Blink Mini: Kompakte Indoor-Überwachungskamera ausprobiert

Die Blink Mini ist eine neue Sicherheitskamera, die bereits für 39,99 Euro den Besitzer wechselt – und keine zusätzliche Base zum Betrieb benötigt. Für einen kurzen Test habe ich mir die Cam der Amazon-Tochter einmal angesehen.

Locken soll euch die Blink Mini natürlich in erster Linie mit dem niedrigen Preis: 39,99 Euro sind für das Gebotene durchaus eine Ansage. Allerdings gibt es da auch einige Haken. Beispielsweise könnt ihr keinerlei Daten lokal speichern. Dafür müsst ihr euch dann separat noch das Blink Sync-Modul 2 (plus einen USB-Stick) kaufen, das abermals 39,99 Euro kostet und aktuell leider noch gar nicht verfügbar ist. Speicherkarte rein und Daten sichern? Das geht bei der Blink Mini leider nicht.

Technische Eckdaten der Blink Mini

  • Auflösung: 1080p mit bis zu 30 fps
  • Sichtfeld: 110° diagonal
  • SoC: Immedia AC1002B mit vier Kernen und 200 MHz Takt
  • Streaming und Aufzeichnung möglich
  • 2-Wege-Audio dank Mikrofon und Lautsprecher
  • Infrarot-Nachtsicht
  • Bewegungsaktivierte Aufzeichnung
  • Speicherung: Cloud-Speicher (mit Abonnement), lokaler Speicher separat erhältlich
  • Stromquelle: Steckdose
  • Funktioniert mit Amazon Alexa
  • Schnittstellen: Micro-USB (zur Stromversorgung), Wi-Fi 802.11 b/g/n
  • Kompatibel zu Geräten ab Apple iOS 10.3, Android 5.0 bzw. Fire OS 5.1
  • Maße / Gewicht: 50 x 49 x 36 mm / 48 Gramm
  • Lieferumfang: Kamera, Halterung, Montageschrauben, USB-Kabel, Netzteil
  • Preis: 39,99 Euro

Somit seid ihr beim aktuellen Stand der Dinge voll und ganz von der Cloud abhängig. Ihr erhaltet dabei zunächst einen kostenlosen Gratis-Zeitraum, der bis zum 31. März 2021 läuft. Anschließend zahlt ihr pro Monat und Kamera 3 Euro im Monat oder aber 10 Euro für eine unbegrenzte Anzahl an Kameras am selben Ort. Pro Konto könnt ihr 7.200 Sekunden Video aufzeichnen und in der Cloud speichern. Wer keine Lust auf solche Abonnements hat, sollte den Preis der Blink Mini gedanklich verdoppeln, weil das Sync-Modul 2 dann zur Pflicht wird.

Praktisch übrigens: Eine blaue LED kann an der Blink Mini optional anzeigen, dass sie gerade aktiv ist. Die Steuerung erledigt ihr natürlich über die offizielle App: Blink Home Monitor. Das führt uns direkt zum nächsten Abschnitt, denn da gab es für mich leider einige Stolpersteine

Verarbeitung und Einrichtung

Die Blink Mini ist ein klassischer Plastikbomber und wirkt auf mich eher zerbrechlich. So lässt sich der Neigungswinkel der Kamera verstellen, wenn man sie am Sockel dreht. Das wird regelmäßig von einem lauten Knacken des Plastiks begleitet, sodass ich nur darauf gewartet habe, dass sie auseinander bricht. Passiert ist das nicht, ich würde aber nicht darauf wetten, dass sie einen Sturz übersteht oder bei öfterem Verstellen lange funktionsfähig bleibt. Aufstellen und einfach so lassen – das sollte im Idealfall das Motto der meisten Nutzer sein.

