Organspende in Deutschland: Jeder soll Spender werden

Die Diskussion gibt es schon lange: Wie geht es mit der Organspende in Deutschland eigentlich weiter? Es ist wie folgt: Will man seine Organe nach dem Tod spenden, dann muss man ausdrücklich zustimmen. Dafür kann man beispielsweise einen Organspendeausweis bei sich tragen, den man meistens irgendwo kostenlos bekommt, beispielsweise bei Krankenkassen. Alternativ gibt es ausdruckbare Ausweise im Netz.

Laut Meldung der Deutschen Presse-Agentur hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Widerspruchslösung ausgesprochen. Er kann also auch etwas sagen, was in sein Ressort fällt. „Nur so kann die Organspende zum Normalfall werden“, sagte er im Interview.

Eine Widerspruchslösung würde heißen, dass jeder Bürger pauschal Organspender ist – außer man selbst oder Angehörige widersprechen. Dass man über diese Neuregelung nachdenkt, liegt daran, dass alle bisherigen Versuche, die Zahl der Organspender zu erhöhen, gescheitert sind. Einen Gesetzentwurf wolle Spahn erst einmal nicht an den Start bringen, er wolle das Thema erst zur Diskussion bringen. Spahn steht allerdings nicht alleine mit dem Pro für die Widerspruchslösung da, im Rahmen meiner Recherche bin ich auch noch über ein Beschlussprotokoll des Ärztetages in Erfurt gestolpert. Dieser fand im Mai 2018 in Erfurt statt:

Der 121. Deutsche Ärztetag 2018 fordert den Bundesgesetzgeber auf, § 2 Abs. 2 Transplantationsgesetz (TPG) im Sinne einer Widerspruchslösung zu formulieren. Es kann von jeder Bürgerin und jedem Bürger nach der gesetzlich in § 2 Abs. 1 TPG geregelten Aufklärung durch die Krankenkassen erwartet werden, dass sie/er sich mit der Problematik auseinandersetzt und im Falle einer tatsächlichen Ablehnung ihr/sein NEIN zur Organspende formuliert.

Ist natürlich die Frage, ob dies nun wirklich zu einer Erhöhung der potentiellen Spender führt. Schließlich kann ich einfach einen Wisch bei mir tragen, der mitteilt, dass ich nicht spenden möchte, alternativ sehe ich zu, dass meine Verwandten informiere.

Der Grund ist nachvollziehbar: Wartezeiten für Organe sind gerade in Deutschland immer weiter gestiegen, die Wartenden in der Zwischenzeit oft verstorben. Das liegt aber nicht nur an der Nichtbereitschaft der deutschen Bundesbürger, Organe zu spenden, auch die gestiegene Lebenserwartung sowie der Rückgang an tödlichen Straßenverkehrsunfällen könnten ihren Teil dazu beitragen. Der Nationale Ethikrat Deutschlands sagte indes mehrere Male, dass sicher viele Deutsche spenden würden, es aber nicht tun, da sie nicht von der Zustimmungsregelung wissen, die derzeit noch Standard ist.

Bei der Organspende gibt es derzeit nicht nur diese Probleme. Es sind auch die ethischen, die die Menschen teilen. So muss der Todeseintritt festgelegt werden, normalerweise gilt der Hirntod als Kriterium, um einen Menschen als tot zu erklären – dementsprechend werden dann bei vorheriger Zustimmung die Organe entnommen.

Allerdings bezweifeln Institutionen und auch Bürger diese Praxis und die Zuverlässigkeit. Viele Menschen haben Angst, dass sie als Organspender zu früh für tot erklärt werden – oder ihnen keine ideale Behandlung zukommt, damit man einen Organspender mehr hat. Ebenfalls gibt es natürlich auch religiöse Gründe, die gegen eine Organspende sprechen können.

Eure Meinung zum Thema?

Wie schaut das bei euch aus – habt ihr eine Meinung zum Thema? Wir in Deutschland liegen in Sachen der Spenden unter dem Schnitt als die Länder, in denen die Widerspruchsregelung gilt. Unsere Nachbarn aus Österreich, Belgien, Luxemburg und auch Ungarn haben diese Regelung beispielsweise, in Belgien gilt sogar der Herztod als Kriterium für eine Organspende. In Deutschland lag die Zahl der Organspenden mit 9,7 pro einer Million Einwohner im vergangenen Jahr auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren.

Seid ihr für die Widerspruchsregelung? Seid ihr pro oder contra Organspende?

Ich selber habe mir schon x Mal den Kopf zerbrochen, besitze aber in der Tat keinen Organspendeausweis. Sollte das Ganze in irgendeiner Form gesetzlich neu geregelt werden, dann sollte man den Nutzern auch die Gelegenheit bieten, sich sicher in eine Online-Datenbank  einzutragen. Über den Status dieses Eintrages könnte der Nutzer dann alle zwei Jahre informiert werde. Alternativ sollte der Gesetzgeber vielleicht nicht nur über verlängerte Arme wie die Krankenkassen informieren, sondern proaktiv bei einer Neuregelung ein Einverständnis explizit abholen.

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei LinkedIn, Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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170 Kommentare

  1. Das ist wieder typisch Deutschland. Man muss aktiv werden um nicht in eine Falle zu geraten. Meine Organe gehören mir und nicht Deutschland!

    • Schade, dass Du so wenig Gemeinschaftsgefühl hast. Wenn alle so wie Du denken, wirst auch Du nie ein Organ bekommen, sollte es einmal notwendig sein.

