Blaulichtfilter für Brillen: Studien weisen mangelnde Wirksamkeit nach

Mittlerweile werben viele Optiker damit, dass ihr euch Blaulichtfilter in eure Brillengläser implementieren lassen könnt. Das Ganze soll laut dem Marketing positive Auswirkungen auf eure Gesundheit haben, wenn ihr bei der Arbeit viel vorm Bildschirm hockt. Angeblich ermüden die Augen weniger und auch die Schlafqualität sei nach der Nutzung des Bildschirms besser. Doch ein Systematic Review der Universität von Melbourne kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Marketing-Aussagen nicht durch klinische Studien belegen lassen.

Man hat hier 17  Untersuchungen aus sechs Ländern mit insgesamt 619 Probanden ausgewertet, die sich allerdings auf kurzfristige Auswirkungen beziehen. So reichte der Evaluierungszeitrahmen von zwei Stunden bis zu einer Woche der Benutzung. Das schließt also womögliche, langfristige Effekte nicht aus. Zumindest kurzfristig kann man jedoch sagen, dass Blaulichtfilter in Brillen keine Vorteile für ihre Träger haben, wenn man mit Brillen ohne solche Filter vergleicht.

Jedenfalls ließen sich die Marketing-Aussagen zu verbesserter Schlafqualität und weniger Augenbelastung nicht stützen. Allerdings räumen die Wissenschaftler ein, dass es nun hochwertige Langzeitstudien benötige, um zu prüfen, ob sich Langzeiteffekte ergeben. Dafür müsse man auch den Kreis der Probanden erweitern und verschiedene Arten von Linsen gezielt analysieren.

Die Wissenschaftler geben auch zu bedenken, dass typische Blaulichtfilter-Linsen ohnehin nur 10 bis maximal 25 % des blauen Lichts herausfiltern. Denn alles, was darüber hinausgehe, würde für einen deutlichen Farbstich sorgen. Das wollen die Hersteller natürlich vermeiden.

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29 Kommentare

  1. Hat mir mien lokaler, nicht-Franchise Optiker auch bestätigt. Der Effekt sei zu gering um ordentlich zu wirken und wäre den Aufpreis nicht wert. Er bietet das mittlerweile auch gar nicht mehr an. Hab das nicht geglaubt, weil ich mit der letzten Fielmann Brille doch eine Veränderung gespürt habe. Aber nachdem ich jetzt ein Jahr eine Brille ohne Blaulichtfilter benutze, bemerke ich keine Verschlechterung meiner Schlafgewohnheiten, oder der Belastung für die Augen am PC.

  2. Interssanter Artikel! Ich habe bei meiner neuen Brille zunächst auch einen Blaulichtfilter genommen und ihn dann wieder entfernen lassen, weil mir der orange/braun Stich doch zu groß war und jede weiße Fläche auf die man schaut dann nicht mehr wirklich weiß war.

    • Das ist doch genau der Grund, warum man so einen Filter einbaut: damit die weiße Farbe nicht mehr so grell „sticht“, sondern eine angenehme warme (rötliche) Färbung bekommt. Mir scheint, du wurdest schlecht beraten.

      Aber Hand aufs Herz: eigentlich ist das rausgeschmissenes Geld. Fast jeder Bildschirm hat heute sowas eingebaut und wenn nicht, schraubt man einfach am Bildschirm-Gamma und hat den gleichen Effekt.

  3. Das kann ich nicht bestätigen. Ich habe 2 Brillen , eine davon mit Blaufilter. Berufsbedingt sitze ich den ganzen Tag am Monitor. Plus Privat & Smartphone. Trage ich an Arbeitstagen die Brille ohne Filter bekommt ein Augenlied leichte Zuckungen. Trage ich die mit Filter ist das nicht so.

    • Ich glaube die Ursache ist hier eine Andere. Das Zucken der Augen ist ein typisches Symptom bei Überarbeitung oder bei zu viel Stress.

    • André Westphal says:

      Da ist natürlich die Frage, ob das wirklich ein Effekt der Brille oder ein Placebo-Effekt ist. Sowas gibt es auch häufig. Letzten Endes ist es hier aber auch so, dass es eben noch Langzeitstudien benötigt.

    • Ich glaube das kommt eher von zu viel Koffein, also zu viel Kaffee. Das gleiche Problem habe ich nämlich ebenso. Da ist die Brille mit oder ohne Blaulicht Filter nicht der Grund.

