Ex-Google-Chef Eric Schmidt kritisiert Huawei scharf

Eigentlich gilt: Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. So hat Google nicht unbedingt den Ruf, die vorbildlichste Firma aller Zeiten zu sein. Dennoch kritisiert der ehemalige Chef des Unternehmens, Eric Schmidt, nun den chinesischen Hersteller Huawei scharf. Er erklärt, Huawei bedrohe die nationale Sicherheit der USA und habe sich in „inakzeptablen“ Geschäftspraktiken ergangen.

Dennoch mahnt Schmidt, man sollte sich im Westen nicht komplett von China abwenden, das sei auch keine Lösung. Stattdessen sollte man den Wettbewerb wagen. Dazu sollte man aber auch wissen, dass Schmidt mittlerweile Vorsitzender des Pentagons Defence Innovation Board ist. Er ist also für das US-Militär tätig. Entsprechend ist seine Kritik angesichts dieses Backgrounds vielleicht nicht allzu verwunderlich.

Der Milliardär führt aus: „Es ist keine Frage, dass Informationen von den Huawei-Routern am Ende in Hände gelangt sind, welche wohl die chinesische Regierung aufgehalten hat.“ Man sei sich nicht sicher, wie genau das passiert sei – dass es passiert sei, das wisse man aber. Diese Vorwürfe erhebt die selbst sehr Spionage-freudige US-Regierung immer wieder, legt bisher aber keine Beweise vor. Huawei weist die Anschuldigungen seit jeher zurück.

Schmidt äußert auch ein paar kluge Worte: Das größte Problem des Westens liege aktuell darin, dass man schlichtweg nicht mit vielen Produkten aus China mithalten könne. Er selbst habe viele Vorurteile gegen China über die Jahre mitgeschleppt, das sei aber ein Irrglaube gewesen: „Sie sind sehr gut darin Dinge zu kopieren, sie sind sehr gut darin Dinge zu organisieren und sie beauftragen eine Masse an Menschen mit der Arbeit daran. Aber sie machen nichts Neues. Sie sind sehr, sehr gut darin zu stehlen, könnte man sagen. Doch das sind Vorurteile, die wir über Bord werfen müssen.“

Warum? Schmidt ergänzt: „Die Chinesen sind gut, vielleicht sogar besser als der Westen, darin, in Schlüsselgebieten zu forschen und Innovationen zu entwickeln.“ So investiere China mehr Geld in die Forschung und entwickle aufgrund der Leitung durch den Staat sehr effizient. Da müsse man sich im Westen nun zusammenreißen, um sozusagen die Kurve zu kriegen. Laut Schmidt sei das chinesische Modell der staatlichen Regulierung nämlich nicht von sich aus besser, als der freie Markt im Westen.

Man müsse etwa den internationalen Austausch mehr nutzen – da sei es bedenklich, dass gerade jetzt Nationalismus in vielen Ländern zunehme. Man müsse zwar in Wettbewerb miteinander treten – aber nicht innerhalb des Westens, sondern als Einheit gegenüber China, wolle man westliche Werte auch in der Software und in Entwicklungen, etwa im Bereich künstliche Intelligenz, widergespiegelt sehen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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17 Kommentare

  1. Würde der Donald das Geld, was er in seine Mauer zu Mexiko investieren will, mal in die Forschung stecken, wäre dem amerikanischen Staat in dieser Frage des „Aufholens von China“ schon etwas geholfen … 😉

    Aber man muß ja Prioritäten setzen… 😉

    • Du hast dich sicher darüber informiert warum die Mauer eigentlich gebaut wird? Damit meine ich nicht die Berichte der deutschen Medien.

      • Kläre uns bitte auf?

        @Michael: überhaupt was die USA alles ins Militär investieren…

      • Die Mauer soll gebaut werden, damit Trump sein Wahlversprechen erfüllt hat – und wiedergewählt wird. Damit seine „Rednecks“ und „Fanboys“ ihn feiern können.

        Aber ganz sicherlich nicht, weil damit die Probleme gelöst werden können, welche die USA vielleicht in Ihrer Gesellschaft oder mit ihren Nachbarn haben ….

        Das hat schon bei anderen Mauern nicht funktioniert….

    • Welches Mauer-Geld? Das einzige was real passiert, ist dass Trump den schon von Obama gebauten Zaun an einigen Stellen reparieren laesst. Aber es wird nichts gebaut, das in irgendeiner Weise der versprochenen Mauer aehnelt.
      Leider laesst Trump sich viel zu sehr von Javanka beeinflussen und setzt seine Versprechen nicht mehr um.

  2. „Schmidt äußert auch ein paar kluge Worte“
    Haha – diese Abtrennung von Blabla und Inhalt finde ich grandios 😀

  3. Wir wissen ja spätestens seit den Enthüllungen von Snowden, dass alle US-Firmen eng mit der Regierung und Geheimdiensten zusammenarbeiten.
    Und das sie vor allem auch der Wirtschafts- und Technologiespionage der US-Dienste zuarbeiten.

    Hinzu kommt, dass Google durchaus wirtschaftliche Konkurrenz befürchten muss.

    Da wundert doch nicht, das Schmidt nach dem Motto handelt: wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

    Hier gibt es nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.
    Die dummen Europäer sind ja zu sehr in nationale Egoismen und Interessen gespalten.

  4. Nichts genaues zu den Vergehen von Huawei weiß man nicht. Vordergründig geht es gegen die Chinesen, aber rein sachlich lese ich konstruktives zur weiteren Zusammenarbeit. Vielleicht eine Chance für die Zukunft?

  5. Ach wenigstens internieren die USA nicht Millionen von Menschen auf Grund ihrer Kultur. Ist ja schonmal etwas…

  6. Wolfgang D. says:

    „sondern als Einheit gegenüber China“
    Und schon haben wir verloren.

  7. Huawei ist Privateigentum und hat daher gegenüber Kapitalistischen Aktiengesellschaften den unfairen Vorteil das Gewinne nicht so wichtig sind und auch keine Aktionäre gefüttert werden müssen. Huawei kann fast die kompletten Einnahmen in die Forschung stecken da der Eigner bereits genug Geld zum leben hat.

    In China gibt Planungen die z.T. Jahrzehnte in die Zukunft gehen in westlichen Firmen ist das übernächste Quartal weit entfernte Zukunft.

    • Und das ist eins der Kernprobleme des Westens. Ich will Sozialismus nicht für gut heißen, mir ist nur schleierhaft wie hier zwei unterschiedliche Systeme ernsthaft in Wettbewerb treten können?

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