Facebook: Extra-Team in Berlin räumt in den Kommentaren auf

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In Deutschland hat das soziale Netzwerk in den vergangenen Monaten viel Kritik dafür geerntet, dass auf der Plattform nicht ausreichend mit Hasskommentaren aufgeräumt werde. Zu diesem Thema hatte sogar unser Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), Stellung bezogen und Facebook schwere Vorwürfe gemacht. Offenbar sah man sein Image in Gefahr, denn Facebook kommt nun tatsächlich einer Forderung von Maas nach: Ein gesondertes Team räumt nun extra in Deutschland in den Kommentaren auf. Für diese Arbeit hat Facebook die Bertelsmann-Tochter Arvato  in Berlin beauftragt. Das „Lösch-Team“ prüft gemeldete Kommentare und löscht sie im Falle des Falles.

Dabei will man sich nicht lumpen lassen, denn die Rede ist von einer dreistelligen Mitarbeiteranzahl, welche nun bei Facebook Hasskommentare lösche. Die Facebook-Sprecherin Tina Kulow hat das Vorgehen gegenüber dem Spiegel erklärt:

„Mit dieser Investition möchte Facebook dafür sorgen, dass Meldungen von Inhalten, die gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstoßen, noch effektiver bearbeitet werden können.“

Allerdings ergibt dieser Schritt für Facebook auch anderweitig Sinn: Auch in Deutschland eindeutig rechtswidrige Kommentare blieben bisher oftmals im sozialen Netzwerk einfach stehen. Vermutlich wurde Facebook des Lösch-Bedarfs bisher schlichtweg nicht Herr. Denn zwar kümmern sich vier „Community Operations Teams“ an den Standorten Dublin, Kalifornien, Texas sowie Hyderabad in Indien um gemeldete Kommentare, doch sind die Teams für alle Länder verantwortlich, in denen Facebook aktiv ist.

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Die Forderungen nach mehr Moderation seitens Facebook wurden, wenn wundert es, vor allem wegen eines Aspekts lauter: Im Zuge der Flüchtlingskrise nahmen die rassistischen und rechtsradikalen Kommentare auf deutschen Facebook-Seiten drastisch zu. Zwar werden täglich volksverhetztende Beiträge gemeldet, nur selten erhalten die meldenden Nutzer aber mehr als eine Standardantwort. Zumeist erfolgt die Rückmeldung der jeweilige Kommentar verstoße nicht gegen Gemeinschaftsstandards.

Das Lösch-Team in Berlin soll allerdings in Zukunft nicht nur Deutschland betreuen, sondern sucht auch Mitarbeiter, die fließend Französisch, Arabisch, Türkisch oder Schwedisch sprechen. Man darf gespannt sein, ob dadurch wirklich eine spürbar effizientere Betreuung für die Kommentare erfolgt.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

19 Kommentare

  1. Zensur nennt man nun als „Moderation“. Spannend.

  2. @Patrick: Nicht alles was gelöscht wird ist Zensur. Wenn Kommentare gegen ein Gesetz verstoßen ist ein Löschen völlig legitim. Auch wenn Kommentare gegen Netiquetten verstoßen, weil sie Beleidigend sind. Viele verwechseln ja leider Meinungsfreiheit mit der Freiheit alles zu sagen und zu allen aufzurufen. Dem ist nicht so und deswegen gibt es den 2. Abschnitt im Artikel 5, der besagt, dass diese Freiheit ihre Grenzen hat.

    Ist aber auch ein gesundes Grundverständnis, meiner Meinung nach. Die eigenen Freiheiten hören dort auf, wo ich andere Freiheiten und Rechte verletze. Easy.

  3. Danke Martin, besser hätte ich es nicht ausdrücken können.

  4. Es wäre toll, wenn Facebook auch eine Meldeoption gegen beleidigende Kommentare einfügen würde. Wenn jemand einen anderen User oder nicht anwesende Person derb unter der Gürtellinie beleidigt gibt es dafür keine Option, sofern kein Hass, Gewalt, etc. darin vorkommt.

  5. Martin

    Ist aber schön das du zur Rechtfertigung deines Zensurbedürfnisses kleine infantile Sprechblasenbildchen benötigst. Zeigt das mentale Niveau ausgezeichnet an.

