EENA ruft Apple auf, AML in seine Smartphones zu integrieren

Die EENA (European Emergency Number Association) ist eine NGO, in der laut eigenen Angaben mehr als 1.300 Repräsentanten von Notruf-Diensten aus mehr als 80 Ländern der Welt sitzen. Auch mehr als 200 Mitglieder des Europäischen Parlaments und 90 Wissenschaftler gehören zur EENA. Die Organisation hat nun einen offenen Appell gestartet: an Apple. Man ruft den Hersteller dazu auf, endlich die Technik AML (Advanced Mobile Location) in seine mobilen Endgeräte zu integrieren.

Google hat eine Abwandlung von AML bereits seit Mitte 2016 direkt in Android integriert. Grob gesprochen erleichtert es AML den Rettern, ohne weitere Anpassungen der Hardware oder die Installation von Apps Hilfesuchende mit der automatischen Übermittlung ortsbasierter Daten zu finden. In allen europäischen Ländern ist AML aktuell noch nicht verfügbar, breitet sich aber langsam aus.

Laut der EENA rufe man nun auch Apple abermals auf, AML in seine iPhones bzw. iOS zu integrieren. Man habe in den letzten Monaten in ganz Europa für AML geworben und sei oft gefragt worden, warum die Funktion in Android integriert sei, nicht aber in iOS. Da man auf die Frage keine einleuchtende Antwort habe, wende man sich nun mit dieser offenen Aufforderung an Apple. Direkte Kommunikation mit dem US-Unternehmen habe man bisher nicht aufbauen können.

In Estland, Belgien, Australien und Schweden gab es bereits weitere Aufrufe an Apple AML zu integrieren. Durch die automatische Übermittlung von ortsbasierten Daten bei Notrufen sei es oft möglich Leben zu retten: Ist ein Verletzter nicht genau in der Lage seinen Standort zu beschreiben, kann AML eventuell über Leben und Tod entscheiden und besonders genaue Daten liefern. Dabei gibt die EENA zu Protokoll, dass Apple durch beispielsweise die SOS-Funktion an der Apple Watch bereits in die richtige Richtung gehe. Aber es liege eben noch Arbeit vor dem Unternehmen.

Als Fazit meint die EENA, dass Apple-Kunden hier aktuell im Nachteil gegenüber Android-Nutzern seien. Gerade wenn es bei einem Notfall um Leben und Tod gehen könnte, sei das gefährlich. AML ist ein Open-Source-Protokoll und die EENA würde Apple allzu gerne bei der Integration unterstützen.

Apple selbst hat sich zu dem Aufruf wiederum noch nicht geäußert. Was also eventuell aus Sicht des Unternehmens gegen AML sprechen könnte, ist aktuell offen.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

11 Kommentare

  1. Es gibt bereits einige Länder in Europa, in denen AML in Android-Phones Leben rettet, aber Apple weigert sich:

    https://thenextweb.com/apple/2017/08/10/apple-refuses-enable-iphone-settings-save-countless-lives/

    Apple war in letzter Zeit wohl mehr damit beschäftigt, die chinesischen Behörden bei der Zensur und Unterdrückung von iOS-Usern zu unterstützen, indem sie die VPN-Apps aus dem App Store geworfen haben. Wurde hier im Blog gar nicht berichtet.

  2. Warum nicht als App? Wer’s braucht kann sich es drauf knallen! Von mir aus, auch als deinstallierbare Bloatware…

  3. @ Max

    Weil man sonst vermutlich nicht die vollautomatische ̶Ü̶b̶e̶r̶w̶a̶c̶h̶u̶n̶g̶ Übermittlung der Daten von Betroffenen im Bedarfsfall sabotiert. Würden sich eventuell eine Menge Leute nicht aufs Telefon knallen.

  4. Wenn jemand eine Notrufnummer wählt, handelt es sich schließlich um einen Notfall. Sollte es zumindest! Was ist dann gegen die automatische Standortübermittlung einzuwenden, die ja wirklich helfen kann. Hier von Überwachung zu reden ist doch fehl am Platz.

    Wenigstens als App sollte es Apple seinen Kunden zur Verfügung stellen, wer es dann partout nicht will, bracht es ja nicht zu installieren.

  5. In einsamen Gegenden sollte man tunlichst jede Betätigung unterlassen, die einen in Gefahr bringt. Woanders reicht es, einen Passanten um Hilfe zu bitten.

  6. @fakeram

    Unfälle passieren auch in einsamen Gegenden und sind selbst bei aller Vorsicht nicht 100%ig vermeidbar.

    Und auch in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland kann man z.B. Nachts auf einer einsamen Landstraße einen Unfall haben und stundenlang unbemerkt bleiben.

    Wohnen ja nicht alle in Großstädten.

  7. @Grainger Zufällig wohne ich in einer einsamen Gegend. Da fährt aber nachts kaum jemand über eine dunkle Landstraße. Und wenn, dann sind es Einheimische die wissen wo sie sich befinden. Ich frag‘ mich, wie die Leute vor 40 Jahren überlebt haben ohne den ganzen Technikkram.

  8. @fakeram Einfach mal die Augen für das Leben anderer aufmachen. Während du wohl nur noch in der Bude hängst, gehen andere mal spazieren und kriegen nen Herzinfakt oder sonst was…

  9. @fakeram – danke! Genau das ist der Punkt!
    Heute wollen mich alle überwachen um mir zu helfen, mich zu unterstützen und retten (sogar vor mir selbst (!))… 😉 Nein, danke! Ich möchte nicht gerettet werden, auch nicht unterstützt und brauche auch keine Hilfe, wenn ich dafür überwacht werden soll! Ich möchte einfach nur frei leben, und keine Sorge komme schon zu recht, wie sonst alle Jahrtausende lang…

  10. Michel Ehlert says:

    @ max @fakeram – Ich habe jahrelang im Rettungsleitstellenbau gearbeitet. Die wissen eh an Hand der Telefonnr. wer anruft und wo die Person gemeldet ist Nur beim Handy kann sich der Anrfuende ja nicht an seiner Meldeadresse aufhalten. So Google oder Apple wissen doch geau wo man ist wenn man sein GPS nutzt. Warum solle die Jungs vom DRK oder Feuerwehr die Daten nicht auch nutzen dürfen? Die Adresse ist überings nicht das einzige was die Jungs in der Leitstelle übereinen wissen!!

  11. @fakeram @max Ich freu mich für euch dass ihr so jung noch seid und dass euch schon nix passieren wird. Wenn ihr irgendwann mal älter seid und einen Infarkt vom Herz oder Resthirn erleidet – man sollte es euch fast wünschen, euch verrecken zu lassen…

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