Im Lieferumfang der Blink Mini sind auch Schrauben und eine Halterung für die Wand enthalten. Zudem findet ihr in der Verpackung ein Netzteil sowie ein 2 Meter langes Stromkabel – ohne das läuft nichts. Nach dem Anschließen kann es auch direkt an die Einrichtung gehen. Tja, Amazon ist mittlerweile der Eigentümer von Blink Home und verspricht „Einfache Einrichtung und Bedienung“. Nur drei Schritte soll man benötigen und die Kamera sei in Sekundenschnelle eingerichtet. Leider kann ich das für meinen Fall nur verneinen, da ich ca. eine Stunde zugebracht und drei Smartphones benötigt habe, bis die Kamera erkannt wurde.

 

Was war das Problem? Nun, die App Blink Home Monitor erkannte die durchaus funktionierende Verbindung zur Blink Mini schlichtweg an meinem Xiaomi Mi Note 10 nicht. So wurde die Kamera im Zuge der Einrichtung via Wi-Fi mit meinem Smartphone verbunden, so wie es auch sein soll. Dafür fungiert die Cam kurzzeitig selbst als Wi-Fi-Netzwerk. Allerdings bestand die Verbindung über mein Smartphone – die App meckerte aber, dass keine Verbindung herstellbar sei und ignorierte den Status Quo.

Ich startete Smartphone und Kamera neu, schloss die App, installierte sie sogar komplett neu: Alles half nichts. An dieser Stelle müssten die meisten User also die Blink Mini bereits wieder einpacken und zurückschicken. Glücklicherweise wich ich auf ein zweites Smartphone aus – ein Doogee S68 Pro, auf das ich gerade Zugriff hatte. Doch hier entwickelte sich das gleiche Spielchen, mit nur einem kleinen Unterschied: Beim Verbindungsversuch erhielt ich von der App Blink Home Monitor die Ansage „System ist beschäftigt“.

Dritter Versuch: Ausgerechnet das Black Shark 3 konnte dann erfolgreich und ohne jegliches Murren die Verbindung zur Blink Mini herstellen. Aber drei Smartphones dürften die wenigsten Anwender mal eben in Reichweite haben, da bin ich aufgrund meiner Arbeit ein Sonderfall. Die wichtigste Gemeinsamkeit, die ich dabei zwischen dem Xiaomi Mi Note 10 und dem Doogee S68 Pro feststellen kann, ist, dass beide Modelle noch Android 9.0 Pie verwenden, während das Black Shark 3 bereits mit Android 10 unterwegs ist. Hat die App also Probleme mit Android 9.0 Pie? Oder hatte ich einfach Pech?

Schwer zu sagen, doch ich merke das an, falls ihr die Blink Mini erstehen solltet und mit der Ersteinrichtung auf ähnliche Probleme stoßt – ihr seid nicht alleine.

Funktionen der Blink Mini

Über die App Blink Home Monitor habt ihr Zugriff auf den Live-Feed der Kamera und erhaltet auch Benachrichtigungen zu Ereignissen. Seid ihr also nicht Zuhause und eine Bewegung wird erkannt, dann trudelt eine Push-Nachricht bei euch ein. Ihr wollt die Kamera kopfüber anbringen aber die Videos andersherum sehen? Auch das könnt ihr in der App korrigieren.

Außerdem lässt sich die Empfindlichkeit anpassen, ihr könnt die Qualität der Videos regulieren, die Staus-LED an- oder ausschalten, die Nachsicht und IR-Helligkeit anpassen, das Mikrofon und die Lautstärke des Lautsprechers einrichten sowie natürlich die Firmware aktualisieren.

Auch die Länge der Videos lässt sich hier anpassen – auf maximal 30 Sekunden. Wichtig sind für viele Nutzer sicherlich auch die „Aktivitätszonen“. Hat in diesem Fall nichts mit Sport zu tun, sondern ihr könnt anpassen, ob bestimmte Areale des Bildes ignoriert werden sollen. Huscht meinetwegen eure Katze immer am linken Rand durch eine Katzentür, dann könnt ihr die Bewegungserkennung in jenem Bereich ausknipsen. Auch die allgemeine Empfindlichkeit es Bewegungssensors könnt ihr aber anpassen.

