Brave: neuer Adblock-Browser trackt Nutzer nicht, zeigt aber Werbung an

21. Januar 2016 Kategorie: Internet, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_braveDas Thema Adblocker beschäftigt seit Jahren die Publisher von Webseiten. Noch einmal richtig Fahrt nahmen diese dann auf, als Apple mit iOS 9 die Möglichkeit des Blockens von Werbung im Browser erlaubte. Kein Wunder, vieles wird heute mobil erledigt, bringt somit auch Werbegelder ein, wenn die Nutzer mit dem Smartphone unterwegs sind. Und dann waren da plötzlich die Adblocker. Nun möchte Brendan mit seinem Browser Brave die Adblocker revolutionieren, den Publishern mit geblockter Werbung sogar etwas Gutes tun, diese nämlich mit Einnahmen versorgen, während Nutzer gleichzeitig keinen Tracking-Cookies ausgesetzt sind.

Brave – so ist nicht nur der Name des Browsers, sondern auch das ganze Projekt ist ein bisschen mutig. Immerhin ist die Grundidee, dass Werbung im Browser durch andere Werbung ersetzt wird und die Einnahmen dieser angezeigten Werbung dann geteilt werden. Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn Eich geht davon aus, dass sich das sehr schnell für Publisher lohnen kann, wenn genügend Leute auf den Brave Browser setzen. Hierfür sollen schon 15 Millionen Nutzer ausreichen, das ist nicht allzu viel.

Werbung würde durch Interessen definiert, statt durch besuchte Seiten auf die Interessen der Nutzer zu schließen. Dadurch lässt sich der Nutzer als solcher nicht tracken, es kann aber trotzdem Werbung ausgespielt werden, im Zweifelsfall sogar passendere als über herkömmliche Methoden. Die technische Umsetzung ist dabei gar nicht so einfach. Denn wo kein Tracking stattfindet, ist es auch schwierig, einen Beweis dafür zu erbringen, dass jemand auf eine Werbung geklickt hat.

Das möchte Eich und sein Team mit einem „Zero Knowledge Proof“-System erreichen. Dieses soll in ein paar Monaten auch Open Source zur Verfügung gestellt werden. Das Team hat bereits einen Plan, wie Nutzer ihre Interessen angeben können, ohne auf klassisches Tracking zurückgreifen zu müssen. Eich muss also praktisch nur noch die Werbeplätze verkaufen. Nach seiner Ansicht sollte das nach erstem Feedback von Werbeagenturen gar nicht so schwer sein, denn auch die Werbeagenturen fürchten sich vor klassischen Werbeblockern.

brave

Der eigentliche Clou des Modells: die Aufteilung der Einnahmen. Publisher erhalten 55 Prozent, 15 Prozent gehen an Eich, 15 Prozent an Werbepartner – und 15 Prozent an die Nutzer. Die Nutzer erhalten das Geld auf ein „Brave-Konto“, können dieses jederzeit auszahlen lassen oder wieder den besuchten Seiten zurückführen. Das geht auf Artikelbasis oder man verteilt das Geld einfach an die Top 20 der besuchten Seiten. Interessanter Ansatz.

Publisher müssen übrigens nichts tun, um Geld zu erhalten. Das System sieht vor, dass sie es können, aber sie müssen es nicht. Geld gibt es dann, wenn Brave Werbeanzeigen auf den Seiten ersetzt. Publisher können aber auch Paywalls oder andere Systeme einrichten oder an Braves Werbenetzwerk teilnehmen, das ist aber kein Muss.

Brave gibt es aktuell als Beta für OS X, Windows, Linux, Android und iOS. Die entsprechenden Registrierung für die Beta findet Ihr auf dieser Seite. Wie sieht es bei den Adblock-Nutzern unter Euch aus? Viele blocken Werbung ja angeblich nur wegen des Trackings, wäre da ein System wie Brave eine Alternative für Euch? Kein Tracking, trotzdem Werbung und alle sind glücklich? Ich kann mir ja nicht so recht vorstellen, dass dies funktionieren wird.

