Ende der Telefonzellen naht: Ab sofort keine Zahlung mit Münzen mehr

Telefonzellen sind mittlerweile nur noch an wenigen Standorten zu finden. Die Gründe sind klar: Die meisten Menschen besitzen mittlerweile ein Mobiltelefon und somit verfallen die Zellen weitgehend ungenutzt vor sich hin. Außerdem sind sie mit Vorliebe das Ziel von Vandalismus. Die Telekom hat nun an den letzten, öffentlichen Telefonzellen obendrein die Möglichkeit deaktiviert, mit Münzgeld zu bezahlen. Es steht also nur noch Telefonkartenzahlung zur Verfügung.

Ende Januar 2023 soll dann auch die Möglichkeit wegfallen, mit Telefonkarten zu bezahlen. Damit endet dann quasi die Ära der Telefonzellen nahezu komplett. Jüngere Leser wundern sich vielleicht ohnehin darüber. Doch in meiner Jugend war es noch normal, dass man etwa auf Klassenfahrten von der Telefonzelle aus mal daheim anrief und mitteilte, ob alles mit rechten Dingen zuging. Da die Telefonzellen öffentlich herumstanden, waren sie meistens aber nicht die dollsten Orte: verdreckt, oft defekt oder mit eingeschlagenen Scheiben gab es sie gerne zu begutachten.

Platziert waren Telefonzellen an allerlei Orten – ich selbst nutzte sie anno dazumal am ehesten an Bahnhöfen, wenn ich als Jugendlicher mal unterwegs gewesen bin. Etwa um mitzuteilen, wenn ich am Bahnhof des Zielortes angekommen war – ging vor der Handy-Ära eben nicht anders. Zuletzt standen nur noch wenige Zellen in Deutschland, die noch weniger genutzt worden sind. Die Telekom gibt daher den Betrieb im nächsten Jahr auf. Bis alle Zellen endgültig abgebaut sind, wird es jedoch noch bis 2025 dauern.

Einige Telefonzellen werden auch umgerüstet. Rund 3.000 der letzten 12.000 Telefonzellen sollen dann als Small Cells Mobilfunksignale verstärken. Einige Telefonzellen hat die Telekom an private Nostalgiker verkauft, welche sie für sich horten können, manche davon dürften auch in Museen wandern. Die richtig Retro-artigen gelben Exemplare sind aber schon länger ausverkauft. Tja, ich werde die Ära der Telefonzellen nicht vermissen – ihr etwa?

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24 Kommentare

  1. Wieder ein Schritt weiter zum kompletten Überwachungsstaat …..

    • Was hast du denn bitte eingeworfen?

    • Autsch. Man muss wohl ziemlich paranoid sein, um aus der Abschaltung ohnehin kaum mehr benötigter Telefonzellen vom Überwachungsstaat zu fabulieren. Und zu letzten Frage von André: Nein, ich werde diese Telefone nicht vermissen. Ich habe es immer gehasst, manchmal damit telefonieren zu müssen.

    • Was ein Geschwurbel 😀
      Die Teile würden nicht abgebaut werden wenn sie noch genutzt würden.

    • Ja … genau … deswegen baut man die Telefonzellen zurück … und nicht etwa weil es einfach überhaupt nicht mehr rentabel ist, wenn so eine Zelle/Säule nur aller fünf Monate mal für ein Gespräch genutzt wird.

      Egal, weg von solchen Albernheiten, zurück zum Thema:
      Vermissen werde ich die Telefonzellen und -säulen nicht, ich finds aber seltsam, weil es für mich so lang ein vollkommen selbstverständlicher Bestandteil der Kommunikation war. Als ich Kind war, hatten wir lange Zeit kein Telefon zuhause, da musste ich für das wöchentliche Gespräch mit der Oma immer erstmal 200m die Straße runter, um telefonieren zu können. Da gehört damals eben auch dazu, ggf. anstehen zu müssen oder dass jemand an die Scheibe klopfte, weil er dringend mal telefonieren musste … in der heutigen Zeit nicht mehr nachvollziehbar und irgendwie absurd.

    • Von wegen! Eher ein Schritt mehr in die Freiheit!
      Der Bekannte eines Bekannten meinte nämlich, dass die Telefonzellen nur deshalb aufgebaut wurden, um mit den eingeworfenen Münzen die Fingerabdrücke der Konsumenten zu erfassen.
      Deshalb musste man manchmal auch die Münze mehrfach einwerfen, weil der Fingerabdruck nicht richtig lesbar war.

      Die Gespräche wurden sowieso aufgezeichnet und mit den gespeicherten Fingerabdrücken verknüpft.
      Dadurch konnte man sogar Bewegungs- und Kontaktprofile erstellen!

      Denk mal darüber nach, Max. Sie wissen einfach alles über uns!!1!!

      • Haha … sehr gut

      • Nicht zu vergessen die Sensoren in der Sprechmuschel, welche den Atem analysieren und feststellen konnten, was und wie viel man letzten Abend gesoffen hatte. Das ganze wird dann u.a. verknüpft mit dem Körpergewicht, festgestellt mittels der im Boden der Zelle integrierten Waage. Stichwort Gesundheitsprofile…

    • Richtig. Anonym geht nicht mehr. Verstehen hier die meisten nicht.

  2. Wer weiß vllt bleiben sie ja doch erhalten. Bezahlung dann eben als Rechnung per Fax 🙂

  3. Naja, jetzt sind sie wirklich aus der Zeit gefallen.

  4. Ich hab mich beim Lesen des Artikels darüber gewundert, dass es noch Telefonkarten gibt. Ich dachte eigentlich, die wären zusammen mit den 90er Jahren ausgestorben.