      • Ich habe einen Organspenderausweiss, aber ich lasse mir nicht von unseren unfähigen Politikern vorschreiben, was nach meinem Tod mit meinem Organen zu geschehen hat – das ist ist und bleibt immer noch meine Endscheidung.

        Die Politker sollten sich in diesem Land um die wirklichen Probleme kümmern.

        • Ganz ehrlich? Nach deinem Tod bist du… tot. Das wars. Und weil die meisten Leute leider einfach nur stinkend faul sind, müssen andere Sterben weil sie keine Organe bekommen. So darf jeder weiterhin faul bleiben und andere können trotzdem am leben bleiben. Und wer aus welchen Gründen auch immer nicht spenden will, kann jetzt aktiv widersprechen. Die Entscheidung hast du also auch weiterhin, jetzt wird es halt aber zum Wohl der Allgemeinheit umgedreht.
          Hier tut die Politik also tatsächlich mal was für den Bürger und Organmangel ist ein Problem.

          • Bin ich tot? Wenn ich tot bin, dann kann mein Kadaver gerne in einer Tierkörperbeseitigungsanlange entsorgt werden. Ist eh billiger, als einem Bestatter noch unnötig Geld in den Rachen zu werfen. Von mir aus, kann er auch zu Seife verarbeitet werden. Solange mit Organen betrogen und Geld und Geschäfte gemacht wird, bekommt die niemand! Wer sagt denn, dass man wegen des Profits nicht doch noch lebendig abgeschlachtet wird? Ja, ja … Ich bin ein ganz schlimmer. Denn schließlich könnten meine Organe andere Leben retten. Oder was ist, wenn ich mal eines brauchte? Nur, weiß ich gar nicht ob ich das aus ethischen und moralischen Gründen will. Wenn meine Zeit gekommen ist, dann ist sie gekommen.

            • Bin jetzt kein Befürworter dieser umgedrehten Variante, aber den Satz hier:
              „Wenn meine Zeit gekommen ist, dann ist sie gekommen.“
              würdest du ganz schnell bereuen, wenn es doch einmal schneller und unvorhersehbarer kommt, als du denkst.

          • Ob und wie meine hübsche Leiche weiterverarbeitet wird bleibt trotzdem meine eigene Entscheidung. Ende der Diskussion.

      • Ulysses Niemand says:

        Hi Daniel,

        also ich sehe das ehrlich gesagt auch ambivalent:

        Wenn ich wirklich unrettbar tot bin, dann kann jeder gern mit meinen Organen machen, was er will!

        Aber, ich frage mich, ob nicht die Qualität der intensivärztlichen Behandlung sinkt, oder etwaige Reanimationsprozesse ggf. früher für beendet erklärt werden, wenn ich Organspender bin, als wenn ich es nicht bin.

        Auch sehe ich die DKMS-Kartei sehr kritisch. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre leukämisch oder mein Kind, dann fände ich es natürlich toll einen Stammzell-Spender bzw. eine Stammzell-Spenderin zu finden. Das ist wohl der Grund, warum ich das DKMS-Kit geordert habe und mich registrieren lasse.

        Aber – salopp gesprochen – stellt doch die DKMS-Kartei einen Selbstbedienungsladen für Superreiche dar, wenn die Ersatzorgane brauchen. Wenn ich Superreicher wäre, würde ich doch einen Hacker beauftragen die DKMS zu hacken bzw. zu social engineeren und mir den passenden Organspender rauszusuchen. Dem Delinquenten passiert dann ein „Unfall“ und schwuppdiwupp hab ich als Superreicher ’ne neue Leber und irgendein Kind einen Papi oder ne Mami weniger. Unfälle passieren ja jeden Tag…

        Ich trau‘ der IT-Sicherheit der DKMS nur soweit ich sie werfen kann… gar nicht!

        LG
        Ulysses

        P.S.:
        Jetzt frage ich mich, ob ich meine DKMS-Registrier-Kit mit meinem Genmaterial wirklich absenden soll, oder nicht…

    • Was ist daran typisch Deutschland?
      Deutschland beschreitet beim Thema einen Sonderweg:
      https://www.organspende-info.de/infothek/gesetze/europa-regelungen
      Das ist eher typisch Deutschland.

    • Wenn dein Kopf tot ist, und du einem Jungen Mann der eine kaputte Niere hat, damit das Leben retten könntest.. is es scheiss egal ob „Deutschland“ dahinter steckt. Das Ergebnis ist das jemand weiterleben kann. Dank dir.
      Und btw. typisch deutsche Art gleich auf den Staat zu schimpfen statt sich wirklich Gedanken zu machen.

    • Das Problem ist doch dass viele Leute einfach zu träge sind sich einen Organspendeausweis zu holen. Ich kenne genug Leute die Organspende gut finden aber selbst einfach nicht aktiv werden und sich einen Ausweis besorgen.
      Ich hab als Student mal 400 von den Dingern bestellt und hab Sie bei uns in den Vorlesungen ausgelegt mit lediglich dem Hinweis dass sie da sind und kostenlos mitgenommen werden können. Die teile waren ruck zuck alle restlos weg. Das Potential ist da, aber die Leute werden nicht von sich aus aktiv.
      Daher finde ich den Vorstoß die Regelung umzukehren auf jedenfall sinnvoll.

