Datenkraken: Hersteller starten Konsortium für personalisierte Werbung an Smart TVs

Personalisierte Werbung erhalten wir mittlerweile so gut wie alle: Einmal im Web nach einem Produkt gesucht, folgt anschließend ein wahres Bombardement mit entsprechenden Anzeigen. Facebook, Google und Co. basieren ihr gesamtes Geschäftsmodell auf der Erhebung, Auswertung und auch dem Verkauf von Nutzerdaten. Jetzt will man die nächste Bastion ins Visier nehmen: den Fernseher im Wohnzimmer.

So hat der US-TV-Hersteller Vizio gemeinsam mit zugkräftigen Partnern das Konsortium Project OAR (Open Addressable Ready) gegründet. Das Ziel ist es, gemeinsam einen Standard für personalisierte Werbung an Fernsehern zu entwickeln, der herstellerübergreifend gelten soll. Am Ende möchte man also gerne auf den Interessen des individuellen Nutzers basierende Werbung an Fernsehgeräten ausspielen.

Neben Vizio selbst sind an der Initiative auch noch starke Partner wie Disney, Comcast NBCUniversal und AT&T beteiligt. Eine offizielle Website zum Projekt findet ihr bereits hier. Klar, dass sich dort auch begeisterte Kommentare von Unternehmen wie WarnerMedia finden, die bereits danach geifern ihre eigenen Kundendaten auf jene Weise noch erweitern zu können. Dabei zeichnet man auch ein für die Kunden vorteilhaftes Bild, da relevantere Werbeanzeigen und -Spots die Folge sein sollen.

Nutzen möchte man Project OAR für sowohl individualisierte Werbung im linearen Fernsehen als auch bei On-Demand-Inhalten. Am Ende soll also die ganze Industrie mitwirken: TV-Hersteller, Werbetreibende, Sender und auch anderweitige Anbieter von On-Demand-Inhalten über z. B. Mediatheken. Ziel sei es, die Präzision digitaler Werbeanzeigen ins Fernsehen zu hieven. Dadurch soll die Werbung für den Zuschauer relevanter werden und parallel für die Werbetreibenden natürlich mehr Verkäufe generieren.

Blödes Beispiel: Wenn man mir Werbung für Windeln zeigt, ist das eigentlich verschwendete Zeit für alle Seiten, da ich keine kleinen Kinder habe. Blendet man in Zukunft, basierend auf meinen Nutzungsgewohnheiten und Interessen, Werbung für hochwertige Kaffeebohnen ein, schlage ich womöglich zu. Für alle Beteiligten hätte das natürlich Vorteile – so die Thorie.

Doch auch die Nachteile sind nicht von der Hand zu weisen: Über ein weiteres Gerät werden Nutzerdaten gesammelt und ausgewertet und die Werbung womöglich noch erweitert. Gerade Vizio ist da zudem als Initiator ein Unternehmen, dessen Mitwirkung Bauchschmerzen bereitet. So sorgte der US-Hersteller 2017 für negative Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass man ohne Wissen und Einwilligung der Nutzer Daten über die Fernseher mitschnitt und verscherbelte. Jetzt will man das quasi offiziell aber in noch größerem Still machen, könnte man da sagen.

Erste Demonstrationen der Techniken von Project OAR soll es noch im Frühjahr 2019 geben. Ab Anfang 2020 will man die Technologien dann auf breiter Flut etablieren. Welche TV-Hersteller abseits von Vizio  noch mitwirken wollen, ist noch offen. Gespannt darf man auch drauf sein, wie die Datenschützer in Europa und Deutschland auf diese Vorhaben reagieren. Meine persönliche Begeisterung hält sich jedenfalls arg in Grenzen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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31 Kommentare

  1. Endich, dann bekomme ich wie bei den Mobile Streaming Apps 10x die selbe Werbung für Tag angezeigt.

    • Danke!
      Ich kaufe eine Kloschüssel auf Amazon und bekomme ein halbes Jahr Kloschüssel Werbung aufs TV Gerät.
      YEAH

      • Das finde ich auch immer amüsant. Da werden Milliarden in Reklame versenkt, damit die besser personalisiert wird, und so einfache Dinge wie „Kunde hat das Produkt schon gekauft, er braucht es nicht mehrmals“ werden ignoriert. So wird das nix :-).