(Quelle: The Verge)


Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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19 Kommentare

Justmy2cents 21. Januar 2016 um 11:38 Uhr

Was für ein perverses System.
Erst blockt man die Werbung des Betreibers und nimmt ihm 100% seiner Einnahmen. Dann kapert man die Seite und spielt eigene(!) Werbung ein. Und lässt sich dann für sein faires System feiern, da der Seitenbetreiber 55% der Einnahmen bekommt. Wie sollen sie eigentlich Geld bekommen wenn sie nichts tun? Magische Banküberweisungen? Natürlich müssen sie was tun – und zwar gute Miene zum bösen Spiel machen und ihre Daten mitteilen und damit implizit zustimmen, sonst dürfte der Anteil für Eich mal eben lockere 70% betragen. Gleiches System wie bei der Plus Konkurrenz. Digitale Wegelagerei und Erpressung…

xani 21. Januar 2016 um 11:43 Uhr

und wie kommt der Betreiber der Webseite an sein Geld?

Markus 21. Januar 2016 um 11:46 Uhr

Sehe ich etwas anders als JM2C.

Auf eine Art hat er zwar ein bisschen Recht aber die Idee hinter Brave finde ich gut. Denn JEDER Profitiert davon. Der eine zwar mehr als der andere aber was Solls? Hochgerechnet auf genug User die den Browser nutzen, dürfte das nicht zu sehr ins Gewicht fallen mit der veränderten Werbung..

Werbung und noch dafür bezahlt werden? Klingt doch gut, solange es sich dann später auch wirklich lohnt für die Endnutzer die die Werbung dann sehen.

Marc-André Lutz 21. Januar 2016 um 11:58 Uhr

@Markus Problem hierbei ist aber, dass Brave die Werbung des einen Anbieters blockiert um seinen eigenen Kram anzuzeigen. Das ist nicht fair und bestimmt auch nicht so erlaubt.

Xyz 21. Januar 2016 um 11:58 Uhr

Was es auch immer ist, es zeigt Werbung damit ist es für mich unbrauchbar.

Vaan 21. Januar 2016 um 12:09 Uhr

@Markus: Wo lohnt sich das denn für den Nutzer? Ich sehe da mehrere Probleme. Zum einen ist da, dass die 15% die an den Nutzer gehen Augenwischerei sind. Das angezeigt bekommen eines Werbebanners generiert vielleicht 0,0002€ (ist eventuell etwas niedrig gegriffen, aber maximal ist es das doppelte – dann halt alle folgenden Zahlen mit 2 multiplizieren), das wiederum heißt, dass 15% 0,00003€ entsprechen. Damit man also 3€ auf dem Konto hat, sind 100.000 Werbeeinblendungen nötig. Am Tag sieht man vielleicht 100 Werbebanner. Also nach 1.000 Tagen dann 3€! Das sind knapp 3 Jahre! Also soviel zu „fürs Werbung angucken bezahlt werden“
Für den Entwickler lohnt sich das schon eher. Bei den im Artikel genannten 15 Mio Nutzern, die benötigt werden, damit es sich für die Publisher lohnt, und jeder von denen sieht am Tag 100 Werbebanner, dann macht der an einem Tag 45.000€. Gut, immerhin werden 165.000€ an Website Betreiber ausgeschüttet.

Dazu kommt, dass die Nutzer Adblocker doch überwiegend nutzen, um KEINE Werbung zu sehen, wie beispielsweise unterwegs um Datenvolumen zu sparen. Oder eben um nicht davon genervt zu werden – weder von passender, noch von unpassender Werbung.