    • >>Das ist wieder typisch Deutschland
      Nö, das gibt es (in Europa) bereits in Bulgarien, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, den Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Türkei, Ungarn und Zypern sowie mit Einspruchsrecht der Angehörigen noch in Belgien, Estland, Finnland, Litauen und Norwegen. D.h. in der Mehrheit der europäischen Länder ist das bereits Fakt. (Quelle: https://www.organspende-info.de/infothek/gesetze/europa-regelungen)

      Deine Organe würden auch nicht Deutschland gehören, sondern im Falle eines Falles anderen Menschen das Überleben ermöglichen. Träfe es Dich, ein Organ zu brauchen, stirbst Du dann lieber fröhlichen Herzens als ein anderes Organ anzunehmen? Wäre doch auch mal eine Diskussion wert: wer nicht bereit ist, Organe zu spenden, bekäme selbst auch keine. Fair oder nicht fair?

    • Alter Schwede. Wenn ich so etwas schon wieder lese „[…] gehören mir und nicht Deutschland!“. Wow, fehlen mir einfach die Worte. Sowas bescheuertes. Scheiß Deutschland, was?
      Man, dann hau doch einfach ab und lass uns in Ruhe. So langsam platzt mir hier echt die Hutschnur. Wenn es den Leuten so gut geht, dass sie gar nicht mehr merken, wie gut es ihnen in diesem Land einfach geht.

    • ChiemseeChaot says:

      In Österreich schon lange üblich, also kein deutscher Sonderweg.
      https://www.transplantation-information.de/gesetze_organspende_transplantation/ausland_gesetze/organspende_oesterreich_widerspruch.html
      https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/251/Seite.2510007.html
      Ich würde es begrüßen die Widerspruchspflicht EU-weit zum Standard zu erheben.

      • Danke
        Du sprichst aus was ich befürworte

        Wie manche schreiben…
        Der (deutsche?) Mensch ist häufig zu träge sich einen Organspendeausweis zu besorgen
        Das trifft auf so manch anderes ebenfalls zu
        Patientenverfügung z. B. Damit kann noch genauer bestimmt werden unter welchen Bedingungen ich welche Maßnahmen will
        Mal als Denkanstoß für alle die „Mein Körper gehört mir“ rufen
        Erst denken, dann informieren und dann mitreden können

        Ich hab seid meinem 18ten einen Organspendeausweis Ob danach geschaut wird wenn ich mal ins Koma fallen sollte?
        Da ist ein Widersprechen doch hilfreicher
        Und statt meckern darf jeder selbst denken und dann entscheiden
        Wie in so manch anderen EuroLändern

    • Mensch wie du müssen dann auch von Transplantationen ausgeschlossen werden, mit so einer Einstellung hast du es nicht verdient das man dir hilft.
      Deine Familie und deine Kinder müssen auch direkt ausgeschlossen werden.

    • Dann kannst du hoffen, dass du nie ein Spenderorgan brauchst, das wirst du ja dann sicher auch nicht wollen,

    • Das tun sie ja auch weiterhin. Dann füllst du eben einen Zettel aus. Fertig. Ich bin übrigens Oeganspender und habe einen Auweis bei mir.

    • Susanne Demmer says:

      Der Mensch ist kein Ersatzteillager. Ich nehm nix und ich geb nix. Deshalb habe ich einen entsprechenden Organspendeausweis im Portemonnaie.

  2. Ich wäre absolut für diese neue Regelung!
    So ist jeder zumindest gezwungen sich mal Gedanken darüber zu machen
    und jeder aktiv werden muss, wenn er nicht seine Organe spenden will – was natürlich eines jeden gutes Recht ist.
    Man kennt ja viele die eigentlich PRO sind, aber es nicht auf die Reihe bekommen sich einen Organspendausweis zu erstellen.

    Parallel bin ich für die Regelung, dass wer sich als Spender ausschließt auch auf Transplantationslisten ganz hinten anstehen muss.

    Umso mehr Organspender umso kleiner das Risiko, dass damit Schmu getrieben wird. Meine Meinung,

  3. „[…] oder ihnen keine ideale Behandlung zukommt, damit man einen Organspender mehr hat.“

    Ich habe eine Bekannte, die als Arzthelferin bei einem Kardiologen arbeitet. Als irgendwann einmal das Gespräch über Organspende aufkam, sagte sie mir, dass sie schon öfter von Notärzten gehört hat, die am Unfallort keine richtige Hilfestellung leisten würden, sobald sie erfahren, dass der Verletzte Organspender ist.
    Ich möchte keinen Arzt an den Pranger stellen oder irgendjemanden falsch beschuldigen. Fakt ist aber, dass mich diese Aussage seit Jahren davon abhält, einen Organspendeausweis auszufüllen.

    • Das ist das erste mal das ich davon höre und wenn man wirklich so etwas hört dann muss man das auch zur Anzeige bringen. Es geht dabei nicht um den Pranger. Man spielt nicht mit Menschenleben.

      • Das kann ich mir ehrlich gesagt kaum vorstellen.

