Google und Facebook sollen auch in Australien an die Verlage zahlen

Die alten Medien stehen bekanntermaßen in vielen Punkten mit den neuen Medien auf Kriegsfuß. Insbesondere gilt das für Verlage, die mit Printmedien groß geworden sind und den Relevanzverlust von Zeitungen und Magazinen in Zeiten des Internets mit allen Möglichkeiten zu kompensieren versuchen. Google und Facebook geraten da gerne ins Visier und sollen beispielsweise in Frankreich ja zur Kasse gebeten werden. Und in Australien bahnt sich nun eine ähnliche Entwicklung an.

Man sollte sich aber erinnern: Angestoßen wurde die Thematik anfangs sogar in Deutschland mit dem sogenannten Leistungsschutzrecht für Presseverleger bzw. dem späteren Artikel 13 bzw. 17. Ironischerweise argumentierten die großen Verlage marketingwirksam, es solle ja um den Schutz der Urheber, also der Autoren, gehen. Tatsächlich sind aber viele Autoren gegen die Urheberrechtsnovelle gewesen, da sie es vor allem großen Verlagen ermöglicht, sich die Taschen zu füllen.

Was passiert nun in Australien? Nun, die Wettbewerbsbehörden sollen im Auftrag der Regierung Richtlinien erarbeiten, welche eine Abstimmung zwischen Tech-Giganten wie Google und Facebook sowie den Verlagen ermöglicht. Denn von alleine war offenbar keine Einigung möglich. Die Argumentation des australischen Politikers und Schatzmeisters Josh Frydenberg lautet: „Es ist nur fair, dass diejenigen, welche die Inhalte generieren, auch den Lohn dafür erhalten.“ Streng genommen wären das wieder mal gar nicht die Verlage, sondern die Autoren – was aber in der Debatte kaum eine Rolle zu spielen scheint.

Das Corona-Virus hat dafür gesorgt, dass Lobbyisten in Australien mehr Druck gemacht haben und auch die Regierung entsprechend schneller reagiert: Denn den Medienhäusern brechen die Werbeeinnahmen weg. Frydenberg setzt fort, dass man hier für einen Ausgleich sorgen müsse, denn Google und Facebook sollen dann eben für News-Content, den sie einbinden, an die Verlage blechen. Die Australian Competition and Consumer Commission (ACCC) prüfte die Lage vorher und kam zu dem Ergebnis, dass die Technikunternehmen und die Verlage von alleine wohl keine Einigung erzielen würden.

Zunächst sollte es in Australien freiwillige Richtlinien geben, nun sollen sie allerdings verpflichtend sein. Einen ersten Entwurf soll es Ende Juli 2020 geben. Wie Google und Facebook reagieren werden, ist natürlich offen. In anderen Ländern konnte man beobachten, dass Google auch nicht davor zurückschreckt Google News lieber abzuschalten, statt an die Verlage zu zahlen – Beispiel Spanien.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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