EU-Kommission will Geoblocking laut durchgesickertem Entwurf eindämmen

euGeoblocking ist bei Unternehmen beliebt – bei den Kunden jedoch eher weniger. Besonders wer viel reist, ärgert sich oft über die Einschränkungen, wenn das deutsche Netflix-Konto plötzlich im Ausland wegfällt. Hier sieht die EU-Kommission Handlungsbedarf und möchte laut einem durchgesickerten Entwurf zu einer neuen EU-Verordnung tätig werden. Das Geoblocking soll erheblich eingeschränkt werden, da es dem digitalen Binnenmarkt innerhalb der Europäischen Union schade. So soll digitaler Content im digitalen Binnenmarkt der EU grenzübergreifend erreichbar sein.

Im Klartext könntet ihr euer deutsches Netflix-Konto dann eben auch problemlos im Vereinigten Königreich nutzen. Bereits am 9. Dezember 2015 hatte die EU-Kommission deswegen den Vorschlag für eine Verordnung präsentiert. Jener trägt den wie üblich schnarchnasigen Titel „Gewährleistung der grenzüberschreitenden Portabilität von Online-Inhaltediensten im Binnenmarkt“ (COM [2015] 627), hätte bei Umsetzung aber große Auswirkungen. Zumindest in Teilen soll es verboten werden, Nutzer von ihrem Content im Ausland auszuschließen.

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Der neue, durchgesickerte Vorschlag stammt aus den Händen des Europäischen Rates vom 13. April 2016. Er hält z. B. fest, dass Anwender im EU-Ausland ihre gewohnten Dienste weiter nutzen können. Wer sich nun die Hände reibt: Das gilt aber nur, wenn ihr euch vorübergehend im Ausland aufhaltet und auch nur innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten. Falls ihr also nach einem US-Konto bei Netflix giert, bleibt ihr weiterhin auf andere Lösungen angewiesen. Offen ist allerdings, ab wann ein Aufenthalt im EU-Ausland als „temporär“ oder eben längerfristig gilt. Explizit sind als Beispiele jedenfalls für kurzfristige Aufenthalte Geschäfts- oder z. B. Studienreisen genannt. Hier wird man aber noch die Lücken füllen müssen, da Rechtsstreitigkeiten sonst vorprogrammiert sind.

Klauseln, welche untersagen Content außerhalb des Inlands abzurufen, sollen laut der neuen Verordnung nicht mehr anwendbar sein. Eine Ausnahme sind allerdings kostenlose Angebote. Hier habt ihr dann im Ausland weiterhin Pech, falls Geoblocking greift. Das prominenteste Beispiel sind hier sicherlich die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen TV-Sender.

In Kraft treten soll die neue EU-Verordnung aber erst ab Juni 2017 – also zeitgleich mit der Abschaffung der Roaming-Gebühren. Für die Anbieter wie Netflix und Co. soll es dann eine Übergangsfrist geben, damit sichergestellt ist, dass sich die Unternehmen auf die notwendigen, technischen Umstellungen vorbereiten können.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

5 Kommentare

  1. Kostenlose Mediatheken der öffentlich-rechtlichen? Wo gibt es die denn? Für die bezahle ich aktuell mehr als für Netflix und Amazon Prime zusammen.
    Nicht falsch verstehen, ich bin nicht grundsätzlich gegen die Gebühren, aber ich möchte die Mediatheken gerne im (EU-)Ausland nutzen können.
    Allerdings könnten dann auch alle anderen EU-Bürger die Mediathek kostenlos nutzen. Ob jetzt besonders viele Norweger deutsches Fernsehen genießen wollen weiß ich allerdings auch nicht…

  2. Verbittert und realistisch betrachtet, die EU will was FÜR den Bürger tun? Nein, natürlich nicht, einer der beliebtesten Taktiken isses doch, zuerst mal zu machen als ob man etwas skeptisch gegenüber steht um es dann nachdem sich der Sturm gelegt hat, doch durchzuwinken, Beispiel? Glyphosat? TTIP?

  3. Merkwürdig ist das alles schon. Via Sattelit kann (könnte, so denn Empfang) man alle deutschen Sendungen im Ausland sehen. Streaming ins Ausland geht nicht wg. der Geosperre – hier müsste ja dann konsequenterwise der Satellitenempfang verschlüsselt verlaufen. Leider kann ich in Norwegen auf Grund der Umgebung nicht über Sattelit empfangen und nutze daher einen ausländischen Streamingdienst, was zwar kostet, aber sehr gut funktioniert.
    Viele im Ausland wären sicherlich bereit, deutsche Rundfunkgebühren zu zahlen, wenn sie dadurch von dieser Geosperre befreit wären.
    Ansonsten ist das Gesetz so überflüssig wie sonst was, bei iTunes reichen einfach eine deutsche Kreditkarte oder deutsche iTunes-Guthaben.

  4. Silvio Jutta Rehmosch says:

    Es kann nicht sein, das Österreich und Schweiz (von anderen Ländern wie Mallorca … möchte ich gar nicht erst anfangen) ganz offiziell kostenlos unsere teuer bezahlten Sender empfangen können. Wir aber hingegen dürfen keine Ö- sowie CH-Sender emfpangen, da diese verschlüsselt sind. Warum verschlüsseln wir nicht? … was für eine Farce!

  5. Na super, das bringt genau gar nichts. Ich kann weiterhin, obwohl die österreichische Grenze fast vor meiner Haustüre liegt, keine Beiträge diverser österreichischer TV-Sender abrufen.

    Schönes Europa…