CDU möchte IP-Adressen sechs Monate speichern

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In Reaktion auf das Urteil des Europäischen Gerichtshof zur Vorratsdatenspeicherung fordert die Unionsfraktion ein anlasslose, sechsmonatige Speicherung von IP-Adressen „zur Verfolgung der Straftaten des sexuellen Kindesmissbrauchs und der Kinderpornographie“. In einem Antrag verlangen CDU und CSU von der Bundesregierung, unverzüglich einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen, der den vom Europäischen Gerichtshof eingeräumten „gesetzgeberischen Spielraum“ zur Speicherung von IP-Adressen umsetzt.

In dem Entwurf müsse eine „praxistaugliche Regelung zur Speicherung von Portnummern“ enthalten sein, „damit digitale Tatortspuren dem Verursacher sicher zugeordnet werden können“. Mit dem Entwurf solle zudem ein „geeignetes, hohes Datenschutzniveau und gleichzeitig sichere und schnelle Abrufverfahren“ eingeführt werden, „einschließlich einer Eilzuständigkeit der Staatsanwaltschaft bei Gefahr im Verzuge“, führt die Fraktion aus.

Warum das Ganze? Nun ja – man denkt, dass bei der Verfolgung von Kindesmissbrauch und Kinderpornographie im Internet die IP-Adresse häufig die einzige Spur zum Täter sei. „Nur mithilfe dieser Identifikation, die einem Computer oder anderen Endgeräten beim Surfen vom Provider zugewiesen wird – vergleichbar einem temporären digitalen Autokennzeichen – lassen sich die Täter ermitteln“, erläutert die Union. Da es keine Speicherpflicht gibt, seien „zu oft“ Daten nicht mehr vorhanden, „wenn Ermittlungsbehörden erste Hinweise auf Missbrauchstaten erhalten“. Dann könne nicht weiter ermittelt werden. „Dieser Zustand ist unerträglich und muss sich ändern“, fordern die Abgeordneten.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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63 Kommentare

  1. Ursula von der Leyen says:

    Zuvor speichern wir lieber die Nachrichten unserer Politiker. Dann können sie diese auch ruhig von ihren Geräten löschen.

  2. Ja, Ich hab ja zum Glück nix zu verbergen.
    Soll die Christliche CDU /CSU mal schön die IPs der Pfarrämter und Prister der Kath. und Ev. Kirche für 6 Monate speichern.
    Das kann ja mit Sicherheit nix schaden.

    • und Sportvereine, Trainingslager, Sportleistungszentren
      Aber ganz gewiss werden diese alle mit windigen Begründungen vor Verfolgung geschützt.

      Aber die Telefone der CxU Politiker, die sollte man alle mehrfach am Tag vollständig kopieren, nicht, daß dann wieder SMS aus versehen gelöscht werden. Speichern sollte man diese Daten für sehr, sehr viele Jahre und immer sofort öffentlich zugänglich machen. CxU hat doch nichts zu verbergen.

  3. Glaube ja, so wie ich die meisten it Buden kennengelernt habe, liegen die Logs eh über die Laufzeit der entsprechenden Infrastruktur rum und werden nur gelöscht wenn die Platte vollläuft oder der Werkstudent Langeweile hat.

    • Wir reden hier nicht von IT-Buden sondern ISPs, die für die Zuordnung der IP-Adresse zum Endkunden verantwortlich sind. Insofern bisschen Thema verfehlt.

  4. Solche Forderungen von den ach so frommen Christ-Demokraten.
    Dann sollte man in den eigenen Reihen mal einen Testlauf machen und die IPs aller Kirchlichen speichern.

  5. Was für eine ekelhafte Partei. Seit 15 Jahren sagen alle möglichen Gerichte: eine anlasslose Speicherung der Verbindungsdaten aller Bürger ist nicht mit dem Grundrecht vereinbar.

    Die CDU sagt: genau das! Bis wir einen Richter finden, der das versehentlich durchwinkt.
    Damit kann man die gesinnung der Politiker, die soetwas fordern, doch wirklich nur als verfassungsfeindlich bezeichnen.

    Alle Gerichte kommen zum gleichen Schluss – nur die CDU/CSU will es nicht verstehen.