Gast 21. Januar 2016 um 12:20 Uhr

@JM2C

auf der seinen seite hast du natürlich recht. auf der anderen seite wäre die werbung zu 100% geblockt worden und keiner hätte was bekommen.
damit das der betreiber nichts machen muss um an sein geld zu kommen ist evtl. gemeint das die nicht alle x-tausend punkte auf „auszahlen“ drücken müssen.

an sich gab es doch da schon mal einen anderen ansatz wenn ich mich nicht irre mit browser plugin.

Zoba 21. Januar 2016 um 12:23 Uhr

Ich blockiere Werbung aus 3-4 verschiedenen Gründen.

1) Ich hasse Werbung
2) Ich bestimme welcher Code auf meinem System läuft (das sind absolute Malwareschleudern)
3) Werbung verhindert implizit die Verbreitung von https
4) Tracking nervt

Also nein, auch das neue System würde ich nicht nutzen.

Justmy2cents 21. Januar 2016 um 12:29 Uhr

@Gast
Werbung blocken ist wenigstens „ehrlich“. Die Geschäftsmodelle von Brave und Adblock Plus ist es aber die Umgebung zum Blocken der Werbung erst zu entwickeln um dann als Türsteher zu dienen und zu kassieren wer ihre Blocker passieren darf.
Um bei dem Türsteher vergleich zu bleiben. Eine Gruppe von bedrohlich aussehenden Typen baut sich vor ner Disse auf und verscheucht alle Besucher. Dann fangen sie an selbst die Eintrittspreise zu kassieren und geben dem Betreiber 55% ab. Immerhin wäre sonst ja niemand gekommen…

Chris 21. Januar 2016 um 13:06 Uhr

Außerdem beschleunigen Adblocker das Laden von Seiten enorm. Auch dies ist ein Punkt an dem Brave mit ansetzen will.

therealmarv (@therealmarv) 21. Januar 2016 um 13:19 Uhr

Mich stört die krass invasive Werbung wie ich sie in Chrome unter Android sehe (neue Seite, Handy vibriert, ich soll ein Virus haben, APK will heruntergeladen werden). Solche Art von Werbung sehe ich sogar bei eigentlich seriösen Seiten. Android hat da ein Riesenproblem und Firefox Beta+uBlock ist da nur eine Teillösung. Wäre Dankbar für jede Art von Chromium basierten Browser der da besser ist.

Tim 21. Januar 2016 um 13:25 Uhr

Ist eh eine Totgeburt, nie und nimmer bekommen die 15 Millionen aktive Nutzer zusammen. Vermutlich nicht mal 1 Million.

Kalle 21. Januar 2016 um 13:40 Uhr

> Wie sieht es bei den Adblock-Nutzern unter Euch aus? Viele blocken Werbung ja angeblich nur wegen des Trackings, wäre da ein System wie Brave eine Alternative für Euch?

Ich blocke alles was geht, Werbung, Cookies und Skripte. Wenn eine Seite Skripte oder Cookies braucht dann kommt die auf die Whitelist. Erstens aus Notwehr (Malvertising), zweitens um Tracking zu vermeiden (betrifft also quasi alle Anbieter), drittens weil Werbung oft zu nervig ist (Layer Ads, Autostart-Videos, usw). Mir ist klar das kaum einer so weit geht, aber einen simplen Adblocker hat heutzutage fast jeder. Diese grundlegende Ablehnung von vielen hat die Branche nicht nur den „Bösen“ zu verdanken, sondern zurecht auch Datenkraken wie Google.

Beim Namen von CEO von Brave wurde ich hellhörig (Brandon Eich, CTO und Mitgründer von Mozilla, Mitautor von JavaScript), also hab ich mir das mal angeschaut. Das System ist auf jeden Fall dem von Google vorzuziehen. Die Idee, Werbung Dritter zu ersetzen, ist etwas schäbig. Aber immerhin geht 55% an die Inhalteanbieter. Die Beträge im Centbereich würden mich als Nutzer nicht interessieren, die würde ich an Seitenbetreiber weiterleiten. Wenn die technische Umsetzung wirklich so transparent ist würde ich mich dafür sogar heute ein opt-in geben.

