Amnesty International kritisiert große Tech-Firmen für Kobalt-Bezug aus dem Kongo

artikel_amnestyinternationalTechnische Gerätschaften beinhalten sehr viele Materialien, darunter auch solche, die man nicht an jeder Ecke findet. Für diese Materialien müssen sich Hersteller immer wieder verantworten, auch wenn sie diese nur indirekt über ihre Zulieferer beziehen. So sieht es auch mit Kobalt aus, einem Stoff, der Gegenstand eines aktuellen Amnesty International-Berichts ist. Das im Kleinbergbau gewonnene Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo soll auch von Kindern und ohne ausreichende gesundheitliche Schutzmaßnahmen gewonnen werden. Der Bericht sieht die Hersteller in der Pflicht, sich um humane Arbeitsbedingungen zu kümmern, diese wiederum reden sich – grob heruntergebrochen – mit der Undurchsichtigkeit der tatsächlichen Herkunft der Materialien heraus.

Die krummen Geschäfte laufen bereits bevor die Hersteller überhaupt Zugriff auf die Zuliefererkette haben. Kinder gewinnen das Erz unter furchtbaren Bedingungen zu einem Hungerlohn, Mittelsmänner verkaufen es dann an die Firmen, die es auf den Markt bringen, also der Zuliefererkette zuführen. Eine Nachvollziehbarkeit, unter welchen Umständen das Material von wem gewonnen wurde, gibt es nicht.

AWAI_Cobalt

Eine dieser Firmen, die Kobalt von Kindern und Erwachsenen im Kleinbergbau unter den gesundheitsschädlichen Bedingungen abbauen lassen soll, ist Huayou Cobalt. Auf der Kundenliste dieser Firma stehen auch große Namen der Tech-Branche, wobei jede Firma auf Anfrage von Amnesty International bestritt, mit dieser Firma Kontakt zu haben. Man beziehe Kobalt nur aus korrekten Quellen. Der Gesamtmarkt spricht aber eine andere Sprache, die Demokratische Republik Kongo ist Hauptlieferant für Kobalt, sehr unwahrscheinlich, dass die großen Firmen hier kein Kobalt her haben. Denn wo sie es konkret beziehen, haben sie gegenüber Amnesty International auch nicht verraten.

Es ist ein schwieriges Thema. Natürlich wollen alle immer, dass alles für jeden gleichermaßen gerecht zugeht. In einer Wirtschaft kann das aber nicht funktionieren. Zu viele Faktoren bestimmen den Markt, letztendlich ist es der Kunde, der mit dem Kauf eines Produkts dessen Herstellung abnickt. Unternehmen, die versuchen, auch auf so etwas zu achten – was generell nur bis zu einem gewissen Maßstab möglich ist – sind wenig erfolgreich.

Bestes Beispiel ist das Fairphone, ein Smartphone, bei dem auf Nachhaltigkeit ebenso geachtet wurde, wie auf die Verwendung fair gehandelter Materialien. Der Kunde zahlt einen etwas höheren Preis für eine technisch etwas schlechtere Ausstattung, dazu sind die wenigsten bereit. Aber der Bedarf an diesen Materialien zieht sich durch viele Bereiche, ist nicht nur bei Smartphones zu finden. Auch Autohersteller oder andere Firmen benötigen solche Materialien.

Amnesty International fordert die Unternehmen nun auf, bekanntzugeben, wo sie das benötigte Kobalt beziehen, sie sollen die Firmen nennen, mit denen sie handeln. Dass dies etwas an der Gesamtsituation ändern wird, kann ich mir nicht vorstellen, denn selbst wenn ein Zulieferer wegfällt, weil er nicht nach den Regeln spielt, schließt ein anderer die Lücke. Der Bedarf kann dann aber auch nur wieder auf die gleiche Weise gedeckt werden, nur halt unter anderem Namen.

Möchtet Ihr den kompletten Bericht durchlesen (macht es Euch gemütlich, es sind 88 Seiten), findet Ihr ihn an dieser Stelle.

(via Venture Beat)

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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4 Kommentare

  1. Danke auch für deine Bewertung der Thematik, für die Darstellung der Komplexität.

    Das Problem ist eben diese vielstufige Lieferkette. Der OEM bezieht Akkus vom Akkuhersteller (z.B. LG Chem, Samsung SDI u.a.) und drückt ihnen die Verpflichtung auf, nach Recht und Gesetz zu arbeiten und – hoffentlich – auch nur fair gehandelte / abgebaute Mineralien einzukaufen und zu verwenden. Die Frage ist jetzt, ob zumindest die Akkuhersteller, die ja den Kobalt verbauen für die Kathoden in ihren Akkus, die Herkunft des Kobalts herausfinden können und dies auch tun. Zumindest kennt man doch seine Lieferanten und weiß, auf welche Quellen die setzen. Also von daher ist mehr Druck auf die Akkuhersteller vonnöten.

  2. „[…] sie sollen die Firmen nennen, mit denen sie handeln. Dass dies etwas an der Gesamtsituation ändern wird, kann ich mir nicht vorstellen, denn selbst wenn ein Zulieferer wegfällt, weil er nicht nach den Regeln spielt, schließt ein anderer die Lücke. Der Bedarf kann dann aber auch nur wieder auf die gleiche Weise gedeckt werden, nur halt unter anderem Namen.

    >> Diesen Schluss verstehe ich nicht.
    Wenn ein Zulieferer z.B. wegen zu schlechter Abbaubedingungen wegfällt, warum sollte diese „Lücke“ dann durch einen neuen geschlossen werden, bei dem gerade diese auch wieder schlecht sind? Oder verstehe ich da etwas falsch?

    Falls Unternehmen wie Samsung, HTC etc. auf Kundendruck hin die eigenen Zulieferer unter Druck setzen würde, dann würde sich die Kette bis zu den Mienen durchziehen. Wenn in prekären Mienen nichts mehr gekauft würde, dann müsste das das geändert werden. So funktioniert der Markt eben. Auf anderen Ebenen hat sich das ja schon zum Teil bewahrheitet. Letztlich Liegt es also wie immer am Verbraucher, ob er die höheren Preise in Kauf nehmen würde. (Wir reden hier von ein paar EUR pro Handy)

  3. Karl Kurzschluss says:

    Wenn das Kobalt tatsächlich so selten und begehrt ist und die ganze Welt es braucht, wundere ich mich über angebliche Hungerlöhne von Kindersklaven. Die müssten doch fair bezahlt und fair behandelt werden. Aber ich vermute, es ist so, wie es in Afrika immer ist: An Menschen mangelt es nicht. Es liegt aber an den Afrikaner selbst, daran etwas zu ändern.

  4. „Natürlich wollen alle immer, dass alles für jeden gleichermaßen gerecht zugeht. In einer Wirtschaft kann das aber nicht funktionieren.“

    Warum nicht? Wäre die Gier auf der einen Seite und die Gleichgültigkeit auf der anderen Seite nicht so groß, würde es funktionieren. Ja, ist bis zu einem gewissen Grad utopisch, aber Verbesserungen als unmöglich anzusehen, „weil das geht sowieso nicht“, ist denn doch etwas sehr kurzsichtig.

    http://martin-perscheid.de/image/cartoon/3041.gif

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