Android und Sideload von Apps: Google geht auf Fragen zu Huawei ein

Seit Mai 2019 sitzt Huawei auf der Schwarzen Liste der US-Regierung. Diese Regierungsmaßnahme verbietet allen US-Unternehmen, einschließlich Google, die Zusammenarbeit mit Huawei. Die direkten Folgen für Endkunden sind euch bekannt, das bedeutet, dass Google nicht mit Huawei an neuen Gerätemodellen arbeiten oder Googles-Apps wie Gmail, Maps, YouTube, den Play Store und andere zur Vorinstallation oder Herunterladen auf diese Geräte zur Verfügung stellen darf. Ja, das funktioniert natürlich über Umwege.

Es gibt Anleitungen, wie man aus Dritt-Quellen Google-Play-Services und alles installiert. Das allerdings kann natürlich Risiken mit sich bringen, denn die Quellen sind undurchsichtig und unter Umständen holt man sich etwas aufs Smartphone, was man nicht möchte. Würdet ihr dem Freund oder Familienmitglied, dem ihr Jahre lang erklärt, es möge nicht auf jeden Link im Netz oder auf das PDF-Dokument in der Mail klicken und es öffnen, erklären, wie man sich eine App aus China per Sideload installiert, der man dann auch noch Zugangsdaten sowie administrativen Zugriff auf das Gerät gibt?

Auch Google hat sich in einem Statement noch einmal des Themas angenommen, vermutlich, weil viele, nicht technisch Interessierte danach fragten. Man habe sich auf den Schutz der Sicherheit der Google-Nutzer auf den Millionen von Huawei-Geräten weltweit konzentriert. Man habe weiterhin mit Huawei zusammengearbeitet, um in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Bestimmungen Sicherheitsupdates und Aktualisierungen der Google-Anwendungen und -Dienste auf den vorhandenen Geräten bereitzustellen, und werde dies auch weiterhin tun, solange dies zulässig ist. Das US-Gesetz erlaubt Google derzeit nur die Zusammenarbeit mit Huawei bei Gerätemodellen, die am oder vor dem 16. Mai 2019 der Öffentlichkeit zur Verfügung standen.

Um den Datenschutz und die Sicherheit der Nutzer zu gewährleisten und das Gesamterlebnis zu sichern, sind der Google Play Store, Google Play Protect und die Kernanwendungen von Google (einschließlich Google Mail, YouTube, Maps und andere) nur auf Play Protect-zertifizierten Geräten verfügbar.

Zu diesen zertifizierten Geräten gehören dann die neuen Huawei-Geräte (z. B. Mate 30, P40 oder Mate X) nicht. Klar, viele Apps lassen sich auch ohne Google-Play-Dienste nutzen (schließlich gibt es außerhalb der Google-Welt auch Android-Smartphones und App Stores), aber gerade den Sideload empfiehlt Google nicht so, zumindest bei den eigenen Apps:

Darüber hinaus funktionieren die per Sideload geladenen Google-Anwendungen nicht zuverlässig, da wir die Ausführung dieser Dienste auf nicht zertifizierten Geräten, bei denen die Sicherheit gefährdet sein könnte, nicht zulassen. Der Sideload von Google-Anwendungen birgt auch ein hohes Risiko, dass eine Anwendung installiert wird, die auf eine Weise verändert oder manipuliert wurde, die die Sicherheit der Nutzer beeinträchtigen kann.

Da stellt sich natürlich die Frage: Wer nutzt wirklich so gar nichts von Google auf seinem Smartphone? Videos? Kann man im Web schauen. Gmail? Kann man mit jedem Client abfragen. Google Assistant? Google Home und so? Da wird es nämlich schon schwieriger… Ich für meinen Teil hoffe weiter, dass Huawei da einen Dreh bekommt, wobei ich fast schon geneigt bin zu sagen, dass ich gerne einen Gegenpart zu Google sehen würde, zumindest was den Play Store betrifft. Heute trifft es diesen Hersteller, morgen vielleicht den anderen…

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei LinkedIn, Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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12 Kommentare

  1. Entweder man installiert den Playstore /von einem anderen Gerät) per .apk oder gewünschte Anwendungen mit deren apk.

  2. was auch nur eine APK ist, weil Google netterweise seine ganze eigenen Features als eigene Anwendungen auszulagern und NICHT im Betriebssystem vorzusehen.

