30 Jahre: Happy Birthday, Windows!

20. November 2015 Kategorie: Software & Co, Windows, geschrieben von: Oliver Pifferi

windows 1030 Jahre ist es her als eine Oberfläche, die auf dem damaligen MS-DOS fußen sollte, sich anschickte, die IT-Welt zu verändern: Am 20. November 1985 verkündete Microsoft relativ unspektakulär die Version 1.0 von Windows – mit einer einfachen Grafikkarte und 256 KB Hauptspeicher als Mindestvoraussetzung war man dabei als Microsoft den Hasen aus dem Hut zog. Wer Multitasking wollte, brauchte mindestens 512 KB Hauptspeicher, um das damals noch auf zwei Disketten ausgelieferte Windows 1.0 nutzen zu können.

In der heutigen Zeit absolut lächerlich, damals durchaus eine Hürde, an der viele scheiterten, denn – platt gesagt – war die IT-Welt damals eine andere. Wir nehmen Euch mit auf eine Zeitreise, bei der viele von Euch ab einem Punkt mit aufspringen werden und vielleicht in Nostalgie schwelgen oder sich erinnern, was und wie sie Windows erlebt haben, denn fest steht: Damals wie heute polarisiert die Plattform – ob durch die Software an sich oder das Verhalten der Protagonisten, aber eine heutige Computerwelt ohne Windows gäbe es so wohl auch nicht. Schaut es Euch an und folgt uns auf die Reise, die nicht immer frei von subjektiven Wertungen und Erlebnissen ist.

Windows 1.0 Packshot

1985 – Wie beschrieben erscheint Windows 1.0 auf der Bildfläche und wird als schlichter grafischer Aufsatz für MS-DOS verkauft – Neuigkeiten wie ein Dateimanager, eine kleine Textverarbeitung, ein Karteikasten oder ein Kalender motzen MS-DOS so richtig auf und sollen vieles in der Bedienung von Computern einfacher machen, so Firmengründer Bill Gates.

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1990 – Windows 3.0 kommt auf den Markt, zwei Jahre später folgt Windows 3.1: Mein Einstieg in die grafische Benutzeroberfläche, die mein MS-DOS 5.0 komplettieren sollte, beginnt. Beide Systeme gehen binnen zweier Jahre insgesamt zehn Millionen Mal über die Ladentheke und sorgen für damalige Zeiten für anerkennendes Raunen – und es wusste noch keiner, was da noch kommen wird.

Mehr Leistung, 16 Farben, 3D-Look und die Wiege der Kultspiele Minesweeper, Hearts und Solitaire stehen für Windows 3.X und sorgten auch für das Novum, dass Hardwarehersteller ihre PCs direkt mit Windows auslieferten. Windows 3.11 for Workgroups ergänzte Windows 3.1 ab November 1993 dann noch durch die Netzwerkfunktionen – Peer-to-Peer-Netze waren nun auch zuhause mit Bordmitteln möglich und sorgten für den nächsten Schub, während Windows NT ab 1993 besonders Einzug in Unternehmensnetzwerke hielt.

Windows 95_Mood

1995 – Microsoft landet mit Windows 95 einen Volltreffer, der auch entsprechend beworben wurde und unter dem Slogan „Start me up“ das Thema „Information Highway“ in den Vordergrund stellte. Neuzeitliche Dinge wie die Einwahl ins Internet über rasant schnelle Modems, die Nutzung von „Electronic Mail“ oder ins „World Wide Web“: Microsoft war dabei, als die PCs anfingen, jenseits von Akkustikkopplern und Bulletin Boards grafische Inhalte aus dem Internet auf den heimischen Rechner zu bannen und so etwas wie Multimedia überhaupt auf den PC zu bannen.