Nicht alle Features sind komplett fertig. „Frühzeitige Benachrichtigung“ soll euch sofort eine Warnmeldung ausgeben, sobald eine Bewegung erkannt wird, damit ihr euch direkt dazu schalten könnt. Dafür müsst ihr nur die Benachrichtigung anklicken und landet im Live-Feed, wo ihr mit dem Eindringling auch via Mikro und Lautsprecher kommunizieren könnt. Diese Funktion wird noch als Beta-Funktion ausgewiesen, hat aber funktioniert.

Die Verzögerung der Benachrichtigung und des Live-Video-Feeds lag in meinem Fall bei ca. 3 Sekunden. Rauscht also jemand sehr schnell durchs Bild, werdet ihr ihn nicht mehr ansprechen können.

Weitere Anmerkungen

Die Reichweite des Bewegungssensors betrug in meinem Setting ca. 3 Meter. Zappelte ich hinter dieser Grenze wild herum oder trampelte durchs Bild, rührte sich die Blink Mini nicht – auch nicht auf dem höchsten Empfindlichkeitssetting. Es ist aber eben auch eine Indoor-Kamera, die nicht für die Aufnahme größerer Bereiche mit dem Blick in die Ferne geeignet ist.

Der Lautsprecher der Kamera ist unverhofft laut und kann auf der höchsten Einstellung sozusagen beinahe auch die Nachbarn mit alarmieren, wenn ihr mit kräftiger Stimme sprecht – super. Antworten über das Mikrofon konnte ich ebenfalls gut verstehen. Die Tonaufzeichnung eignet sich nicht gerade für euer nächstes Lieblingsvideo bei YouTube, reicht aber für diese kompakte Security-Cam dicke aus. Auch hier ist die Lautstärke recht hoch, sodass auch kleinere Geräusche nicht verpasst werden. Bei mir stand die Cam etwa neben dem Kühlschrank und das Öffnen klang schon recht „bombastisch“.

Vorsicht ist geboten, wenn ihr die Blink Mini nahe spiegelnder Flächen aufstellt – da werden sich bewegende Spiegelungen auch als normale Bewegungen erkannt. Beim Herumexperimentieren passierte mir Folgendes: Ich wollte die Cam auf den Hinterhof blicken lassen, was tagsüber klappte, auch wenn keine Bewegungen erkannt wurden, da das Geschehen aus dem dritten Stock zu weit weg gewesen ist. Dafür wurde ein nächtlicher Toilettengang von mir aufgezeichnet, da er fröhlich über die Spiegelung des Badezimmers im Fenster als Bewegung erkannt wurde. Solltet ihr also bedenken, falls ihr die Kamera in der Nähe von Fenstern oder Spiegeln aufstellt.

Die Videoqualität ist auf der Einstellung „Optimal“ gut – an den Seiten ist ein deutlicher Fischaugen-Effekt zu erkennen und mit Highlights, also sehr hellen Flächen im Bild, treten die üblichen Probleme auf: Sie werden zu reinen, weißen Flächen. Allerdings will man mit der Cam ja auch keine Beauty-Videos anfertigen. Auch die Nachtsicht-Videos sind gut erkennbar, sodass die Kamera sowohl tags als auch nachts zu gebrauchen ist.

Mit Schwenken und Co. ist hier aber nichts – die Blink Mini verharrt an einer Position, es sei denn ihr justiert sie mit einem beherzten Griff. Und ein Mangel, den Caschy gerne nennt: 2FA bindet man nicht ein, euer Konto ist nur über den Benutzernamen und das Passwort geschützt.