        Es gibt viele Hürden, die ein Organspender „überwinden“ muß, bevor seine Organe entnommen werden.
        Zum Beispiel: Es sind zum Beweis des Hirntodes zwei Ärzte notwendig, wenn dann der einzelne NA auf der Straße sagt, wir machen nicht mehr viel, weil wir die Organe brauchen, dann macht er sich definitiv strafbar. Es kann durchaus andere Gründe geben, warum vor Ort nicht mehr alles gegeben wird (z.B. der (mutmaßliche) Wille des Patienten)
        Zum Anderen muß der Kreislauf die ganze Zeit vorhanden sein. Ein Organ, das nicht durchblutet ist, kann auch nicht transplantiert werden (solange es nicht entsprechend präpariert wurde) Und wenn bei einem Trauma mehr als nur der Kopf verletzt wurde, ist meistens eh nicht mehr viel übrig, was dann noch den Kriterien entspricht.

    • Wenn Du keine Organe spenden möchtest, machst Du, wenn Du keinen Spendenausweis hast, alles falsch. Du kannst darauf ankreuzen ob Du willst oder NICHT willst. Kreuze nein an und Du hast eine klare, für alle Beiteiligten sichtbare Entscheidung gefällt.

    • Sorry, aber das ist unfassbarer Blödsinn.
      Du schaffst es als Notarzt gar nicht, jemanden aktiv in den Hirntod zu treiben, aber irgendeine Schädigung von Organen auszuschließen. Auch hast du als Notarzt überhaupt nichts von einer Organspende, du übergibst den Patienten im Krankenhaus und fertig.
      Also, sorry, das ist totaler Unfug und eine abartige Unterstellung. Nach über 15 Jahren im Rettungsdienst darfst du mir das auch eher glauben als einer Arzthelferin, die mal was von anderen gehört hat, die es widerrum woanders her haben…

      • Kann ich (ebenfalls Rettungsdienstler) nur bestätigen.

        Außerdem nochmal ganz klar gesagt:
        1. Nur ein ganz kleiner Teil der verstorbenen Organspender eignet sich als Organspender, weil eben der Hirntod vorliegen muss.
        2. Jeder wird nach Leitlinien / standardisierten Algorithmen behandelt. Die Frage, ob jemand Organspender ist stellt sich nicht in der Notfallversorgung!!! Wir haben schon genug damit zu tun, rauszukriegen, ob der Patient überhaupt behandelt werden will. (Stichwort: Patientenverfügung)

        Will das bloß nochmal sagen, weil ich das Gefühl habe, die Leute haben eine falsche (Film-)Vorstellung über die Anforderungen an ein geeignetes Spenderorgan

    • @Kenneth:
      Das kann ich nur absolut bestätigen. Meine Lebensgefährtin ist Krankenschwester bzw. genauer gesagt OP-Schwester in einer sehr großen Uniklinik in NRW. Auch ich bekomme solche Stories von ihr erzählt. Zum Beispiel dass die verantwortlichen Leute sich hinter den Kulissen schon während einer Wiederbelebungsmaßnahme um die Organe/Organentnahme kloppen, wenn sie wissen dass der Patient ein Organspender ist. Auch gibt es immer wieder kleine Skandale wie Kliniken „tricksen“, um bestimmte Patienten auf der Organ-Warteliste unerlaubt nach vorne zu schieben. Man darf eins nicht vergessen: Solche „dreckigen Spielchen“ können das Leben eines anderen Menschen kosten.

      Ich möchte damit das Thema „Organspende“ aber nicht schlecht-reden oder vergiften. Es gibt auch sehr sehr viele positive Beispiele – leider aber viele schwarze Schafe.

      Ich denke man sollte das ganze System viel strenger kontrollieren und das heißt im Umkehrschluss > Mehr medizinisches Personal !!!

      • Und jetzt überlegt doch mal, was passieren würde, wenn es auf einmal genug Organe gäbe… Müssten sich Ärzte darum „kloppen“ oder schummeln, um ihren eigenen Patienten zu helfen?

        Zudem muss man zeitig über eine mögliche Entnahme sprechen bzw diese vorbereiten, da es eben hohe Anforderungen an ein zu transplantierendes Organ gibt.

        Ich kann mir aber trotzdem gut vorstellen, dass das Ganze in manchen Kliniken Gang und gebe ist. Aber wenn man dadurch kein Organspender werden will, ändert sich in diesem Teufelskreis nie etwas. Deshalb finde ich die Regelung gut.

        • @sgo:
          Ich bin absolut nicht gegen den Vorschlag von Jens Spahn. In einigen Nachbarländern gibt es diese Regelung ja schon.

    • Das habe ich bisher auch noch nie gehört und glaube das auch nicht.

      • Ich habe weiter unten paar links gepostet. Bisschen Google bemühen…sind bekannte Fälle. Wenn man Zeitung liest…

        Du merkst das dein „Glaube“ mit der Realität nichts zu tun hat.

  4. Ich bin absolut dafür, das jeder erst einmal den Gemeinschaftsgedanken mitträgt.
    Es ist ein schlechtes Zeichen, das wir in Deutschland, anders als in vielen anderen Ländern Europas, so selbstsüchtig sind.
    Jeder will zwar, wenn es ihm oder Angehörigen schlecht geht, ein Organ haben, aber keiner ist bereit, auch seinen Teil dazu beitragen.
    Da finde ich auch Deine Position, Caschy, als Vater ziemlich einseitig.
    Meine Vorstellung wäre: Widerspruchslösung mit deutlich sichtbarer öffentlicher Aufklärung und auch öffentlicher Überprüfbarkeit der Vergabe. Das schafft dann hoffentlich das notwendige Vertrauen!

    PS: Übrigens cool, das Du so ein Thema in Deinen Blog mit aufnimmst!