    Sven

    Meinungsfreiheit bedeutet sagen zu können was man möchte. Es bedeutet eben nicht, nur noch das sagen zu dürfen was du hören möchtest. Wenn du nicht in der Lage bist in der Erwachsenen Welt klar zu kommen, kann ich das verstehen. Nur erwarte bitte nicht das andere schlicht immer nur noch das sagen was du hören willst. Und der vorgeblich besorgte Ton hier um unangemessene Kommentare. Das gg schränkt deine Meinungsfreiheit möglicherweise dahingehend ein, weil Mordaufrufe tatsächlich strafbar sind. Jedoch und das ist ja der Kasus knaxus, reicht es hier schlicht die entsprechenden Strafgesetzbuch Paragraphen anzuwenden. Den Zensurbedürfnissen von Leuten wie Dir als auch der des Autors entspricht das jedoch nicht. Deswegen wird ja bewußt eben nicht auf bestehende Paragraphen zurückgegriffen. Es geht um weiche Zensur. Die bewußt nicht sichtbar durch selbsternannte private Blocksatz erfolgen soll, ohne gesetzliche Grundlage. Damit eben der Zensierte keine Möglichkeit hat, sein Recht notfalls einzuklagen. Damit schließt sich der Kreis zur Diktatur dann auch endgültig. Hasskommentar ist schlicht der schlecht kaschierte Kinderpornozensurversuch 2.0.

    Timo

    Dein Kommentar ist der Beste von allen. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben hatte dafür schon die richtigen Worte gefunden :

    „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“

    Ich finde das bringt es in deinem Fall wunderbar auf den Punkt. Und weißt du was das wirklich lustige ist? Dieser „Hasskommentar“ ist im Grunde heute noch so aktuell wie damals. 🙂

  6. Spatz: Keine Ahnung, wie Du darauf kommst mich als Denunzianten und Lump zu beleidigen. Zeigt jedenfalls nicht gerade von geistiger Intelligenz und Reife und macht eine weitere Diskussion mit Dir auf Deinem niedrigen Niveau sinnlos.

  7. „Diskutiere nicht mit Idioten, denn sie ziehen dich auf ihr Niveau und schlagen dich dort mit Erfahrung!“ 😀

  8. Hoffentlich ist nicht gleich jede einwanderungskritik ein hasskommentar.
    Und hoffentlich gilt das auch für linke hasspostings und deutschenfeindlichkeit.
    Das unser Justizminister auf dem linken Auge blind ist ist ja kein Geheimnis.

  9. Spatz:
    Es ist keine Zensur weil FB kein Staat ist und das Unternehmen auf seiner Seite löschen kann, was es will. Der Begriff „Zensur“ wird seit einiger Zeit, insbesondere aus einer gewissen ‚besorgten‘ Ecke inflationär gebraucht und verwässert.
    Du hast auch kein Recht irgendein Recht auf Veröffentlichung bei Facebook einzuklagen. Die steht es aber frei, jeglichen Müll auf deiner privaten Seite zu publizieren solange du keine bestehenden Gesetze brichst.

  10. @Spatz & Markus: Danke für Eure Kommentare. Absolut Richtig.
    Keine Zenzur. Nirgends. Nur so geht es.

  11. ja, dann wird alles was nicht regierungskonform und nur im ansatz kritisch oder unbequem ist zenisert!

  12. @spatz, danke, dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

  13. Lieber Spatz, bitte teile mir doch den Standort Deines Autos mit, ich würde darauf gern ein paar politische Statements sowie Werbung für mein Unternehmen anbringen. Darf ich nicht? Zensur!

  14. @Joe:

    Facebook = Prinzip besteht aus Posten von Meinungen.
    Auto = Prinzip besteht aus Transportation von Personen von A nach B

    Man merkt wie eingeschränkt deine Denkweise ist.

    Meinungsfreiheit ÜBERALL!
    Eine Demokratie muss das aushalten.

  15. Ich hoffe sehr, dass die Damen und Herren bei FB mit Bedacht handeln und nicht jeden Kommentar löschen, der politisch nicht ins Konzept passt.

  16. @Eric

    1. Gilt im Privaten das Hausrecht. Niemand hat das Recht, von mir nicht rausgeworfen zu werden, wenn er in meiner Wohnung Bullshit von sich gibt.

    2. Die „Meinungsfreiheit“ von der ich spreche, ist die des Grundgesetzes. Und von dieser sind auch weder Falschbehauptungen, Hetze, Beleidigungen oder Gewaltaufrufe gedeckt.

    Insofern: „Meinungsfreiheit“ – sehr gern. Auch kontroverse. Da bin ich bei Voltaire. Das bedeutet allerdings nicht, ohne Einschränkung alles überall von sich geben zu können.

  17. Und ein Bertelsmannsunternehmen entscheidet in Zukunft was opportun ist und was gelöscht wird. Grandiose Idee.

  18. Ich wandre aus nach China, da werde ich in meiner Meinungsfreiheit nicht so eingeschränkt wie hier in dem mittlerweile zum Lachstaat gewordene BRD. (Ironie Ende)