EU fordert angesichts des Home-Office-Booms ein „Recht zum Abschalten“

Das Europäische Parlament setzt sich aktuell mit einem „Right to Disconnect“, also einem Recht zum Abschalten auseinander. Es ist Gegenstand von Diskussionen, da dieArbeit im Home-Office aktuell für viele Menschen die Grenzen zwischen Beruf und Privatem noch mehr verwischt. Dabei soll festgehalten werden, dass Angestellte abseits ihrer Arbeitszeiten nicht weiter mit beruflichen Aufträgen malträtiert werden.

Kennen wir alle, die „Always On“-Kultur, welche eben sowohl gute als auch schlechte Seiten hat. Für Arbeitgeber ist es fein, wenn ihre Angestellten auch außerhalb des Büros greifbar sind. Kann ja auch in Ordnung sein, wenn es da mal um eine kurze Rückfrage geht und das Verhältnis zum Chef entspannt ist. Doch wenn ein Angestellter plötzlich quasi 24 Stunden auf Bereitschaft ist und nie ganz abschalten kann, dann wirkt sich das psychisch und eventuell auch physisch aus.

Einerseits sei es laut einer Mitteilung des Parlaments natürlich exzellent, dass Arbeitsplätze durch das Home-Office in der Corona-Krise gerettet worden seien. Andererseits seien viele Menschen dadurch unvorbereitet in die Heimarbeit gewechselt und auch viele Arbeitgeber seien darauf mit ihrer Firmenpolitik nicht ideal eingestellt. Es gelte die Balance zu halten. Oftmals würden die Mitarbeiter nun um andere Arbeitszeiten werkeln – oder mehr Arbeiten als zuvor im Büro.

Demnach würden Menschen im Home-Office mit mehr als doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit Überstunden leisten wie Menschen, die im Büro der Firma säßen. Erholungsphasen seien aber entscheidend, um die Gesundheit und auch die Leistungsfähigkeit zu erhalten. Deswegen müsse es ein neues Gesetz geben, das sich dieses Umstandes annehme. Man habe die EU-Kommission aufgefordert sich an ein Gesetz zu machen, dass Mitarbeitern ein Recht auf Abschalten garantiere – offline sein, wenn die Arbeitszeit vorüber ist. Zudem solle es Mindestanforderungen an die Arbeit im Home-Office geben.

Arbeitgeber aber auch Kollegen sollten demzufolge Mitarbeiter nicht mehr zu beruflichen Belangen kontaktieren, wenn die Arbeitszeit vorüber sei. Außerdem müsse die Gesetzgebung darauf achten, dass dieses Recht zum Offline-Sein / Abschalten gewahrt und eingehalten werde, ohne dass für Arbeitnehmer Konsequenzen drohen. Arbeitgebern, die sich nicht daran halten, müssten hingegen sehr wohl Konsequenzen drohen. Auch Remote-Learning, etwa Fortbildungen oder Fernlehrgänge müssten auf die Arbeitszeit angerechnet werden.

Ich bin gespannt, ob und wann man da etwas Konkretes vorlegen wird. Ein PDF mit ein paar Stichpunkten dazu gibt es hier schon.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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27 Kommentare

  1. Das Europäische Parlament sollte lieber mehr Impfstoff besorgen, um die Pandemie zu beenden.

    • Da gibt es gewiss mehr als eine „Abteilung“, die unabhängig arbeiten.

      Ich möchte Dich bitten, Corona-Themen hier raus zu halten, man wird schon wirklich überall sonst damit zugeballert und dieser Blog hier ist sowas wie eine Oase der Ruhe von diesem Thema. Danke.

    • Thomas Höllriegl says:

      -1

  2. Bitte was? In jedem zweiten Beitrag wird hier von Pandemie geschrieben. Also von Oase der Ruhe kann ich da nichts erkennen.

    • Verglichen mit anderen Portalen ist es eine

    • Das Thema ist eben auch gerade sehr wichtig. Es ist aber ein riesiger Unterschied ob irgendwo Panik verbreitet wird, irgendwo spekuliert wird oder ob ein technisches Thema die Thematik berührt.