    • Wer kann das wollen? Also welcher Kunde? Das Kaffeebohnenbeispiel fand ich persönlich etwas flach.

      • Also ich habe lieber weniger personalisierte Werbung, als wenn die sehr viel einblenden und hoffen das was für mich dabei ist. Und wenn mir zum Beispiel Werbung für interessante technische Geräte gemacht wird, würde das mein Interesse wecken. Aber akutell wird mir häufig nur das angezeigt das ich selbst gefunden oder schon gekauft habe.

  2. Was sind den Datenkranken?

  3. Sparbrötchen says:

    Ich finde es gut, daß die sich zusammen tun, das hält die Adressenblockierlisten klein und eine handvolle IPs kann man sogar direkt im Router sperren.

  4. Da Daten ja so oder so gesammelt , dann doch wenigstens Werbung die mich intressiert.

  5. Da hilft nur noch pi-hole

  6. Ich stimme Sparbrötchen zu. Sollen sie Mal machen. Wird dann sicher nicht lange dauern, bis es Router mit einbebauten Filter gibt. Das hätte den Vorteil, das man gleich ein AdBlocker für den TV hätte. Ist dann ganz sicher auch im Sinne der Fernsehsender. 🙂

  7. Heisenberg says:

    Also weiterhin beim Kauf nur auf p/l für Bildschirm Qualität achten, das Ding offline belassen und externe zuspieler verwenden 🙂

  8. Das wäre dann wohl für so manchen der ultimative Grund, sich keinen smarten Fernseher zu kaufen

    • Dann viel Glück beim suchen! Die sind doch in der Zwischenzeit alle smart, bis auf paar wenige Ausnahmen von unbekannten Billigeräten aus China.

  9. kein problem. entsprechende hardware wird dann eben nicht gekauft oder bleibt offline. inhalte müssen dann halt über andere kanäle konsumiert werden. manche lernen es eben nie…

  10. Das ist doch jetzt schon sicher Normalität. Seitdem ich hier bei mir im Netzwerk nen Raspi mit Pi-hole im Einsatz habe, fällt mir jedes Mal die Kinnlade runter, wenn ich im Dashboard die unzähligen Versuche meines Samsung TVs sehe, sich mit irgendwelchen Seiten zu verbinden. Und es funktionieren nach wie vor alle Apps, das müssen also ganz andere Daten sein, die Samsung da versucht abzugreifen. Dank Pi-hole ohne mich!

    • Das gleiche kann ich mit meinem Sony-Smart-TV beobachten. Es ist sehr interessant zu sehen, wie oft der aktiv wird. Er befindet sich lt. Pi-Hole immer auf Platz 1 der Geräte mit den meisten blockierten Anfragen im Netzwerk.

  11. Das mit dem Vorteil für beide Seiten sehe ich nicht so. Wenn du jetzt deine Kaffeebohnen-Werbung bekommst, wirst du dann nicht am Ende mehr Geld für Kaffeebohnen ausgeben, als wenn du Werbung für Windeln bekommen hättest? Du wirst doch dann eher dazu verleitet, die Bohnen zu kaufen, auch wenn du sie vielleicht gar nicht unbedingt brauchst. Ist also doch von Nachteil!

  12. Ob Sony, Samsung oder LG, der Rest ist sicher auch nicht besser oder zieht nach, sie spionieren alle die Nutzer aus und nicht erst seit heute. Dazu fällt mir dann immer Matrix ein wo erklärt wird was wir für Die sind, muss man nur die Batterien gegen Geldscheine tauschen, dann passt das schon. Der Mensch wird zur Ware gemacht …
    Pi-hole oder einen Homeserver gleich als DNS-Server mitzunutzen ist schon genauso Pflicht wie ein Vierenscaner. Ich frag mich wo das noch hinführen soll.