    • Naja, so einfach ist es leider nicht. Ich zitiere:

      „Für mich ist wichtig, dass wir für die Ermittlungsbehörden die IP-Adressen verfügbar haben müssen. (…) weil wir jetzt viel Datenmaterial aus dem Ausland bekommen, was wir hier auswerten, was zu großen Ermittlungserfolgen geführt hat, (…) und der Europäische Gerichtshof gibt uns ja diesen Spielraum, gerade die IP-Adressen zu speichern und auch zu nutzen, und dafür werbe (…).“

      Zitat Nancy Faeser, SPD, zum Urteil des EUGh.
      Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/bundesinnenministerin-faeser-zur-vorratsdatenspeicherung-100.html

      Und der EUGh formuliert es so:

      „Zunächst können die zuständigen nationalen Behörden eine Maßnahme der gezielten
      Vorratsspeicherung auf der Grundlage eines geografischen Kriteriums wie u. a. der
      durchschnittlichen Kriminalitätsrate in einem geografischen Gebiet treffen, ohne dass sie zwingend
      über konkrete Anhaltspunkte für die Vorbereitung oder die Begehung schwerer Straftaten in den
      betreffenden Gebieten verfügen müssten. Zudem kann eine Vorratsspeicherung in Bezug auf Orte
      oder Infrastrukturen, die regelmäßig von einer sehr großen Zahl von Personen frequentiert werden,
      oder auf strategische Orte wie Flughäfen, Bahnhöfe, Seehäfen oder Mautstellen es den
      zuständigen Behörden ermöglichen, zum Zweck der Bekämpfung schwerer Kriminalität
      Informationen über die Anwesenheit der Personen, die dort ein elektronisches
      Kommunikationsmittel benutzen, zu erlangen, und daraus Schlüsse über ihre Anwesenheit und
      ihre Tätigkeit an diesen Orten oder in diesen geografischen Gebieten zu ziehen.“

      Quelle: https://curia.europa.eu/jcms/jcms/j_6/de/

      Eine Alternative ist „Quick Freeze“, das gerade von Teilen der SPD und den Grünen diskutiert wird. Obwohl es seit Jahren als sinnloses Werkzeug bekannt ist.

      Und so wird sich weiter über Maßnahmen gestritten, die vor allem andere durchführen und bezahlen müssen, die aber einen begrenzten bis keinen Nutzen haben. Nicht einmal für die Bekämpfung der Symptome. Und so wird völlig vergessen, dass es noch Ursachen und ganz andere, bewährte Methoden gibt.

      • Nein, so einfach ist es auch nicht. Aber einfach „Spiel das gleiche Lied nochmal“ ist ganz offensichtlich der falsche Ansatz.

        Vielleicht sollten die Behörden mit Abmahnkanzleien zusammenarbeiten – die sind ja komischerweise in der Lage, IP-Adressen aus Tauschbörsen zum Zwecke der Urheberrechtsabmahnung an die Anschlussinhaber (was nichts zwangsläufig die Täter sind!) zuzustellen.

        Wie lange soll es nach einer Speicherung der IPs dauern, bis die Ermittlungserfolge aus einem anderen fadenscheinigen grund ausbleiben?

        Das Gericht hat einen Bereich genannt, in dem die Speicherung legal sein KÖNNTE. Und die Politik erkennt das sofort als Auftrag: Da haben wir noch unerschöpftes Überwachungspotential – das müssen wir also auch noch abdecken!

        Wo soll das hin führen? Die bekannten KiPos werden am Ende des Tages dann doch wieder nicht von den Behörden gelöscht – siehe Boystown.

        • Ja, das mit den Urheberrechtsabmahnungen ist ein interessanter Faktor. Allerdings ist das damalige Verfahren meines Erachtens nicht rechtens und wurde nur toleriert, weil die Anwälte Gerichte mit Anfragen geflutet und damit überlastet haben.

      • Richard Rosner says:

        Und mit welchem Teil deines Kommentars soll jetzt eine ANLASSLOSE Sammlung legal sein? Dein Zitat schreibt ja schon eine sehr enge lokale Eingrenzung vor. Was die CDU da fordert klingt aber nach dem gleichen Unsinn, der gerade erst kassiert wurde. Von der durchgeknallten Faeser Mal ganz zu schweigen. In den paar Monaten, in denen die im Amt ist, hat die locker so viele grundrechtswidrige Vorschläge rausgehauen wie die Union in den letzten 16 Jahren. Auch wenn sie sich inzwischen von sich selbst distanziert hat, aber wer verlangt, sämtliche Messenger überwachbar zu machen und damit explizit fordert, Verschlüsselung unwirksam zu machen oder abzuschaffen gehört umgehend des Amtes enthoben. Mehr Demokratiefeindlichkeit gibt es kaum.

