BSA-Studie: 24 Prozent der in Deutschland eingesetzten Software ohne Lizenz

Laut einer aktuellen Studie der BSA wurde letztes Jahr in Deutschland jedes vierte Programm ohne gültige Lizenz installiert. Die BSA (bis 2012 Business Software Alliance, seitdem The Software Alliance) ist ein Interessenverband von Softwareanbietern, der bereits 1988 gegründet wurde.Bildschirmfoto 2014-06-24 um 12.11.24

Der Wert der Software, die in Deutschland ohne gültige Lizenz installiert wurde, entspricht einem Wert von 1,5 Milliarden Euro. Dennoch ein leichter Rückgang im Vergleich: 2013 stellt die Internationale Vereinigung der Softwarehersteller einen leichten Rückgang in der Nutzung unlizenzierter Softwareinstallationen fest ? von 26 Prozent 2012 auf 24 Prozent innerhalb eines Jahres.

Eine Erklärung für das Sinken der nicht korrekt lizenzierten Softwareinstallationen? Laut einer Befragung sind es Sicherheitsbedenken. 64 Prozent aller Teilnehmer einer aktuellen Umfrage befürchten beim Griff zu unlizenzierter Software Hackerangriffe, 59 Prozent haben Angst vor Datenverlust.

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Teilgenommen an der Umfrage haben 24.000 IT-Profis und Anwender. Doch die Umfrage ergab noch anderes: Nur rund jeder zweite IT-Verantwortliche ist sich sicher, dass die gesamte Software in seinem Unternehmen lizenziert ist. In nur jedem dritten deutschen Unternehmen gibt es eine schriftliche Unternehmensrichtlinie betreffend der Verwendung unlizenzierter Software. In Firmen ohne Richtlinie geben Mitarbeiter wesentlich häufiger (59 Prozent) an, unlizenzierte Software zu verwenden als in Firmen mit Richtlinie (28 Prozent).

Und wie schaut es woanders aus? Im Durchschnitt sollen 43 Prozent aller Programme nicht lizenziert sein. Die Region mit dem höchsten Anteil ist Asien/Pazifik mit 62 Prozent unlizenzierter Software im Wert von 21 Milliarden US-Dollar. Den geringsten Anteil hat die Region Nordamerika mit 19 Prozent (11 Mrd. USD), bei uns in der EU liegt der Anteil bei 31 Prozent (9,8 Mrd. Euro, umgerechnet 13,5 Mrd. USD).

Ich kann mir gut vorstellen, dass viele IT-Beauftragte nicht wissen, ob nur lizenzierte Software eingesetzt wird. Oftmals gibt es für Arbeitsplatz-PCs nicht genügend Einschränkungen, sodass Mitarbeiter ohne Befugnis Software installieren. Ich kenne allerdings auch Firmen, die ganz bewusst nicht lizenzierte Software einsetzen.

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Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

10 Kommentare

  1. Bestes Beispiel für provozierte „Fehlnutzung“: Teamviewer – eine Firma kauft sich ne Firmenlizenz für X-Tausend PCs und die Lizenz hält nur bis zur nächsten Aktualisierung, die entscheidend für die Weiternutzung der Software ist.
    Damit ist dann eben auch der andere Verwendungszweck unter der Hand „nicht kommerziell“.

  2. Auch Adobes aktuelles Preismodell fördert die „lizenzfreie“ Nutzung. Verglichen mit den US Preisen werden viele andere Länder zum Teil drastisch benachteiligt. Alleine mit MwSt. ist das nicht zu erklären.

  3. Solange Firmen einen nicht unerheblichen Teil Ihrer Kreativität dafür aufbringen, immer neue und kompliziertere Lizenzmodelle zu erfinden, wird das auch auf diesem Niveau bleiben. Bei MS braucht man ja schon bei einer mittleren Installation eine Software, um den Überblick über die erforderlichen Lizenzen zu haben und Novell war da geradezu ein Horrorbeispiel: wenn man sich da nicht von einem Spezialisten beraten ließ, war man fast zwangsläufig Lizenzverletzer.
    Dass Admins nicht genau wissen, ob sie alles korrekt lizensiert haben, liegt meiner Meinung nach nur in geringem Maße an den Nutzergeräten.