  3. … wir schreiben das Jahr 2021 n.Chr., ganz Deutschland macht Home-Office! Ganz Deutschland? Nein, ein paar unbedeutende Arbeitnehmer müssen täglich zur Arbeit pendeln oder fahren und bezahlen jetzt noch an der tanke die CO2 Steuer extra!! Die brauchen auch ne Auszeit und haben Angst um den Job…. ich kann den ganzen Kram nicht mehr hören….

    • Ja, nach meiner Erfahrung ist das Thema Home-Office ziemlich Informationsblasen dominiert ist. Journalisten können als eine der wenigen Branchen sehr gut die Arbeit ins Home-Office verlagern und diese selektiven Eindrücke werden dadurch entsprechend breit in der Berichterstattung weitergeben.

      • Die allermeisten Bürotätigkeiten kann man wunderbar (sogar besser) größtenteils im Home Office erledigen.

        1-2 Tage pro Woche im Büro reichen vollkommen und sind auch wichtig für manche Themen und den direkten Austausch. Wenns ums konzentrierte abarbeiten von Projekten geht gewinnt aber immer das Home Office haushoch.

        • Wir arbeiten mit vertraulichen Unterlagen, die im Original vorliegen müssen. Die können wir nicht einfach mit nach Hause nehmen.

          Wenn keine Kinder Zuhause rumtoben, findet sich auch vielleicht Mal etwas Ruhe. Das Home-Office mit seperaten Arbeitszimmer gibt es in den aktuell umgesetzten Modellen auch nicht. Da verschwimmt die Grenze zwischen Arbeiten und Freizeit immer stärker. Entweder können die Arbeiter dann nicht abschalten oder schalten zuviel ab.

          • Es gibt sicher unglückliche Konstellationen, aber selbst wir haben mit zwei Personen in einer kleinen 80 qm Wohnung ein separates Arbeitszimmer in dem ich in Ruhe in meinem Home Office sitzen kann.

            Am Esstisch und um mich herum die tobenden Kinder würde ich natürlich nicht sitzen wollen, damit ist kein sinnvolles arbeiten möglich.

          • „Wir arbeiten mit vertraulichen Unterlagen, die im Original vorliegen müssen. Die können wir nicht einfach mit nach Hause nehmen.“

            Wenn das Unternehmen das sauber managed kann man „sogar“ VS-NfD mit nach Hause nehmen und an militär-Projekten arbeiten („VS-NfD-TA“ = Telearbeit), siehe zB https://www.aswwest.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/VS-NfD_Handbuch_-_v1.01_-_Published.pdf Abschnitt 5.1.2
            Das ist – bis auf begrenzte Ausnahmen – erlaubt… die Organisation muss nur wollen, sprich: entsprechende Unterweisungen und ggf. Überprüfungen durchführen.
            Kommt also auf den SiBe an…

            Und ja, das gilt auch für Papier-Akten. Da gibt es normalerweise Richtlinien hinsichtlich Transport und Aufbewahrung in verschlossenen Behältern, Schubladen o.ä. Also nichts was man nicht auch als „ganz normaler Mensch“ mit begrenztem Aufwand erfüllen könnte.

            Also: wenn die Organisation wirklich wollen würde, dann fände sich auch ein Weg.
            Aber man braucht ja nur mal die Quote der „homeworker“ in unseren Ministerien, Behörden und Verwaltungen anzuschauen – da sieht man einen Planeten auf dem die Pandemie noch nicht angekommen ist.

    • Genau, und profitieren dann von der gestiegenen Pendlerpauschale.
      Oder können mit Rad fahren wenn es ihnen zu teuer ist und gleich noch was für die Umwelt und Gesundheit tun.

      • Die Arbeitnehmer die in einer Großstadt wohnen können, unter Umständen, mit dem Fahrrad zur Arbeit. Abseits der Großstadt bleibt das allerdings ein frommer Wunsch :).

