„Granblue Fantasy Versus“: Anime-Prügler im Test

Ich schaue mir schon seit Jahren immer gerne mal wieder einen Anime an. Zwar bin ich kein Hardcore-Fan, doch Filme wie „Mein Nachbar Totoro“, „Your Name“ und „Akira“ oder auch Serien wie „Space Dandy“, „Assassination Classroom“ und „Soul Eater“ stehen bei mir hoch im Kurs. Mir sagt die handgezeichnetze Ästhetik sehr zu und ich bin auch dem oft absurden, japanischen Humor recht zugetan. Nun habe ich mir für euch mal den etwas aus dem Rahmen fallenden Anime-Prügler „Granblue Fantasy: Versus“ angeschaut.

Schon die Ausgangslage ist etwas verschroben: Denn das Prügelspiel ist sozusagen ein Spin-Off des Mobile Games „Granblue Fantasy“, welches es für Android und Apple iOS sowie als Browser-Version gibt – steht hierzulande aber nicht zur Verfügung. Deswegen dürfte in unseren Breitengraden dann vielleicht auch eher die anschließend produzierte Anime-Serie, welche es mittlerweile auf zwei Staffeln gebracht hat, bekannter sein. Auch eine Manga-Reihe ist in Deutschland erhältlich. Da gibt es also eine recht reichhaltige Welt, die sich auf unterschiedliche Medien ausgebreitet hat und in welche Fans eintauchen können.

Ich selbst kannte zuvor nur einige Folgen der ersten Staffel der Anime-Serie, fand den Stil des Spiels von Arc System Works aber recht ansprechend, sodass ich mal hereinschauen wollte. Zumal die Entwickler keine Unbekannten sind und schon an vielen hochkarätigen Titeln wie „Persona 4 Arena“, „Dragon Ball FighterZ“ und auch dem ebenfalls von mir hier im Blog vorgestellten „River City Girls“ gewerkelt haben.

Schaut man sich nun die Videos zum Game an, dann kommt man recht schnell zu dem Eindruck, dass wir hier einen klassischen Prügler a la „Street Fighter II“ vor uns haben – Mann gegen Mann sozusagen. Allerdings trifft das in diesem Fall nicht auf das komplette Spiel zu. So enthält „Granblue Fantasy: Versus“ nämlich auch einen recht ausgiebigen Story-Modus (RPG Mode), welcher dann eher eine Mischung aus Sidescrolling-Beat-Em-Up und Action-Rollenspiel darstellt.

Gemeinsam ist allen Modi die Anime-Grafik, welche extrem nahe am Stil der Serie liegt. Zwar sehen die Kämpfer-Animationen teilweise etwas hakelig aus, man erreicht hier also beileibe nicht die Qualität von etwa „Dragon Ball FighterZ“, welches ein deutlich höheres Budget gehabt haben dürfte, doch die kleinen Cutscenes bei besonderen Spezialangriffen machen beispielsweise ordentlich was her. Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass ich mir die PS4-Version angeschaut habe, die grafisch einen sehr hochwertigen Eindruck macht – das Spiel gibt es aber auch für den PC.

Auch wenn sich der Anfang dieses Berichts vielleicht im Hinblick auf die reichhaltige Hintergrundgeschichte nicht so liest, aber „Granblue Fantasy: Versus“ ist zudem verdammt einsteigerfreundlich. So kommt man im RPG-Mode schnell in die Story, in den Einzelgefechten sind aber auch Special Moves und sogar Kombos schnell erlernt. Für mich als jemanden, der das Auswendiglernen von komplizierten Manövern weniger als Herausforderung und mehr als Arbeit empfindet, sind auch die Auto-Kombos eine große Hilfe. Trotzdem geht man aber in Multiplayer-Partien gegen menschliche Mitspieler gnadenlos unter, wenn man sich nur auf derlei Kniffe verlässt. Leicht zu erlernen aber schwer zu meisten, war hier das sinnvoll gewählte Credo. Tutorials helfen auch absoluten Neulingen auf die Sprünge.

Eine Mechanik, die man in anderen Fighting-Games üblicherweise nicht findet, sind Cooldowns. Das bedeutet, man kann in den Kämpfen eben nicht 20 mal nacheinander den gleichen Spezialangriff ausführen. In gewisser Weise ist das Fluch und Segen zugleich: So vermeidet man es, dass ein Spieler quasi immer wieder nur ein Projektil aus der Ferne schleudert, macht das taktische Vorgehen aber eben komplexer.

Dagegen wirkt der RPG Mode etwas simpler, er erinnert an Klassiker wie „Double Dragon“, „Final Fight“ oder auch Arcade-Games a la „Golden Axe“. Hier muss ich zugeben, dass die Story mich an einigen Stellen etwas ratlos hinterlassen hat, die Charakter und ihre Beziehungen klar auch auf Ereignisse in der Vergangenheit verweisen, die ich eben nicht kenne. Wer allerdings stärker als ich die Anime-Serie verfolgt oder den Manga gelesen hat, wird daran sicherlich gerade Gefallen finden. Selbst als Neuling im Universum von „Granblue Fantasy“ wird man aber noch gut unterhalten, denn Anime-typisch gibt es genug überdrehte Action und skurrile Dialoge, die bei Laune halten.

Das Gameplay wird dabei immer wieder durch bestimmte Aufgaben oder Bosskämpfe aufgelockert, eine gewisse Monotonie kehrt aber dennoch ab und an ein – das hat dieses Genre meines Erachtens aber so an sich. Deswegen empfehle ich den RPG Mode eher in kleinen Dosen hin und wieder zu genießen. Hier zeigen sich dann übrigens auch die Mobile-Game-Wurzeln für meinen Geschmack etwas zu deutlich, denn man kann an einigen Glücksspiel-Einlagen teilnehmen, um etwa neue Waffen und Figuren-Skins freizuschalten. Der Wechsel und das Aufwerten der Waffen hatten aber nach meinem Eindruck nur geringen Einfluss auf das Gameplay, sodass ich da mäßig motiviert gewesen bin wirklich tief einzusteigen.

Wer Bock hat, kann nach dem Durchspielen des RPG Mode auch eine zweite Runde unter härteren Bedingungen drehen. Ich denke aber, das wird nur Hardcore-Fans reizen. Alle anderen werden sich wohl eher auf die reinen Battle- und Multiplayer-Modi fokussieren. In ca. vier Stunden ist der RPG Mode aber durchgezockt und damit sicher kein gutes, alleiniges Kaufargument. Als netten Bonus kann man jenen Story-Modus aber definitiv verstehen.

Minuspunkte? Die Ladezeiten sind bei diesem Spiel teilweise sehr lang – und das sage ich als jemand, der aktuell auch „Pillars of Eternity II: Deadfire“ an der PS4 zockt. Außerdem hatte ich bei Online-Partien manchmal das Problem, dass ich aus dem Match geflogen bin – ohne für mich ersichtlichen Grund. Trotzdem machen Partien gegen andere Spieler Laune und auch lokale Matches sind natürlich eine Gaudi, in der man sich bei hitzigen Gefechten nicht nur virtuell, sondern auch auf der Couch eventuell umherschubst.

Mein Fazit? Man sollte natürlich eine gewisse Anime-Affinität mitbringen, sonst wird man am Stil von „Granblue Fantasy: Versus“ wenig finden. Wer da allerdings bereits unterwegs ist, erhält hier einen sehr einsteigerfreundlichen Prügler mit einem eigenen Dreh, da durch die Cooldowns andere Taktiken gefordert sind, als bei vielen Konkurrenten. Und der RPG Mode ist ebenfalls eine kurzweilige Sache.

Den Preis finde ich mit rund 60 Euro (PS4) allerdings etwas hoch gegriffen. Selbst für die PC-Version wird bei Steam jene Summe ausgerufen. Offenbar geht man davon aus, dass Anime-Fans es gewohnt sind Premium-Preise zu löhnen. Sei es drum – Spaß macht das Game und wer nach einem neuen Fighting-Game sucht, ist hier an der richtigen Adresse.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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