Facebook versucht aggressiv jüngere Nutzer zu gewinnen


Facebook hat damit zu kämpfen, dass das Durchschnittsalter der Nutzer steigt. Bei Jugendlichen ist das soziale Netzwerk schon lange nicht mehr wirklich angesagt. Eher weicht man da auf Plattformen wie Snapchat, TikTok oder auch Facebooks Tochter Instagram aus. Letztere haben ja gerade ihre umstrittenen Pläne für ein Instagram für Kinder auf Eis gelegt. Interne Dokumente, die The Wall Street Journal durchgeblättert hat, zeigen aber, dass Facebook recht aggressiv auf Nutzerfang bei Teenagern und Kids gehen möchte.

Intern gibt es bei Facebook ein Team, das sich darauf spezialisiert hat, nach Möglichkeiten zu suchen, um Kinder als User zu gewinnen. Die Gedankengänge sind dabei teilweise wohl für viele Leser abschreckend: Etwa überlegte man laut, wie man Spieltermine verschiedener Kinder für sich instrumentalisieren könnte, um das Nutzerwachstum für seinen Kids-Messenger zu befeuern. Interesse hat man an jungen Nutzern, da nur sie langfristig das Wachstum sichern können. Je früher man dabei Markentreue aufbaut, desto besser.

Gleichzeitig sind die Gesetze bezüglich des Sammelns und Auswertens von Daten deutlich strenger, wenn es um Kinder geht. Zumal die Nutzung sozialer Netzwerke für Kinder und Jugendliche negative Effekte mit sich bringen kann, wie ja auch Studien rund um Instagram bescheinigten. Facebook möchte gerne die sogenannten „Tweens“ als User gewinnen, also Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren. Daher wertet man intern sehr genau aus, was diese Zielgruppe wünscht und welche Bedenken Eltern haben.

Facebook äußerte sich bereits öffentlich zu den Dokumenten und Berichten: Man erforsche natürlich junge Nutzergruppen, das sei auch gängig in der Tech-Branche. Man wolle aber keinesfalls Nutzer rekrutieren, die nicht alt genug seien, um Produkte von Facebook zu verwenden. Abstreiten kann man aber sicher nicht, dass das ein Balanceakt ist. Das zeigt sich z. B. gut an Facebooks Messenger Kids für jüngere Nutzer. Studien zeigen, dass Kinder über 10 an dem Produkt kein Interesse mehr haben. Die sogenannten Tweens wiederum nehmen Facebook dann als eine Plattform für „alte Menschen“ (über 40 Jahre) wahr.

Selbst Instagram hat hier mittlerweile immer stärker zu kämpfen, da die jungen Nutzer lieber mehr und mehr Zeit bei etwa TikTok verbringen. Facebook räumt auch ein, dass es nur eine Seite der Medaille sei, die Kinder und Jugendlichen von seinen Produkten zu begeistern. Gleichzeitig müsse man auch die Eltern für sich gewinnen. Die Zukunft wird zeigen, wie sich das noch alles entwickeln wird.

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14 Kommentare

  1. Wo ist da der Jungendschutz, wenn sich Facebook versucht an noch Jüngere heranzumachen?

    Wann wird dieser Konzern endlich für die DSGVO-Verstöße zur Rechenschaft gezogen?

  2. Ich kann nur hoffen, dass alle sozialen Netzwerke irgendwann das gleiche wie die VZ Netzwerke durchlaufen und in die Bedeutungslosigkeit verschwinden.

    • Auf die schnelle wird Facebook nicht in die Bedeutungslosigkeit verschwinden, das halte ich für unwahrscheinlich, denn dafür sind sie viel zu „verzweigt“. Sie werden zudem sicherlich Strategen haben, die Überlegungen anstellen, das Geschäft zukünftig zu sichern.

    • Sind die VZ-Netzwerke nicht WEGEN Facebook als Konkurrent dichtgemacht worden?

      • Ja, genauso wie wer-kennt-wen gegen facebook keine Chance hatte.