  4. Die EU sollte sich mal um wichtige Probleme kümmern als um so einen Schwachsinn.

    In erster Linie ist der Arbeitgeber dafür verantwortlich, das seine Mitarbeiter die geltenen Gesetze einhalten und dazu zählt u.a. auch ein Arbeitszeitgesetzt bei uns, welche z.b. die max. tägliche Arbeitszeit regelt ( 10h ).
    Dabei ist es vollkommen egal, ob dies im Büro geschieht oder im HomeOffice.
    Zudem sind die Mitarbeiter zur Erfassung ihrer Arbeitszeit verpflichtet, genauso auch im HomeOffice.

    Wenn der Arbeitnehmer dies dann aber nicht macht, ist es am Ende sein Problem.

    Ich mache seit 10 Jahren HomeOffice, danke Corona seit fast einem Jahr zu 100% und ich halte meine 8h Arbeitszeit ein und dann ist Feierabend, Notebook aus und weggepackt, Handy auf lautlos.
    Wer das nicht kann, sollte besser kein HomeOffice machen.

  5. Ich kenne die deutsche Arbeitsweise nicht mehr so gur (Ausgewandert 2007) aber hier bei uns in DK machen 90% der Behørdenmitarbeiter HomeOffice. Ob es Arbeitsamt, Steuer, Kommune ist … Die Mitarbeiter sitzen zu Hause und habem digital zugriff auf alles. Die Buerger rufen an (oder mailen) und reden mit Sachbearbeitern die Zu Hause im Pyjama sitzen und troyzdem alles erledigen kønnen.

  6. Mein Arbeitstag hat acht Stunden, wenn die voll sind, wird das VPN gekappt, Laptop zugeklappt, Handy in den Flugmodus und ich auf das Sofa. Ganz einfach. Die Firma schenkt mir kein Geld, ich ihr also auch keine Lebenszeit.

    • Zustimmung, Hasan. So machst du das richtig. Geht mir ähnlich. Aufgrund meines Arbeitszeitmodells habe ich z.B. regelmäßig einen Tag frei (unbezahlt). Klingelt mein Telefon an einem solchen Tag und ich erkenne, dass jemand von mir etwas dienstlich möchte, gehe ich nicht dran. Feierabend ;-).

      • Am Ende des Tages ist es auch eine Frage des persönlichen Engagement und der Bezahlung.

        Ich verdiene nicht schlecht, da habe ich kein Problem damit auch mal im Feierabend, Urlaub, Abends ans Handy zu gehen da ich weiß ich werde außerhalb der Arbeitszeit wirklich nur in Notfällen angerufen. Das passt dann durchaus.

        Würde ich irgendwo zum Mindestlohn arbeiten sähe das selbstverständlich ganz anders aus.

  7. Definiere den für mich unsäglichen, aktuell sehr mediengehypten Begriff „Home Office“.

    Ich bin in einer oberen Bundesbehörde tätig, die eben wirklich kümmerig ist. Aus verschiedenen, arbeitsschutzrechtlichen Gründen müssen hier aber Arbeitnehmer einen sog. „Telearbeitsplatz“ beantragen. Der Vorgesetzte stimmt dem, je nach Begründungs- und Sachlage zu oder lehnt es ab. Stimmt er zu, wird der Telearbeitsplatz u.U. durch zentrale Stelle genehmigt. Aber das ist kein sog. „Home Office“, da hierbei zahlreiche andere Kriterien erfüllt werden müssen. Auch stellt, bei erfolgter Genehmigung, der Arbeitgeber die erforderlichen Arbeitsmittel bereit (mobiler PC [Notebook] via VPN gekoppelt, Docking Station, Maus, Tastatur, Tischtelefon GSM mit SIM Karte, Drucker, Schreibtisch, Stuhl, usw.). Anschließend müssen vor Ort die ergonomischen Kriterien auf Einhaltung geprüft werden.

