Netflix: Konto-Sharing legal oder illegal?

31. August 2015 Kategorie: Internet, Streaming, geschrieben von: André Westphal

netflix-logoEiner abonniert – mehrere nutzen: Das Sharing von Konten bei den unterschiedlichsten Diensten ist mittlerweile unter Freunden und in Familien gang und gäbe. Warum auch nicht? Schließlich teilt man sich z. B. mit anderen Leuten auch das Auto, die Wohnung oder nur sporadisch genutztes Handwerkszeug. Da liegt es nahe, bei digitalen Gütern ähnlich zu verfahren. Besonders das Teilen von Konten bei Streaming-Anbietern wie Netflix erfreut sich wachsender Beliebtheit. Allein in den USA sollen laut einer Studie der Citigroup zu 46 Mio. zahlenden Kunden nochmals 54 Mio. Nutzer dazu kommen, die Netflix via Sharing mitverwenden. Ob das noch lange gutgehen kann, ist jedoch fraglich.

So gehen den Streaming-Anbietern durch das Konto-Sharing laut Schätzungen der Analysten jährlich Einnahmen von ca. einer halben Mrd. US-Dollar verloren. Bisher fördern die Anbieter das Teilen der Zugangsdaten dennoch: Beispielsweise können vier unterschiedliche Geräte Netflix parallel über ein einziges Konto nutzen. Laut den Bestimmungen von Netflix möchte man mit dieser Regelung eigentlich besonders Familien entgegen kommen. Auf der hauseigenen Website gibt sich der US-Konzern sogar noch freigiebiger:

„Wenn Sie Ihr Netflix-Konto mit Freunden und Familienmitgliedern teilen, kann es sein, dass diese auch gerade Netflix nutzen, wenn Sie einen Titel ansehen wollen“,

heißt es dort überraschend locker. Wesentlich strikter geht Sky vor. Wer etwa Sky Go oder Sky Snap verwendet, darf seine Daten ausschließlich anderen Personen zur Verfügung stellen, die im selben Haushalt leben. Außerdem lässt sich der Service zeitgleich nur an einem einzigen Gerät verwenden. Sky droht bei Missbrauch gar mit Vertragsstrafen, welche mehr als 480 Euro betragen können. Ob eine derartige Strafe aber bisher jemals erhoben wurde, lässt die Firma offen.

So oder so wird das Konto-Sharing aktuell zwar von dem Gros der Anbieter toleriert, dazu zählen auch Watchever, Amazon Instant Video oder Maxdome, man bewegt sich aber sowohl als Kontoinhaber als auch als Mitbenutzer in einer rechtlichen Grauzone. Im Falle eines Falles müsste man feststellen, ob das Teilen des Passworts mit Dritten eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Leider fehlen dazu bisher in Deutschland bindende Urteile. Haftbar wäre im Zweifelsfall in erster Linie derjenige, der den Vertrag mit dem Streaming-Anbieter abgeschlossen hat. Erstmal haben die Anbieter aber wenig Interesse ihren Kunden Ärger zu machen: Gerade Netflix hat große Expansionspläne und baut seinen Dienst in Deutschland noch stufenweise aus. Da ist das Interesse an negativer Publicity durch juristische Zankereien mit den eigenen Kunden freilich gering. Auf lange Sicht sollte man sich jedoch nicht darauf verlassen, dass das Teilen von Accounts munter so weiterläuft wie bisher.

Passend dazu ist übrigens laut TorrentFreak der erste 4K-Content aus dem Netflix-Angebot als illegale Kopie aufgetaucht. Es handelt sich um die erste Folge der Erfolgsserie „Breaking Bad“. Stolze 18 GByte bringt die Episode in 4K nun auf die Waage und kursiert bei diversen Torrent-Sites. Bisher galten die 4K-Streams dank High-Bandwidth Digital Copy Protection (HDCP) 2.2 als unangreifbar.

4ktorrent

Wie man sieht, scheint sich das geändert zu haben. Die 4K-Streams enthalten jedoch versteckte Watermarks, so dass diejenigen, welche den Leak begründet haben, eventuell auf eine böse Überraschung gefasst sein müssen. Sollte eine professionelle Gruppe dahinter stecken, wurden die Wasserzeichen vielleicht aber auch erkannt und entfernt. Zumindest dürften Netflix und Sony, welche „Breaking Bad“ an den Streaming-Anbieter lizenziert haben, mit Hochdruck nach den Uploadern der Datei fahnden. Netflix hat in einer Stellungnahme bereits bestätigt, dass das Unternehmen alles tun werde, um weitere Raubkopien zu verhindern.

Nun ja, insgesamt sind beide Entwicklungen vorhersehbar gewesen: Das Sharing von Accounts ist mittlerweile groß in Mode. Es ist damit zu rechnen, dass die Anbieter dies um des lieben Friedens willen sicherlich noch eine Zeit lang mitmachen. Sobald der Markt einigermaßen stabil aufgeteilt ist, dürften die Streaming-Platzhirsche jedoch eventuell sogar vereint gegen das Sharing vorgehen. Dass wiederum irgendwann der Kopierschutz umgangen werden würde, war wohl auch Netflix selbst klar. Bleibt abzuwarten, wie das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Netflix und den Raubkopierern in Zukunft weitergeht.

(via Die Welt)

Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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