    Vermissen werde ich die Telefonzelle nicht – ist auch schwierig etwas zu vermissen, das man seit einem viertel Jahrhundert nicht mehr benutzt hat. 😉

    • Sind eigentlich die, die früher die vielen Motive der Telefonkarten gesammelt haben, heute Millionäre? So wie manche diese Karten mit religiösem Eifer gesammelt haben muss doch am Ende was rausgesprungen sein, oder etwa doch nicht?

  5. Bei Stromausfall im Viertel funktioniert nichts mehr und schon gar nicht der ach so tolle Mobiltelefonfunk. Hingegen haben die analogen Telefonleitungen und Telefonzellen sehr wohl funktioniert den die Verteilerkästen, Leitungen und Vermittlungstellen hatten eigene Stromversorgungen. Das Thema ist analog wie bei den Sirenen, dass die jungen Menschen das nicht ganz überblicken ist normal. Die letzten Telefonzellen hatten nicht etwa normale Telefonserviceaufgaben sondern stehen wegen der Notrufverfügbarkeit in bestimmten Anständen. Das mit der Überwachung der Bürger ist keine Paranoia sonder wird längst genutzt entweder privat weil gewünscht oder eben zur Verfolgung durch dritte. Jedes Mobilfunkgerät ist letztendlich nichts anderes als ein Positionssender mit dem man auch anderes machen kann bspw. Telefonieren, Multimedia nutzen oder Internet usw. Ich persönlich halte überhaupt nichts von reiner Mobiltelefonversorgung für Behörden. Da ist der echte dezentrale Funk immer noch das einzig Wahre und letztendlich mit wesentlich höherer technischer Verfügbarkeit nutzbar wenn dieser nicht abgeschafft würde.

    • Omas altes Analogtelefon war mit zwei Drähten bis in die Vermittlungsstelle durchgeschaltet. Die Vermittlungsstellen hatten benzin- oder dieselbetriebene Notstromaggregate (das ist wohl das, was Du mit mit „eigner Stromversorgung“ meinst). Die Verteilerkästen haben und hatten *keine* Notstromaggregate und zur Zeit von Omas Analogtelefon war da auch in der Regel keine aktive Technik verbaut, da sind nur Drähte aneinander geklemmt worden. Die ersten Outdoor-DSLAMs hatten Akkus, die aber mehr Probleme verursacht als gelöst haben und deshalb wieder rausgeflogen sind. Dass alte Leute das nicht mehr überblicken ist normal.

      Und ansonsten immer schön drauf achten, dass der Aluhut richtig sitzt, sonst werden Dir noch Deine (wirren) Gedanken von IHNEN ausgelesen, per Satellit oder 5G.

  6. Ich wüßte nicht mal, wo überhaupt noch eine Telefonzelle hier bei uns in der Stadt steht, von daher kein Verlust, das die Teile wegkommen.

    Wir haben mal eine alte,gelbe Telefonzellen für einen Kumpel gekauft und ihn in seinen Laden gestellt – lange ist her.

  7. Sag ich nicht says:

    Oh nein! Ist ja schrecklich. Was machen wir denn jetzt. 😉
    Du hättest eine Umfrage dazu einstellen sollen,
    Wann habt ihr das letzte mal eine Telefonzell genutzt?
    Bei mir dürfte das Sommer 1998 gewesen sein. Damals habe ich für Volk und Vaterland meine Pflicht erfüllt.
    Da habe ich mir dann mein erstes Mobiltelefon geholt.

  8. Die Bargeld-Fraktion und Hobby-Datenschützer laufen sich schon mal warm…

  9. OMG – Was macht denn jetzt Frau Suhrbiert? (Für die älteren unter uns … )

  10. TierParkToni says:

    Also, in einem Krankenhaus sehe ich noch durchaus Verwendung für diese aus der Zeit gefallenen „Telefonzellen“ (nicht zu verwechseln mit Mobilfunkzellen 😉 ) – und dort sehe ich auch regelmäßig noch „User“, die mittels dieser (abseits von WA&Co.) damit telefonieren…

    Aber es bringt halt nicht mehr den gewünschten Profit, und kann damit dann „mal wech“ – dabei erwische ich mich immer, das ich mich frage, wann denn endlich die „Suicide-Bots“ aus Futurama endlich real werden, denn Rente werden viele von uns keine mehr sehen, und dann wären diese „Bezahl-Entsorgungs-Automaten für Humankapital“ doch eine feine Sache ….

    • Das regelt sich. Krankenhäuser, die derartig schlecht ausgestattet sind, dass nicht eh an jedem Bett ein Telefon bzw. eine Kombination aus Telefon und Fernseher vorhanden ist, werden in den nächsten Jahren ohnehin saniert/ersetzt oder dicht gemacht. Solche Klitschen haben in der Form keine Überlebenschance, denn die mangelhafte Ausstattung der Patientenzimmer geht fast immer auch mit einer mangelhaften Ausstattung und einem hohen Sanierungsbedarf in allen anderen Bereichen einher.

      Und bist Du sicher, dass es sich bei den „öffentlichen Fernsprechern“ in diesen Klitschen um Standorte der Telekom handelt? Viele Krankenhäuser, Rathäuser o.ä. hatten früher „öffentliche Fernsprecher“ irgendwo im Eingangsbereich, die sie in Eigenregie betrieben haben. Da hatte die Telekom nicht mehr mit zu tun wie mit dem Anschluss von Oma Erna daheim. Viele von den Dinern sind inzwischen natürlich wegen „braucht keiner mehr“ weggefallen.

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