Microsoft Xbox Series X: Das erste halbe Jahr mit der Next-Generation-Konsole

Ich habe bereits ein Zwischenfazit zu meinem ersten halben Jahr mit der Sony PlayStation 5 gezogen. Da darf natürlich auch die Xbox Series X nicht ungeschoren davonkommen. Die Xbox Series X konnte ich genau genommen sogar schon ein wenig vor dem Erscheinungsdatum am 10. November 2020 verwenden, da ich das Glück hatte, von Microsoft vorab ein Exemplar der Konsole zu erhalten. In meinem Launch-Bericht war ich damals recht angetan. Und nach meinen vorherigen Erfahrungen mit der Xbox One X bin ich der Meinung, dass Microsoft hier konsequent den Weg fortführt, den man mit dem Mid-Generation-Refresh eingeschlagen hatte.

Denn bekanntermaßen war der Launch der ursprünglichen Xbox One ein Desaster, von dem Microsoft sich bis heute erholen muss. Der Fokus auf Multimedia-Funktionen und das mittlerweile eingestampfte Kinect, in Aussicht gestellter Online-Zwang sowie Kontenbindungen für alle Spiele, selbst Disc-Versionen… All das trieb 2013 selbst manchen Xbox-Fan in Sonys Arme. Erst ein Führungswechsel bei Team Xbox brachte die Marke wieder auf Kurs. Seit Phil Spencer die Führung übernommen hat, strebt Microsoft in Richtung Kundenfreundlichkeit.

So haben wir die aktuellen und kostenlosen Next-Gen-Upgrades Microsofts Smart-Delivery-Initiative zu verdanken, die auch auf Sony Druck aufbaute. Mit dem Xbox Game Pass haben die Redmonder zudem eine Spiele-Flatrate aus dem Boden gestampft, welche den Konsolen und auch dem Cloud-Gaming-Angebot von Microsoft einen erheblichen Mehrwert verleiht. Zumal alle First-Party-Titel direkt zum Launch im Game Pass landen. Was uns dann auch zu dem bisherigen Spieleangebot für die Xbox Series X führt.

Xbox Series X: Die Spiele Mitte 2021

Auf den ersten Blick sieht es da rosig aus: Mit einem Abonnement für den Xbox Game Pass ist das Angebot an Spielen breit, Next-Gen-Upgrades für Titel wie „Forza Horizon 4“ sind inbegriffen. Auch für die Xbox Series X optimierte Spiele gibt es generell viele – seien es „Hitman III“, „Watch Dogs Legion“ oder das zuletzt von mir getestete „Scarlet Nexus“. Vermutlich fällt euch jedoch bereits etwas auf. Die zuletzt genannten Spiele gibt es allesamt auch für die PlayStation 5. Wie sieht es denn mit brandneuen Exklusivtiteln für die Konsole von Microsoft aus? Nun, da hätten wir „The Medium“, das mittlerweile aber auch für die PS5 vorgestellt worden ist.

Tatsächlich hat die Verschiebung von „Halo Infinite“ einen großen Krater in das Launch-Angebot von Microsoft gerissen. Bisher gibt es schlichtweg kein Spiel, das zum Kauf der Xbox Series X zwingen würde. Zugegeben: Auch Sony hat nur wenige waschechte Next-Gen-Spiele vorzuweisen, denn die meisten Spiele sind auch beim Rivalen Cross-Generation-Titel. Doch immerhin hat man mit „Ratchet & Clank: Rift Apart“ einen Technikkracher im Angebot und auch mit „Returnal“ und „Demon’s Souls“ viele Spieler abgeholt. Da muss man bei Microsoft verlegen zu Boden blicken.

Immerhin: „Forza Horizon 5“ sieht fantastisch aus und wird noch 2021 erscheinen. Und auch „Halo Infinite“ hat sich mittlerweile sehr positiv entwickelt. Am meisten freue ich mich jedoch auf „Starfield“, das nächste Bethesda-Rollenspiel, welches ein waschechter Next-Gen- bzw. Xbox-Exklusivtitel sein wird. Bleibt zu hoffen, dass man das Veröffentlichungsdatum am 11.11.2022 einhalten kann.