Der Task Manager, das Minimieren und Maximieren von Fenstern, der Internet Explorer und Plug ’n Play (zu den USB-Anfangzeiten auch oft als Plug ’n Pray verspottet) sorgten für einen absoluten Run auf Windows 95 und hievten PCs, die in Massen über Ketten wie Vobis, Escom, Gateway 2000 & Co. auf den Markt geworfen wurden, von dem Status des Büroarbeitsgerätes in den elitären Stand des Alltagsgegenstandes für Arbeit & Hobby. 40 Millionen verkaufte Exemplare sprechen eine deutliche Sprache.

Windows 98 Screenshot

1998 – Der PC ist mittlerweile im Privatleben angekommen und drei Jahre nach Windows 95 gibt es den direkten Nachfolger: Vereinfachter Zugang ins Internet, Lesen und Schreiben optischer Medien, verbesserte USB-Erkennung und erweiterte Multimediafähigkeiten sowie die Schnellstartleiste setzen erneut Standards. Die zweite Edition von Windows 98 aka. „Second Edition“ (SE) verabschiedet sich dann von Disketten als Installationsmedium und kommt erstmals auf CD-ROM daher – da die CD aber nicht alleine bootfähig war, musste dennoch eine Bootdiskette herhalten, von der aus man dann das Windows-Setup starten konnte. Klassisch!

Windows Me Logo

2000 – Das im September 2000 erschienene Windows ME, eigentlich eine dritte Edition von Windows 98, kann man in dieser Aufzählung in meinen Augen übrigens getrost vergessen – stabil war anders, stattdessen setzen die Privatkunden lieber auch weiterhin auf Windows 98 / SE und neben Vista war Windows ME einer meiner Flops, die ich mit Windows über die Zeit erlebt habe.

Windows 2000 Screenshot

Im Jahr 2000 fängt man an, das in Unternehmen stabile, aber in Sachen Multimedia dürftige Windows NT 4 so langsam in Altersteilzeit zu schicken. Windows 2000 soll die Stabilität von Windows NT mit den Multimediafähigkeiten von Windows 98 / SE kombinieren und eine einheitliche Windows-Version für Unternehmen mitbringen – inklusive USB-Unterstützung, verbesserten Netzwerkfunktionalitäten und Plug ’n Play. Subjektiv gefühlt klappte das gut, noch besser wurde es ab dem Service Pack 3 und sorgte dafür, dass Windows 2000 nicht nur auf Firmen beschränkt blieb, sondern aufgrund der besseren Stabilität und der besseren Taskverwaltung auch den Weg auf viele Heimcomputer fand.

Windows XP Screenshot_2

2001 – Der nächste Meilenstein in der IT-Welt seitens Microsoft wird am 21. Oktober 2001 vorgestellt: Windows XP erscheint und ist eins der Systeme, die auch 14 Jahre später – trotz abgekündigten Supports – immer noch irgendwo präsent sind. Es wird das meistverkaufte Windows aller Zeiten.

Dazu kommen erstmals die Funktion, regelmäßige Sicherheitsupdates aus dem Internet zu beziehen sowie eine Mediencenter-Funktionalität, die mittlerweile Windows wieder verlassen hat – toll in Szene gesetzt, langfristig hat sich das Ganze leider nie so wirklich durchgesetzt. Der Windows Media Player & Movie Maker sowie die Unterstützung digitaler Fotos zeigt, dass das Thema Multimedia noch längst nicht in Gänze abgefrühstückt ist. Windows wird erstmalig in eine Home- und Professional-Variante unterteilt – erst mit der Professional-Variante war es dann möglich, den PC Mitglied einer Domäne (nicht nur einer Arbeitsgruppe) werden zu lassen.

volumenlizenzkey

Durch das Internet wird allmählich auch das Bewußtsein für Hacker und Gefahren ausserhalb des eigenen Hauses geschärft, Microsoft ruft 2002 die Initiative Trustworthy Computing ins Leben und ist mit Windows XP für lange, lange Zeit an der betriebssystemseitigen Sonne.

2007 – Das neue Windows unter dem Codenamen „Longhorn“ wirft seinen Schatten voraus und endet in einem der größten Flops: Windows Vista. Besser, schneller, einfacher sollte der XP-Nachfolger sein und war schlußendlich ein Schlag ins Wasser – trotz Einführung der „Aero“-Oberfläche.

Windows_Artwork, Windows Vista_Screen

Tolle Verkaufszahlen (20 Millionen im ersten Monat) wurden unter anderem dadurch geschönt, dass Firmen und User das Downgrade-Recht auf Windows XP  wahrnahmen und so erstmals bei Altbewährtem blieben. Vista war langsam, behäbig und entgegen der Gewohnheit auch nach den Service Packs und Updates nicht wirklich ein System, das einen Umstieg von Windows XP rechtfertigte.

2009 – Windows XP bekommt endlich den legitimen Nachfolger: Windows 7 setzt quasi auf dem Vista-Kernel auf, ist aber in Sachen Geschwindigkeit und Stabilität bereits out-of-the-box ein System, mit dem Arbeit & Hobby Spaß machen. Bis heute ist Windows 7 – auch wegen diverser Schnitzer in den Nachfolgeprodukten – ein gesetztes System, was für viele Nutzer keinen Grund für einen Umstieg rechtfertigt und auch in meinen (Dienstleister-) Augen der einzig würdige Nachfolger für Windows XP, danach änderten sich entweder die eigenen Sichtweisen oder die Zeiten, aber auch das ist eher als subjektive Meinung zu verstehen.

Windows 7 Screenshot

Neben den genannten Vorteilen ist die WLAN-Unterstützung der späten 2000er Jahre nun fester Bestandteil und die Live-Dienste und die Online-Festplatte SkyDrive lassen schon einmal vermuten, dass irgendwann mal ein Onlinespeicher kommt, den wir heute nur als „Cloud“ kennen

2012 – Microsoft möchte viel, hat viele gute Ideen – und holt sich heiße Ohren ab. Zwar spricht technisch nichts gegen den Windows 7-Nachfolger (sinnigerweise als Windows 8 betitelt), die ungewohnte und eher für Touch-Geräte konzipierte, anfangs als „Metro“ bekannte Kacheloptik verprellt viele Benutzer und kommt einfach nicht an.

Windows 8 Startscreen_1

Programme heißen jetzt Apps und kommen als Kachel daher, ein Windows Store für die Apps komplettiert alles und zu allem Übel rasiert man das seit Jahren geliebte Startmenü. Windows 8 wollte viel, lieferte aber auch viel Gründe, einfach noch abzuwarten – auch wenn Desktop & Co. durchaus moderner wahren, konnten die Kacheln gerade auf Nicht-Touch-Geräten wohl nur wenige begeistern.

2013 – Windows „Blue“ aka. 8.1 erscheint als Update und möchte ein wenig etwas von dem richten, was so viele Leute bei Windows 8 verprellt hat: Ein direkter Start auf den Desktop mit Umgehung der Kacheln war nun möglich und auch der Start-Button war wieder da, allerdings nicht mit dem gewohnten Startmenü. Wer wollte, konnte wie schon bei Windows 8 zu vielen Drittanbieterlösungen greifen, die bis heute wieder ein Startmenü ermöglichen.

Windows 8.1 Packshot

Erstmals heißt der Computer auf dem Desktop nun „Dieser PC“, OneDrive wird als SkyDrive-Nachfolger eng mit dem System verzahnt und mit den einzelnen Modern UI-Apps (Kacheln) versuchte man beim Kunden zu retten, was zu retten war. Windows 8.1 erschien als erstes Update nicht über das Windows Update, sondern als im Windows Store zu erwerbender Artikel, was auch in Sachen Vetriebsweg ein Novum war.

2015Windows 10 erscheint im Juli und soll als eine Plattform PCs, Tablets, Smartphones und auch die Xbox One befeuern. Die digitale Sprachassistentin Cortana wird fester Bestandteil des Systems, Windows 10 erscheint am 29. Juli 2015 in 190 Ländern und ermöglicht ein kostenloses Upgrade von Windows 7- bzw. 8.1-Systemen, auch wenn der Weg dorthin teilweise sehr verworren und nicht selten auch schwer verständlich ist – Stichwort „Aktivierungen“.

Windows 10 Product-Family

Universal Apps sollen die Nutzung von Windows-Programmen auf allen Plattformen ermöglichen, mit Microsoft Edge kommt auch der Nachfolger des Internet Explorer 11 dazu. Während der Kernel der Systeme jeweils gleich bleibt, sollen die spezifischen Eigenschaften der genutzten Systeme jeweils berücksichtigt werden. Das „Internet der Dinge“ (IoT) kommt mit ins Spiel, das Streamen von Spielen von der Xbox One auf Windows 10-PCs ist ebenfalls – wenn auch ein wenig später – verfügbar. Mehrere hundert Neuerungen, so Microsoft, sollen nun Windows 7 in breiter Masse ablösen und den Weg ebnen für eine neue Art und Weise, Windows zu nutzen.

Erstmals lässt Microsoft seit Oktober 2014 dank einer Technical Preview auch die offene Zusammenarbeit an einem neuen Betriebssystem zu, um es den Benutzeranforderungen entsprechend zuzuschneiden. Mit Erfolg: Über 5 Millionen Benutzer nehmen am Insider Programm teil und helfen aktiv mit, Windows noch näher am Endanwender zu entwickeln. Unlängst ist mit „Threshold“ das erste große Update von Windows 10 erschienen, das nun auch unter anderem die direkte Eingabe von Windows 7- und 8.1-Installationskeys bei einer sauberen Installation ermöglicht – und vieles mehr.

Für den Moment ist diese (m)eine Reise durch die Windows-Welt nun an ihrem Ende angelangt und auch, wenn Ihr vorzugsweise einen Mac oder ein Linux-Betriebssystem für Euer tägliches Werk benutzt, wird der ein oder andere irgendwann schon einmal Teil dieses Windows-Zeitstrahls gewesen sein. Mich hat Windows eigentlich immer – und wenn auch mit Unterbrechungen – seit der Version 3.1 begleitet und auch aktuell schwanke ich immer zwischen Windows und Mac OS X, liebe die Vorzüge beider Systeme und schaffe es irgendwie, mal mit dem einen, mal mit dem anderen System länger am Stück zu arbeiten.

Einmal, weil ich es möchte (zuhause), einmal weil halt eine Struktur gänzlich auf Windows ausgelegt ist (Firma) – jedes System hat irgendwo seine Existenzberechtigung – und das ist auch gut so. Und wo wären wir heute, wenn sich die User der einzelnen Lager nicht jedesmal schelmisch auf den Arm nehmen und piesacken würden? Ich hoffe, dass dieser Exkurs in 30 Jahre Windows nicht zu langweilig war und sich der ein oder andere hier schmunzelnd, nostalgisch oder gar kopfschüttelnd wiedererkennt.

Bill-Gates-2

Auch der alte Spruch „In a world without walls and fences, who needs windows and gates?“ darf nach 30 Jahren und trotz Zugehörigkeit zu einer Lieblingsplattform durchaus mit einem Augenzwinkern gesehen werden, findet Ihr nicht? In diesem Sinne: Happy 30th Birthday, Windows!

Wer final übrigens noch einmal ein Video sehen will, wie der Weg von Windows bis hin zu Windows 7 so war und dabei auch keine Angst vor dem Aufkeimen etwaiger weiterer nostalgischer Gefühle hat, sollte sich abschließend einmal das folgende Video zu Gemüte führen:



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Über den Autor: Oliver Pifferi

IT-Addict und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und XING. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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