Amazon startet zwei Initiativen um Retouren und unverkaufte Produkte zu verwerten

Amazon zog erst kürzlich harsche Kritik an sich: Der Online-Händler sollte an einigen Standorten sogenannte „Vernichtungsstationen“ betreiben, um retournierte Waren zu entsorgen. Umwelt- und Verbraucherschützer kritisierten, dass der Händler die Waren nicht spendete oder anderweitig wieder in den Kreislauf brachte. Amazon hat offenbar reagiert, denn öffentlichkeitswirksam spricht man nun von zwei neuen Initiativen, über die man Retouren und unverkaufte Produkte wieder in den Warenkreislauf bringe.

Auch eine Erweiterung von Sachspenden überdenke man, schiebt da aber den schwarzen Peter weiter: Da müsse die Bundesregierung erst die Rahmenbedingungen schaffen. Für seine eigenen Produkte nutze Amazon ja bereits das Amazon Warehouse für den Weiterverkauf gebrauchter oder reparierter Ware. Zudem spende man teilweise an lokale Tafeln oder die Spendenvermittlungsplattform innatura. Dank dieser Programme liege die Zahl der von Amazon verkauften Produkte, die entsorgt werden müssen, schon heute im Promillebereich, so behaupte man.

Probleme gab es dann eher mit den Produkten von externen Marketplace-Anbietern gegeben. Laut Amazon helfe man mit seinen neuen Projekten insbesondere jenen Händlern, welche „Versand durch Amazon“ (FBA) nutzen – dann wickelt Amazon für seine Partner den gesamten Logistikprozess ab. Mit einem ersten Programm können Verkaufspartner nun Retouren und unverkaufte Bestände nun noch mit Gewinn an Aufkäufer von Restposten weiterverkaufen. Das Programm gibt es jetzt in den USA, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien und bald auch in Großbritannien.

Über ein zweites Programm können Drittanbieter Retouren direkt an Amazon Kunden weiterverkaufen. Das Programm ist bereits in Großbritannien verfügbar und wird bis Ende des Jahres in den USA und bis Anfang 2022 auch in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien starten. Amazon bewertet einen retournierten Artikel dann automatisch und weist ihm einen von vier Standardzuständen zu: „Gebraucht – wie neu“, „Gebraucht – sehr gut“, „Gebraucht – gut“ und „Gebraucht – akzeptabel“ – also so wie im eigenen Amazon Warehouse. Drittanbieter legen den Artikelpreis entsprechend dem Zustand dann selbst fest – genau wie bei ihren neuen Artikeln.

Des Weiteren habe man einen Outlet-Shop gestartet, über den Drittanbieter überschüssige Ware an Kunden von Amazon verkaufen und in der Regel noch zwischen 30 und 60 Prozent des ursprünglichen Preises erhalten. Alternativ schicke man retournierte oder nicht verkaufte Ware an die Verkaufspartner zurück. Spenden an bedürftige Menschen seien hingegen leider ein komplexeres Thema: Das deutsche Steuerrecht verpflichte Unternehmen dazu, Umsatzsteuer auf den Wert von gespendeten Waren zu entrichten. Daher sei es meistens teuer, Waren zu spenden, als sie einfach zu entsorgen. Daher würden viele kleinere und mittelgroße Marketplace-Händler diese Kosten nicht tragen können.

In anderen Ländern wie Großbritannien, Frankreich und den USA, wo Sachspenden von der Umsatzsteuer befreit seien, habe Amazon laut eigenen Aussagen daher auch einen Service namens FBA Donations eingeführt. Hier zeigt Amazon dann mit dem Finger auf die deutsche Politik, die handeln müsse.

In diesem Artikel sind Partner-Links enthalten. Durch einen Klick darauf ge­lan­gt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalten wir ei­ne kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

Neueste Beiträge

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.

28 Kommentare

  1. Kaum Steuer zahlen und bei Spenden rumjammer, dass die Steuerpflichtig sind.

    • Hört doch auf mit dem scheinheiligen gejammer wegen Steuervermeidung. 😉 Vermutlich habt ihr selbst ein Auto von einem Hersteller in der Garage stehen der selbst „Meister in der Steuervermeidung“ ist (zB VW & die Cayman-Inseln,…). 🙂 Aber hier wird ja eh mit zweierlei Maße gemessen… Das ist aus meiner Sicht auch der Grund warum man diese „Steuerlöcher“ nicht wirklich stopfen möchte, da es auch die „eigenen“ (Groß-)Unternehmen treffen würde.

