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„Watch Dogs Legion“ angespielt: London calling

An diesem Donnerstag ist Ubisofts neuestes Open-World-Spiel erschienen: „Watch Dogs Legion“. Das Spiel führt euch in ein London der nahen Zukunft, welches von privaten Sicherheitskräften, korrupten Unternehmern und kriminellen Banden kontrolliert wird. Als Mitglied der Hackergruppe DedSec helft ihr den Bewohnern der Stadt sich aus den Fesseln des Faschismus zu befreien. Der Clou: Ihr könnt fast jeden Passanten in London zu eurem Team hinzufügen.

Ich sage fast jeden, da im fertigen Spiel, dann doch nicht jeder NPC ein potenzieller Rekrut ist: Es gibt Ausnahmen. Denn die Figuren der Spielwelt haben sozusagen „ab Werk“ eine bestimmte Einstellung zur Hackergruppe. Ist jene zu negativ, dann schließen sie sich euch keinesfalls an. Andernfalls könnt ihr sie auf der Straße ansprechen. In der Regel drücken sie euch dann eine Mission auf, die zumeist aus mehreren Stufen besteht.

Beispiel: Einer meiner potenziellen Mitstreiter beschwerte sich, dass er seinen Job verloren habe. Ich solle seinen Ersatz mal genauer ausspionieren. Also besorge ich mir die entsprechenden Daten und stelle fest – eine KI soll ihn ersetzen. Das passt dem geprellten Herren gar nicht. Also wünscht er sich, dass ich die Forschungsdaten zur KI zerstöre, damit sie ihren Betrieb nicht aufnehmen kann. Erst danach schließt er sich meinem Team an.

Ihr habt dabei die Wahl: Als Standardeinstellungen wandern euere Charaktere ins Kittchen bzw. ins Krankenhaus, wenn sie bei einer Mission niedergestreckt werden. Wollt ihr es etwas herausfordernder haben, könnt ihr den Permadeath anschalten. Kommt ein DedSec-Mitglied dann zu Fall, ist er oder sie für immer entschwunden. Doch auch ohne Permadeath kann „Watch Dogs Legion“ schwierig genug sein.

Etwa sah man ja in den Gameplay-Videos zum Spiel so lustige Großmütterchen als DedSec-Rekruten aushelfen. Als ich eine derartige Dame ins Boot holen wollte, scheiterte das jedoch gehörig. Ja, einsteigen wollte sie schon bei mir, die in die Jahre gekommene Frau, welche in London als Bäckerin ihre Brötchen verdiente. Zunächst sollte ich aber das Schicksal einer ihrer Freundinnen aufklären. Letztere wurde nach einem Zwischenfall bei einer Demonstration für tot erklärt. Omchen hatte daran aber Zweifel.

Flug breche ich also zum Krankenhaus auf, um dort Daten zu ihrer Behandlung auszuspionieren. Das ging noch gut, doch danach sollte ich zusätzlich vom Fahrer des Krankenwagens Informationen stibitzen. Leichter gesagt, als getan, denn jener hielt es für angemessen, auf dem Krankenhausdach umher zu stolzieren. Um an die Daten zu gelangen, erklomm ich das Gebäude und setzte den Fahrer mit einem Takedown schachmatt. Leider schmeckte mein Vorgehen einer Polizeidrohne nicht, die mich anschließend vom Dach ballerte. Anschließende Meldung: Die alte Dame erhielt nicht die geforderten Informationen und verabschiedete sich aus meiner Rekrutenliste.

Dazu muss man sagen, dass diese Rekturierungsmissionen abseits der Hauptstory laufen. Jene dreht sich um das autoritäre Regime in London, das DedSec für einen terroristischen Anschlag als Sündenbock nutzte, um sozusagen die Opposition zu eliminieren. Dabei bewegt ihr euch nun mit euren Rekruten, zwischen denen ihr außerhalb von Missionen jederzeit wechseln könnt, durch eine Nachbildung Londons.

Grafisch ist „Watch Dogs Legion“ an der PlayStation 4 Pro, an der ich das Spiel getestet habe, kein Knaller. So krankt das Spiel vor allem unter deutlich sichtbarem Pop-In und auch matschige Texturen an Hauswänden oder anderen Objekten der Spielwelt sind häufig zu erblicken. Hier bin ich gespannt, inwiefern die Next-Generation-Konsolen, für die es ja einen kostenlosen Patch geben wird, aushelfen. Versteht mich nicht falsch: „Watch Dogs Legion“ bietet eine hohe Dichte an Passanten, eine sehr große Spielwelt und sehr lebendig wirkende Innenräume in etwa den Bars, die ihr besuchen könnt. Blicke ich da aber auf ein „Watch Dogs 2″zurück, so ist der Sprung nicht allzu immens.

Selbiges gilt auch für die Soundkulisse, bei der ich mir auch bei der im Radio dudelnden Musik etwas mehr Abwechslung gewünscht hätte. Die für das Spiel komponierten Tracks beschränken sich weitgehend auf das übliche Gewummer und Gepolter, das gut zu Action und anderen Situationen passt, aber außerhalb des Games sicherlich nicht über die Anlage laufen würde. Die englischsprachigen Sprecher wiederum erledigen einen guten Job, auch wenn man bemerkt, dass da eine bestimmte Anzahl an Sprechern immer wieder besetzt wurde. Teilweise werden die Stimmen dann leicht in der Tonhöhe angehoben oder abgesenkt, doch man erkennt die Stimmen eben wieder.