Ich finde es gut daß sich seit den iOS und Safari Content Blocking Extensions etwas tut in dem Bereich. Wenn’s auch nicht viel ist. Manche stecken den Kopf in den Sand (Bild, Forbes), andere heulen rum. Manche versuchen das Problem mit neuen Ideen anzugehen.

Gouryella 21. Januar 2016 um 13:51 Uhr

Uninteressant. Erstens werden da unangenehme Erinnerungen an die Acceptable Ads wieder wach und zweitens brauche ich keinen Adblocker. Seiten, die es übertreiben, kappe ich einfach die Reichweite, indem ich sie nicht mehr besuche. Das ist die viel bessere Strafe als einfach sinnlos zu blocken. Eine Ausgabe gibt es, wenn über ein bestimmtes Werbenetzwerk Malware verteilt wurde, dann ziehe ich aber auch nur das ganz gezielt aus dem Verkehr.

Gouryella 21. Januar 2016 um 13:52 Uhr

*Ausnahme sry

ataxie112 21. Januar 2016 um 14:07 Uhr

Gegen Werbung habe ich nichts, aber die Werbung heut zu tage grenzt an Nötigung.
Wenn ich mit meinem Smartphone Browse werde ich mindestens einmal pro Website in den PlayStore geschickt um mir irgendeine gesponsorte App runterzuladen. Schlimmer noch sind die Seiten die den Aktuellen Tab schließen und einen fake Virus-scan zeigen bei dem das Handy ununterbrochen Vibriert.
Und dann wundern sich die Websiten betreiber das die Nutzer Adblocker benutzen…

Zum Glück tritt dies nicht auf http://stadt-bremerhaven.de/ zu, weshalb diese Domain auch auf der Whitelist ist.

Kay 21. Januar 2016 um 15:02 Uhr

Ein wenig OT, aber zur allgemeinen Erheiterung poste ich es hier gerne einmal:

Wer findet den Fehler?

— Zitat aus einer gerade eben erhaltenen E-Mail —

ACHTUNG – DAS IST KEIN SPAM!

Sie erhalten diesen Newsletter weil Sie sich mit Ihrer Email Adresse xxxxx@yyyyyy.de in unseren oder in den Verteiler einer unserer Werbepartner selbst am 14.11.2014 mit der IP Adresse 346.368.31.214 eingetragen haben.
— Zitatende —

Zu blöde um ordentlichen Spam zu verschicken…

elknipso 21. Januar 2016 um 15:39 Uhr

Fakt ist, die Werbeindustrie hat es massiv übertrieben und übertreibt es in vielen Fällen immer noch.

Wer meint solche Scherze einsetzen zu müssen wie Werbebanner die mit Videos und Ton einen erschrecken. Oder Banner die sich über den Text legen, und sich selbst beim Klick auf das X trotzdem öffnen, braucht sich über nichts zu wundern. Das waren jetzt nur mal zwei absolude Todsünden die mir direkt in den Sinn gekommen sind.
Der Performance Gewinn ist ebenfalls enorm nach dem Einsatz eines Werbeblockers. Alle Seiten bauen sich erheblich (!) schneller auf, sowohl am Desktop als auch mobil. Manche Seiten gar um den Faktor 3 – 4.

Aber alleine schon aus Sicherheitsgründen müsste man eigentlich generell immer einen Werberblocker aktiviert haben. Es kam in der Vergangenheit schon oft vor, dass Malware über gekaperte Werbeserver verteilt wurde. Alleine aus diesem Gründ dürfte man eigentlich nicht einmal den Blocker auf Seiten abschalten die man gerne unterstützen möchte, was ich aber dennoch tue aus Gründen der Fairness.

zMike 21. Januar 2016 um 19:12 Uhr

@Kay nette IP haste da 😀


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