        • Da war ich persönlich gar nicht traurig drum, das hat mir das manuelle Löschen des Kontos abgenommen. Und weil ich schon wkw so nervtötend gefunden habe, hab ich mich bei Facebook erst gar nicht angemeldet, sondern war froh, den ganzen Social Media Quatsch los zu sein.

    • Warum? Du willst keine soziale Interaktion? Ich finde das soziale Netzwerke auch durchaus was positives haben (ok, ich gehöre auch zur alten Ü40-Facebook-Generation). Aber ich halte dadurch durchaus wesentliche mehr soziale Kontakte als wenn ich die Netzwerke nicht hätte. Ich nutze da auch recht viele (Facebook, Xing, ResearchGate, Instagram), wobei die Nutzungsdauer eigentlich recht gering ist. Es ist eher ein großes Adressbuch für mich und alle paar Tage gucke ich mal irgendwo rein und werde „an Personen erinnert“.
      Also statt verbieten oder ähnliches fände ich eine Aufklärung (die in der Grundschule beginnt) für zielführend. Also Medienkompetenz o.ä. verbunden mit Ethik etc.

      • Wenn ich erst durch soziale Netzwerke an „Personen erinnert werden muss“, dann scheinen diese Personen doch recht uninteressant zu sein. Also kann man auch gerne auf derartige Kontakte verzichten.
        Von mir aus können morgen alle sozialen Netzwerke dicht machen. Ich persönlich würde dadurch nicht einen mir wichtigen Kontakt verlieren.

    • Wäre schön wenn dein Wunsch in Erfüllung geht.

  3. Ich bin zwar generell nicht der größte Böhmermann-Fan (eigentlich gar keiner), aber folgendes aktuelles Video fand ich SEHR gut und interessant. Wie sehr Facebook gegen seine Versprechen und öffentlichen Vorsätze verstößt, aber auch gegen Gesetze – der Verstoß gegen Gesetze gilt hierbei auch für deutsche Politiker und Parteien, welche zielgruppengerichtete Wahlwerbung schalten, sogar finanziert aus Steuergeldern:

    „Die schmutzigen Facebook-Tricks der Parteien | ZDF Magazin Royale“:
    https://www.youtube.com/watch?v=8vq6MzGNZyM

    Beispiel FDP-Werbeanzeigen zur Bundestagwahl auf Facebook:
    FDP zu Leuten welche Öko-Themen liken: CO2 doof, wir müssen mehr gegen den Klimawandel tun blabla etc.
    FDP zu Vielflieger, Manager und Geschäftsreisende: Wir müssen weniger Klimaschutz betreiben und mit uns gibt’s weniger Gängelungen und Belastungen.

    Das FDP-Beispiel ist von mir ist als wertfrei zu betrachten, habe es nur als Beispiel hergenommen, da sehr krass in seiner Gegensetzlichkeit.

    Einfach nur unethisch von den Parteien und Politikern.

  4. asoziale Netzwerke eben, die Spielhallen im Neuland

  5. letztendlich gewinnt immer die Geldgier, warum sollte das hier anders sein? vielleicht wäre es für einige recht heilsam, wenn man den ganzen Kram wie Facebook, Twitter & Co. mal einfach für einige abschalten würde.
    jaja, Zensur etc. , ich weiß…
    aber kann bzw. darf das so weitergehen mit diesen sogenannten „sozialen“ Plattformen?

  6. Meine Kinder sollen auf jeden Fall auf Facebook Verzichten. Ich tue das auch. Facebooks Geschäftsmodell basiert auf Nutzerdaten und das ist es mir nicht wert irgendwelche Virtuelle Freunde zu haben. Facebook ist groß darin bestimmte Meinungen zu Zensieren, tut aber so gut wie nichts gegen Cypermobbing unter Kindern. Ich lebe ganz gut ohne Facebook dann können das meine Kinder auch. Im übrigen zeigen meine Kinder null Interesse an Facebook, in der Generation 10-16 ist Facebook absolut keine Thema, zumindest in meinen Kindern ihr Umfeld.

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