        • Inwiefern ist eine „enge lokale Eingrenzung“ ein Anlass? Vorratsdatenspeicherung auf der Basis geografischer Daten, statistischer Werte oder strategischer Wichtigkeit sind alles für mich Daten, die noch weniger dafür geeignet, die Grundrechte einzuschränken, als ein tatsächlich schweres Verbrechen. Und selbst das wurde vom EUGh als nicht ausreichend eingestuft.

          Meine Aussage sollte die Machenschaften der CDU auch nicht legitimieren. Es ging mir vielmehr darum, dass nicht nur die CDU an unseren Grundrechten knabbern will. Es gibt politisch eine breite Front, die in der Überwachung des Internets ein Heilmittel für etliche Probleme der Gesellschaft sieht. Und das wie gesagt nur, weil andere den Preis dafür zahlen müssen. Das hatten wir schon vielfach:

          „… müsse eine „praxistaugliche Regelung zur Speicherung von Portnummern“ enthalten sein, „damit digitale Tatortspuren dem Verursacher sicher zugeordnet werden können“. … solle zudem ein „geeignetes, hohes Datenschutzniveau und gleichzeitig sichere und schnelle Abrufverfahren“ eingeführt werden, „einschließlich einer Eilzuständigkeit der Staatsanwaltschaft bei Gefahr im Verzuge“, …“

          Quelle: Artikel

          Das kann man schon fast direkt in Jira-Storys transferieren, die dann von allen IT-Firmen in Deutschland umgesetzt und bezahlt werden müssen. D.h. im Endeffekt zahlen die Wirtschaft und wir Bürger unsere eigene Überwachung. Und die Politik kann sich auf die Fahnen schreiben, dass sie etwas gegen Kinderpornografie getan hat. Ob das tatsächlich etwas geholfen hat oder die Daten für andere Zwecke missbraucht werden, interessiert dann nach Einführung kaum mehr jemanden.

          Da kann ich nur noch Dich zitieren: „Mehr Demokratiefeindlichkeit gibt es kaum.“

          • Hallo Tandeki, „Inwiefern ist eine „enge lokale Eingrenzung“ ein Anlass? Vorratsdatenspeicherung auf der Basis geografischer Daten, statistischer Werte oder strategischer Wichtigkeit sind alles für mich Daten, die noch weniger dafür geeignet, die Grundrechte einzuschränken, als ein tatsächlich schweres Verbrechen. Und selbst das wurde vom EUGh als nicht ausreichend eingestuft.“ das fällt wohl in den unsäglichen Bereich des „Predictive Crime Defense“, also dem Versuch mit statistischen methoden vorauszusagen, wann oder wo es zu einer Häufung von Straftaten kommen kann. Also wissenschaftlich verbrämte Kaffeesatzleserei. Diese Methoden der Spökenkiekerei sollen nun also als Begründung herhalten an bestimmten Orten über die Zuordnung als „potentiell kriminalitätsanfälliger Ort oder -anfälliges Ereignis“ dann doch Vorrastdatenspeicherung zu erlauben. Leider ist hier also auch der EUGH auf die Argumente der Glaskugelbetrachter unter den Strafverfolgern hereingefallen. Das Urteil ist besser als nichts, aber leider auch nicht so gut wie man es sich als BürgerrechtlerIn wünschen könnte.

      • Ich kann nicht nachvollziehen, warum es zu den „bewährten Methoden“ nicht noch zur Beweissicherung die Speicherung von IP-Adressen herangezogen wird, die ja nach 6 oder 12 Monaten gelöscht werden.
        Die Kinder und andere Opfer würden dies sicher zu schätzen wissen…

        • Die Aussage hinter der VDS: ALLE sind Kinderschänder. Oder zumindest Schwerverbrecher. Daher muss jetzt jeder Schritt überwacht werden. Von allen. Am Besten man verhält sich erst gar nicht verdächtig. Das könnte ja jemand falsch verstehen. Und am Besten Du sagst auch nichts negatives über die CDU, man weiß ja nie.
          Den Opfern wird das nur überhaupt nicht helfen. Besser wäre es die Taten zu verhindern.

