Netflix: Weniger Datenvolumen bei gleicher Bildqualität

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Der Streaming-Anbieter Netflix codiert seine gesamte Bibliothek neu,da man bessere Wege gefunden hat mit den Bitraten, der Kompression und als Ergebnis der Bildqualität zu jonglieren. Wie wir alle wissen, sind Bitraten zwar im Gesamtbild nicht der wichtigste Faktor für den Bildeindruck, viel entscheidender ist das Ausgangs-Master und die digitale Aufbereitung durch das jeweilige Studio, doch zu niedrige Bitraten können die Bildqualität beeinträchtigen. Dabei variieren die Anforderungen an die Bitrate allerdings nicht nur von Film zu Film, sondern auch von Szene zu Szene. Dem möchte Netflix in Zukunft noch besser gerecht werden.

So benötigt etwa ein Katalogtitel mit starkem Filmkorn, möglicherweise noch kombiniert mit rasanter Action, beispielsweise „Predator“ oder „Terminator 2: Tag der Abrechnung“, grundsätzlich eine höhere Bitrate als ein digital produzierter Zeichentrickfilm. Das ist auch Netflix bewusst. Bisher legte man allerdings je nach Auflösung des Streams feste Bitraten für die Encodes an. Genau das ändert sich nun durch Netflix individuelle Bildkompression, wie sie natürlich beispielsweise auch für Blu-rays üblich ist. Dadurch kann Netflix zudem Bandbreite sparen und „anspruchsloses“ Material mit niedrigeren Bitraten ausliefern. Davon profitieren natürlich auch die Nutzer, wenn etwa die Internetverbindung gerade wenig hergibt. So kann Netflix in solchen Fällen möglicherweise dank der neuen Encodierung höhere Auflösungen anbieten.

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Netflix nennt selbst als Beispiel bereits die Eigenproduktion „Orange is the New Black“, welche man nun bei gleicher Bildqualität mit deutlich niedrigeren Bitraten anbiete – 20 % an Bandbreite habe man einsparen können. Allerdings dreht man den Spieß auch um und bietet etwa seine Inhalte in HD teilweise mit höheren Bitraten an als zuvor: So hat man die maximale Bitrate von 5800 auf 7500 kbit/s nach oben geschraubt. Netflix Content in Ultra HD bzw. 4K ist übrigens von den Veränderungen nicht betroffen, da hier sozusagen eigene Regeln gelten – dank HEVC.

Am Ende verspricht Netflix durch die neuen Codierungsmethoden kurz und knapp: allgemein geringeres Datenaufkommen bei gleichbleibender oder besserer Bildqualität. Wen es nach mehr technischen Details dürftet, der findet weitere Angaben dazu in Netflix offiziellem Blog-Post.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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7 Kommentare

  1. 4K ist übrigens von den Veränderungen nicht betroffen, da hier sozusagen eigene Regeln gelten – dank HEVC.

    Irgendwie sollte man das auch erläutern, der Zusammenhang ist wohl nicht jedem klar. Ein Satz zur Erklärung würde nicht schaden.

  2. Niedrigere Bitrate und bessere Bildqualität, das klingt gut! Hier läuft netflix quasi jeden Tag 🙂

  3. „4K ist übrigens von den Veränderungen nicht betroffen, da hier sozusagen eigene Regeln gelten – dank HEVC.“

    bitte wie? Bei HEVC gilt im Endeffekt das selbe wie bei H264, da gibt es keine großen Technischen Unterschiede (beim Encodieren).

    Grandios wenn man sich durchließt warum sie sonst fixed bitrates hatten – vor allem das man mit 0 Dateien die fehlende Bandbreite aufgefüllt haben.

  4. Netflix ist und bleibt technisch einfach überragend. 1080p in wenigen Sekunden und keiner Herabstufung der Bildqualität. Das hab ich so bei keinem anderem Stream Anbieter erlebt.

    Auch nett dass sie immer wieder Details von technischen Umsetzungen veröffentlichen.

  5. André Westphal says:

    @ namero HEVC / H.265 ist halt schon per se effizienter als MPEG4 / AVC / H.264, das sollte damit im Grunde gemeint sein. Darum hat Netflix da wohl noch nicht so arg rumgebastelt :-).

  6. Auch wenn es der Beitrag nahe legt, hat Netflix mehr gemacht als einfach von fixed auf variable Bitrate umzustellen. Sie definieren ein Qualitätsniveau und lassen den Algorithmus pro Titel nach der niedrigsten Bitrate suchen, womit dieses Niveau erreicht wird. Dies ist deswegen wichtig, weil so beim Umschalten zwischen den Auflösungen keine Details auf einmal auftauchen oder verschwinden.

    Wenn Inhalte in 4K-Auflösung abgespielt werden, lohnt sich wahrscheinlich der Aufwand für die Optimierei kaum. Für andere Auflösungen optimiert man die Bitrate, aber bei 4K kommt HEVC zum Einsatz und hier lohnt sich die Optimiererei nicht. Die 4K-Version wird selten abgespielt und wenn, dann kommt es bestimmt nicht auf 2 MBit/s Unterschied an. Außerdem gibt es für HEVC noch keine schnellen Encoder, d.h. neben wenig eingesparten Gesamtbandbreite kommt noch ein gehöriger Encoding-Aufwand dazu.

  7. Habe noch keine News darüber weltweit gefunden: Seit der Umstellung habe ich auch auf der XBox360 1080p statt nur 720p. Glasklares Bild. MS scheint also nicht auf 720 zu begrenzen, sonder die maximale Bandbreite die über die Live Server gehen darf. Und mit dem neuen Codec scheinen 1080p endlich möglich zu sein. Danke dafür Netflix!

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