ist.

    Die Hypeversuche unserer „keine Steuern für Besserverdienende“ und „Freiheit und Wohnraum nur für Wohlhabende“ Lobby+Medien zeigen also noch nicht genug Erfolg, jetzt muss ein Thema mit Breitenwirkung her? Traurig ist nur, wie mancher altgediente FDP’ler aus der Genscher-Schule immer noch gute Miene zum bösen Spiel mitmacht.

    Klar muss das ÖR dringend reformiert (=verkleinert) werden, aber wer stimmt schon gegen den eigenen Arbeitsplatz? Ähnlichkeiten mit der Sitzplatzverteilungsreform im Bundestag sind da sicher nicht rein zufällig.

  9. Ich empfinde die ÖR als sehr angenehme alternative zu den Privaten.
    Die Kritik an den „regionalen Krimis“ kann ich nicht ganz nachvollziehen. Gerade die regionalen Produktionen machen doch einen großen Reiz der ÖR aus. Das betrifft ebenso das regionale Frühstücks- und Nachmittagsprogramm.
    Nicht jeder möchte Tag ein Tag aus die flachen amerikanischen Inhalte der Privaten konsumieren.
    Auch die vielen europäischen Produktion auf zB. The One oder ZDF Neo sind oft schauenswert.
    Ja, die ÖR haben ihre Fehler und Schwächen, aber im Großen und Ganzen möchte ich nicht auf sie verzichten.

    Und das schreibe ich als ehemals echter Fan der Privaten. Aber die immer dümmeren Inhalte, man muss es wirklich so sagen, und der immer höhere Werbeanteil haben das Konsumieren dieser Sender für mich echt unmöglich gemacht.
    Für mich gibt es fast nur noch Streaming und die ÖRs.

    • Es ist auch völlig legitim dass Sie Alles oder nur Teile des ÖR gut finden. Aber ich beispielsweise finde Netflix und Youtube Premium auch toll. Ich käme aber auch nicht auf die Idee Andere deswegen zahlen zu lassen. Erst durch das Bezahl/Belohnungssystem würde nur noch das ausgestrahlt was die Leute sehen wollen.

      • Um eine Analogie zu ziehen.
        Auch bei Amazon Prime, Netflix und Youtube Premium zahlt man andere Inhalte mit, die man nicht konsumiert. Anders könnte man schwächere Formate auch nicht finanzieren.

    • Ich möchte auch ungerne auf die ÖR verzichten – liegt einfach daran, das 90% des von mir geschauten Live-TV bei den ÖR ist und der Rest dann auf alle anderen Sender fällt – meist dann Motorsport bei Motorvision und Co.
      Ob es sein muss, das der WDR hier bei uns gefühlt 20 Lokalstudios haben muss, wo jedes am Tag knapp 35min Sendezeit für ihre Region liefern, ist da ein andere Sache – in meinen Augen kann da gewaltig reduziert werden.
      Und ob es sein muss, das verschiedenen Sendungen ihre eigenen Reporter zu einem Ereigniss schicken, könnte auch mal besser geplant werden – ein Reporter der alle Sendungen bedient + Kamerateam reicht da vollkommen aus.

      • Hallo Thomas , nein gerade das ist Vielfalt – ein Ereignis, mehrere Stimmen , Kamera-Einstellungen, Redaktionen.. so entsteht vielfältiger Lournalismus, egal ob in Politik, Sport oder Yellow Press – und das Publikum hat die auswahl sich aus diesen verschiedenen Blickwinkeln auf dieses eine ereignis seine eigene meinung zu bilden. mehr Redaktionen, mehr aktive Reporter und Rechercheure , weniger Verwaltung in den nicht-produzierenden Bereichen der Sender . So würde ich reformieren.

  10. Konstantin says:

    Sehe ich aus so, wie die FDP. Gerade so Sachen wie Traumschiff oder die zig YouTube Channels haben ja garnichts mehr mit dem Grundgedanken gemeinsam. Auch braucht man keine zwei Kanäle mit ARD und ZDF.

