Sennheiser IE 300 im Test: Kabelgebundener High-End-Kopfhörer im Ohr

Nach langer Zeit habe ich mich wieder einmal an kabelgebundene Ohrhörer gewagt – dazu noch In-Ears. Doch die Sennheiser IE 300 interessierten mich schon, denn das Unternehmen verspricht viel mit den Hörern, die man für derzeit 299 Euro bekommen kann. Ob man die Versprechungen halten kann, habe ich herauszufinden versucht – subjektiv empfunden natürlich. Täuschen lassen darf man sich nicht von der Tatsache, dass es sich um einen In-Ear handelt – und auch seine Kabelgebundenheit kann von Vorteil sein. Laut Sennheiser hat man auch eine weiterentwickelte Version des 7-mm-Breitband-Schallwandlers (XWB) verbaut. Ferner möchte man eine verbesserte Klangtreue über das gesamte Frequenzspektrum bieten.

Technische Daten Sennheiser IE 300
  • Impedanz
    16 Ohm
  • Wandlerprinzip
    Single Dynamic Driver, Pressure Chamber
  • Gewicht ohne Kabel
    4 g
    • Schalldruckpegel bei 1 kHz
      124 dB (1 kHz / 1 Vrms)
    • Ankopplung an das Ohr
      In-Ear
    • Kabellänge
      125 cm
    • Audio-Übertragungsbereich
      6 Hz – 20 kHz
    • Klirrfaktor bei 1kHz
      < 0,08 % (1 kHz, 94 dB SPL)

Der Sennheiser IE 300 fokussiert sich auf das Wesentliche: das Hören von Musik. Keine App, kein Akku, kein Mikrofon, keine Kabelfernbedienung und kein Noise Cancelling. Interessant ist sicherlich für viele, dass Sennheiser da auf einen rein dynamischen Treiber setzt. Mittlerweile findet man in vielen, auch wesentlich günstigeren Lösungen, ja x Treiber. Das kann funktionieren, wenn die Treiber gut aufeinander abgestimmt sind, muss aber nicht. Es muss halt alles passen – stellt euch das wie bei einem Smartphone vor. Manche Hersteller holen aus 20 Megapixeln mehr raus als andere aus 108.

Sennheiser IE 300 Lieferumfang:

Im Lieferumfang befinden sich der Hörer, diverse Aufsätze (Ohradapter aus Silikon in unterschiedlichen Größen sowie verschieden große viskoelastische Adapter aus Memory-Schaum), ein Werkzug zum Reinigen (Cent-Artikel, die glücklich machen, bei anderen jedoch meist fehlen), ein Case sowie das 1,25 Meter lange Kabel mit seinem Klinkenanschluss. Das faserverstärkte Kabel ist abnehmbar, sodass man es im Schadensfall austauschen kann.

Alternativ gibt es andere Anschlussmöglichkeiten. Bei den Kabelanschlüssen handelt es sich um zwei jeweils 4,8 mm messende Buchsen, positioniert in einer Vertiefung im Gehäuse. Ein 3,5-mm-Stereo-Stecker fungiert als Standardverbindung zu digitalen Audioplayern, DAC-Kopfhörerverstärkern, Laptops, Mobiltelefonen, Audioschnittstellen und mehr. Symmetrische 2,5- und 4,4-mm-Abschlusskabel sind aber ebenfalls separat erhältlich. Die Verarbeitung passte für mich bisher, mit meinen 1,75 Metern Körpergröße geht auch das Kabel gerade noch so klar, wenn man das Handy in der Hosentasche verstaut.

Sennheiser IE 300 Klang und im Alltag:

Man muss sich eine Weile eingrooven, bis man es raus hat, die Hörer richtig einzusetzen. Zumindest ist es bei mir der Fall. Auch nach dem x-ten Mal auf- und absetzen habe ich Probleme, das richtig hinzubekommen. Das ist aber kein Problem von Sennheiser, sondern das meine. Für euch wichtig: Keine Sorge beim Einsetzen, die Bügel sind wirklich extrem flexibel und anpassbar, dürften also wirklich jedem gut passen. Die Isolierung von Außen finde ich gelungen, auch ohne Noise Cancelling. Hier werden aber höhere Lautstärken nötig, sonst bekommt man natürlich etwas mit. Was auch gegeben ist: Je nach Lautstärke und Bewegung ist es so, dass ihr Reibungen am Kabel hören könnt. Das kommt nicht vor, wenn ihr trommelfellzerstörende Beats laut anhabt, bei den leisen Klängen habe ich es aber vernommen.

Der Klang selbst, für den ich sehr viele Alben und Genres gehört habe? Wow, ich bin positiv überrascht. Das bekommen vermutlich nur sehr wenige Hörer dieser Bauform hin. Auch bei sehr hohen Lautstärkestufen – und der Sennheiser IE 300 kann „laut“ – ist der Klang präzise, gar detailreich und punktgenau. Die Räumlichkeit ist richtig gut, ihr müsst also keine Angst haben, dass in eurem Kopf alle Musiker in einer Reihe stehen. Vermutlich muss da jedes Ohr selbst einmal rein horchen und sicherlich wird man dort, je nach präferiertem Musikstil, seine eigene Wertung abgeben.

Ich bin schon recht breit musikalisch aufgestellt und musste tatsächlich lange überlegen, wo ich denn was zu kritisieren hätte. Der Hörer richtet sich fraglos an audiophile Menschen, die sich einen möglichst neutralen Sound wünschen – die Höhen und die Bässe sind ab Werk beim Sennheiser IE 300 jedoch etwas dominanter, so mein subjektives Hörempfinden. Wäre man da noch etwas neutraler unterwegs, wäre die mögliche Klangbühne durch die Klangformung womöglich eine leicht andere. Wie schon erwähnt, jeder Jeck ist da aber anders und hat andere Ohren – und selbst durch den Austausch zwischen Memoryschaum- und Silikonaufsätzen ist es möglich, ein anderes Klangempfinden zu haben.

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  • Die Resonatorkammer sorgt mit einem speziellen akustischen Rückvolumen, das Reflektionen im Gehäuse verhindert, für die Unterdrückung maskierender Resonanzen im Ohrkanal.

Sennheiser IE 300 zusammenfassendes Fazit:

Nein, der Sennheiser IE 300 bringt keine technischen Spielereien mit, mit denen viele, auch sehr gute und günstigere Hörer, aufwarten. Ich denke, dass dies auch nicht das Ziel des Sennheiser IE 300 ist, der mehr Raumgefühl bietet als es seine kompakte Form erahnen lässt. Der Sennheiser IE 300 möchte vermutlich nicht alles realisieren, was abseits des Klangs möglich ist. Das Unternehmen scheint mit dem Modell vielmehr einen Einstieg in die HiFi-Welt zu ermöglichen – da sind die ausgerufenen 299 Euro bekanntlich „nichts“.

Der Sennheiser IE 300 ist zweifelsohne ein Hörer für Genießer, die ausgewogenen Sound mögen, wenn auch Bass und Höhen minimal dominanter sind. Auf der anderen Seite muss man sich da nichts vormachen. Die Konkurrenz ist groß und die Zielgruppe des Sennheiser IE 300 vermutlich sehr spitz. Gerade bei (Kopf-)Hörern gibt es eine riesige Konkurrenz, sodass man eine blinde Empfehlung nicht aussprechen kann, selbst an Menschen, die schon hohe Ansprüche haben.

Kaufen: Wirklich audiophile Menschen bekommen einen erschwinglichen Hörer mit fantastischer Verarbeitung geboten, ein echtes Qualitätsprodukt. Wen perfekt orchestrierte und abgemischte Klänge zum Weinen bringen können, wer Musik liebt und genießen kann, der ist hier richtig.

Nicht kaufen: Wer Sport mit vielen Bewegungen macht, ist hier vermutlich falsch. Ebenso Menschen, die möglichst viele (smarte) Funktionen möchten. Günstigere Alternativen, die auch sehr gut (!) klingen, gibt es haufenweise.

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12 Kommentare

  1. Sehr interessant, vielen Dank für den Test. Ich habe kürzlich auch mal wieder kabelgebundene Ohrhörer entdeckt. Ich nehme an, Du hast den Sennheiser einfach per Apple-Adapter an Deinem iPhone gehört? Persönlich nutze ich seit einiger Zeit separate DAC für gute Ohrhörer, wie z.B. den Ztella, den microStreamer oder die Dongles von iBasso. Da kann man meines Erachtens noch so einiges rausholen. Preislich finde ich den Sennheiser etwas ambitioniert. Nicht, weil man für Hifi-Ohrhörer auch deutlich mehr ausgeben könnte, aber weil die Konkurrenz in diesem Segment recht groß ist. Und mit „diesem Segment“ meine ich das bis 250,- Euro. Alles darüber ist meines Erachtens Premium-Hersteller-Aufschlag ohne Mehrwert für den Sound. Vielleicht regelt das ja der Straßenpreis.

  2. Ich finde bei kabelgebundenen InEar-Kopfhörern immer wichtig wie gut sie z.B. Berührungen des Kabels weiterleiten. Da bin ich richtig fokussiert drauf. Nutze ‚günstige‘ Sennheiser CX 300 (II) und finde es da gut gelungen. Andere JBL die ich hier habe sind furchtbar bzw. nur im sitzen/liegen zu genießen. Dass müsste bei solchen Test auch mal berücksichtigt werden. Klappt latürnich nur gut wenn man mehrere gleichzeitig testet.

  3. Dank des MMCX Anschluss bekommt man die auch sehr leicht kabellos mit einem Shanling MW200. Wie stark der Qualitätsunterschied damit ist kann ich leider nicht beurteilen. Zum einen weil mein bester Zuspieler „nur“ AptX HD kann und zum anderen weil meine Ohren dafür nicht audiophil genug sind.

    • Den Shangling kenne ich nicht, habe aber den FiiO UTWS1.
      Zumindest in Kombination mit meinen Shure SE215 und FiiO FH3 konnte ich im „Blindtest“ keinen Unterschied raushören.
      Meine Frau hat mir ein paar mal zufällig die In-Ears mit Kabel oder mit dem Adapter reingesetzt.
      Das Umstöpselb dauerte immer ne Weile:-)

      Daher genieße ich die kabellose Freiheit!

  4. Bitte nicht „High-End“ für Nicht-Highend-Hifi Produkte benutzen. Das fängt bei mehreren tausend € an 🙂

  5. Danke für den Artikel, Caschy!
    Gute In-Ears bekommen aufgrund der Schwemme an True Wireless In-Ears viel zu wenig Beachtung.
    Preislich geht es ab 100€ los, etwa mit den Shure SE215 – nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

    Klanglich sind das Welten zu allen geraden angesagten Wireless In-Ears, auch zu den AirPods Pro. Das höre ich auch an meinem iPhone 8.

    Gut zu wissen: das Kabel lässt sich idR tauschen, da die meisten MMCX wie hier oder einen 2-Pin Stecker haben – nie mehr Totalschaden wegen Kabelbruch!

    Gibt sogar Bluetooth Adapter zum hinterm Ohr tragen (z.B. FiiO UTWS1), wobei da natürlich wieder etwas Klang verloren geht und ich dafür keinen Hörer über 300€ nehmen würde…

    Zum Thema Noise Cancelling: gerade die Schaumstopp-Aufsätze (Foam Tips) haben eine starke passive Dämpfung, im Flugzeug hörte ich keine Geräusche von Außen mehr.

    Preis-/Leistungstipp: FiiO FH3 für 139€.
    Damit macht mir meine Music gerade wieder richtig Spaß!

    • Von Fiio gibt es ja noch den 5er und den 7er. Darf ich fragen warum Du Dich für den 3er entschieden hast?

      • Darfst du gerne 🙂
        FiiO hat viele interessante In-Ears im Angebot unter 300€:
        FH3, FH5
        FA7
        FD5
        Ich wollte ein klangliches Upgrade zu den Shure von mir (mehr Bühne & Details), wollte aber auch nicht zu viel Geld ausgeben, da ich die nicht täglich brauche.
        Irgendwann isses halt mal gut:-)

        Laut einigen Tests & Meinungen kann der FH3 mit dem FH5 mithalten, daher war der FH5 raus.
        Zudem will ich keinen zusätzlichen Verstärker/Player zum Smartphone rumtragen und kopple meistens über Bluetooth mit dem UTWS1.

        Der FH3 ist für mich daher Sweet Spot, darüber sind die klanglichen Verbesserungen sehr teuer zu bezahlen (Paretoprinzip)…

        Eine echte Steigerung soll der FD5 sein (Metallgehäuse, noch mehr Bühne und Details), das war es mir dann nicht mehr wert…

  6. Habe leider kein Glück mit Sennheiser in-ear Kopfhörern. Nach einer Weile (meist pünktlich mit Ablauf der Garantie) entscheidet sich die linke Seite aufzuhören zu funktionieren. Egal ob günstig oder teuer. Mein letzter liegt nun auch in der Schublade, da der Stecker einen Wackelkontakt aufweist und mal wieder die linke Seite nicht funktioniert.

  7. Wie ist der IE 300 einzustufen, im Vergleich zu einem HD 600?

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