  4. Lizenzmodelle sind mittlerweile so schlimm wie das deutsche Steuergesetz. Da kann man nur Fehler machen.

  5. http://www.bsa.org/about-bsa/bsa-members

    Na ein Schelm wer böses dabei denkt … da bezweifel ich das diese Studie irgend einen Wert hat !

  6. Wir haben in der Firma Software, die laut Lizenz nur im Umkreis von x km um den Firmensitz genutzt werden darf. Die Software ist eine Kundenvorgabe, es stellt sich also nicht die Frage, ob man die bei der bescheuerten Lizenz überhaupt einsetzt.
    Auf dem Laptop des Benutzers installieren und dann auf Dienstreise oder von zu Hause nutzen geht also nicht wenn über x km weg.
    Aber man kann die auch auf ’nem Server laufen lassen und sich per Citrix darauf verbinden. Der ausführende Rechner steht da wo er soll, die Benutzer holen sich nur dessen UI irgendwohin. Weltweit. Legal.
    Dieser Lizenzquatsch ist manchemal schon ganz schön bescheuert.

  7. Es gibt schon richtig bescheidene Lizenzmodelle:
    Z.B. ist nur lizenziert, wenn Hardware bis n viele Kerne, oder bis x GB RAM, oder darf nur von n vielen Installationen gleichzeitig benutzt werden, usw.
    Das kann man teilweise gar nicht richtig nach prüfen, ob man gegen die Lizenz verstößt oder nicht…

    Aber bei „normalen“ Lizenzen hilft die Software ACMP vom deutschen Hersteller Aagon GmbH. Ein Client wird auf den einzelnen Firmen-PCs installiert und scant die installierte Hardware. Über eine Admin-Console kann dann darüber ausgelesen werden, welcher Rechner welche Software (und Hardware) hat und welche Software wie oft in welcher Version auf welchen Rechnern installiert ist. Dazu gleich mit Berechnung, ob meine Lizenz ausreicht, mit Warnungen, falls zu viele Installationen da sind, oder der Lizenzzeitraum ausläuft.
    Andere Hersteller haben ebenfalls ähnliche Lösungen, zu mir passte nur ACMP am besten. Falls man so eine Software einsetzt, gerät man nicht großartig in Gefahr Lizenzen zu verletzen… außer bei irgendwelchen Sonder-Kack, der sich nicht so einfach abbilden lässt, aber der ja „so einfach für den Kunden“ sein soll -.-#

  8. Zum einen sind die Lizenzmodelle sicher ein Problem aber auch der Schaden ist natürlich um Größenordnungen geringer als die Werte welche bei solchen Studien immer berechnet werden.
    Bei den Privatnutzern würden sich vielleicht 1-2 Prozent der Nutzer die aktuell eine nicht lizenzierte Version von Microsoft Office einsetzen das Original kaufen, wenn überhaupt. Der Rest würde auf kostenlose Alternativen ausweichen. Bei Software wie Photoshop oder Adobe ist der Anteil derer welche dann für 1000 Euro das Original kaufen würden statt auf kostenlose Alternativen auszuweichen nochmals deutlich geringer.

  9. @elknipso
    Volle Zustimmung. Dieses Faktum hat man übrigens bei Adobe schon seit längerem verstanden und akzeptiert – und wohl auch kein gesteigertes Problem mit all den Leuten die sich daheim eine illegale Photoshop-Kopie installieren.
    @namerp
    Studien werden idR von irgendwem finanziert – und dieser wünscht sich üblicherweise ein zu seinen Interessen passendes Ergebnis. Trotzdem greifen die allerwenigsten Auftraggeber direkt in die Studie ein – Studien mit unliebsamen Ergebnis werden halt nie veröffentlicht. Wenn Studien trotzdem manipuliert werden, ist das idR dem erstellenden Akademiker zuzurechnen, der ein finanzielles Interesse an Folgeaufträgen und daher an zufriedenen Kunden hat.

  10. Dicky Smith says:

    Toll finde ich ja deren TV-Werbung, wo die Frau von ihrem Chef mies behandelt wird, und dann als Rache die illegale Software meldet.
    Ein besser „guter Grund“ dafür ist ihnen wohl nicht eingefallen. 😡