  5. Der Staat tut so, als wären meine Organe im Prinzip sein Eigentum – es sei denn, ich widerspreche ausdrücklich (und hoffe, dass dieser Widerspruch dann auch gefunden und zur Kenntnis genommen wird). Ich finde das dahinter stehende Menschenbild (wir sind quasi Eigentum des Staates) ziemlich besorgniserregend und abartig.

    Natürlich ist eine solche Regelung aber äußerst effektiv. Denn es werden nicht alle Leute widersprechen und permanent daran denken, diesen Widerspruch mit sich rumzutragen, die eigentlich nicht Organspender werden wollen. Sehen wir schon daran, dass garantiert auch heute schon nicht jeder weiß, dass er nur dann Organe spenden kann, wenn er einen Ausweis besitzt und den möglichst immer bei sich trägt.

    Und da liegt meiner Meinung nach auch schon der Hase im Pfeffer, beziehungsweise die bessere Lösung auf der Hand: Gebt den Leuten verdammt noch mal Ausweise! Scheißt sie zu damit, schickt ihnen einen mit jeder Steuerkarte oder legt einen jedem Schreiben der Krankenkasse bei, legt sie in Arztpraxen aus etc.

    Ich trage seit über 10 Jahren so einen Ausweis mit mir rum – aber nur, weil ich mich aktiv mal schlau gemacht habe und mich dann gekümmert habe. Reiner Zufall also. Logisch, dass auf diese Weise weniger als möglich dabei rumkommt.

    Ich denke, man sollte hier ansetzen, statt eine solche – meiner Meinung nach völlig menschenverachtende – Widerspruchslösung einzuführen. Sofern die kommt, werde ich mir aus Protest einen neuen Ausweis besorgen – der dann diesen Widerspruch ausdrückt. Ein solches System möchte ich einfach nicht unterstützen.

  6. Kristin Winter says:

    Das Problem liegt doch eigentlich nicht in der bisherigen Zustimmungsrate. Die Voraussetzung zur Organspende ist zunächst der Hirntod. Dieser tritt aber eher selten ein. Erst danach wird die Organspendebereitschaft geprüft. Laut https://www.organspende-info.de/organ-und-gewebespende/verlauf/hirntod erleiden ca. 1200 Patienten jährlich den Hirntod. Davon spendeten in den letzten jahren auch jährlich ca. 850 Patienten ihre Organe. Bestimmte Vorerkrankungen (z.B. Krebs) führen zusätzlich zum Ausschluss eines Spenders. Ich finde das Verhältnis 1200 zu 850 zunächst gar nicht so gering. Ich habe die Quelle jetzt nicht mehr parat, aber ein Problem liegt wohl auch darin, dass vielen Krankenhäusern die Kapazität fehlt, das Verfahren nach einem Hirntod überhaupt einzuleiten. Nicht jede Klinik hat dafür bereitstehendes Persobal etc.

  7. Eine Widerspruchslösung finde ich auch gut. Nachdem ich jahrelang Organspender war, trage seit den letzten großen Skandalen einen Organspenderausweis mit Widerspruch bei mir.
    Meistbietend versteigern zu Gunsten meiner Hinterbliebenen fände ich super (kann man da aber nicht ankreuzen), aber ich sehe es einfach nicht ein, dass sich irgendein Quacksalber mit meinen Organen den Arsch vergoldet; mich womöglich noch absichtlich für tot erklärt.
    Das Vertrauen in die Organspende in Deutschland ist einfach völlig dahin. Schuld sind genau die Kliniken und Ärzte, die sich jetzt beklagen. Selber Schuld kann ich da nur sagen.

  8. Datenschutz geht Richtung Opt In, aber wenns um meinen Körper geht zählt Opt Out.
    Gefällt mir Nicht.
    Aus eigener Erfahrung, vor allem in meinem näheren Umfeld, weiß ich das so was schnell nach hinten losgehen kann.
    Wenn ich ein Krankenhaus in der nähe betrachte und.. wie sag ich das.. wenn es am finanziellen mangelt werden Leute einfach Kreativ. Vor 2 Jahren gab es einen bestimmten Geburtsvorbereitungskurs. Die 17 Damen hatten, alle bis auf eine, ausnahmslos einen Kaiserschnitt. Alle aus dem selben Grund. Viele von denen wollten dies jedoch nicht.

    Man könnte nun alles mögliche denken.. jedoch liegt hier die Vermutung nahe, dass hier nachgeholfen wurde da für einen Kaiserschnitt mehr gibt.

    MMn sollte es so bleiben wie es ist. Zumindest solange wir, vor allem in der Medizin, in einer Mehrklassengesellschaft leben! Solange Mensch nicht gleich Mensch ist. Solange dritte (und vierte) an solchen Prozeduren profitieren.

    Nicht Falsch verstehen, ich bin pro Organspende. Aber mit mehr Aufklärung! Es müssten sich mehr dazu entscheiden können. Evtl. mit einer finanziellen Entlastung für eben jene Spender, die sich auf den Tisch legen obwohl Sie Kerngesund sind.

    Über den eigenen Körper sollte niemand anderes Entscheiden können! Bitte? Die Person kann nicht mehr entscheiden da Tot, geistig nicht fähig so was zu entscheiden? Pech.

    • Anekdotische Evidenz.

      • Erwartest du eine Liste von jenem Krankenhaus mit Daten wie Name, Geschlecht und Ablauf der Geburt?
        Ob DU das glaubst ist für mich nicht relevant. Mein kleiner ist nun fast 2 Jahre alt und wir waren Teil dieses Kurses.