    • Bis auf den Blautlichtfilter identische Brillen? Vermutlich nicht. Anderer Rahmen, anderer Gläser, leicht andere Stärke oder bereits das Bewusstsein, eine andere Brille zu tragen, kann viel ausmachen. Vielleicht hast du auch einfach unterbewusst Stress, die „falsche“ Brille zu tragen. Daher ist jede Doppelblindstudie einer subjektiven Wahrnehmung vorzuzuziehen.

      • Oh doch , genau das selbe Modell mit identischen Werten. Das mit dem Koffein glaub ich eher nicht.
        Meine drei Drogen : Nicotin, Koffein und Kerstin. Dier letzte ist die schlimmste. Einmal angepackt und nie wieder von losgekommen.

    • Hatte ich auch, hab dann Vitamin D genommen, da ich auch einen nachgewiesenen Mangel habe und seit dem hat es aufgehört. Das Problem kann viele Ursachen haben!

  4. Als.jemand mit leichter Photophobie sind Blaulichtfilter extrem hilfreich. 25% machen schon einen deutlichen Unterschied für mich aus: nicht nur bei Sonnenschein, sondern vor allem bei künstlichem kalten, blauen Röhrenlicht, welches nach wie vor in vielen öffentlichen Gebäuden und an Arbeitsplätzen eingesetzt wird.

    Ob nun ein zehn Prozent Blaulichtfilter (für das Durchschnittsauge) einen großen Unterschied macht? Vermutlich eher nicht. Eine Glühbirne auszutauschen oder den Monitor/Fernseher nachzujustieren wird deutlich mehr bringen.

    Falls jemand größere Probleme mit blauem Licht hat: grüne Migränebrillen sind super, allerdings eher für den privaten Bereich zu empfehlen.

  5. Ein kleiner nett gemeinter Hinweis: Die Studienart heißt im Deutschen Metaanalyse, nicht Metastudie und bei der im Artikel beschriebenen Studie handelt es sich weder um das eine, noch das andere, sondern um ein Systematic Review.

    • Danke! Wieder etwas gelernt 🙂

    • André Westphal says:

      Stimmt, haste recht, die Abgrenzung find ich da oft sehr diffus, aber in diesem Fall hab ichs überlesen, obwohl die Autoren es direkt angeben – ändere ich direkt.

  6. J.Braschoss says:

    Mein Optiker hatte mir mitgeteilt, das der Blaulicht Filter wenn nur bei „alten“ Monitoren sinnvoll sei, bei neuen wäre dieser rausgeschmissenes Geld.

  7. Gab es nicht eh mittlerweile die Erkenntnis, dass die Helligkeit wesentlich relevanter als der Blaulichtfaktor ist, zumindest was Schlaf angeht?

    Die andere Frage ist natürlich, ob man überhaupt einen Blaulichtfilter in der Brille braucht, wenn das man das über die Betriebssysteme bzw. Apps doch mittlerweile auch bereits beim Bildsignal entsprechend reduzieren kann. Windows und macOS haben das ja bereits eingebaut, bei iPhone und Android ist es ebenfalls möglich.

    Photophobie bzw. Migräne ist natürlich ein spannender und sehr valider Punkt, betrifft aber wohl kaum die breite Masse.

  8. Littlegoaty says:

    Da stelle ich doch lieber den Monitor entsprechend ein. Viele Monitore und auch TVs haben inzwischen einen Blaulichtfilter.

    • Ansonsten kann man je nach Anwendungsgebiet auch eine Software wie zum Beispiel f.lux nutzen. Ich nutze den hin und wieder auch selbst bei grafischen Arbeiten und deaktivere den nur bei Proof oder direkter Fotobearbeitung. Obwohl ich den so gering eingestellt habe das es kaum Differenzen zur Darstellung ohne Software gibt.

  9. Verräterisch finde ich ja eher, dass diese Blaulichtfilter nur für Bildschirmarbeit beworben werden und nicht etwa besonders für Menschen, die draußen unter BLAUEM Himmel arbeiten, bei hundert- und tausendfach größerer Helligkeit.

    • Ist auch mein Gedanke. Was glauben die Leute denn, was im Tageslicht so drin ist? Dass blaues Licht per se für die Augen schädlich sei, ist allein evolutionsbedingt schon mal falsch, jedenfalls ist es nicht schädlicher als jedes andere sichtbare Licht auch.