Generell lässt sich aber festhalten: Microsoft zehrt aktuell vom Xbox Game Pass, denn die Xbox Series X ist zwar eine schöne Multiplattform-Konsole, an exklusiven Spielen mangelt es aber. Diesen Monat wird aber ja noch der „Microsoft Flight Simulator“ aufschlagen, der auch direkt Teil des Game Pass ist. Da werde ich definitiv einmal hereinschauen. Doch machen wir uns nichts vor: Ein System-Seller ist das Simulationsspiel nicht.

Xbox Series X: Bei Funktionen und Komfort liegt man weit vorne

Wo Microsoft bei den Games aktuell noch hinten liegt, zeigt man der Konkurrenz in Sachen Komfort und Funktionen wo der Hammer hängt. In Sachen Next-Gen-Upgrades habe ich ja schon angerissen, dass Microsoft vorne liegt. Dazu kommt, dass die Xbox Series X neben ALLM (Auto Low Latency Mode) auch VRR (Variable Refresh Rate) beherrscht. Und Microsoft denkt auch an diejenigen, welche die Konsole an einem Monitor betreiben wollen: Die native 1440p-Ausgabe ist möglich. Generell wirkt die Xbox Series X auf mich sowohl in Sachen Hard- als auch Software ausgereifter als die Sony PlayStation 5.

So sagt mir auch das minimalistische Design, das an einen Mini-PC erinnert, mehr zu. Die Verarbeitungsqualität des Gehäuses überzeugt mich hier ebenfalls mehr. Außerdem gibt es bereits eine Möglichkeit, den internen Speicherplatz über einen Erweiterungs-Stick von Seagate um 1 TByte aufzustocken. Ohne diese Option wäre ich persönlich bereits aufgeschmissen. Mit Dolby Vision Gaming könnte Microsoft zudem ein weiteres, heißes Eisen im Feuer haben. Da muss sich jedoch erst noch zeigen, ob es wirklich konkrete Mehrwerte gegenüber dem HDR-Gaming mit HGiG gibt. Zumindest bin ich gespannt.

Quick Resume? Das ist für mich per se ein nettes Feature, aber manchmal ein wenig unberechenbar. Sollte euch die Funktion nichts sagen: Per Quick Resume könnt ihr auch nach dem kompletten Ausschalten der Konsole direkt wieder in ein Spiel springen – ohne erst ins Menü zu müssen. Stattdessen startet ihr direkt dort, wo ihr zuletzt das Spiel verlassen habt. Das funktioniert meistens auch gut, ab und an, insbesondere bei „Assassin’s Creed Valhalla“, führte Quick Resume bei mir aber auch schon zu Abstürzen des Spiels. Zumindest sehe ich hier keinen Game Changer.

Das gilt im Übrigen bisher auch für die reduzierten Ladezeiten, betrifft aber gleichermaßen die PlayStation 5. Vielleicht liegt es daran, dass ich am liebsten Open-World-Spiele zocke, bei denen in der Regel ohnehin nur einmal am Anfang länger geladen wird: Aber die verkürzten Ladezeiten erhöhen zwar den Komfort, lassen mich aber nicht regelmäßig in Jubel ausbrechen, so wie einige Kollegen es propagieren. Wiederum ist es aber nicht abzustreiten, dass der beschleunigte Einstieg ins jeweilige Spiel natürlich bequem ist.

Die geringe Betriebslautstärke der Xbox Series X ist ebenfalls trotz erhöhter Umgebungstemperaturen erhalten geblieben. Da kann ich aber ehrlicherweise auch über die PS5 nur Gutes sagen. Was an der Xbox noch fehlt, ist das echte Next-Gen-Feeling, das an der PS5 zumindest „Ratchet & Clank: Rift Apart“ bei mir erzeugen konnte. An der Xbox Series X ist das generell etwas eingeschränkter, da ja auch das Dashboard zur letzten Generation identisch geblieben ist. Da bin ich nun beileibe kein großer Fan des neuen UIs der PS5, aber die Benutzeroberfläche der Xbox Series X ist mir auch etwas zu vollgepackt.

Mein Zwischenfazit zur Xbox Series X

Ich bin noch relativ neu im Xbox-Kosmos, denn so richtig warm wurde ich mit dem Ökosystem erst ab der Xbox One X. Mit der Xbox Series X hat Microsoft meiner Ansicht nach zum Launch sein bisher bestes Gesamtpaket abgeliefert. Das gilt aber in erster Linie für die ausgereifte Hard- und Software der Konsole. In Sachen Spielen ist noch viel Nachholbedarf da. Ja, Titel wie „Fable“, „Starfield“ oder „Halo Infinite“ zeichnen sich am Horizont ab, aber Sony hat da in der PS4-Ära so sehr mit Meisterwerken wie „Ghost of Tsushima“, „Horizon Zero Dawn“, „Uncharted 4: A Thief’s End“ und mehr abgeräumt, dass man in Redmond die Missstände der Vergangenheit immer noch nacharbeiten muss.

Trotzdem macht man mit der Xbox Series X im Gesamtpaket alles richtig. Es sind ausreichend interessante Games angekündigt und ich nutze die Konsole von Microsoft immer noch gerne und viel für meine Multiplattform-Spiele. Generell gefällt mir die aktuelle Konsolengeneration auch durch ihre nahtlose Abwärtskompatibilität sehr gut, die auch manchen Games aus der PS4- und Xbox-One-Ära einen neuen Glanz verleiht. Ich fahre da momentan gerne zweigleisig und erhoffe mir da noch über die nächsten Jahre sehr viel tolle Unterhaltung an sowohl der Xbox Series X als auch der PlayStation 5.

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18 Kommentare

  1. Ich hatte bisher alle Generationen, ohne One X.
    Die ultimative Begeisterung fällt aus, weil es „nur“ neue Hardware ist. Dennoch bin ich super zufrieden mit Quick-Resume (was auch mal 1-2x abstürzt) und die allgemeinen Ladezeiten. Für mich als Gelegenheitsspieler, immer mal ne Stunde irgendwann dazwischen, bringt das einen Mehrwert. Die Grafik ist auch gestiegen von der One zur Series X

  2. Ein Kommentar gegen 16 bei PlayStation. Zeigt das derren Relevanz?

    Microsoft hatte in der Xbox 360 und One Zeit kaum in gute exklusive Single Player Spiele investiert weshalb ich mich auch vorerst wieder für eine PS5 entschieden habe. Die paar Frames oder Pixel mehr oder weniger interessieren mich dabei nicht.
    Auch kenne ich im Freundeskreis und bei Kollegen kaum welche die eine Xbox haben. Auch bei EBay Kleinanzeigen ist der Teil Xbox spiele recht gering.

    Bleibt abzuwarten was da noch kommt. Vielleicht schieße ich in ein paar Jahren im Angebot noch ne Series X, da sie mittlerweile ein paar gute Studios haben.

  3. Flight Simulator kein System-Seller? Für mich war es der Grund, eine Xbox zu kaufen. Also mindestens ein System hat der FS schon gesellt… 😉

  4. Habe häufig überlegt, aber eine Series X hat keinen Mehrwert für mich. Nicht zuletzt weil xbox PC Exclusives wie Age of Empires 4 im Programm hat, steht hier eher ein neuer Gaming PC an.

    Ich hätte mir gewünscht sie würden solche Games einfach auch auf Kondole bringen und mit Maus und Tastatur steuern lassen. 2021 stehen bei mir aber noch PS5 und die Switch im Fokus. Letztere bietet mir dieses Jahr wieder den meisten Spielspaß. Power ist eben nicht alles.

    • Machen sie doch. Age of empires wird via Xcloud auf der Xbox zu spielen sein.

      • Das ist doch jetzt nich ernst gemeint sich eine Xbox zu kaufen um es über die Clouf zu zocken, wie es mit einem Raspberry Pie auch gehen würde.

        Zumal meine LTE Internetleitung das eh nicht hergibt. Vllt mal mit 5G eines schönen Tages.

        • Deshalb kauft man sich keine Xbox, schon klar. Aber wenn man sie schon hat und auf dem Fernseher zocken will.

          Microsoft kann jetzt ja nichts dafür, dass du eine mittelalter Internetleitung hast.

  5. Man hätte auch FPS boost und auto HDR erwähnen können.
    Etwas das Sony technisch nicht kann.

    Außerdem das wirklich jedes savegame nach Upgrade auf die nextgen Version einfach funktioniert im Gegensatz zur PS4.