    • Ahja. Und dann wird gemeckert, dass die ÖR zu altbacken seien und die Jungen nicht erreichen, ihrem Auftrag also nicht nachkommen. Sie sollten mal mehr ÖR schauen, um Ihren Horizont zu erweitern…

  11. A) kann man ja erstmal viel fordern, wenn man nicht in der Regierung sitzt und
    B) wünsche ich jetzt schonmal viel Spaß damit in Karlsruhe, für den unwahrscheinlichen Fall, dass die FDP in die Lage geraten sollte, das umzusetzen. Die Klagen werden mit Sicherheit kommen und die Erfolgsaussichten für die Sender stehen gar nicht mal schlecht. Das Bundesverfassungsgericht hat in diversen Urteilen über die letzten Jahrzehnte immer wieder die Freiheit des ÖRR von politischem Einfluss, nicht nur mit Bezug auf das Programm, verteidigt. Es wurde unter anderem geurteilt, dass der ÖRR die Aufgabe hat, die Grundversorgung sicherzustellen und dass die Grundversorgung nicht mit einer Minimalversorgung gleichzusetzen ist. Auch Unterhaltung ist ausdrücklich Teil des verfassungsmäßigen Sendeauftrags. Zudem kann privater Rundfunk niemals den ÖRR ersetzen oder verdrängen, da der ÖRR für die Grundversorgung zuständig ist und alle privaten Programme erst nach Erfüllung dieser Grundversorgung zulässig sind (privater Rundfunk wurde überhaupt erst durch ein Urteil des BVerfG zugelassen, vorher war nur ÖRR erlaubt).
    Einfach mal ein bisschen die Nase in die Rundfunkurteile halten https://de.m.wikipedia.org/wiki/Rundfunkentscheidung

  12. Die Aufgabe der Landesrundfunkanstalten gehört seit vielen Jahren reformiert. Viele denken ja noch immer, es gäbe einen Bildungsauftrag. Dabei ist der Rundfunkstaatsvertrag nach dem 2. Weltkrieg so angelegt worden, dass er alle medialen Bedürfnisse des Deutschen abdeckt. Da hat die FDP, Populismus hin oder her, absolut Recht, dass man hier mit jährlich garantierten acht Milliarden Euro eine Marktmacht geschaffen hat, die in direkter Konkurrenz zu einer privatwirtschaftlichen Presselandschaft steht, die ebenso wichtig ist. Dabei ist die Konzentration auf bestimmte Bereiche der Berichterstattung bei den ÖR richtig und wichtig. Denn der Zugang zu Informationen soll die politische Teilhabe ermöglichen. Zum Beispiel in Form einer informierten Teilnahme an einer Wahl. Dazu braucht es aber nicht den Saarland-Krimi oder Liebesschnulzen.

    Und nehmen wir mal die „alles dichtmachen“-Aktion der deutschen Schauspieler. Also gerade der Personen, die jedes Jahr nicht nur durch den Rundfunkbeitrag und die Filmförderung aus Steuergeldern garantiert Arbeit haben. Und die es anders herum ohne diese staatliche Förderung in diesem Umfang gar nicht geben würde.

    Faszinierend, was wir uns das in Deutschland kosten lassen. Förderung bis zur Bedeutungslosigkeit.

    • So viel Weitsicht… angenommen wir machen alles so, sind Sie sicher einer der ersten, der vom „Deutschen Kulturverlust“ klagt, weil es keine deutschen Schauspieler, Filme, … mehr gibt. Die Privaten werden weiterhin vornehmlich einkaufen. Ist einfach billiger als selbst zu produzieren.

      Wo wir dabei sind: streichen wir alle kulturellen Subventionen. Scheiss auf Kinos, Theater, Museen, … alles streichen. Ist zu teuer. Diese bedeutungslose Förderung braucht keiner.

  13. … und zack hat Böhmermann die FDP mit der AfD vereint. Ich bauche das nicht. Entweder der ÖR verschwindet komplett oder eine riesige Reform zerlegt das Ding in seine Einzelteile.