    Und das ist etwas völlig anderes als die Corona-bedingt eben oft erwähnten „Home Office“ Bedingungen: Irgendein Notebook am privaten Router am Küchentisch oder Wohnzimmer, Kinder laufen herum, zwischendrin mal Einkaufen fahren oder Rasenmähen. All das ist kein wirklicher Telearbeitsplatz, sondern „nur“ mobiles Arbeiten. Etwas ganz anderes …

    • Ich konnte vor Corona auch schon zwei Tage die Woche von zu Hause oder sonstwo arbeiten. Es wurde allerdings peinlich genau darauf geachtet, dass das nicht Home Office oder Telearbeit sonder Mobile Office genannt wird, weil erstgenanntes die Anforderungen an den von der Firma zu stellenden Arbeitsplatz mit sich bringt.
      Home Office hat sich halt im Sprachgebrauch durchgesetzt, auch wenn durch Corona jetzt nicht alle Leute Telearbeitsplätze haben. Sprache führt ihr Eigenleben und schert sich nicht um Definitionen :-).

  8. Ich bin seit März 20 zu 100% im Homeoffice, zunächst war es ungewohnt. Auch ich habe am Anfang meine 8 Stunden überzogen, die Arbeitszeit wird natürlich erfasst. Somit kann ich Überstunden sammeln, die ich hinterher beliebig abbauen kann. Nach einer Weile wurde ich aber von meinen Arbeitgeber angesprochen,
    Mehrarbeit ist aktuell nicht gewünscht und ich soll nach 8 Stunden offline gehen. Und seitdem wird das so gehandhabt, nach 8 Stunden ist Feierabend. Die Vorteile des Homeoffice überwiegen aber deutlich. Ich weiß nicht wie es anderen geht aber wir hatten zwei Autos, eins haben wir verkauft. Dadurch, dass ich nicht Pendeln muss (täglich 70 Km) tanken wir nur noch einmal alle 6-8 Wochen. Die Verpflegung auf der Arbeit fällt auch weg. Wenn meine Rechnung stimmt, waren das allein für 2020 ca 5000 € Ersparnis. Und dann kommt noch der wichtigste Punkt: Mehr Lebenszeit durch Wegfall des Arbeitswegs.

    • „Mehr Lebenszeit durch Wegfall des Arbeitswegs.“

      Das kommt viel zu kurz, korrekt.
      Ich spare pro Tag ca. 1,5h.
      Wenn ich mir nur das mal überlegen: das ist ein kompletter Arbeitstag PRO WOCHE!
      Einfach mal so übrig, quasi geschenkt.

      Ganz zu schweigen vom „mittags da sein“, viel mehr mitbekommen,…

      Also da müsste ich als Angestellter doch dumm und dusselig sein das nicht zu wollen – immer vorausgesetzt natürlich man hat den Platz, Ruhe, Internet und alle sonstigen Rahmenbedingungen.

      • Dad stimmt, auf den letzten Punkt bin ich nur kurz eingegangen obwohl es der wichtigste ist. Auch das mittags zuhause sein ist toll. Durch Vernünftige Ernährung habe ich fast unbewusst über 10 KG abgenommen. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sobald Corona unter Kontrolle ist, das Homeoffice nicht direkt abgeschafft wird.

  9. „Right to Disconnect“

    Und ich dachte bei der Überschrift die erste Sekunde es geht um Vodafone und deren dauer-gestörte Kabel-Internet-Anschlüsse.

    Pfft – wie man doch am Thema vorbei denken kann…

  10. Solte es auch für SchülerInnen geben: die werden nämlich mit hausarbeiten zugeballert . ohne Unterstützung des lernens mit echtem lehrpersonal , das also pädagogisch gebildet ist , nicht mama oder papa , und ohne lernen im Klassenverband ist das die pure Überforderung. Mein vorschlag: Wenige Aufgaben zur erhaltung des Wissensstandes , Auffrischung , und sonst einfach ein Schuljahr ausfallen lassen und wieder mit voller kraft in real Klassenzimmer. Die Kids sind nönämlich die die von ihrer Home-Office-situation am meisten überfordert sind . Hier wäre ein Recht zum Abschalten sinnvoll und weniger mehr. Ein jahr später Abitur oder Mittlere Reife tut keinem weh , weniger weh als Stress in der zu-Hause-Schule und dann doch nur mittelmäßige Abschlüsse.

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