    • Im Bereich Abwärtskompatibilität und dazugehörigen Features hat Microsoft einfach mal mindestens eine Generation Vorsprung. Auto HDR will ich zwar nicht, wenn ich mir dazu Test durchlese, scheint das nicht sonderlich gut zu funktionieren. Aber ein FPS Boost für viele Spiele wäre nett und das mit den Savegames ist auf der PS5 entweder nicht möglich oder nur sehr umständlich.
      Andererseits bringen die Komfortfunktionen auch nur was, wenn es entsprechende Spiele gab, die man gerne noch zocken möchte – die waren aber auf der Xbox One bekanntermaßen eher Mangelware.

  6. Mit dem Flight Simulator Ende Juli kommt meiner Meinung nach der erste Titel, der den spieletechnischen Unterschied zur Playstation 5 macht. Oder habe ich einen exklusiven Titel vergessen? Ich hoffe auf eine sehr gute Umsetzung.

    • Jup der Flight Sim ist echt was besonderes und mehr als genug Grund für Konsolenspieler sich allein dafür ne Xbox zu holen.
      Zocke das seit Release am PC, technisch ist das eines der beeindruckendsten Stücke Software was es gibt und weit mehr als ein simples „Exclusivspiel“. Ein beeindruckendes Software Monster.

      • Der Flight Simulator ist aber wir der Name schon sagt eine Simulation und sehr speziell. Nichts was mich persönlich lange am Bildschirm fesseln würde oder gar was wofür ich eine Konsole kaufen würde.

        Alles Geschmacksache. Microsoft hat einkauft und es kann noch Großes kommen. Aber das muss die Zeit erstmal zeigen. Und wegen einem guten Spiel kaufe ich nicht gleich die Konsole. Da muss mit der Zeit mehr kommen.
        Game Pass hin oder her.

  7. Für mich fehlt auch als Gelegenheitsspieler bei beiden Next Gen Konsolen so das wirklich ganz Große… Power ist gut.. aber auch nicht überragend und wenn man mal schaut was das alles kostet… da ist Google Stadia für mich mittlerweile die bessere Wahl. Gerade als Familie mit mehreren Spielern die gleichzeitig zocken wollen. Die Bindung an die HW fällt halt da komplett weg.

  8. Hallo André.
    Stimme im allgemeinen Deinem Beitrag zu.
    Aber! Hast Du mal versucht,Deine Series x ins heimische Funknetzwerk einzubinden?
    W-lan funktioniert nur ohne(!) Verschlüsselung.
    Sämtliche Sicherheits-Konfigurationen schlagen fehl.Auch der Kundenservice von FritzBox ist ratlos.
    Mit mir sind über 600 Leutchen in der Microsoft Beschwerde-Ecke vertreten.
    Ein altes Problem. Welches Microsoft wohl nicht behoben kriegt.Traurig.

    Denne: Grüsse…Berny

    • Zufällig WPA3 aktiviert? Dann stell mal um auf WPA2, schon sollte es funktionieren. Mich wundert jetzt allerdings auch, dass dieser Bug noch immer nicht behoben ist.

    • Sparbrötchen says:

      Wie Maceo schon schreibt, vielleicht liegt es an WPA2/WPA3 – das kenne ich zwar sonst nur von einem elf Jahre alten Notebook, aber einen Versuch ist es wert, in der Fritzbox „WPA2 CCMP“ fest einzustellen.

      Ich habe das allerdings gerade mit meiner Box, die sonst am Kabel hängt, und einer Fritzbox 7590 durchgespielt und bei mir hat sich die Box in beiden Fällen, einmal unter Sicherheit WPA-Modus „WPA2 CCMP“ und dann mit „WPA2 + WPA3“, im 5 GHz Netz und einer Datenrate von 866 Mbit/s verbunden.
      Zwischen den Versuchen habe ich die WLAN Verbindung der Box gelöscht, damit sie sich nichts „merken“ konnte.

    • Meine Series X ist selbstverständlich in’s WLAN eingebunden und das ist selbstverständlich verschlüsselt (WPA2, Netgear Orbi RBK50). Funktioniert völlig problemlos.

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