Fazit

Die Blink Mini ist eine günstige Indoor-Überwachungskamera, deren Preis von 39,99 Euro man aber mindestens verdoppeln muss, wenn man Daten auch lokal aufzeichnen möchte – denn dann benötigt man das Blink Sync-Modul 2 plus einen USB Stick. Hier muss also jeder für sich entscheiden, ob der bis März 2021 kostenlos Cloud-Speicherplatz erst einmal ausreicht bzw. ob man danach zahlungswillig ist.

Die Qualität der aufgezeichneten Videos ist gut – auch bei Nacht. Der integrierte Lautsprecher ist überraschend lautstark und auch die 2-Wege-Kommunikation klappt einwandfrei. Auch das direkte Einsteigen in den Live-Feed und Kommunizieren mit Eindringlingen, obwohl noch als Beta-Funktion deklariert, klappt einwandfrei. Leben muss man aber damit, dass der Feed stets um ca. 3 Sekunden verzögert läuft.

Wer eine günstige Kamera für den Indoor-Bereich sucht, etwa um im Urlaub die Haustür zu überwachen, kann sich mit der Blink Mini ein sicheres Gefühl erkaufen. Sobald das Cloud-Abo ausläuft und man sich gegen Zahlungen entschließt, ist aber nur noch der Einstieg in den Live-Feed möglich – keine Aufzeichnung mehr. Wer da also Alternativen mit lokaler Speicherung sucht, sieht sich eventuell lieber bei z. B. Eufy um.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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9 Kommentare

  1. Danke für den Test! Für den Preis ist sie aus meiner Sicht auf jeden Fall eine Überlegung wert, auch wenn mir das Prinzip von Apple’s HomeKit Secure Video mehr zusagt. Aber da bewegt man sich auch schon in einer ganz anderen Preisklasse an verfügbaren Kameras.

  2. Ich bleibe bei meiner Reolink. Im Außenbereich läuft auch die Reolink als Argus 2 . Speichert auf SD-Karte und mit Solarmodul völlig autark. Natürlich ohne Abomodell und mit allen notwendigen Features ausgestattet

  3. @André Sag‘ mal, wie lange brauchst du denn für so einen Test? Die vielen kleinen Details neben dem großen Ganzen… besonders eben die Dokumentation in Schrift sowie Bilder / Screenshots erscheinen aufwändig.
    Danke für die Alternative und den Link zum Test. 🙂

  4. Ja, speichert in irgendeiner Shit-Cloud.
    Bin als Kunde von anderen Anbietern von Hacks betroffen und bekomme seitdem Phishing-SMS weil meine Daten im Darknet zirkulieren.
    Da bin ich auf Cloud-Lösungen irgendwo und irgendwie geheilt.

  5. Ich würde die Cam gerne hinter meinen Türspion kleben. Lässt sich der Standfuss abnehmen ohne die Kamera zu beschädigen?

  6. Der Test weist leider Lücken auf. Es wird z. B. nicht darauf hingewiesen, das Bestandskunden, die eine Blink xt2 Kamera bis spätestens mitte April in Betrieb genommen haben und dazu eine Blink Mini aktivieren wollen, weiterhin kostenlosen Cloudspeicher zur Verfügung haben. Ebenso besteht weiterhin die Möglichkeit, sich eine xt2 Kamera (out-und indoor) von Blink zu kaufen und so dem Cloud-Abo zu entkommen, da für diesen Kameraryp bislang kein Cloud-Abo verlangt wird.
    Was eventuelle Verbindungsprobleme zum Smartphone betrifft, könnte auch das WLan Netz eine Rolle spielen. Am besten beim einrichten immer das 5GHz Netz abschalten.

  7. Für Paranoiker. Ich bin schon an den Vorschriften für das Passwort gescheitert. Tastaturschema und Größe gaben mir den Rest. Kein wiederholbares Passwort, kein Konto, keine Kamera. Made by Amazon kommt auf meine Schwarze Liste. Für das Geld hätte ich einen schönen Schlumpf in die Vitrine stellen können.

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