    • Soweit ich den Artikel verstanden habe, spendet Amazon seine eigenen Artikel und vernichtet diese nicht bis auf einen ganz kleinen Teil der wahrscheinlich nicht gespendet werden kann(Unterwäsche gebraucht?)
      Es geht also um die Händler, die über amazon verkaufen. Also passt deine Aussage nicht so ganz.

  2. Warum können Spenden hier nicht auch umsatzsteuerbefreit sein? Was spricht denn dagegen, außer dass man das Steuerrecht dahingehend anpassen müsste?

    • Hatte mich auch interessiert. Wurde mir von einem Mitarbeiter beim Finanzamt so erklärt, dass das Missbrauchsrisiko dann zu hoch wäre.

    • André Westphal says:

      Letzten Endes wird man da Missbrauch fürchten und dass dann eben geschickt gespendet wird, statt zu verkaufen. Allerdings gibts da sicherlich schlimmere Missstände im Steuerrecht.

    • Damit man das Bestechungsgeld/Wahlkampfhilfe nicht auch noch absetzen kann. Davon abgesehen *kann* man gemeinnützige Spenden absetzen, wenn man kein wirtschaftliches Verhältnis zum Empfänger hat.

  3. Einen Artikel „Gebraucht – wie neu“ hab ich letzte Woche erst gekauft. Das ist hier also zumindest teilweise bereits aktiv.

    • Warehouse?

    • Woher weißt Du, dass es mal eine Retoure war? Es gibt Privatleute die da Verkaufen und Händler die sich auf den Verkauf von gebrauchter Ware spezialisiert haben, das gibt es schon ewig. Neu ist, dass auch Retouren (die nicht von Amazon kommen) den Weg dahin finden sollen.

  4. Bezüglich der Sachspenden haben sie aber auch recht. Siehe: https://www.bundestag.de/resource/blob/817270/d627be08ef36ff077654b3a71fbc37f0/WD-4-128-20-pdf-data.pdf

    Die Warehouse Deals für die Produkte von Drittanbietern zu erweitern klingt nach einem guten Zug.
    Man sollte nur auch nicht vergessen dass sich unter den vernichten Produkten vermutlich viel Ramschzeug befindet. Vielleicht sollte man dann für die Vernichtung von solch Billigprodukten eine Gebühr kassieren, damit davon gar nicht erst solche Übermengen produziert werden.

  5. Umsatzsteuer auf gespendete Waren? Das ist wohl der Gesetz gewordene Mittelfinger, den der Kapitalismus den Verlierern des Systems entgegen streckt…

    • Was denkst Du warum keine Firmen die noch ganz bei Trost sind ihren alten Kram verschenken… Höchstens inoffiziell an die Mitarbeiter.

      • Korrekt. Noch brauchbare Waren (Büromöbel, IT-Geräte,…) – teilweise wie neu – werden deshalb entsorgt und nicht gespendet. Das ist ja auch soooo extrem umweltfreundlich

  6. Das Thema mit den Sachspenden ist im übrigen auch im Einzelhandel ganz aktuell. Durch die Covid Zeit sitzen unzählige Einzelhändler und Hersteller auf Unmengen von Kleidung die vernichtet wird. Aus dem Grund gibt es derzeit eine Initiative von den Handelsverbänden und den Grünen um die Steuernachteile für Warenspenden abzuschaffen. Soweit ich weiß wurden sie auch von Olaf Scholz bis Ende des Jahres (zumindest für Kleidung) ausgesetzt, aber wünschenswert wäre natürlich eine langfristige Lösung wie sie auch von den Grünen und den Verbänden gefordert wird

    • Mich würde mal interessieren, warum das Gesetz nicht komplett abgeschafft wird. Es muss ja einen Hintergrund haben.

  7. Jonas Wagner says:

    Hier ein interessanter Artikel zum Unternehmen Innatura die auch mit dem Problem der Steuern auf Spenden kämpfen: https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2014/konzentration/wegwerfen-ist-billiger-als-spenden
    https://www.innatura.org/

    Aber warum schickt Amazon die Retouren aus Deutschland nicht nach Frankreich und spenden sie sie dort?

    • Die Antwort lautet „Kosten“.
      Der Transport nach Frankreich kostet Geld und als Gewinnorientiertes Unternehmen wählt man immer den günstigeren Weg.
      Das Amazon überhaupt in der Richtung reagiert, dürfte dem öffentlichen Druck geschuldet sein.
      Ohne die Berichterstattung würde weiterhin alles im Müll landen, dessen Rücksendung zuviel an Kosten verursachen würde.

      Ich hatte auch gestern etwas zurücksenden müssen und der UPS Shop hat das Produkt gleich in den Blauen Sack gesteckt. Auf meine Frage hin sage er, das alle Rücksendungen die mit „E“ beginnen für die Tonne sind.

    • Blacky Forest says:

      Das ist bestimmt nicht so einfach, da sie ja aus der Bilanz raus müssen. Und eine Bescheinigung über die Vernichtung bekommen sie nicht… Wenn doch, ist das Steuerhinterziehung und Betrug, vermute ich…

  8. Naja, die sogenannten Warehousedeals für Retouren gibt es schon lange. Mir ist aufgefallen das Amazon eigene Retouren neuerdings an eine Adresse in die Slowakei gesendet werden müssen. Vielleicht weil es dort weniger „Öffentlichkeit“ gibt beim weiteren Umgang mit Retouren?

    • Blacky Forest says:

      Hatte ich bisher nicht. Die letzten drei Rücksendungen zumindest waren Standorte in Deutschland.

    • Vielleicht weil dort eine eigene Lagerstruktur nur für Retouren aufgebaut wurde? D.h. das dort ein eigenes Lager mit Sortierung nur für Retouren existiert und von dort die noch brauchbaren Waren direkt an „normale“ Lager für den Weiterverkauf gesendet werden. Einiges landet direkt bei Wiederverwerter-Betrieben und anders in Verbrennungsöfen.

  9. – Hohe Produktvielfalt und -Verfügbarkeit und damit eben auch einen gewissen Überschuss. Gilt nicht nur für Amazon, sondern überall, insbesondere auch im Geschäft vor Ort.

    – Mangelwirtschaft, in welcher alles im besten Fall abgezählt und personenscharf zur verpflichtenden Verwendung vorgesehen ist, im Normalfall es jedoch einfach nicht genug für alle gibt, daher aber auch nichts übrig bleibt.

    Entscheidet weise, ihr könnt euch nur für eines entscheiden.

  10. Wolfgang D. says:

    „Vernichtungsstationen“
    Was soll man mit dem defekten Zeug denn sonst machen? Fünf Arbeitsstunden in Müll im Wert von einem Euro stecken?

    Gerade heute über Amazon Support eine Rückgabe/Refund angemeldet, weil die Verkäuferbude nicht fähig oder willens ist, das passende Ersatzteil für den TV Ständer zu liefern. Zweieinhalb Monate Diskussionen, einmal falsch geliefert, geb dir 5 Euro und du darfst den defekten Artikel behalten? Nun reicht es.

    Andere Sache, Handyhülle „wie neu“ vom Wiederverkäufer für Retourenwaren: Packung kaputt ok und bekannt, aber völlig verwarzte Klarsichthülle die man erst dreimal putzen musste und immer noch nicht klar ist? Da wäre mir die Vernichtung der Retouren wohl lieber gewesen, als diesen Schrott jetzt wieder zurückzuschicken.

    Von daher, habe ich für dieses Genörgel um die Vernichtung der Waren wenig Verständnis. Sieht alles aus wie bei Opas Vorbereitung auf die Kriegswirtschaft, ja nichts verkommen lassen, Licht aus beim Verlassen des Zimmers, Zahnpastatube aufschneiden und auskratzen. Eine Selbstoptimierung ganz im Sinne der Neolibs.

    • Neoliberale sind das genaue Gegenteil vom sparsamen Umgang mit Ressourcen. Ebenso hat ein sparsamer Umgang mit den endlichen Ressourcen dieses Planeten (nur dieser eine Planet, die Menschheit siedelt noch nicht woanders), anstelle von wahlloser Verschwendung, nichts mit Opas „Kriegswirtschaft“ zu tun.

      Weißt du eigentlich wie Opas „Kriegswirtschaft“ ausschaut? Kein Strom, kein Obdach, fast nichts zu essen und ständig die Sorge die nächste Bombe auf den Kopf zu bekommen.
      In vielen Ländern ist das heute immer noch Standard. Und vieles deswegen damit du wahllos, ganz im Sinne der Neolibs, konsumieren und verschwenden kannst.

      Ich habe wenig Verständnis für Leute die im Frieden und Luxus aufgewachsen sind und sich über Menschen lustig machen die im Elend, Mangel und Krieg versuchten zu überleben.
      Meine Oma durfte ihre Eltern beerdigen nach einem Bombentreffer im Elternhaus, mein Opa durfte nach Stalingrad noch ein Jahrzehnt im Kriegsgefangenenlager verbringen.
      Die wären froh über Strom und eine aufgeschnittene Zahnpastatube gewesen.

      „Habt ihr kein Brot, esst Kuchen.“ ist schon immer an Zynismus nicht zu überbieten gewesen.

Es werden alle Kommentare moderiert. Lies auch bitte unsere Kommentarregeln:

Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen. Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte - gerne auch mit Humor.

Du willst nichts verpassen?

Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren.