Apple AirTags: Antworten zum Stalking-Schutz und erste Eindrücke

Apple hat die AirTags vorgestellt. Kleine, mit Knopfzellen ausgestattete Dinger, die ihr orten könnt. Geht beispielsweise eine Tasche mit so einem AirTag verloren, dann könntet ihr die Tasche in direkter Nähe mit einem iPhone orten, alternativ ist es so, dass ihr über Apples Find-my-Netzwerk das verloren gegangene Stück wiederfinden könntet – iPhones, die den AirTag aufspüren könnten, gibt es ja weltweit viele.

Obwohl die grundsätzliche Technologie – die ich in diesem Beitrag auch erkläre – nicht neu ist, gibt es natürlich große Bedenken. Tile und Co. haben schon lange solche Tracker im Angebot, aber man kennt es ja, stellen Google oder Apple Dinge vor, dann wiegen diese natürlich aufgrund der Marktmacht schwerer. Und so gab es beispielsweise zu den Tracking-Funktionen der AirTags Fragen, die von Apple-Mitarbeitern beantwortet wurden. Mittlerweile gibt es auch schon erste Eindrücke von Testern.

AirTags verfügen über eine Sicherheitsfunktion namens „Pairing Lock“ (Kopplungssperre), die vor Personen schützt, die euren verlorenen Gegenstand finden und ihm den AirTag entreißen könnten, um ihn als ihren eigenen zu verwenden. Man vergleicht Pairing Lock mit der Aktivierungssperre des iPhones. „Es bedeutet, dass, wenn Sie Ihren AirTag verlieren, jemand nicht einfach Ihren AirTag aufheben, ihn mit seinem Telefon neu koppeln und ihn weiter benutzen kann„, sagte Ron Huang von Apple. „Das hat sich für das iPhone als sehr wirkungsvoll erwiesen und wir denken, dass es das auch für AirTag sein wird.

AirTags sind nicht auf eine eigene Internetverbindung angewiesen. Stattdessen nutzen sie ein Netzwerk von fast einer Milliarde iOS-Geräten und Macs. Jeder AirTag sendet eine eindeutige, verschlüsselte Bluetooth-Kennung; andere Apple-Geräte können diese erkennen und den Standort des AirTags direkt an das Apple-ID-Konto des Besitzers weiterleiten.

Personen, die in den Besitz eines AirTag gelangen, können diesen nicht nur nicht für sich selbst verwenden, sondern auch nicht herausfinden, wer der Besitzer ist. Auf jedem AirTag ist eine eindeutige Seriennummer aufgedruckt, aber die Identität des Besitzers kann aus dieser Nummer nicht abgeleitet werden, es sei denn, der Besitzer aktiviert den Lost Mode des AirTag.

Sobald Nutzer diese Option aktiviert haben, kann jemand, der den verlorenen AirTag findet, ihn mit einem beliebigen NFC-fähigen Gerät (z. B. einem iPhone oder Android-Smartphone) scannen, um eine Web-URL-Eingabeaufforderung auf diesem Gerät anzuzeigen. Durch Tippen auf die Eingabeaufforderung wird der Finder des AirTags zu einer Apple-Supportseite mit der eindeutigen Seriennummer des AirTags und – falls der AirTag-Besitzer dies wünscht – der Telefonnummer des AirTag-Besitzers weitergeleitet, sodass der Finder ihn anrufen oder eine SMS senden kann.

Und das Thema Verfolgung? Wenn Nutzer ein iPhone mit iOS 14.5 oder höher besitzen und jemand ihnen einen AirTag heimlich in die Tasche steckt, um Bewegungen zu verfolgen, wird das iPhone warnen, indem es ihnen eine Benachrichtigung „AirTag bei ihnen gefunden“ sendet. Diese Benachrichtigung erscheint nur, wenn euch ein AirTag folgt, der nicht mit eurer Apple ID oder einem anderen iPhone in ihrer Nähe gekoppelt ist. Diese Unterscheidung ist wichtig, damit das iPhone nicht über AirTags benachrichtigt wird, die z. B. anderen Personen im selben Bus gehören, in dem man fährt. Wenn ausspionierte Nutzer auf die Benachrichtigung tippen, gelangen sie zur App „Find My“, in der sie dem AirTag, der in ihren unfreiwilligen Besitz gelangt ist, mitteilen können, dass er einen Ton abgeben soll, damit sie ihn orten können.