        Ansonsten nutze Google und informiere dich über die Krankenhäuser und die Kaiserschnittrate.

        Das schlimme ist deine Ohnmacht hinterher… du kannst reden, drohen und schreien. Jedoch ist alles vorbei. Nur weil man selbst nicht betroffen ist, heißt dies nicht dass solche Dinge in unserer Gesellschaft nicht passieren.

    • Guter Punkt! Wir sind leider in Deutschland in zu viele Bereiche eine Mehrklassengesellschaft, erst das abstellen liebe Politiker!!

  9. Ich habe auch einen Ausweis (Papier) und ich trage diesen nicht mit mir rum. Ich hab lang versucht eine richtige Scheckkarte zu bekommen, was unmöglich ist. Grund ist der Datenschutz! Ich will einen gedruckte OSA! Und meiner Meinung nach sollte die Karte nur dazu dienen, zu wissen, dass ich einer bin. Zuhause liegt eine Verfügung worin geklärt ist was wie und wann passieren darf!

    Daher bin ich auch gehen diese Regelung! Ich finde aber man müsste mehr aufklären und das schon zu Schulzeiten!

  10. Super Sache, endlich!

    Ich hoffe, dass ich es selbst nie brauche, und freue mich, dass ich nach meinem Tod ggf. noch jemandem helfen darf.

  11. Richtig so.

    Die Meisten sind nur aus purer Faulheit oder Ignoranz keine Organspender. Durch eine aktive Verzichtserklärung muss man sich mit dem Thema auseinander gesetzt haben.

  12. Ich wohn hier in Österreich und bei uns ist das schon lange so. Wenn du das nicht willst gibt es die Widerspruchlösung, ich oder Verwandte könne eine Organentnahme verhindern. Aber wenn ich Hirntod bin ist es mir eigentlich egal was mit meinen Organen passiert 🙂
    Solange es nicht so zugeht wie in Monty Phyton’s Der Sinn des Lebens … https://www.youtube.com/watch?v=gQnejLliS9g

  13. Wow. Solche Kommentare à la „der Staat denkt, dass meine Organe ihm gehören“.. Ich fass es nicht.
    Nein, das ist falsch. Der Staat versucht es zu schaffen, dass mehr Menschen geholfen werden kann. Leben gerettet werden. Diese Gesellschaft zu erhalten.
    Und das macht er dann auf eine Art und Weise, die keinem weh tut. Nein, ein Widerspruch tut nun mal nicht weh!
    Das einzige, was er von uns Menschen verlangt ist, mal SELBST AKTIV zu werden! Zugegeben: Das ist etwas, was dem Deutschen weh tut! Wenn er selbst mal aktiv werden und etwas TUN muss.

    Wo bitte ist das Problem, einmal NEIN zu sagen?

    • Man muss AKTIV werden um die eigenen Organe zu verteidigen? Liest du was du schreibst?
      Aktiv werden ist schön und gut, aber wie viele Menschen lesen kaum Zeitung oder hören Nachrichten. Ich kenne genug da es ja fast nur deprimiert.
      Oder jene die nicht dazu kommen.
      Sagen wir der hats wirklich nicht mitbekommen, seine Religion jedoch untersagt das. Was dann? Pech für Ihn? Wie lange dauert es bis sowas schief läuft?

      Ich möchte nicht NEIN sagen müssen. Ich möchte gefragt werden und mich dazu entscheiden. Über bessere Aufklärung und mehr Initiativen von Staat und Krankenkassen wäre das kein Problem.

    • Angenommen, Du willst kein Organspender sein, erleidest einen Unfall, der Dich aber zum Spender macht und Dein Widerspruch ist in Deinem Portemonaie, das grade in Deinem Unfallauto verbrannt ist. Tut dann so ein Widerspruch immer noch nicht weh oder muss man nicht vielleicht doch feststellen, dass diese Lösung das genaue Gegenteil dessen bewirkt, was sie eigentlich bewirken will, nämlich dass man tatsächlich funktionierend widersprechen kann?

      Das Problem ist nicht „nein“ zu sagen. Das Problem aktuell ist aber auch nicht, dass man „ja“ sagen muss. Der Staat investiert genau Null Aufwand, um jeden mit so einem Ausweis auszustatten – und wundert sich jetzt, dass zu wenige einen haben. Wie wäre es denn damit, einfach erstmal jedem einen zu schicken (und zwar jährlich neu) und dann mal zu schauen, ob dass das Problem nicht bereits löst?

      • Siehst du. Und genau das wäre einer dieser Initiativen! Würde das ding jährlich zu den Leuten nach Hause kommen, würde sich evtl der ein oder andere mehr melden, mehr informieren.
        Nichtsdestotrotz, ich will JA sagen wollen und nicht Nein.