      Auch erscheinen mir die Behauptungen teils widersprüchlich. Auf der einen Seite ist nachgewiesen, dass blaues Licht die Ausschüttung von Melatonin hemmt, was für ein Müdigkeitsgefühl sorgt. Aber dann wird einem erzählt, dass mit weniger Blaulicht die Augen weniger ermüden sollen? Klingt für mich irgendwie so plausibel wie „Je stärker man es verdünnt, desto wirksamer ist es“, und wahrscheinlich gehören Blaulichtfilter in dieselbe Kategorie.

      Ich weiß auch nicht, wozu man überhaupt Blaulichtfilter am Monitor oder im System bis auf „100 %“ regeln kann. Ab einem gewissen Schwellwert wird der Gelbstich unübersehbar oder muss kompensiert werden, indem man genauso Rot und Grün rausnimmt – heißt, die Helligkeit insgesamt reduziert. Da kann ich auch ebenso gut einfach den Helligkeitsregler runterdrehen und spare mir den Blaulichtfilter. Und auch da darf man es nicht übertreiben, denn ein zu dunkles Bild ist für die Augen genauso anstrengend wie ein zu helles in dunkler Umgebung.

      Aber die Diskussion um Blaulichtfilter passt gut zum modernen Menschen: Tagein, tagaus sitzt er stundenlang, übermüdet an seinen Bildschirmen… und will nicht hören, dass er mehr Pausen machen und früher schlafen gehen müsse – nee, er will einen Blaulichtfilter haben, damit er weiterdaddeln kann!

    • Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es darum, dass der Blauanteil über den Tag hinweg variieren soll, so wie es bei echtem Tageslicht ist. Also morgens und tagsüber soll das Licht einen Blaustich haben, weil es wach macht, bevor man Schlafen geht dann allerdings nicht mehr, weil der Körper sich darauf einstellen soll in den Schlafmodus zu gehen. Eine entsprechende Brille den ganzen Tag zu tragen wäre dann ja in der Tat kontraproduktiv. Ob’s stimmt oder nicht, keine Ahnung.

  10. Ich hab seit 3 Jahren eine Brille mit Blaulicht Filter und seitdem nie wieder abends Kopfschmerzen…Sitze den ganzen Tag im Büro und privat vorm Monitor. Ich würde das wieder kaufen.

    • Bei mir genau das gleiche Szenario. Bin beruflich und privat sehr viel am Bildschirm und hatte immer Probleme mit Kopfschmerzen, meist nach der Arbeit. Dann meine alte Brille verloren, vom Optiker die besagten Gläser – gegen Aufpreis – aufgeschwatzt bekommen und seither abgesehen von Schlecht-Wetter-Kopfschmerzen keine Probleme mehr mit dem Thema. Bin daher auch überzeugt von der „Wirkung“, mittlerweile seit über 2 Jahren. Als nächstes taste ich mich mal an selbsttönende Brillengläser heran und spare mir das nervige mitschleppen und den Wechsel zwischen Brille und Sonnenbrille…

  11. Lustig. Seit der Verfügbarkeit solcher Filter seitens der Hersteller war ich immer der Meinung, dass diese nur im Einzelfall was taugen. Meine Kunden wollten es eigentlich nicht glauben.

    Bin übrigens selbstständiger Optiker.

  12. Wissen wir das nicht bereits, seit 2021 in allen gängigen Medien über diese Studien berichtet wurde?

    https://www.dog.org/wp-content/uploads/2021/02/PM-DOG-2021-Mythos-Blaulichtschaden-September-2021.pdf

  13. Hatte auch schon einmal so eine Brille der Effekt ist ziemlich schwach, denke man müsste dann schon einen deutlichen Farbstich sehen das es sich merkbar positiv auswirkt

    Interessent ist das es positive Untersuchungen zu human centric lighting gibt und ich diesen Effekt auch spüre (oder denke zu spüren)

    Was mich auch interessieren würde wie sich ein Farbfilter auf den Bildschirm auswirkt

  14. Interessant… Seitdem ich Brillen mit Blaulichtfilter habe verändert sich meine Sehstärke deutlich weniger als zuvor. Kann aber natürlich auch Zufall sein.

  15. Danke für den Beitrag. Sehr interessant zu wissen, dass es noch Langzeitstudien braucht, die tatsächlich die Verbesserung der Schlafqualität durch die Blaufilter beweisen. Ich kaufe bisher immer günstige Qualitätsbrillen und bin damit sehr zufrieden.

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