Und wie schauts aus bei Android-Nutzern? Könnte ich jene wohl unbemerkt verfolgen? Nachdem ein AirTag eine bestimmte Zeit lang nicht mit dem gekoppelten Gerät verbunden war, gibt der AirTag automatisch einen Ton ab, der die Menschen in seiner Umgebung über seine Anwesenheit informiert. Im Moment muss der AirTag drei Tage lang außerhalb der Reichweite des gekoppelten Geräts sein, damit der Ton ertönt, aber Apple könnte diese Zeit in Zukunft durch ein Software-Update verlängern oder verkürzen. Und wenn Nutzer einen fremden AirTag in ihrem Besitz finden, können sie ihn mit jedem NFC-fähigen Telefon scannen. Wenn sie auf die Benachrichtigung tippen, die im NFC-Lesegerät erscheint, gelangen sie auf eine Apple-Website mit Anweisungen, wie sie den AirTag und seine Ortungsfunktionen sofort deaktivieren können – indem sie einfach die Batterie entfernen.

Auf der gleichen Seite sehen Nutzer die eindeutige Seriennummer des AirTags, die auch auf dem AirTag selbst aufgedruckt ist. Obwohl sie nicht in der Lage wären, den Besitzer des AirTag anhand dieser Seriennummer herauszufinden, könnte Apple den Besitzer ermitteln, da die eindeutige Seriennummer des AirTag während der anfänglichen Einrichtung des Pair Locks mit einer Apple ID verknüpft wird. Aus dem Interview mit den Apple-Mitarbeitern:

„Wenn Sie besorgt sind, dass die Gefahr besteht, dass Sie verfolgt werden, könnten Sie sich an die Strafverfolgungsbehörden wenden“, merkt Drance an. „Wofür die [AirTag-]Seriennummer verwendet wird, ist, dass sie bei der Ersteinrichtung Ihres AirTags mit einer Apple ID gepaart wird, zusammen mit einigen zusätzlichen Informationen wie Ihrem Namen, Ihrer E-Mail-Adresse, Ihrem Geburtsdatum und ähnlichen Dingen, die [Apple] den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung stellen könnte, wenn sie danach gefragt werden, mit den richtigen Befugnissen und Verfahren.“

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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40 Kommentare

  1. Das diese Tags nach drei Tagen ohne Verbindung piepen und die Meldung „Tag bei Ihnen gefunden“ erscheint, macht den Tag für Diebstahlsicherung nutzlos. Hoffentlich haben diese Samsung Smart Tags nicht diese Funktionen, dann könnte ich Autos/Fahrrad/Traktor günstig mit den Tags sichern (Bin sowieso im Samsung Öko System)…

    • Eigentlich dachte ich das ich damit endlich mein Fahrrad sichern kann! Naja dann doch ne andere Lösung!

    • Naja,
      also wenn sich der Dieb nach drei Tagen das geklaute Rad noch nicht genauer angeschaut hat…
      Sollten drei Tage nicht reichen um das Rad zu finden? Immer vorausgesetzt es ist ein Gerät in der Nähe das „Find My“-Daten weiterleitet?

      Ich sehe da eher ein ganz anderes Problem:
      Angenommen der Dieb hat auch ein iPhone – dann sitzt er ja auf einem Rad mit einem fremden AirTag dran… Er sollte also schon lange vor Ablauf der drei Tage eine Benachrichtigung bekommen dass er mit einem fremden AirTag reist.

  2. Ich würde gerne meinen kleinen Kindern einen solchen AirTag in den Schulranzen legen. Könnte vielleicht sogar funktionieren, weil die drei Tage ja nicht überschritten werden.