  14. Das wird noch ein sehr kontrovers diskutiertes Thema werden die nächste Zeit. Ich finde das richtig und ich denke, man sollte sogar einen Schritt weitergehen und sich Singapur als Beispiel nehmen. Dort ist jeder automatisch Organspender, man hat natürlich das Recht zu widersprechen. Ein Austritt aus dem Programm hat aber auch zur Folge, dass man selber nur eine geringe Priorität beim Empfangen von Organen hat, sollte man mal welche brauchen.
    https://www.gov.sg/factually/content/what-is-hota-all-about

  15. Verstößt sowas nicht gegen die Menschenrechte ? Ich meine nur durch ein Stück Papier was man selber widerrufen muss, Hat man seine Organe gespendet

  16. Achim Junker says:

    Denkt hier auch mal jemand an die Skandale der letzten Jahre??? hier wurden in schöner Regelmäßigkeit „Leute mit Geld“ an die Spitze der Transplantationsliste befördert ….. Täter waren dessen Ärzte… was ist, wenn genau diese „Ärzte auch darüber entscheiden, ob ich nun wirklich Tot bin… oder mir eben bestimmte „lebensrettende“ Behandlungen verweigert werden , weil gerade ein wichtiges Organ (natürlich für wichtigere Menschen als ich“) dringend benötigt wird….Ich glaube nicht , das hier wirklich die Prüfung des Ablebens ordnungsgemäß stattfindet…Leider ist der Mensch bestechlich …auch Ärzte….

    • Vorallem, es gibt Menschen die wahrscheinlich gerne an Ihrem Geburtsort im Ausland beerdigt werden möchten. Was ist mit den leuten?

      • Man man, was für einen Quatsch hier einige verzapfen!
        Organspender werden doch nicht zerfleddert und dann entsorgt.
        Einer Überführung und normalen Beerdigung steht doch nach dem Eingriff nichts im Wege.

    • Aber wenn doch mehr oder sogar genügend Organe vorhanden wären, dann gäbe es doch für solche angeprangerten Fälle – die es sicher gibt aber nicht in der Menge wie sie gerne verbreitet werden – gar keine Grundlage mehr!

      Und mal ehrlich:
      wer Geld wir Heu hat und ein Organ braucht, besorgt es sich halt „anderweitig“, da braucht´s keine dt. Ärzte zu bestechen!

    • Genau die Ärzte, die einem schwerstkranken Menschen mit einer Transplantation helfen (wollen) sind es grade nicht, die bei einem potentiellen Organspender den Hirntod feststellen (müssen). Abgesehen davon, müssen das ja zwei Ärzte unabhängig voneinander bestätigen.

      Und hey Leute, was in Filmen und Serien immer gerne gezeigt wird, dass Ärzte um das Leben eines Patienten ringen und nebenan kommt zufällig ein potentieller Spender grade frisch rein, das entspricht nicht der Realität!

      Ja, Menschen sind leider bestechlich. Schwarze Schafe gibt es seit jeher immer und überall.
      Aber deshalb gleich allen Ärzten Raffgier und ein kaltes Herz zu unterstellen ist eine bodenlose Frechheit, den vielen Ärzten gegenüber die jeden Tag ihr Bestes geben für die Patienten.

      Genau diese Berichte und die anderen hier bereits aufgeführten Horrorstories und urbanen Legenden sind es doch, die es den Mensche so schwer mache sich bewusst für einen Organspenderausweis zu entscheiden.

      Ich kenne einige Menschen, die sagen sie wären zu einer Organspende bereit. Aber einen Organspenderausweis haben sie nicht. Warum? Das wissen die meisten selber nicht.
      Wahrscheinlich lassen sie sich sich durch solche immer wieder aufgewärmten Skandale und Horrorgeschichten verunsichern.
      Für diese Menschen wäre es vielleicht hilfreich, wenn Sie AKTIV widersprechen statt AKTIV zustimmen müssten.

      Ich erinnere mich noch genau an die Skandale, weil das in der Zeit war, als meine damals zweijährige Tochter bei Eurotransplant auf die Warteliste gesetzt wurde und uns später gesagt wurde, das in der Klinik angefragt wurde ob vielleicht jemand von uns Eltern mit dienstpflichtigen Kindern bereit für ein Interview der Tagesschau zu den Skandalen gewesen wären. Der Medienrummel hätte seinerzeit sicher niemandem geholfen und das haben die Ärzte damals zum Wohle der Kinder abgeblockt.

      Ich wünsche niemandem, dass er sich jemals darüber Gedanken machen muss, wie er seinem Kind erklären soll, dass es sterben wird, weil nicht genügend Menschen den Arsch in der Hose haben und sich einmal richtig mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt und sich für das Mitführen eines Organspenderausweises entschieden haben.

      Was sollen die Schwestern und Pfleger auf den Dialysestationen (und allen anderen Stationen) den Kindern sagen, warum sie Woche für Woche, mindestens dreimal in der Woche einen Teils sehr langen Weg auf sich nehmen müssen und nicht zusammen mit anderen Kindern in der Schule lernen und spielen dürfen?
      Wer schon mal (s)ein Kind dorthin begleitet hat weiß, wovon ich schreibe.

      Meiner Tochter geht es übrigens inzwischen Dank einer Lebendspende wieder ganz gut.
      Allerdings musste ich am Tag der Transplantation und die Zeit danach gleich um zwei Leben bangen!

      Der Tag, an dem uns die Ärzte sagen werden, dass sie wieder an die Dialyse muss, wird hoffentlich noch lange auf sich warten lassen. Bis dahin hoffe ich einfach, dass viele Menschen in dieser, jetzt sicher wieder aufkommenden, Diskussion mal darüber nach denken, ob sie sich das kleine Kärtchen nicht doch in Brieftasche stecken.

