Pebble: Darum ist das Smartwatch-Unternehmen gescheitert

Viele unserer Leser erinnern sich sicherlich noch an die Smartwatch Pebble. Die startete 2012, also vor 10 Jahren, auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter und räumte richtig ab. Eric Migicovsky, der Pebble quasi „erfunden“ hat, erzählt in einem Blogpost die Geschichte von Pebble, besser gesagt, warum man scheiterte. Die ursprüngliche Pebble war ja nicht das einzige Gerät des Unternehmens, welches später von Fitbit aufgekauft wurde, die dann später selbst von Google geschluckt wurden. Bereits 2008 baute das Unternehmen Smartwatches – 2012 lief es nicht so gut und man hatte nur noch 30.000 Dollar auf dem Bankkonto. Der Start auf Kickstarter war die letzte Chance. Kickstarter spülte über 10 Millionen Dollar in die Kassen. Dann ging es erst einmal richtig rund. Warum man aber letzten Endes scheiterte? Es waren mehrere Gründe. Die Kurzform:

Die Verkäufe unserer Version 2.0 (Pebble Time) im Jahr 2015 haben die Prognosen nicht erreicht, und das Überangebot an Lagerbeständen hat uns in eine große Liquiditätskrise gebracht (angestrebte ~100 Mio. USD Umsatz, wir haben 82 Mio. USD erzielt).

Die Pebble Time war nicht erfolgreich, weil wir in unserem Streben nach enormem Wachstum versucht haben, über unsere ursprüngliche Geek-/Hacker-Nutzerbasis hinaus zu expandieren, und es versäumt haben, sie neu zu positionieren – zunächst als Produktivitätsgerät, dann als Fitnessuhr. Im Nachhinein betrachtet war das dumm und offensichtlich und zu 100 % meine Schuld. Wir wussten nicht, ob es tatsächlich einen Markt für eine „produktivere“ Smartwatch gab, und wir waren im Kern kein Fitness-Unternehmen.

Ein weiterer Grund: Die Lünette der Pebble Time war zu groß! Ich wusste das im Grunde meines Herzens, aber das Projekt war damals so weit fortgeschritten, dass ich nicht den Mut hatte, es zu ändern.
Im Jahr 2015 haben wir außerdem unsere Betriebskosten in Erwartung des künftigen Wachstums verdoppelt. In Kombination mit niedrigeren Bruttomargen, da wir versuchten, mehr Technologie in unser Programm für 2015 zu packen, führte dies dazu, dass wir die Rentabilität verloren (2013 erzielten wir einen Nettogewinn von 9 Mio. USD und 2014 ein ausgeglichenes Ergebnis).

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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25 Kommentare

  1. Meine Pebble Time war meine Große Smartwatchliebe, die nach vielen Umwegen über Fitnessuhren und -Bänder erst meine Apple Watch einigermaßen vollständig ersetzen konnte. Aber die Coolness der Pebble mit seinen vielen Watchfaces wird sie niemals erreichen. Von den Laufzeiten brauchen wir gar nicht zu reden. Schade das man das gegen die Wand gefahren hat. Tatsächlich war die Schritterkennung mein Einstieg in die Fitnesstracker Welt.

  2. War damals auf jeden Fall ein richtig geiles Gadget. Ich hab sie geliebt! ❤️

  3. „ Die Lünette ist die Umrandung des Ziffernblattes der Uhr“

    Bitte, gerne. 😉

  4. Tja, schade. Da ham se sich voll verschätzt. Ich denke trotzdem gerne an meine Pebble Steel zurück, war ne klasse Uhr. Irgendwann hat jedoch der e-ink Bildschirm den Geist aufgegeben.

  5. Eigentlich schade, ich hab meine Pebble bis vor ein paar Wochen noch jeden Tag genutzt.
    Seitdem auf eine Coros Pace 2 umgestiegen.
    Ich brauche aber auch keine Smartwatch, sondern einfach eine Erweiterung meines Telefons als Nachrichten Anzeige um nicht jedesmal aufs Telefon schauen zu müssen.

    Die Sportfunktionen der Pace kamen mir dann auch noch ganz gelegen so das ich das Telefon wirklich nur noch zum telefonieren brauche.

  6. Das Beispiel zeigt leider, wie schwer es für Start-ups ist am Markt zu bestehen. Was hätten die noch alles machen können?

  7. Ich habe meine alte Pebble geliebt. Akkulaufzeiten, von denen man früher nur träumen konnte.

  8. Christian Schrod says:

    Meine beiden Pebbles (v1 & v2) hab ich geliebt und war bitte traurig als es zu Ende ging… heute muss ich mich mit anderen Uhren herumschlagen die weniger Akkulaufzeit und viel Schwachsinn integriert haben.

    • Bartenwetzer says:

      Genau das war das Problem der Pebble: Sie war mit ihren Funktionen auf einen bestimmten Bereich zugeschnitten und damit am Markt ein Nischenprodukt.

      Andere erreichen einen breiteren Nutzerkreis und damit auch Umsatz, weil sie für jeden mehr oder weniger individuell mit Funktionen versehen sind, die man nicht nutzt.

      Ist das bei Auto, TV, Smartphone und anderen Dingen nicht genauso ?