          • Nein, nicht alle.
            Bist Du Pfarrer oder Trainer oder Polizist oder Banker oder FDP Politiker oder C?U Politiker oder Rechtsanwalt oder Ex-Minister oder Ex-Kanzler, bist Du per se unschuldig.

        • Du meinst jene Kinder und Opfer, deren Missbrauchsaufnahmen das BKA nicht löschen lässt, sondern lieber als Köder benutzt, um die eigenen Fangquoten aufzubessern und Karrieren voranzutreiben, ohne Rücksicht darauf, was das für besagte Kinder und andere Opfer bedeutet (nämlich dass noch mehr Perverse sie zu sehen bekommen und die komplette Auslöschung der Aufnahmen zunehmend unmöglich wird)? Jene Kinder und andere Opfer, die von Politik und Behörden immer noch einmal mehr missbraucht werden, um Grundrechte zu kastrieren und einen faschistoiden Polizei- und Überwachungsstaat zu errichten? Jene Kinder und andere Opfer, die infolge der Totalüberwachung selbst nicht mehr vertraulich mit ihren Ärzten, Anwälten oder Opferhilfstellen kommunizieren können und Angst haben müssen, dass irgendwer mitliest, der nicht mitlesen soll? (Wer glaubt, man könne eine Hintertür bauen, die nur von den „Guten“ genutzt werden könne, glaubt auch, man könne eine Pistole bauen, mit der nur „Gute“ ausschließlich auf „Böse“ feuern können.) Frag sie doch am besten selbst, was sie davon halten, nachdem du ihnen die *ganze* Wahrheit erzählt hast.

          Ich bin mir sicher, viele Kinder und andere Opfer wüssten es auch zu schätzen, wenn man die katholische Kirche endlich verböte.

      • Lustigerweise sieht ausgerechnet der CCC, den ich in dieser Angelegenheit für durchaus kompetent halte, den Quick-Freeze als aktzeptable Alternative zur VDS.
        https://www.ccc.de/de/updates/2006/datenspeicherung-inakzeptabel

        • Das ist dann entweder eine Nebelkerze oder gesunder Menschenverstand, also ein Kompromissangebot. Prinzipiell wird bei der Lösung wohl moniert, dass die Daten erst im Nachhinein helfen, also wenn die Straftat schon begangen wurde, der Täter nur durch seine IP-Adresse bekannt ist und zukünftig identifiziert werden kann:

          https://www.brak.de/newsroom/news/eugh-erlaubt-quick-freeze-loesung/

          Schwierig finde ich auch, dass so ein Instrument gerne missbraucht wird. Denn wenn Du einen Quick Freeze machen kannst, geht das für jeden Bürger. Und der Entwurf sieht auch explizit vor, dass die Datenerhebung auf andere Personen als den Straftäter ausgeweitet werden kann.

          Schwierig.

    • Die Union hat exakt nichts gelernt, wie so ein renitentes Kind.

      • Ein renitentes Kind, dass sich nicht darauf berufen kann, das da mal Beweise sein könnten, die leider nicht gespeichert wurden. Eine lächerliche Speicherung die erst durch richterliche Genehmigung zur Offenlegung führt.
        Aber das ist wie mit den Kameras an Straßen und Plätzen…

    • Naja die meisten (oder alle?) von Gerichten geschluckten Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung haben uns SPD-Minister eingebrockt…

      Und die Grünen sind bei ähnlichen Abstimmung auch dabei (siehe EU-Parlament).

      Hier hätte die CDU aber mal glänzen können und versuchen ein paar Stimmen bei der jungen Wählerschaft zurück zu gewinnen….

      • Schäuble, De Maizière, Seehofer, Friedrich … seltsame Häufung von „SPD“-Innenministern, die ich eher mit der Union verbunden hatte. Na so kann einem die Erinnerung einen Streich spielen 😉

  6. Wenn sich Blödheit mit Beratungsresistenz paart, ist alles zu spät.

  7. Sind wir wieder bei wünsch dir was ?
    Merz und Söder sind nicht die hellsten Kerzen auf der Torte.

  8. Da schiebt Apple mit dem „Private Relay“ von iCloud+ einen Riegel vor. Mit einem Klick aktiviert – und dann weiss nicht einmal der eigene Internet-Provider, welche Seiten aufgerufen werden.

