Hallo Magenta: Datenschutz am Kunden vorbei gedacht


Smart Speaker stehen dieses Jahr viel in der Kritik von Datenschützern, vor allem die Auswertungen von Sprachaufnahmen durch Menschen, die so einen Einblick auch in sehr intime Momente der Nutzer erhalten können. Mittlerweile ist es so, dass mancher Anbieter die Auswertung standardmäßig deaktiviert, es also ein Opt-in erfordert, um die Daten des Nutzers auswerten zu können.

Seit September gibt es auch einen Smart Speaker von der Telekom. Privatsphäre soll hier im Vordergrund stehen, die Telekom gibt an, dass die Datenverarbeitung ausschließlich innerhalb der EU erfolge. Stimmt man der Datenschutzerklärung aber zu, stimmt man auch zu, dass Daten außerhalb der EU verarbeitet werden können, wenn es für die Leistungserbringung erforderlich ist. Das ist sehr schwammig und sehr offen formuliert und gibt der Telekom quasi das Recht, Daten nicht zwingend in der EU verarbeiten zu müssen. Das stört Datenschützer.

Ebenso stört es Datenschützer, dass die Telekom die Auswertung von Sprachdaten standardmäßig aktiviert hat. Man wird zwar bei der Einrichtung darauf hingewiesen, möchte man die Option aber deaktivieren, muss man einem Link folgen, hinter dem man dann auch irgendwo die Option zur Deaktivierung findet. Die Deaktivierung kann natürlich im Nachhinein zu jeder Zeit erfolgen, die Option ist aber eben standardmäßig aktiv.

Eine Erklärung hat die Telekom auch dafür, diese fällt aber nicht minder schwammig aus. Zum Thema Nicht-EU-Auswertung spricht die Telekom von einem Wartungszugriff durch einen Dienstleister, das könne etwa Software-Updates oder Notfalleingriffe beinhalten. Eine detailliertere Ausführung gibt es nicht, man erwähnt jedoch, dass solche Wartungszugriffe selbstverständlich nicht zur Verarbeitung von Daten außerhalb der EU genutzt werden dürfen, vor allem nicht, wenn es um Sprachaufnahmen geht.

Aus einem internen Dokument der Telekom geht außerdem hervor, dass man auch das Opt-out-Verfahren für die Sprachanalyse nicht als Problem sieht. Der Kunde wird bei der Einrichtung darauf hingewiesen, kann auch jederzeit aussteigen. Das ist natürlich Humbug und das weiß die Telekom auch. Eine standardmäßig aktivierte Option hat von Haus aus mehr „Nutzer“ als durch ein Opt-in-Verfahren zustande kommen.

Das Handelsblatt will erfahren haben, dass die Telekom durchaus auch ein Opt-in-Verfahren ausprobiert hat, aber eben feststellen musste, dass zu wenige Nutzer bereit sind, ihre Spracheingaben mit der Telekom zu teilen. Deshalb hält man auch am Opt-out fest, die Telekom ist der Meinung, dass dies deutlich genug erklärt würde. Ihr seht also, der Kunde steht hier ganz klar im Vordergrund…

Immerhin wird die Telekom die unklare Passage der Datenverarbeitung außerhalb der EU anpassen, dazu nennt die Telekom zwei Punkte in ihrem internen Schreiben:

Die Datenschutzhinweise sind in ihrer Formulierung etwas missverständlich und werden daher aktuell überarbeitet, um sie noch eindeutiger zu machen.

Der Zugriff aus Nicht-EU-Staaten erfolgt ausschließlich in theoretisch möglichen Ausnahmefällen für Wartungszwecke der technischen Plattform.

Das klingt immer noch sehr schwammig, Ausnahmefälle werden nicht definiert, ebenso nicht, wer da überhaupt Zugriff von außerhalb der EU benötigt. Das alles sollte man vielleicht bedenken, wenn man mit dem Gedanken spielt, sich den Smart Speaker der Telekom ins Haus zu holen. Insgesamt hat man wohl dennoch mehr Privatsphäre – gerade im Umgang mit Daten außerhalb der EU – als bei den Angeboten von Amazon, Google und Apple.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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14 Kommentare

  1. „Ihr seht also, der Kunde steht hier ganz klar im Vordergrund…“ – Gemeint ist eher das Gegenteil, oder?

  2. Das erinnert mich daran, als ich in meine erste eigene Bude zog, Festnetz von der Telekom und Internet von Freenet. Außer einer Handvoll Familienmitglieder, der Stadt – musste mich ja melden – der Telekom und Freenet hatte niemand meine Festnetznummer. Einige Wochen nach Schaltung bekam ich den ersten Werbeanruf. Ich hab daraufhin mal in den ABG der Telekommunikationsunternehmen nachgeschaut. Telekom wie Freenet behielten sich seinerzeit (vermutlich immer noch nicht anders) darin vor, zur Bearbeitung der Aufträge die Daten der Kunden an eine – meiner Erinnerung nach nicht näher benannte – Tochtergesellschaft des Konzerns weiter geben zu dürfen, da andernfalls kein Vertrag zustande kommen würde. Deren Datenschutzbestimmungen hat man natürlich nicht abnicken müssen, da man ja mit der Deutschen Telekom AG/Freenet AG (oder wie auch immer) den Vertrag abgeschlossen hat. Daher war/ist vermutlich auch die dem jeweiligen Vertrag anhängige Datenschutzbestimmung für diverse Tochterunternehmen eines Konzerns nicht bindend im Umgang mit Kundendaten. (Eigentlich müsste ich die Vertragsunterlagen sogar noch haben. Da könnte ich vielleicht noch mal nachschauen.)

    Mittlerweile kann man nun leider auch Kommunen nicht mehr als Händler seiner Daten ausschließen. Weiß nicht genau, ab wann das erlaubt wurde, meine aber, das war 2005 noch nicht der Fall.

    Was ich damit andeuten möchte: Es kann fast schon egal sein, was einem der Vertragspartner in seinen Datenschutzbestimmungen verspricht, wenn das oben tatsächlich eine entsprechende Gesetzeslücke darstellt.

  3. Datenschutz in dieser Form ist m.E. nicht am Kunden, sondern in erster Line an den Datenschützern vorbei gedacht. Die sind es nämlich, die sich daran stören, bis auf ein paar wenige Ausnahmen nicht die Kunden selbst.

    • Sascha Ostermaier says:

      Kunden stört es sehr wohl, aber dazu müssen sie es erst einmal wissen. Siehe die Opt-out-Geschichte. Über ein Opt-in würde die Telekom nicht genug Daten bekommen, eben weil es die Kunden eigentlich nicht wollen.

    • Sprich bitte nur für Dich! Die meisten iPhone User die ich kenne haben Siri komplett(!) deaktiviert und sogar ein paar Android User den Google Assi obwohl dieser wirklich gut ist. Es gibt immer mehr Datenschutzbewusste User und das ist gut so!

      • Mache derzeit ähnliche Erfahrungen. Immer mehr Freunde und Kollegen scheinen sich mehr für ihren Datenschutz zu interessieren und verzichten u.a. bewusst auf Siri, Alexa und Co.
        Persönlich habe ich auf meinen Sonos Boxen Alexa deaktiviert, aber auf Siri mag ich derzeit nicht verzichten.

    • Ich finde es schade, dass im Rahmen solcher Diskussionen immer davon ausgegangen wird, dass die, die diese Dienste nutzen, nicht datenschutzbewusst wären oder dass ihnen der Datenschutz völlig egal ist. Ich kann Euch versichern, dass das nicht zwingend so ist.

  4. Es gibt auch eine Offizielle Antwort auf den Handelsblatt Artikel: https://www.telekom.com/de/konzern/details/smart-speaker-der-telekom-583666

  5. Wessen Technik steckt eigentlich hinter dem Ding? Die Telekom hat weder Ideen noch Know-How um so etwas auf den Markt zu bringen. Wenn es halbwegs vernünftig laufen soll, bleiben in meine Augen ja nur Google, Amazon oder Apple übrig.

  6. Holmar Köstner says:

    Ich brauche und nutze diese für mich überflüssigen Dinger nicht. Die NSA muss sich anderweitig bedienen.

  7. Wer ernsthaft Sorge um den Datenschutz hat, der kauft halt kein 24 Stunden Raummikrofon.
    Egal von welchem Hersteller.

    Ansonsten muss halt klar sein das die Aufnahmen nach draußen gehen.
    Ohne das man eine wirkliche Kontrolle hat, was und wie mit den Aufnahmen umgegangen wird.

  8. Das Ding wird ohnehin ein Flop.
    Wie TV-SAT, ePOST, Messenger, Robert T-Online und mehr.
    Der Markt ist bereits unter Amazon und Goggle aufgeteilt.
    Selbst Apple und Samsung bekommen keinen Fuß auf den Boden.

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