Amazon Fire HD 10 (Kids Edition) angefasst: Preiswerter Ausdauerläufer für Couchsurfer

Amazon bietet schon seit langer Zeit seine Fire-Tablets an. Geräte mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, die für die meisten Einsatzzwecke, wie Filme konsumieren, ein paar Spiele spielen oder auf dem Sofa surfe, locker ausreichen. Seit Ende letzten Jahres gibt es das Fire HD 10 nun auch in einer aktualisierten Version und auch in einer Version für Kinder – einer Kids Edition.

Verarbeitung und Technik

Wie bereits sein Vorgänger kommt das Amazon Fire HD 10 nicht unbedingt elegant und innovativ daher, wenn man sich das Design des Gerätes ansieht. Die Ränder sind breit, was das Tablet unnötig groß macht, aber einen entscheidenden Vorteil mitbringt: Man kann das Fire-Tablet bequem halten ohne kompliziert greifen zu müssen. An der Front platziert man eine Frontkamera mit 2-Megapixel-Auflösung, die maximal 720p-Videos macht und somit für ein bisschen Video-Chat zwar ausreicht, aber keine bombastischen Selfies knipst.

Neben dem mit Glas geschützten 10,1 Zoll großen Full-HD-Display setzt Amazon beim Rest des Gerätes auf viel Kunststoff. Der ist leicht angeraut und fühlt sich zwar wertig an, das Gerät kann damit aber nicht mit den Top-Tablets mithalten, die nur mit Glas und Metall glänzen wollen. Aber das ist auch gar nicht die Strategie von Amazon. Preiswert geht nun mal nur mit Kunststoff. An der rechten Seite findet man einen Einschub für eine microSD-Karte, bis zu 512 GB können damit nachgerüstet werden. Innen drin gibt es je nach Modell entweder 32 oder 64 GB internen Speicher.

Der untere Rand ist komplett clean und links hat Amazon zwei Lautsprecher gesetzt, die bei Filmen, Spielen und Co. für entsprechend tonale Untermalung sorgen sollen. Am oberen Rand hat der Hersteller die Lautstärke-Wippe, einen Kopfhörer-Anschluss, ein Mikrofon, den USB-C-Anschluss zum Laden und den Power-Button platziert. Die Rückseite ziert etwas Aufdruck, das Amazon-Lächeln und ebenfalls eine Kamera mit 2-Megapixel-Auflösung für 720p-Videoaufnahmen. Macht besser keine Fotos damit und für Video-Telefonie reicht das auch gerade so.

Alles in allem ist das Gerät gut verarbeitet, durch den Kunststoff aber nicht besonders verwindungssteif. Übt man an den Seiten etwas Druck in entgegengesetzter Richtung aus, hört man ein unangenehmes Knarzen, lässt man also lieber.

Technische Daten:

Display 10,1 Zoll großes Full HD-Display (1080p)
Auflösung 1920 x 1200 (224 ppi)
Speicherplatz 32 oder 64 GB (um bis zu 512 GB erweiterbar), kostenloser unbegrenzter Cloud-Speicher für Amazon-Inhalte
Prozessor Octa-Core 2,0 GHz mit 2 GB RAM
Akkulaufzeit Bis zu 12 Stunden lesen, im Internet surfen, Videos schauen und Musik hören
USB USB 2.0 (Typ-C-Stecker)
Audio Dolby Atmos, Dual-Stereo-Lautsprecher, eingebautes Mikrofon
Alexa-fähig Ja
Bluetooth A2DP-fähig, kompatibel mit Zubehör wie Lautsprechern, Kopfhörern und Tastaturen.
Farben Schwarz, Dunkelblau, Weiß
Inhalt Zugriff auf Millionen Filme, Serienepisoden, Songs, eBooks, Apps, Spiele und mehr
Hülle Separat erhältlich
Kamera 2-MP-Frontkamera + rückseitige 2-MP-Kamera mit 720p HD-Videoaufnahme
WLAN Dualband-WLAN
Gewicht 504 g
Abmessungen 262 mm x 159 mm x 9,8 mm