    • Wobei Apple-Kunden vermutlich auch weniger auf Kinderpornografie-Seiten unterwegs sein dürften. Da schiebt nämlich auch Apple schnell einen Riegel vor.

      • Als ob irgendjemand wirklich ohne technische Maßnahmen der Verschleierung der eigenen Identität auf solchen Seiten unterwegs wäre.
        Eine Vorratsdatenspeicherung trifft nämlich nur die Bürger, die keine Straftaten begehen.

        Aber die Behauptung, dass Apple den Besuch auf solchen Seiten sperrt, hätte ich gerne belegt. Mir ist nicht bekannt, dass Apple auf Betriebssystemebene Inhalte sperrt – unabhängig vom Inhalt.

      • Eigentlich meinte ich die Vorratsdatenspeicherung im Allgemeinen.

        Aber die Riegel, die du meinst, sind noch nicht in Kraft, im Gegenteil: Da Apple aus Gründen der Privatsphäre die Fotos in der iCloud meines Wissens (noch) nicht scannt, ist die Plattform sogar ideal für solch perverses Treiben.

        Im Nachhinein betrachtet wäre es besser gewesen, Apple hätte die Fotos wie angekündigt VOR dem Upload auf sexuellen Kindesmissbrauch (CSAM) gescannt. Die Funktion wäre super – aber sie wurde verheerend schlecht kommuniziert. Doch das ist ein anderes Thema.

        • What das ist doch genau was sie vor haben. Bilder vor dem upload prüfen?

          • Wurde ja aufgrund zahlreicher Proteste auf unbestimmte Zeit verschoben. Ich war ebenfalls massiv dagegen. Aber bei genauerer Betrachtung wäre es die ideale Lösung gewesen: Die
            Bilder werden vor dem Upload mit Hashes verglichen, dafür werden alle Fotos in der iCloud E2E-verschlüsselt. Die Kriterien waren ja wirklich so ausgelegt, dass eigentlich nichts schiefgehen konnte.

            Aber eben: Es wurde von Apple grauenhaft-schlecht kommuniziert. Und jetzt stehen sie über kurz oder lang in der Pflicht, die Fotos in der iCloud systematisch zu scannen.

            • Und woher kommen die Hashes? Richtig, die werden von entsprechendem, bereits vorhandenem Material abgeleitet. Jedenfalls kann man nur false-positives wirklich vermeiden. Im Macht jemand mit seinem iPhone „neue“ Bilder, fallen sie durchs Raster weil es noch keine Hashes gibt. Alternativ kann man KI/Machine learning drauf hetzen. Was unweigerlich dazu führt wird, das völlig unbescholtene Nutzer die z.B. ihre Nacktkatze oder auch einfach das eigene Kind beim planschen in der Wanne fotografieren unter Generalverdacht geraten. Und wenn man die KI Verdachtsfälle von Menschen validieren lässt, ist da wieder jemand, der in privaten Bildern rumschnüffelt… Und das planschi-Bild dann vielleicht sogar erst in der Szene in Umlauf bringt.

              • Richard Rosner says:

                Genau so wurde es ja auch von Apple kommuniziert, man will eine KI drauf ansetzen. Mal davon abgesehen, dass das zu sehr vielen False Positives führen wird, schon alleine weil man die Endgeräte selbst durchsucht, wo soetwas grundsätzlich nicht stattzufinden hat, erst recht nicht wenn man sich so sehr wie Apple mit Datenschutz schmückt, aber wer sagt, dass soetwas auf Kinderpornos beschränkt bleibt? Apple verspricht da ein Werkzeug, das dem feuchten Traum von vielen Politikern und Geheimdiensten entspricht, Durchsuchung der Endgeräte ohne dafür Sicherheitslücken ausnutzen zu müssen oder Verschlüsselung aufbrechen zu müssen. Als ob das keine Begehrlichkeiten von staatlicher Seite wecken wird, das auf mehr Inhalte auszudehnen. Dass Apple sich dem widersetzen können wird, darf angezweifelt werden.

