„Scarlet Nexus“ im Test: Action-RPG im Anime-Stil

Mit „Scarlet Nexus“ hat der Publisher Bandai Namco ein neues Action-RPG veröffentlicht, das es nicht nur für die PS4 und Xbox One, sondern auch für die PS5, Xbox Series X|S und den PC gibt. Ich weiß noch, dass mir die ersten Gameplay-Videos damals etwas austauschbar erschienen. Trotzdem reizte mich als Anime-Fan der Blick in diesen Titel. Und erfreulicherweise trügte mein erster Eindruck in vielen Punkten.

In welchem Bezug ich recht behalten sollte, ist das Szenario: Das dystopische Setting mit oftmals recht tristen Umgebungen kenne ich persönlich nicht nur aus zu vielen dystopischen Anime-Serien, sondern auch aus Spielen. So erinnert mich die Atmosphäre stellenweise an „13 Sentinels: Aegis Rim“, das allerdings deutlich humorvoller daherkommt und so das triste Setting ausgleichen kann. Zumal in dem soeben genannten RPG auch die Charaktere etwas schillernder sind. Aber ich will nicht zu weit abschweifen, also zurück zu „Scarlet Nexus“.

Im actiongeladenen Spiel entscheidet ihr euch für eine der beiden Hauptfiguren, Yuito Sumeragi oder Kasane Randall. Yuito kämpft mit Nahkampfangriffen, während Kasane sich auf Angriffe mit mittlerer Reichweite spezialisiert hat. Diese Entscheidung solltet ihr nicht nur aus Gameplay-Sicht auf die leichte Schulter nehmen. Ja, die beiden Figuren spielen sich tatsächlich unterschiedlich. Aber auch die gesamte Geschichte des Spiels, die ca. 20. Stunden für Beschäftigung sorgt, verläuft je nach gewählter Hauptfigur an einigen Punkten anders. Das führt auch dazu, dass ihr „Scarlet Nexus“ zweimal durchspielen solltet, wollt ihr wirklich die gesamte Story entschlüsseln.

Das klingt wie eine Mammutaufgabe bzw. recht dröge, da sich natürlich immer noch weite Teile der Handlung wiederholen. Da ihr über das New Game+ dann aber direkt deutlich stärker startet und Story-Cutscenes leicht überspringen könnt, kann das durchaus Laune machen. Wobei „Scarlet Nexus“ generell kurzweiliger ist, als das die düsteren Gameplay-Videos vermuten lassen. Denn das rasante aber taktische Kampfsystem macht ungemein Laune. Ihr werdet mit wenigen Fähigkeiten herangeführt, müsst aber nach wenigen Spielstunden euer gesamtes Arsenal nutzen, statt nur stumpf auf die Angriffstaste zu hämmern.

Dabei bewegt ihr euch nicht durch eine offene Spielwelt, sondern fest abgesteckte Areale – also eher wie bei einem „Persona 5 Strikers“. Ähnlich wie in Atlus Spiel steht auch bei „Scarlet Nexus“ die Geschichte im Vordergrund, ihr metzelt also nicht sinnlos Gegner vor euch hin. Vielmehr versucht ihr, als Teil einer Eliteeinheit die Menschheit vor außerdimensionalen Wesen zu retten, welche die Welt bedrohen. Dabei könnt ihr euch nicht nur mit bloßer Waffengewalt wehren, sondern auch mit Fähigkeiten wie Telekinese. Zwar erinnern die Kämpfe an sich eher an Actionspiele, doch euere Charaktere entwickelt ihr wie in einem RPG weiter.

Wie in „Persona 5“ spielen dabei auch euere sozialen Beziehungen zu anderen Figuren eine Rolle, die ihr abseits der Gefechte ausbauen könnt, indem ihr mit ihnen redet und Aufgaben für sie erledigt. Diese abwechselnden Phasen von Kämpfen und ein wenig Erkundung und Dialog lockern das Gameplay auf, zumal die Nebencharaktere größtenteils gut geschriebene und charismatische Figuren sind, die man gerne näher kennenlernt. Erwartet hier aber nicht die Tiefe eines „Persona 5“ was die Spielmechaniken und Gespräche betrifft.