    • Klar Kindertracking. (wieder lustig in der Schule wenn es während der Klassenarbeit ständig piept.)
      Bin gespannt wie lang Apple braucht um zu merken, dass die Dinger ihren so toll Marketingversprechen DATENSCHUTZ UND SICHERHEIT wiedersprechen.

      • Es ist ein Dinge-Finder. Kein Kinder- oder Tier-Tracker.

        • Welche Dinge muss man denn ständig wiederfinden? Ja, ich verlege Dinge in den eigenen vier Wänden, aber dabei helfen mir die Tags ja nicht. Aber außerhalb der eigenen vier Wände? Was sollte man denn da ständig wiederfinden müssen?

          • Und warum helfen sie dir gerade nicht in den eigenen vier Wänden?! Natürlich geht das.

          • joshuabeny1999 says:

            Mit dem UI-Chip sind die genau für das verlegen in den eigenen 4 Wänden gedacht und man kann sie per Pfeil-Navigation finden. Ich finde dies super. Denn als schwerhöriger bringt mir ein lauter Piepston wenig um meine Sachen zu orten. Deshalb bin ich so begeistert von den Dingern.

          • Das kommt noch. Spätestens wenn du eigene Kinder hast, wirst du so ein Teil im Lieblingskuscheltier zu schätzen wissen. Das Teil ist quasi immer überall dabei und selbst durch ein nahezu identisches nicht zu ersetzen. Davon abgesehen gibt es persönliche Besitztümer wie Schlüssel usw. die du kein einziges Mal verlegen und schon gar nicht verlieren möchtest.
            Einfach mal den eigenen Horizont erweitern.

  3. Wie verhält es sich, wenn ich einen AirTag in meine Tasche lege/einnähe und dieser wir geklaut. Dann möchte ich den Dieb verfolgen, und nicht das sich mein AirTag bei ihm meldet und sagt du wirst verfolgt.

  4. Dann soll Apple bitte auch im App-Store aufräumen, wo einige Freaks sich Stalker-Apps herunterladen

  5. Freue mich schon auf die ersten Berichte über genervte Leute weil die Besitzer im Urlaub sind und die Dinger daheim piepsen

  6. Klaus Mehdorn Travolta says:

    Eine Frage hätte ich da noch: bei dem Beispiel im Bus – warum meldet sich der ‚untergeschobene‘ AirTag nur bei mir um mir mitzuteilen dass ich evtl. verfolgt werde und nicht auch bei jemand der neben mir sitzt (mit iPhone)?
    Wie ist in diesem Zusammenhang ‚wenn euch ein AirTag folgt‘ definiert – ich sitze ja evtl. auch mal 30-40 min oder länger mit der selben Person in der Bahn.

    • Der wird sich bei jedem melden.
      Sitzt aber jemand im Bus dem der airtag gehört, da er sein gekoppeltes iPhone bei sich hat. Wird dein iPhone und alle übrigen iPhones im Bus nicht reagieren.

    • Du sitzt ja nicht 3 Tage mit demselben AirTag im Bus. Die Dinger melden sich ja nur wenn sie sich lange Zeit in der Nähe des immer gleichen (fremden) Gerätes befinden.

  7. Wenn ich die Rezensionen auf Amazon lese ist Tile ziemlich nutzlos…

    • Nooblucker says:

      Aber die Apple Base ist viel größer als Tile. Das ist das Prinzip mit der kritischen Masse wie bei WhatsApp.

    • Klar ist Tile nutzlos. Irgendwer (Golem? Heise?) hat vor einiger Zeit mal einen Test gemacht und festgestellt dass es im Großraum München nur ca 100 Nutzer gab. Vergleicht man das mit iPhone Besitzern (ca. 25% Marktanteil) wird schnell klar wie groß das Apple Netzwerk ist.

      • Mir hat mein Tile-Anhänger am Schlüsselbund schon mehrfach geholfen eben jenes oder das Smartphone im Haus wiederzufinden. Finde ich gar nicht nutzlos.