    • Köstlich. Hat man keine Argumente, zieht man die AFD Karte. Der Typ ist echt ein Witz.
      Wie hat es Herr Liefers so treffend formuliert.
      „Wenn ich sage 2+2=4, ist das richtig, auch wenn jemand von der AfD zustimmt“

    • Zum Glück wird man ja nicht gezwungen, eine bestimmte Sendung zu schauen. Und zum Glück kann man (ab jetzt) bestimmte Menschen und dumme Kommentare ignorieren. ¯\_(ツ)_/¯

  14. Also bei mir reduziert sich das Schauen auf „Wer weiß denn sowas“ und hin und wieder Tagesschau sowie Fußball wenn es dort kommt.. Problem bei ÖRR ist er stinkt vom Kopf wie ein Fisch. viel zu aufgeblähte Verwaltung. Dazu kommen noch die für mich überzogenen Altersruhegelder.

  15. MrTrebron says:

    Wer der FDP in dem Punkt Populismus vorwirft, hat sich nicht besonders tief mit dem Thema bei der FDP beschäftigt.

    • Wolfgang D. says:

      @MrTrebron „in dem Punkt Populismus vorwirft“
      Du meinst, es ist schlicht Rache, weil Die Gelben mit ihren fünf Mitgliedern (2015, 3%) nicht genug Pöstchen in der stärksten Gruppe der Räte (Parteien) besetzen können?

    • Warum sollte sich überhaupt jemand mit der FDP tiefgründig beschäftigen, wenn sich die FDP selbst nie tiefgründig mit irgendetwas beschäftigt?

      Ich kann jeden Lösungvorschlag der letzten und der kommenden Jahre vorhersagen: Der Markt regelt das schon.

      Dass dieses Prinzip für gesellschaftliche und soziale Entwicklungen und selbst für eine faire Lohnentwicklung im „freien Markt“ nicht stimmt, weiß man mittlerweile. Aber wenn man diese wissenschaftlichen Erkenntnisse anerkennen würde, hätte man als FDP ja gar keine Lösungen mehr anzubieten. Doof.

      Beste Lösung: FDP Abschaffen. Sind unbedeutend, tragen zu keinerlei Lösungen bei und kosten den Steuerzahler unnötig Geld. Dabei ist auch noch der Unterhaltungswert grottig. Dauerschleife vom Rumpelstilzchen. Toll.

      • Konstantin says:

        Gute Idee – alle die anderer Meinung sind abschaffen. Die FDP gehört ja nur nicht zu den fünf größeren Parteien in Deutschland.

  16. Was ich streichen würde: Muss jede Stadt einen eigenen Sender haben? Muss z b die sportschau gleichzeitig auf allen 3. Programmen laufen? Muss man diese Wiederholungssender haben auf denen immer das gleiche jahrelang abläuft? Muss man die unseligen Talkshows und Kochsendungen wirklich in allen Sendern ausstrahlen?

    • Ich denke auch, dass es (wahrscheinlich historisch bedingt) für die „alten Bundesländer“ zu viel regionale Sender gibt.
      Für die „neuen Bundesländer“ gibt es nur zwei für „Mitteldeutschland“, den MDR und RBB.
      Da könnte man sicher einiges zusammen legen. Und das auch beim MDR. Den auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu splitten finde ich etwas übertrieben.

      • Warum eigentlich? Diese „regionalen“ Ableger von WDR, MDR, NDR & Co. versorgen nun einmal die Regionen. Da läuft zu 80% dasselbe Programm und die restlichen 20% werden mit lokalen Inhalten gefüllt, z.B. mit Lokalnachrichten.
        Selbst der Tatort Dortmund läuft nicht nur auf WDR Dortmund, sondern auf allen. Jetzt kann man natürlich darüber nachdenken, ob die Sendeplätze wirklich so teuer sind. Aber auf regionale Nachrichten würde ich persönlich nicht verzichten wollen. Die Kombination aus „Aktuelle Stunde“, „Lokalzeit“ und „Tagesschau“ oder „ZDF heute“ ist schon charmant.

        Statt 30 Minuten „Lokalzeit WDR“ habe ich 30 Minuten „Lokalzeit Köln und Umgebung“. Und nicht nur 5 Minuten innerhalb einer gesamten Lokalzeit 😉

        Wie gesagt: Kostenfrage. Kostet es wirklich so viel mehr Geld, diese Sendeplätze zu belegen und ist die Produktion von lokalen Nachrichten wirklich etwas, dass man streichen sollte.

