„Battletoads“ im Kurztest: Ist es die Kröten wert?

„Battletoads“ erschien ursprünglich 1991 für das NES – damals entwickelt von Rare. Eine Inspiration durch die Teenage Mutant Ninja Turtles war schwer zu leugnen. Berüchtigt wurde das Originalspiel auch durch seinen gnadenlosen Schwierigkeitsgrad. Ich selbst habe den Brawler am NES, am Gameboy und am Mega Drive gezockt – an keiner Plattform habe ich es über das mittlerweile wohl legendäre „Turbo Tunnel“-Level hinausgeschafft.

Das neue Spiel basiert auf der Unity-Engine, stammt abermals von Rare bzw. Dlala Studios und enthält ebenfalls eine Hommage an den Abschnitt aus dem Original, der dafür verantwortlich sein dürfte, dass so mancher Controller an die Wand gefeuert wurde. Allerdings ist jener Abschnitt dieses Mal in einer 3D-Ansicht gehalten und bringt etwas Abwechslung in die 2D-Prügeleien. Solltet ihr übrigens den Xbox Game Pass abonniert haben, dann könnt ihr „Battletoads“ an PC und Xbox One ohne Mehrkosten zocken. Andernfalls kostet das Spiel verträgliche 19,99 Euro.

Mit ca. 4-5 Stunden Spielzeit ist „Battletoads“ jedoch auch ein relativ kurzes Vergnügen. Trotz der überschaubaren Spielzeit ist das Game anfangs etwas zäh, denn die Prügeleien wirken recht monoton und haben im direkten Vergleich mit anderen Genrevertretern, und sei es nur ein „Streets of Rage 4“, wenig Komplexität. Das erleichtert den Einstieg und bringt dieses simple Button-Mashing-Gefühl der 1990er-Jahre zurück, lässt aber eben moderne Gaming-Tugenden vermissen. Neue Fähigkeiten erlernen und die Charaktere aufwerten? – Fehlanzeige.

So ist es selbst für mich, als jemanden, der das Auswendiglernen von Special-Moves als Hausaufgabe empfindet, leicht, zweistellige Kombos zu zünden. Der Spielverlauf wird dann nach dem etwas eindimensionalen Beginn zum Glück immer wieder durch recht schräge Minispiele aufgelockert: Mal muss man eine reine Geschicklichkeitseinlage mit leichten Rätselelementen überstehen, ein anderes Mal ein Alien massieren – da waren die Macher durchaus kreativ.

Viel Kritik gab es im Vorfeld an dem Grafikstil, der sich arg vom Original unterscheidet und an Flash-Cartoons oder Zeichentrickserien von Adult Swim erinnert. Ich gebe zu, auch ich war anfangs abgeschreckt, habe mich nach dem ersten Schock dann aber beim Spielen rasch an die überkandidelten Zeichnungen und die etwas abgehakten Animationen gewöhnt. Das Ergebnis ist nicht so ausgreift, wie etwa ein „Cuphead“, überzeugt aber insgesamt.

Auch die Soundkulisse punktet mit rockigen Tracks, die gut zum wüsten Getümmel passen. Die englischen Sprecher erledigen ebenfalls einen sauberen Job und verleihen den drei Battletoads Rash, Zitz, und Pimple unterschiedliche Persönlichkeiten. Zumal sich alle drei Kröten auch etwas unterschiedlich spielen und nicht nur Re-Skins sind. Dabei können sogar bis zu drei Spieler parallel im Couch-Koop an einer Konsole bzw. einem PC losziehen. Online-Multiplayer wurde seltsamerweise ausgespart.

Die Story des Spiels ist dabei kurzweilig und unterhaltsam: Die Battletoads leben in einer selbstironischen Welt, die teilweise nur in ihrer Einbildung zu existieren scheint. Nun wollen sie sich als Helden beweisen und tun sich dafür sogar mit ihrer ehemaligen Erzfeindin zusammen. Viel Sinn ergibt die mit abstrusen Wendungen gespickte Geschichte zwar nicht, immerhin war ich aber immer auf die nächste Kuriosität gespannt.

Wer ein paar Freunde zur Hand hat, kann bei „Battletoads“ auch durchaus mehrfach auf die Jagd gehen, um etwa nach und nach die Achievements freizuschalten. Zumal es dieses Mal drei Schwierigkeitsgrade gibt. Der leichteste richtet sich an „verwöhnte“ Spieler von heute, die anderen beiden eher an Veteranen, die sich noch an die drakonischen 8- bzw. 16-bit-Tage zurückerinnern können.

Am Ende ist „Battletoads“ ein nettes Häppchen für zwischendurch, das auch einen angenehmen Nostalgiefaktor mitbringt. Wer den Xbox Game Pass abonniert hat, sollte definitiv, am besten mit einem Kumpel auf der Couch, in das Spiel hereinschauen. Ist der Prügler knapp 20 Euro wert? Ich persönlich würde dann wohl eher auf eine Preissenkung warten, gerade wenn wir hier von einem Singleplayer-Ausflug sprechen – denn nach 4-5 Stunden ist schon wieder Schicht im Schacht.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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