Corona-Warn-App mit Problemen: Entwickler wussten angeblich seit vier Wochen Bescheid

Nicht nur diverse Android-Geräte hatten in den vergangenen Wochen Schwierigkeiten, die Corona-Warn-App ordnungsgemäß nutzen zu können (Stichwort: Benachrichtigungen), auch unter iOS gab es laut Berichten von Tagesschau.de Fehler. Nach weiteren Recherchen hatte man nun herausfinden können, dass die Entwickler der App wohl schon seit gut vier Wochen von den entsprechenden Problemen bei der iOS-Version Bescheid wussten.

Auf GitHub wurde über die genannten Fehler bereits seit dem 21. Juni 2020, also fünf Tage nach Start der App, diskutiert. An eben jener Diskussion hätten sich dem Bericht nach auch Entwickler von SAP beteiligt, die bekanntlich gemeinsam mit der Telekom an der Corona-Warn-App geschraubt hatten. Auf den Fehler hin angesprochen, entgegnete einer der Entwickler sogar „Wir haben andere Probleme mit höherer Priorität“. Bei der Nutzerschaft war man sich zu diesem Zeitpunkt aber bereits sicher, dass es sich hier keineswegs um einen Einzelfall gehandelt hatte, sondern eine Vielzahl von Geräten mit Problemen bei der Hintergrundaktualisierung zu tun hatten.

SAP bestätigte bisher weder, ob die dort aktiven Entwickler tatsächlich zum Team hinter der Corona-Warn-App gehörten, noch gibt es bisher andere Rückmeldungen, ob die genannten Fehler wirklich schon seit Ende Juni bekannt gewesen sind. Anke Domscheit-Berg von den Linken äußerte sich kritisch, dass die Quelloffenheit bei GitHub und die damit einhergehende Diskussion mit der Nutzerschaft nicht ausreichend genutzt worden ist:

Open-Source-Prozess heißt mehr, als den Code nur einmal am Anfang ins Netz zu stellen. Es heißt, das zu nutzen, was man als Feedback bekommt – und zwar kontinuierlich und so schnell wie möglich. Genau das haben die Entwickler nicht gemacht

Das Vertrauen in die App und deren Entwickler leidet sehr, immerhin sind vermutlich viele Nutzer gar nicht erst darüber informiert worden, dass sie sich im näheren Umfeld einer infizierten Person befunden haben (wenn sie die App nicht regelmäßig geöffnet haben). Und selbstverständlich ist dies auch wieder Wasser auf die Mühlen der App-Kritiker. Auch wenn es schon das eine oder andere Update gegeben hat, das sich um entsprechende Probleme kümmern sollte, rät das Gesundheitsministerium allen Nutzern der App, jene mindestens einmal alle 24 Stunden zu öffnen, um sicherzugehen, dass die Hintergrundaktualisierungen auch wirklich abgerufen werden.

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