    • Na ja, Wiederholungssender verbrauchen ja wenig Geld, dafür können vom linearen TV abhängige Leute verpasste Sendungen anschauen.
      MMn, sollen sie ein Streaming-Dienst a la Netflix basteln, wo man alles von ÖRR sowohl live, als auch aus der Mediathek gucken kann, ohne drölf verschiedene Apps installieren zu müssen.

      • Wolfgang D. says:

        @Alex „ein Streaming-Dienst a la Netflix basteln“
        Lange nicht nachgeschaut? Da passiert bereits was.

        ARD App, ZDF App, dito Mediathek. Nur an der Zeitverzögerung, bis die gerade verpassten Nachrichten in der Mediathek speziell am WE auftauchen, sollten die noch arbeiten. Ach ja, und das „fehlende Rechte“ Schildchen, welches aber die kommerzielle Inhaltemafia verschuldet, nervt.

      • Also auf meinem ShiledTV bekomme ich das mit zwei apps hin (ARD und ZDF)

  17. Sagen wir mal so, dass das Konstrukt und die Kosten der öffentlichen Sender vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist sollte außer Frage stehen. Ihren Grundauftrag könnten sie auch mit 10 Prozent des aktuellen Budgets locker erfüllen.

    • Ist das so, dass es außer Frage steht?
      Wer beurteilt das? Anhand welcher Maßstäbe oder anhand welcher Vergleichsmöglichkeiten?
      Nur weil man bestimmte Positionen immer wieder wiederholt, bekommen sie ja nicht mehr Substanz.

      • Vergleichen Sie mal das Budget der BBC mit dem Budget des ÖRR in Deutschland.

        • Wolfgang D. says:

          @Jatzinka „Budget der BBC mit dem Budget des ÖRR“
          Das kommt davon, wenn man nicht tatsächlich vergleicht, statt bloßer Behauptung.

          Wikipedia, und vor zehn Jahren war es danach in DE grob geschätzt sogar für die Haushalte günstiger:
          „Die Hauptquelle der Finanzierung der BBC besteht in TV-Lizenzen, die jeden britische Haushalt £145,50 (etwa 165 Euro) pro Jahr kosten (seit April 2010)“

          • Wolfgang D. says:

            Ok, 215,75€ Jahres-GEZ * 0,8558 GBP (vom 15.5.2010) waren 2010 mit 185GBP dann doch *etwas* teurer. Die 165€ oben beziehen sich auf einen aktuellen Wechselkurs, weil Wikipedia das wohl automatisch umrechnet.

  18. Der Rundfunk sollte gnadenlos zusammengestrichen werden, soviele Spartensender und Kanäle und wir alle bezahlen das.

    Lieber weniger Programm und dann hochwertiger. Genau wie die 1000de Radiosender. Das muss nicht sein! Oder man privatisiert den ganzen Verein, wenn ich nix mehr dafür zahlen muss könnnen die gerne auch noch 2000de TV stationen eröffnenn.

  19. Sch0penhauer says:

    Die Reaktion von Rainald Becker ist bezeichnend.

    Wer einen Sumpf trockenlegen will darf nicht die Frösche fragen.

    Der ÖRR als Auffangbecken für R2G Jünger gehört dringend reformiert. In der Welt steht heute ein passender Kommentar zu der gesellschaftlichen Spaltung. Die Moralisierung des Lebensstils muss aufhören.

  20. Vielen Dank für den schönen Artikel …

    … aber: Was verbirgt sich hinter dem Kürzel FTP? Gute journalistische Tradition gebietet die Erklärung einer Abkürzung bei ihrem ersten Auftreten.

    • File Transfer Protocol. Aber darum gehts ja hier gar nicht.

      • Nochmals vielen Dank. Ich hatte erst kurz den Verdacht, dass es sich um eine politische Partei handeln könnte. Es gab da mal eine für die das Kürzel passen würde, aber die ist längst unter diversen 5-Prozent-Hürden in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwunden und wird sich unmöglich zu Wort melden. Würde ja auch niemanden interessieren, daher ist sicher etwas Technisches gemeint.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Es werden alle Kommentare moderiert. Lies auch bitte unsere Kommentarregeln:

Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen. Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte - gerne auch mit Humor.

Du willst nichts verpassen?

Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren.