Post vom Anwalt: Ich, der Content-Dieb und Verletzer von Marken- und Urheberrechten

31. Juli 2014 Kategorie: Internet, Privates, geschrieben von: caschy

Identitätsklau im Netz. Keine Seltenheit mehr, überall gibt es Arschlöcher. Anonymes Agieren ist im Netz recht einfach – ergo findet man hier eine hohe Dichte von Menschen vor, denen mal einfach die Kniescheibe auf links ziehen müsste. Das betrifft aber nicht nur Mitarbeiter von Firma A, die über  Firma B reden und schlechte Bewertungen oder Kommentare im Netz hinterlassen, um den Mitbewerber zu schädigen, sondern das Ganze geht ja weiter, auch ins private.Axel-schreibt-mir-nen-Brief

Was früher die Pizza- oder Zeitungsbestellung auf den Namen eines ungeliebten Menschen war, lässt sich heute natürlich noch klassisch über das Internet ausspielen, noch viel einfacher teilweise, weil es eben simpel ist, Informationen über einen Menschen zu bekommen – und es bei vielen Diensten eben genau so einfach ist, mittels gestohlener Identität etwas zu machen.

So in vielen Fällen – und so auch in meinem Fall, der mir heute Post vom Anwalt einbrachte, welcher mir einen ganzen Tag gibt, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen.

Die Sache kommt ins Rollen

Aber mal von Anfang an. Ich wurde von einem Mitarbeiter von Chip vor einigen Tagen via Twitter kontaktiert, was ich denn mit der Domain chipfans.de wolle. Der Name der Domain und ich – alleine das lässt mich vor Lachen vom Stuhl fallen. Kurze Domainabfrage – What the fuck? Ich soll das sein? Schaut man genau hin, dann bin ich es gar nicht. Falsche Hausnummer. Falschen Faxnummer. Falsche E-Mail-Adresse. Name, Straße und Ort stimmen.

Was los ist

Domainerstellung „Created by LifeGuard at 5/23/2014″.  Joa, das machen Betrüger ganz gerne mal. Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendein Klappspaten hat die Domain registriert, die betreffenden Dienste interessiert es da anscheinend nicht, ob eine real existierende Person dahinter steht.

Inhalt der Domain chipfans.de? Bis zum Nachmittag des 30. Juli die komplett gespiegelte Seite von Chip.de. Das findet man bei Chip nicht gut und ist anscheinend deshalb auf mich zugekommen. Ich habe darauf die Denic angeschrieben, was da abgeht. Normalerweise hätte es mich einen feuchten Kehricht interessieren müssen, denn ich bin ja weder Ersteller, noch Inititator – soll sich mal schön die Chip drum kümmern. Aber ich bin ja nicht so. Die haben sich vorab nett gemeldet und gefragt, da investiere ich doch mal gerne meine Zeit.

Um bei der Denic oder dem betreffenden Mitglied (in diesem Falle eNorm Inc.) eine Domain „löschen“ zu lassen, muss man handschriftlich vorgehen. Ich kann schriftlich erfragen, welche Domains auf meinem Namen registriert sind –  bei denen, die es nicht sind, einen Löschantrag stellen.

Der Postbote bringt einen Brief

Heute Post. Vom Anwalt der Axel Springer AG. Wir haben heute den 31.07.2014 und ich habe Zeit bis morgen, um eine Unterlassungsverpflichtungserklärung. Ähnlicher Fall wie bei Chipfans.de. Die Domain Computersbild.de (jaja, so geschrieben) soll auch mir gehören. Auch dort wurde die komplette Seite gespiegelt, Inhalte kopiert und damit geklaut. Der Anwalt wollte mir mitnichten für die klasse Linkfarm danken – der wollte, dass das Ding vom Netz kommt. Doof, dass ich da ja nichts machen kann. Zumindest gab es nicht gleich eine Kostennote.