      Besonders im Bezug auf das Auto kann man doch das leicht belegen, wenn man sich die „Ausstattungspakete“ anschaut. Die sind klug kombiniert um möglichst viel Umsatz zu generieren.

  9. Ich habe meine Pebble geliebt und warte immer noch auf einen Nachfolger.

    Für mich braucht es nicht mehr als Benachrichtigungen und die Möglichkeit per GPay zu bezahlen um das Smartphone die meiste Zeit der Tasche lassen zu können.
    Die ganzen Sensoren und Gimmiks meiner Watch 4 nutze ich nicht, und wer einen Fitnesstracker möchte hat schon eine immense Auswahl.
    So eine Kombination wird es aber wohl leider nie geben.

  10. Die Pebble Time Steel war echt genial schön und funktionell. Ich habe sie geliebt und nur mit bedauern aufgegeben, glaub weil die Server abgeschalten wurden wenn ich nicht irre.

    • Dafür gab /gibt es ja für Android Gadgetbridge – damit konnte man die Pebble weiterhin bedienen und steuern.

    • Ich nutze meine Pebble Time Steel nach wie vor. Du kannst einfach die Rebble-Server nehmen und sie läuft damit weiterhin tadellos. Nach all den Jahren hat meine PTS auch noch immer eine Akkulaufzeit von 10 Tagen, was ich echt Klasse finde.

      Tatsächlich reichen mir auch die Funktionen der Pebble vollkommen. Das wichtigste für mich ist die Benachrichtigungsanzeige vom Telefon und die Terminvorschau für anstehende Meetings. Schrittzähler und Wetter im Watchface, Wiedergabesteuerung und Google-Maps-Navigation. All das kann die Pebble noch immer und mehr brauche ich tatsächlich nicht.

      • Wolfgang D. says:

        Gibt sogar noch Teile zu kaufen.
        Gerade 2xAkku für Pebble Steel und Time bestellt, und für die P2HR das Bundle Austauschgehäuse (wegen der schlechten Knöpfe) mit Akku bestellt. Nur mit restriktivem IOS ist der Betrieb der Pebble etwas nervig geworden, aber weiterhin möglich.
        Ein echtes Trauerspiel mit dem Unternehmen, aber es gibt ja noch Rebble für die Weiterführung der abgeschalteten externen Pebble Dienste (gegen Geld, logisch).

    • swaddybird says:

      Du kannst deine Time Steel weiterhin mit rebble.io verwenden.
      Wir haben im Haushalt ca. 4 Pebbles und die funktionieren alle noch ganz gut.
      Es gibt sogar teilweise neue Apps und Watchfaces 🙂

  11. Ich habe das damals auch sehr bedauert, ganz grundsätzlich finde ich auch immer noch schade, dass es sowas heute nicht mehr gibt. Auf der anderen Seite ist man heute vielleicht auch etwas verwöhnt durch die ganzen Features aktueller Modelle. Und vieles davon möchte auch ich tatsächlich nicht mehr missen. Was mich aber jeden Tag aufs Neue ärgert, sind die Akkulaufzeiten, die meinen Augen weit weg von „alltagstauglich“ sind. Aber irgendwas ist ja immer…

  12. Meine Pebble ist noch in Betrieb.
    Mein Zifferblatt habe ich damals in JavaScript selbst programmiert und es passt einfach zu mir (kleine Analog- + große Digitaluhr mit großer Datumanzeige).
    Schade, dass es keine Nachfolger geben wird.

  13. Ich trauere gerade erst neu um meine zwei Pebble (insbesondere die Pebble Round, die ist einfach super chic und flach), da das Update auf Android 12 endgültig Elektroschrott draus gemacht hat. Bekomme weder die Pebble- noch die Gadgetbridge-App zum laufen. Die zu ersetzen wird schwer bis unmöglich 🙁

  14. Ich habe meine Pebble 2HR auch geliebt.
    Die intelligente Schlafphasen-Weckfunktion war der einzige Wecker, bei dem ich mich nach dem Aufwachen nicht total kaputt gefühlt habe. Das vermisse ich sehr.

    Bei mir haben sich die Silikon Buttons verabschiedet, und dann ist sie nass geworden und lief nur noch wenige Stunden.
    Sehr schade das es nie einen ähnlichen Ersatzt gab.

  15. sollte die Pebble das gefürchtete ‚Screen Tearing‘ bekommen, kann mann das verursachende Kontaktproblem durch ein Auffüttern mit einem Stück Schaumstoff o.ä. in der Uhr gut behben (s. YT).

  16. Die Benachrichtigungen kommen auf der amazfit nicht top, aber gut genug an. Die Akkulaufzeit ist Klasse. Hauptzweck und Eigenschaft ist also OK.

    Trotzdem vermisse ich jeden Tag meine pebble. Kalendervorschau, Timer und Wecker auf der Uhr einstellen und im Hintergrund laufen lassen. Und Stabilität.

    Die Buttons und die Bedienung würde ich dem amazfit Touch und Gesten vorziehen, wobei das für mich kein wichtiger Unterschied ist. In der Kombi mit Täler eine nette Bastelei mit echtem Nutzwert gewesen.

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