    • Pi Hole ist wirklich eine feine Sache, kann ich jedem mit etwas technischem Hintergrund absolut empfehlen. Es ist wirklich erschreckend wenn man sieht, was da so alles geblockt wird.

      • Pi-hole ist wirklich super. Warum 2 Geräte laufen lassen wenn ein Homeserver schon da ist. So hole ich regelmäßig die Filterlisten aus dem Netz und passe die per Script für bind an. Läuft aufs selbe hinaus aber mit nur einem Gerät im Netz das nach Wartung schreit.

  13. Dürfte eigentlich zu spät sein. Werbung findet doch eigentlich nicht mehr statt. Die Generationen unter 70 nutzen überwiegend werbefreie Streamingdienste und Adblocker, viele haben seit Jahren keine Werbung mehr gesehen bzw. die, die durch den Blocker schlüpft wird als Belästigung empfunden. Im VoD Bereich kann das auch nicht funktionieren, wenn man für den Film bezahlt, dann verbietet sich Werbung für einen seriösen Anbieter.

    Die Menschen sind nunmal wählerischer geworden. Mit Werbung finanzierte Produkte gelten als minderwertige und unseriöse Angebote, dass Modell werbefinanziert hat keine Zukunft. Und wer Geld für sein Produkt verlangt, muss deutlich mehr bieten, als einfach nur das werbefinanzierte Produkt von Werbung zu befreien. Das sieht man im Newsbereich, dort kriegen die Verlage ihre Angebote mit Paywall nicht an den Mann, und die ohne verlieren zusehends Leser und erreichen keine neuen mehr.

    Und Fernsehhersteller werden damit nur eines erreichen, dass sich die Leute Streamingsticks kaufen und die TV Hersteller haben dann weder was zum tracken, noch können sie die Werbung ausspielen, weil ihre Fernseher nur noch als Bildschirm für externe Zuspieler dienen, aber nicht zum Empfang von Inhalten.

  14. 1. TV komplett vom Internet trennen
    2. Apple TV anschliessen
    3. Es gibt kein „drittens“

  15. Apple TV deckt aber nicht alles ab! Auf meinen iOS Geräten sehe ich auch immer wieder personalisierte Werbung, vor allem wenn man etwas googelt bekommt man entsprechende Werbung präsentiert. Adblock habe ich natürlich auch installiert, selbst Adblock, blockt nicht alles.

  16. DVB-T und öffentlich-rechtliche Programme linear guckenb , Filme über werbefreie Streamer . Privatsender sind für mich eh nicht-existent , da unter anderem keine Audio-Deskription . Es wäre gut wenn die öffentlich-rechtlichen reagieren und sich völlig werbefrei machen, auch in den Hauptprogrammen. Werbefrei ist „Prämium“. Übrigens: Gurkensender wie „RTL“ und SAT xxx“ wollen daß man für HD zahlt und dann noch WErbung alle 20 min oder so bekommt … gehört boykottiert und genau das tue ich. Für Musik zahle ich auch damit keine Werbung kommt … und ich weiß auch so welcher Kaffee mir schmeckt ! Und noch eine wichtige Sache : für guten terrestrischen Empfang müssen Vermieter – wenn nicht anders möglich – gesetzlich gezwungen werden Gemeinschaftsantennen einzurichten wie früher oder individuelle Lösungen zu erlauben . EVB-T und DAB+ sind mit Außenantennen gut zu empfangen . Zu analogen TV-Zeiten war Antennenempfang auch nur über Dachantennen wirklich annähernd flächendeckend , mit Innenantennen ging das noch nie überall . Auch hier wurden wir mit Begriffen wie „Überall-Fernsehen “ nach Strich und Faden verascht und gute infrastruktur verschwand von unseren Dächern.

  17. Deshalb war mein letztes Gerät ein dummes Digital-Signage-Display – kein Smart-TV-Gedöns, kein Tuner, hohe Qualität.

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