Interessanterweise hat man es bei Chip geschafft, mich zu identifizieren und „so“ locker zu kontaktieren. Bei der Axel Springer AG, also bei der ComputerBild, bei der ich zig Leute kenne – die mir vor Jahren einen Job anbot – war man nicht in der Lage, meine wahre Identität herauszufinden. Geschenkt – ist ein großer Laden, da geht das bestimmt im Monatstakt so. Der Anwalt schrieb auch nicht richtig an mich – sondern an meine Fake-Identität, die in Hausnummer 12 – nicht in 14 wohnt. Auf dem Dorf macht das nichts, der Brief kommt dennoch an.

Nach dem Brief

Wenn du so einen Brief bekommst, unschuldig bist – dazu noch großzügig einen Tag Zeit bekommst, etwas zu klären, dann kocht dir das Blut im Rage-Modus. OK, nicht so bei mir – ich sah es etwas lockerer und sah eine Geschichte für dieses Blog.

Den Tweet sahen einige meiner geschätzten Follower, darunter auch jemand, der bei Axel Springer ist. Ich kenne und schätze viele der Kollegen menschlich und so war es kein Wunder, dass man nach wenigen Augenblicken telefonierte. Story in kurz erklärbärt und der gute Mann kümmerte sich.

Ist nicht witzig

Hier ein kurzer Break, der zeigt, dass die Story nicht alltäglich ist und auf jeden passt. Ich habe das große Glück, etwas Reichweite zu haben, zudem noch einige Kontakte. Jeder Mensch ohne diesen Spaß müsste nun wahrscheinlich zum Anwalt, was unter Umständen Zeit und Nerven kostet. Von daher hoffe ich, dass Menschen, die anderen Menschen so etwas antun, ewig in der Hölle schmoren, zumindest von der Karma-Fee ordentlich gefistet werden. Pamm Pamm Pamm!

Ein Telefonat

Nach dem Telefonat meldete sich dann der Anwalt, der mir einen Brief schrieb. Er hat mir auch eine Mail geschickt, die nicht gebounced wurde, also anscheinend beim Empfänger ankam. Überraschende Wendung der Story? Wie auch der Brief ging die Mail an die Adresse, die bei der Denic hinterlegt ist und nicht an mich. Im Falle einer Mail kommt aber kein Postbote und klingelt bei mir.

Am Telefon noch einmal die Story erzählt, dass ich nicht der bin, für den er mich hält – bzw. nicht das gemacht habe, von dem er denkt, dass ich es tat. Und dass ich auch nichts unterschreiben werde – eigentlich nicht einmal etwas unternehmen muss. Da ich aber eh schon mit der Denic wegen Sachen Chipfans.de in Kontakt war, schlug ich mal vor, dass man den albernen Brief mal Brief sein lässt und ich vorgehe, wie von der Denic beschrieben: Brief schreiben. Persokopie rein. Domainliste erhalten, die auf den Fakenamen laufen, bestätigen, dass ich auch ich bin – und nicht er – und die Denic lässt den Kram bei den zuständigen Partnern verschwinden.

Nerviger Scheiss ist nervig

Ja, das ist nerviger Scheiss, ja, das kostet Zeit, die ich nicht habe und die mir fehlt. Aber es gibt Arschlöcher da draußen. Und heute trifft das mich – und morgen vielleicht dich. Gibt halt leider Affen da draußen und ich drücke jedem Menschen die Daumen, dass ihm so etwas – oder Schlimmeres – nicht passiert. Und an die, die so eine Scheiße mit anderen Menschen abziehen: Ihr wisst, es gibt die Karma-Fee. Und die macht genau das mit euch, was ich weiter oben schrieb. Für alles andere gibt es Anwälte – leider. Wenn in der Sache noch etwas passiert – oder ich vielleicht mal den Anwalt in dieser Sache einschalte – dann gibt es hier natürlich ein Update.

Euch alles Gute, bleibt sauber!



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Über den Autor: caschy

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