Mit dem Fokus auf der Story ist es dabei so eine Sache: Die Geschichte gibt den Kämpfen den notwendigen Kontext und anfangs wird man sehr eindringlich in die Spielwelt gezogen. Allerdings haben die Entwickler „Scarlet Nexus“ spätestens ab der Halbzeit so voll mit absurden Twists gepackt, dass man manchmal je nach Stimmung entweder die Augenbrauen hochziehen oder in Gelächter ausbrechen wird. Teilweise ist die Story schlichtweg extrem abgedreht bis kompletter Nonsens. Als Beispiel will ich, ohne zu spoilern, die Enthüllungen um die Herkunft und das Wesen der Angreifer aus der anderen Dimension nennen.

Gut gelöst sind hingegen die kleinen Geschichten um die anderen Teammitglieder, die ihr erlebt, wenn ihr euch näher mit ihnen beschäftigt. Selbst anfangs eher stereotype Charaktere erhalten mehr Profil und wachsen einem durchaus ans Herz. Voraussetzung dafür sind gute Englischkenntnisse, denn die Sprachausgabe ist nur auf Englisch oder Japanisch verfügbar. Immerhin könnt ihr deutsche Untertitel auswählen. Die Musik mit vielen Electronica-Einsprengseln hat mich ein wenig an die Anime-Serie „Psycho-Pass“ erinnert.

Grafisch sieht man „Scarlet Nexus“ seine Cross-Generation-Ursprünge an. Ich habe das Game an der Xbox Series X getestet und die Performance war zwar 1a, das Spiel wirkt aber wie ein Titel für die Xbox One. So wird kein HDR unterstützt und die native Auflösung ist für mich schwer zu ermitteln, da das Spiel generell einen recht rauen und soften Look nutzt. Digital Foundry hat allerdings nachgemessen und bescheinigt dem Titel dynamisches 4K bei 60 fps. Wie gesagt: Erwartet aber kein knackscharfes Bild. Wer sich hier einen Augenschmaus erhofft, wird jedenfalls enttäuscht sein. Zumal viele Gegner und Objekte in der Spielwelt eher polygonarm ausfallen. Es gibt auch keine verschiedenen Grafikmodi zur Auswahl.

Wollt ihr also möglichst viel Spaß aus „Scarlet Nexus“ ziehen, dann solltet ihr Lust auf eine umfangreiche und überdrehte Anime-Geschichte haben, die zwar stellenweise wenig Sinn ergibt, aber mit ihrer skurrilen Art zumindest stets unterhält. Die kurzweiligen Kämpfe machen Laune, wobei nach einer Weile etwas Monotonie einkehrt. Denn auch wenn man seine Basisangriffe und telekinetischen Fähigkeiten, sowie den Support seiner Squadmates kombinieren kann, ähneln sich die Scharmützel nach einer Weile etwas zu sehr.

Am Ende ist „Scarlet Nexus“ aber dennoch eine gelungene Mischung aus Action und Rollenspiel, die Anime- und JRPG-Fans bei Laune halten sollte. So ist das Spiel zwar kein Klassiker wie „Persona 5“, „Dragon Quest XI“ oder nur ein „Valkyria Chronicles IV“, unterhält aber, wenn auch manchmal durch krude Twists, über die gesamte Spielzeit und hält einen sogar so weit bei Laune, dass man es zweimal mit den unterschiedlichen Protagonisten durchspielen mag – das will ja auch schon etwas heißen.

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2 Kommentare

  1. Habe es mir gestern gekauft bis jetzt finde ich es ganz gut, vor allen die erzähl Mechanik gefällt. Das die Umgebung noch immer so leer / steril wirken muss in diesen Art von Spielen verstehe ich 2021 auch nicht, da sollte man doch meinen das irgendjemand ne middle Ware dafür entwickelt, das Ratten, Möwen, Insekten, Hunde, Katzen usw da rumstreunt.

  2. Nachdem ich die Demo versucht habe, habe ich es mir auch geholt. Sehr gutes Spiel und die Story gefällt mir auch schon mal sehr gut. Das Bereitstellen einer Demo während der Releasezeit ist auch keine Selbstverständlichkeit mehr.

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