  3. Eine richtig coole Alternative ist F-Droid. Die Anwendungen, die dort fehlen, sollte man sowieso vermeiden.

    • Ja, F-Droid (Spendenfinanzierung nicht vergessen :-)) ist wirklich toll – etwas langsam, funktioniert dann aber. Viele Apps daraus ersetzen die Google-Apps oder die Hersteller-Anwendungen. Weiter nutze ich oft nur die Webseite (amazon usw.).
      Trotzdem ist das alles kein wirklicher Ersatz zum Play-Store. Es fehlt immer wieder etwas, was man für sein teures Smartphone dann doch benötigt und dort bin ich dann auch bereit Geld anzufassen (und das ist mit sideloaden nicht wirklich umsetzbar).
      Was von Google selbst wirklich fehlen würde sind die Play-Dienste – ohne die laufen einige Apps sehr bescheiden… und gerade für Menschen mit Behinderungen der Google-Assistent.

    • Das ist nicht einmal im Ansatz eine Alternative.
      Zum einen fehlt extrem viel, und dann hast Du noch den gewaltigen Nachteil, dass man alle Apps nochmal kaufen müsste die man bereits für den Play Store gekauft hat.

  4. Tatsächlich ist Huawei auf den Consumer-Markt ausgerichtet und nur ein Bruchteil der Nutzer kann mit Sideload oder ähnlichem etwas anfangen. Das ist auch der Grund, warum so viele Smartphones von Huawei aus alten Beständen noch erhältlich sind oder“neu“ aufgelegt werden, wie das P30 Lite. Die Entkopplung von Google wird bei anhaltendem Verbot Huawei auf dem Smartphone-Markt in Deutschland (und Europa?) das Genick brechen.

  5. Wolfgang D. says:

    Im Westen nichts Neues.

    Entweder, man macht auf Hoffnungsvoll und bleibt sklavisch bei Huawei. Selbst wenn ein Ende der Querelen nicht in Sicht ist und die Spyware von Huawei keinen Deut besser oder schlechter. Oder man holt sich als Nachfolger seines Huawei was anderes, mit voller Funktionalität der Play Dienste. Meine Leute *wollen* allerdings Maps, oder den Google Assistenten, und so ein oberteures Huawei holt sich von denen eh keiner.

    Von daher, wird Xiaomi mittlerweile von den Verkaufsdroiden empfohlen. Dieser Hersteller interessiert in den USA keinen Politiker, zertifiziert sind die hier im Laden verkauften Geräte auch.

  6. Der mit dem Aluhut says:

    Also ich bin so einer von Denen, wo alle Google-Dienste deaktiviert hat. Bei mir sind auch die Play-Dienste strikt deaktiviert.
    Browser = Firefox
    Messenger = DeltaChat + Conversations
    Mehr Apps benötige ich nicht. Ich verstehe sowieso nicht, wieso sich fast die ganze Menschheit so abhängig von den Geräten und inzwischen nch dazu von geschlossenen Software-Diensten macht.

    Ich bin mir sicher, dass es noch mehr solcher minimalisten gibt, wie mich. Die meisten hängen es nur nciht an die große Glocke.

    • Wolfgang D. says:

      @Der mit dem Aluhut „alle Google-Dienste deaktiviert“

      Auch solche Menschen gibt es, klar.

      Fällt aber nicht weiter unter den 2,7 Milliarden (-(x)) Android Nutzern weltweit auf, die genau wegen dieser Dienste (als Geben und Nehmen) so ein Smartphone gekauft haben. Der Spruch mit den Fliegen passt hier mal nicht so richtig, denn nur durch Zusammenarbeit war dieser Erfolg möglich.

  7. Christian Eichholz says:

    Ich hoffe auch, dass Huawei ein eigenes Projekt auf die Beine gestellt bekommt und den USA damit den fetten Mittelfinger zeigt!

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