        • fifikofsky says:

          Wow, du bildest ein Netzwerk mit dir selbst. absolut galaktisch.

          • Peter Brülls says:

            Für einige Sachen wäre das ja auch schon mal okay. Das Finden zu Hause geht damit ja ganz gut. Für echtes Verlieren habe ich Telefonnummer am Schlüssel oder Visitenkarten in Taschen

    • Naja, das Internet und schon gar nicht Rezensionen bei Amazon sind repräsentativ. Für mich persönlich hat sich der Tile mehrmals gelohnt.

  8. Was passiert, wenn mein Rucksack mit AirTag Zuhause ist. Ich bin es aber nicht und dann ist Besuch da mit einem iPhone und nicht weiter als 9m entfernt. Reicht das für den Stalling-Alarm?

  9. Soso, ein „Sachen Finder“?
    Das wäre ja was für Pippi Langstrumpf – die ist ja bekanntlich Sachensucherin.

    • Danke, dass du mich zum Lachen gebracht hast!
      Eine Like-Funktion gibt es hier ja nicht. Aber man kann einen netten Kommentar schreiben. 🙂

  10. Die einzige Sinnvolle Anwendung für so einen Airtag sehe ich für mich für meinen Schlüssel. Der ist öffters mal weg. Strengt das nicht die grauen Zellen an wenn man etwas sucht? Das ist echt schade dass erst ab dem iPhone 11 die genaue Suche geht. Da hätte ich für mich noch einen Sinn gesehen sowas zu kaufen. Ohne genaue Suche ist es für mich dann eher uninteressant.

  11. Was KLASSE wäre: Wenn ich einen Airtag am Schlüsselbund habe, den Schlüsselbund unterwegs verliere, er also außer Reichweite kommt > dass ich DANN und SOFORT eine Pushmeldung bekäme und quasi zurücklaufen und ihn aufheben kann.

    Meint Ihr, das funktioniert auch??

  12. Kapier nicht, wie Leute sowas brauchen können. Zu blöd um sich Orte zu merken und in Zukunft dann immer blöder, weil man das Gehirn gar nicht mehr nutzt.

    • Fun Fact: man kann Schlüssel auch z.B. einfach verlieren indem sie aus der Hosentasche fallen. Mir so passiert letztes Jahr.

      Hätte ich nen AirTag dran gehabt hätte ich sie wiedergefunden, so waren sie für immer weg.

    • Kapiere nicht, wie man so einen begrenzten Horizont haben kann. Ich glaube, deine Zukunft ist schon jetzt.

  13. Hatte mich auf die AirTags gefreut. In der „wir wollen es allen gerecht machen“ Umsetzung von Apple aber für mich(!) sinnlos. Die Idee, damit Fahrrad & Rucksack auszustatten, falls die Sachen gestohlen werden, funktioniert aufgrund der Warnung des Diebs nicht. Mein Portemonnaie wurde mir mal gestohlen. Hierfür wäre ein AirTag in Kartenform sinnvoll, wo bei Verlust der Verbindung ein Alarm kommt. Somit sicherlich ein Produkt mit vielen tollen Features, aber auch einigen Eigenheiten, die nicht für alle passen. Durch die praktische Integration in die „Finde mein…“ App von Tags von Drittanbietern, können diese ja mal zeigen, was sie besser machen können.

    • Peter Brülls says:

      „Durch die praktische Integration in die „Finde mein…“ App von Tags von Drittanbietern, können diese ja mal zeigen, was sie besser machen können.“

      Auch die werden sich an die Privacy-Vorgaben halten müssen, also bleiben da nur Form, Laufzeit, Sendestärke.

      • VanMoof hat sein S3 Fahrrad bereits heute mit der „FindMy…“ App verknüpft. Ich glaube nicht, dass das Fahrrad nach drei Tagen herumpiept. Ob es sich bei fremden Fahrern meldet, weiß ich nicht. Wäre in dem Fall kontraproduktiv. Keine Ahnung, ob Apple bei großen Trackern (Fahrrädern) vom Informationsprozess abweicht. Werden wir sehen.

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