In der deutschen Synchronisation habt ihr die zweifelhafte Ehre beispielsweise Gronkh als Schurken Nigel Cass zu erleben. So sympathisch ich Gronkh auch finde, meiner Ansicht nach hat er in anderen Bereichen dann doch mehr Talent. Sieht man von „Watch Dogs Legions“ besonderem Kniff ab, der euch eine Vielzahl an spielbaren Charakteren beschert, dann ist das Spiel schon stark von der Ubisoft-Formel geprägt. So gibt es einen ganzen Haufen Sidemissions, die schnell monoton werden können. Da könnt ihr etwa Pakete für die Bewohner Londons ausliefern, schwer bewachte Tech Points ergaunern oder Gebäude infiltrieren, um Daten zu stehlen.

Das alles macht in Maßen Spaß, doch die Hauptmissionen sind deutlich abwechslungsreicher. Hier hängt es tatsächlich stark von eurem gewählten Rekruten ab, ob die jeweilige Aufgabe kinderleicht wird oder euch vor echte Herausforderungen stellt. Mit einem Bauarbeiter etwa marschiert ihr locker durch ein halbfertiges Gebäude und habt leichtes Spiel. Da hat ein Haudrauf-Ex-Soldat mehr Probleme. Alle Charaktere haben dabei Stärken und teilweise auch Schwächen. Mit den erwähnten Tech-Punkten wertet ihr dann im Übrigen für alle Charaktere Waffen und andere Aufrüstung auf bzw. schaltet neue Tools frei.

Außerdem könnt ihr unterschiedliche Kleidung kaufen – auch gegen Echtgeld. Da kommen die Mikrotransaktionen ins Spiel. Ihr ahnt es nämlich: Auch spezielle Charaktere könnt ihr gegen Bares freischalten. Glücklicherweise beeinflussen jene Transaktionsmöglichkeiten das Gameplay nach meinem Eindruck nicht. Hätte man also auch weglassen können.

„Watch Dogs Legion“ ist am Ende ein Spiel, das das Open-World-Genre zwar nicht revolutioniert, aber mit seinem Rekrutierungsmechanismus durchaus Eigenständigkeit beweist. Zumal die Hauptgeschichte gar nicht so dumm ist und eine gute Balance aus ernsthafter Sozialkritik und augenzwinkernder Ironie wahrt. Da wurde ich bisher beim Anspielen recht positiv überrascht – auch wenn ich das Spiel noch nicht durchgespielt habe.

Würde ich „Watch Dogs Legion“ empfehlen? Wenn ihr den Ubisoft-Open-World-Games immer noch zugetan seid, dann auf jeden Fall. Es sind immer noch unter dem neuen Putz die alten Fundamente erkennbar, aber es wird ausreichend Neues geboten, um zu fesseln. Technisch hoffe ich aber, dass die Xbox-Series-X-und PlayStation-5-Versionen noch eine Schippe rauflegen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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8 Kommentare

  1. Man kann sehr wohl quasi jeden NPC rekrutieren. Mit dem Deep Profiler kann man auch die negativ eingestellten Personen auf die Seite von DedSec ziehen. Das hätte auch bei der Oma funktioniert um einen weiteren Anlauf vorzunehmen.

    • André Westphal says:

      Solange sie 2 Daumen nach unten haben geht es nicht bzw. wenn man es sich einmal verscherzt hat, wird es erstmal unmöglich. Aber ja, man kann teilweise wieder was dran drehen, wenn auch erst später dann :-).

  2. Kann man eigentlich diese virtuellen Einblendungen bzgl. der Interaktion mit Spielelementen deaktivieren? Ich würde es mir gerne für Shadow kaufen, aber in jedem Gameplay-Video sieht man diese Linien/Schnürre zwischen sich und Objekten und Figuren. Gleiches gilt für die Navi-Route auf der Straße. Ich würde gerne einfach nur die Stadt genießen, herumfahren, London erkunden und dabei nichts außer der Map und der Spielewelt sehen.

  3. Christopher says:

    Habe jetzt die ersten Missionen gespielt und bin soweit recht zufrieden. Da ich die letzten paar Spiele dieser Art von Ubisoft nicht gespielt habe, stört mich die Ubisoft-Formel zumindest aktuell noch nicht. Die Geschichte ist interessant und für mich als London-Fan die Wahl der Stadt natürlich exzellent. Bin bei der erstbesten Gelegenheit zur Brick Lane und die ist tatsächlich ziemlich akkurat dargestellt, die dortigen Straßenlaternen, die Moschee und die Brewery, alles da und sehr gut wiedererkennbar. Ebenso St. Pancras und die angrenzende British Library. Spiele auf der Xbox One X, bin mal gespannt ob ich große Unterschiede entdecke wenn nächste Woche die Series X eintrudelt.

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