  9. Die Union .. lol. Eine wahrhaft rechtstreue und nur dem eigenen Geldbeutel äh sorry Bürgerwohl verpflichtete Partei. Nun ja, ich befürchte dass dieses und nächstes Jahr noch so viel passieren wird auf dem Feld der inneren Sicherheit (Stichwort: Krieg gegen krit. Infrastruktur, sofern wir noch welche haben, sowie Energie- und Armutsunruhen), dass die Vorratsdatenspeicherung uns vorkommt wie ein laues Lüftchen. Schade …

  10. Ich frage mich echt, wie solche Forderungen mit solchen Plänen zu vereinbaren sind:
    https://www.gigabit.nrw.de/infocenter/wlan.html
    Überall freies WLan, wo jeder unerkannt machen kann, was er will, aber die privaten Anschlüsse, für die man Geld zahlt, sollen überwacht werden….

    • Wie das zu vereinbaren ist? Na mit viel Bürokratie natürlich! Ich sage nur sekundäre Darlegungslast oder DSGVO. Wenn man einen WLAN-Hotspot aufmachen will, sollte man eine Rechtschutzversicherung haben oder darauf hoffen, dass es keinen Kläger und somit keinen Richter gibt.

      • Mir geht es nicht darum, dass man als Privatmann einen öffentlich W-Lan Hotspot aufmacht.
        Mir geht es darum, dass überall von den Behörden frei zugänglich öffentlich Hotspots gefordert und auch eingerichtet werden (in denen jeder unerkannt machen kann, was er will), man andererseits aber private Internetanschlüsse überwachen will. Das passt doch nicht zusammen….

        • Naja, Du sagst im Prinzip, dass das Leben komplex ist. Aber mit solchen Details kann man keine (symbolische) Politik machen. Passt nicht auf ein Plakat…

        • „frei zugänglich öffentlich Hotspots“, „in denen jeder unerkannt machen kann, was er will“ … ähhhh … nein … neben dem, was du da im Internet treibst, ist super nachvollziehbar, wo du dich wann bewegst. Beispiel gefällig? https://opendatacity.github.io/relog/

          • Was ist denn das für ein Beispiel?
            Klar, dass man ein spezielles _Gerät_ erneut identifizieren kann, oder wie in deinem Beispiel _verfolgen_ (selbst das könnte man verhindern, wechselnde Mac, etc.)
            Es geht aber darum, dass man dieses Gerät (wenn der Nutzer es will) unmöglich einer realen Person zuordnen kann. Insofern kann man über ein öffentliches WLan problemlos im Internet unerkannt machen, was man will.
            Und somit gibt es definitiv eine Diskrepanz, private Internetzugänge, die (ohne VPN etc.) einer Person zugeordnet sind, zu überwachen, andererseits aber jedem ein offenes W-Lan zur Verfügung zu stellen!

            • Es geht doch um die normalen Menschen, oder?
              Normale Menschen mit Internetanschluss zuhause, deren IPs auf Vorrat gespeichert werden sollen.
              Normale Menschen, die sich mit ihren Smartphones in öffentliche Wlans einloggen.

              Wenn wir von Mac-Adressen wechseln und angeblich unerkannt im offenen WLan kriminell sein sinnieren, geht es wohl nicht mehr um Menschen, die unberechtigt über ihren Privat-Anschluss geloggt werden.

              • Was soll das denn? Und jemand, der TOR nutzt, ist zwangsweise kriminell und gehört daher überwacht?
                Ich wechsle meine MAC-Adresse automatisiert. Nach deiner Logik dürfte ich also berechtigt geloggt werden.
                Achja – und jeder iOS-Nutzer wechselt die MAC-Adresse auch automatisiert. Das ist per Default so eingestellt.

                • Das schrieb ich halt auch so nicht. TOR mag evtl. teilweise als Hinweis für Kriminalität gesehen werden, ich sehe das nicht so. Auch schrieb ich nicht, dass hier irgendjemand überwacht werden soll (und sehe das auch nicht so), egal ob wechselnde MAC-Adressen oder TOR oder VPN.

                  Mir ging es um die Annahme, dass man in freien WLans irgend etwas unerkannt machen könne.
                  Auch ist das mit iOS nur zu einem Teil richtig, denn das OS wechselt die MAC-Adresse nur zwischen unterschiedlichen Netzen oder wenn man eines längere Zeit nicht genutzt hat. Das bedeutet, dass man ggf. auf dem ganzen Weg durch eine Stadt (im offenen WLan) mit der gleichen MAC-Adresse unterwegs ist, da bringt es nur bedingt etwas, wenn das Gerät zuhause eine andere verwendet.

                  • Danke für die Klarstellung – das habe ich bei deinem vorherigen Kommentar anders aufgefasst.

                    Eine kleine Ergänzung habe ich aber noch: iOS wechselt die MAC-Adresse durchaus häufiger – und auch innerhalb einer SSID.
                    Ich finde meine Primärquelle dazu leider nicht mehr, hab hier aber auf die Schnelle eine Sekundärquelle:
                    https://www.fing.com/news/private-mac-address-on-ios-14
                    (siehe Grafik weiter unten)

              • „Es geht doch um die normalen Menschen …“ Wer oder was sind normale Menschen (in diesem Zusammenhang)?

                • Ist natürlich nicht ganz klar abgrenzbar, aber damit meine ich Menschen mit Standard-Smartphone ohne freies OS, die kein TOR und kein VPN oder irgendwas dergleichen nutzen. Menschen, die offene WLans einfach nutzen, ohne drüber nachzudenken, dass diese nicht aus Barmherzigkeit zur Verfügung gestellt werden. Menschen, die bei Vorratsdatenspeicherung auch erstmal nicht daran denken, dass es sie betreffen wird, weil sie „ja nichts zu verbergen haben“. Also der große Teil der weniger gut informierten Mitmenschen da draußen, die einfach nur Technik nutzen wollen, ohne irgendwas auch nur in Ansätzen davon verstehen zu müssen.
                  Klingt evtl. garstig, aber verdeutlicht hoffentlich, was ich meinte.

          • Der Datensatz ist fast 10 Jahre alt. Mittlerweile nutzt fast jedes Smartphone beim Anmelden in einem offenen WLAN eine zufällige MAC-Adresse, sodass das Tracken über einen längeren Zeitraum nicht mehr möglich ist.

            Und gleichzeitig funktionieren damit Volumenbeschränkungen an Hotspots auch nicht mehr, wie es mal die Bahn im ICE gemacht hat.

  11. Frage: Was genau hat die CDU an dem Urteil zur anlosslosen Speicherung von IP Adressen nicht verstanden?

  12. Sollte das wirklich geschehen, hoffe ich das erste Opfer ist ein ranghoher CDU Politiker auf dessen Rechner eine Schadsoftware dubiose Dinge im Internet unternimmt. Dabei sollte er das komplette Register der deutschen Strafverfolgung erfahren – von Hausdurchsuchung, Durchsuchung des Arbeitsplatzes und der örtlichen Vereinsräume etc.
    Wenn dabei Unterlagen zur nicht legalen Steuervermeidung gefunden werden, kann ich mit diesem Einzelfall bis zur Abschaffung der Vorratsdatenspeicherung leben. 😉

    • Denke dann kommt für Bundestagsabgeordnete erstmal die Aufhebung der Immunität , das dauert…
      Und schwupps ist Uschi´s Telefon gelöscht und im Spreewald verschwunden.

  13. Was bringt das denn noch, wenn Apple PrivateRelay die IP-Adresse eh schon durchschleift?!

  14. Ich wäre ja schon glücklich damit, wenn mal alle mehr als nur die Überschriften lesen würden, bevor sie kommentieren … dafür würde ich sogar freiwillig meine IP-Adresse an die Tür pinseln.

    • Die Ironie ist doch, dass Überschriftenleser genauso reflexartig und emotional reagieren, wie die CDUler, die sie kritisieren. Ein gängiger Vorgang, bei dem man immer mehr Details ignoriert, sodass am Ende nur noch die Argumente „Nein“ und „Doch“ übrigbleiben.

    • Richard Rosner says:

      Das ist dein Problem, dass du nicht verstehst, dass das grundsätzlich eine dumme Idee ist, erwarte aber nicht von anderen, das genau so zu sehen

  15. Also meine IP lautet 127.0.0.1, da habt ihr sie, habe ich gerade extra noch einmal nachgeprüft, damit braucht ihr diese Adresse schon mal nicht extra zu speichern. 😉

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