      Und jeder, der nicht Spenden will, aus welchen Beweggründen auch immer, möge dies doch bitte auch heute schon mit dem Organspenderausweis dokumentieren. Denn dort kann man auch ankreuzen:
      „NEIN, ich widerspreche einer Entnahme von Organen und Geweben.“
      Ich will und werde niemanden bekehren. Aber denkt wenigstens an Eure Angehörigen und macht ein Kreuz, egal wo. Eure Partnerin / Euer Partner hat in in seiner Trauer sicherlich ganz was anderes im Kopf und muss nicht damit belastet werden.
      Traut Euch wenigstens mit Euren Lieben darüber zu reden, damit die Bescheid wissen, falls es mal soweit sein sollte.

      So, vor diesem Hintergrund frage ich mich dann ob es wirklich so wichtig ist ob und wann die FW7 für die Fritzbox 7490 kommt oder wann die neuen iPhones vorgestellt werden oder welche Smart Home Produkte mit welchen Smart Speakern wann, wo und wie zusammenspielen.

      Aber immerhin habe ich mich mit solchen „Belanglosigkeiten“ damals bei meinen Nachtwachen am Bett meiner Tochter ein wenig ablenken können.

  17. Finde ich klasse! Wenn es auch nur einem Menschen das Leben rettet, hat es sich rentiert.

  18. Ich bin schon seit Jahren Organspender
    Die Karte gibt es übrigens auch aus Plastik. https://www.organspende-info.de/articles/2081

    Ich habe keine Angst um mein Leben, das mir ein Notarzt nicht hilft oder das ich „fälschlicherweise“ für Tod erklärt werde.
    Ich denke sogar so: Wenn ich in einen Zustand bin, wo ich so einfach für (Hirn-)Tod erklärt werden kann, obwohl ich es nicht bin. Ich weiß nicht ob ich dann mit aller Gewalt am Leben gehalten werden will.

  19. Es ist ja schön, dass sich Jens Spahn für eine Widerspruchslösung ausgesprochen hat. Ein Gesetzentwurf dazu soll aber erstmal nicht erarbeitet werden. Also bleibt rein rechtlich kurzfristig zunächst einmal alles beim Alten.

    Mehr Organspenden sind natürlich zu begrüßen. Aber die Skandale in Regensburg etc. haben ihr übriges dazu beigetragen, dass freiwillig immer weniger Menschen in Deutschland Organe spenden. Und ganz ehrlich, dass kann ich gut verstehen.
    Und ob das Wohl der Allgemeinheit so einen massiven Eingriff in die Freiheit des Einzelnen tatsächlich rechtfertigt, mag ich nicht beurteilen.

  20. Ich bin selbst seit Jahren Organspender.
    Ich persönlich kann die Befürchtungen einiger verstehen aber nicht nachvollziehen. Ich kann aber auch einige Befürchtugnen einfach wieder nehmen, da eine Organspende nicht ohne Weiteres einfach vollzogen werden darf. Ich vermute hier Unkenntnis bezüglich des Ablaufs einer Organspende.
    Ein Notarzt am Unfallort kann diese Entscheidung gar nicht treffen. Man könnte zwar sagen, dass er der Entscheidung durch „nichtstun“ fördern könnte, aber, wie ein andere schon geschrieben hatte, müssen die Organe dauerhaft im Kreislauf versorgt werden. Unterlässt er diese Maßnahme, zum Beispiel mit der (künstlichen) Beatmung bzw. der Herzdruckmassage, werden die Organe über eine längere Zeit nicht mit Blut versorgt und sterben ab. Mal davon abgesehen, dass er die Entscheidungsbefugnis gar nicht hat und sich durch Unterlassung strafbar machen würde und seine Zulassung verlieren könnte.
    In Deutschland gilt, wenn ich das richtig verstanden habe seit 1968 das Hirntodkriterium. Hierbei müssen von zwei Ärzten – die nicht im Transplantationsteam (!) tätig sind – den Hirntod festgestellt werden. Dabei muss eine Mindestwartezeit von 12 Stunden (bzw. 72 Stunden je nach medizinischem Fall) abgewartet werden. Zusätzlich erfolgen fünf Reflextests. Alle Reflextests können bei allen Patienten (auch die, die im Koma liegen) positiv ausfallen, da diese Reflexe angeboren sind. Erst wenn die Wartezeit vorüber ist, alle Reflextests negativ ausfallen wird die Hirntätigkeit überprüft. Bei Kindern muss zusätzlich sogar eine apparative Diagnostik erfolgen. Erst danach gilt man als Hirntod.
    Wie man sieht sind die Hürden wirklich hoch und niemand kann „einfach so“ für (Hirn-)Tod erklärt werden.
    Link zum Nachlesen: http://www.drze.de/im-blickpunkt/organtransplantation/module/hirntodkriterium

    @ caschy: Danke, dass Du dich auch mit anderen Themen beschäftigst. Ich verurteile niemanden für seine Entscheidung Organspender oder Nicht-Organspender zu sein. Mir ist es nur wichtig, dass man sich mit diesem Thema auseinandersetzt und dann seine Entscheidung trifft.
    Ich persönlich bin auch der Meinung, (wie es scheinbar in Singapur gelebt wird), das jemand der keine Organe spenden möchte, auch nicht berücksichtigt wird, wenn er selbst Organe benötigt.
    Ich wäre für eine deutschlandweite Datenbank und Berücksichtigung dieses Themas auf bzw. in der Krankenkassenkarte. Ich trage zwar meinen Ausweis immer in meiner Geldbörse, aber eine Karte weniger wäre mir lieber.

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