Bei der Kids Edition handelt es sich quasi genau um dasselbe Tablet, man liefert nur eben ein stoßresistentes Case mit dazu, dass aus ordentlich dickem Schaumstoff besteht und auch das Display bei einem Sturz schützt. Die Stereo-Lautsprecher bekommen zwei separate Ausgänge, sodass der Ton immer noch sehr gut zu hören ist und in Richtung des Nutzers geleitet wird. Am Rücken des Cases befindet sich ein Ständer, mit dem man das Tablet in Position bringen kann. Je nachdem wie man den Ständer einstellt, kann es ab einem bestimmten Winkel jedoch passieren, dass der Ständer unter dem Gewicht des Tablets „zusammenbricht“ – also einfach wieder zusammenklappt.

Display & Performance

Amazon verbaut in dem Gerät ein 10,1 Zoll großes IPS-LCD-Panel mit einer Auflösung von 1920 x 1200 Pixeln und kommt damit auf eine Pixeldichte von 224 ppi. Das ist zwei nicht die Bombe, reicht aber für ein wenig Surfen, Filme schauen und Co. locker aus. Da muss es nicht unbedingt ein QHD+-Display sein. Das Display stellt Farben meiner Meinung nach relativ gut dar, sie sind nicht übersättigt aber auch nicht zu blass.

Auch in puncto Blickwinkelstabilität bekommt man hier ordentliches geboten. Einzige Abstriche lassen sich bei der Helligkeit machen. Die könnte wirklich etwas höher sein. Solltet ihr mit dem Tablet auf den Balkon gehen und dort surfen wollen, dann könnte das bei starker Sonneneinstrahlung nicht unbedingt lustig sein. Da kommt das Panel relativ zügig an seine Grenzen.

Was die Performance betrifft, kommt das Gerät auch ordentlich weg. Ihr werdet mit dem Octa-Core mit 2 GHz und gerade einmal 2 Gigabyte RAM nun kein Performancewunder erwarten dürfen. Multitasking hört bei mehr als drei offenen Apps auf und neue Spiele mit ordentlichem Grafik-Hunger werden mit dem Ding nicht wirklich spielbar sein. Das Gerät ist für ein bisschen Casual-Gaming, Surfen und Videostreaming sehr gut geeignet. Power-User, die in Richtung Grafik- und Fotobearbeitung schauen oder Gamer sollten sich woanders umsehen. Zum Vergleich: Im Geekbench 4 erreicht das Gerät einen Single-Core-Wert von 1396 Punkten und bewegt sich damit auf Augenhöhe mit dem Samsung Galaxy Note 5 oder S6. Der Multi-Core-Score von 5189 ist im Bereich eines Samsung Galaxy S7. Alles keine neuen Geräte mehr.

Der Slingshot-Extreme-Benchmark von 3D Mark ist eine Diashow aber keine halbwegs flüssige Erfahrung mehr. In dem Benchmark schafft es das Tablet auf gerade einmal 1156 Punkte.

Beim Spielen oder Konsumieren von Medien lassen sich die Stereo-Lautsprecher jedoch sehr positiv hervorheben. Die klingen auch in höheren Lautstärken noch ordentlich und erzeugen ein wirklich gutes Klangbild.

Wirklich erstaunt war ich allerdings von der Laufzeit des Fire HD 10. Es ist zwar kein Rechenwunder, kann aber gut mit dem Akku umgehen. Ich bin meist bei über 10 Stunden Akkulaufzeit bei gemischter Nutzung herausgekommen.

Fire OS 7

Amazon legt über Android Pie noch seine eigene Oberfläche drüber. Fire OS 7 heißt das ganze und soll dem Anwender die Möglichkeit geben, relativ einfach Inhalte zu finden und zu konsumieren. Natürlich ausschließlich von Amazon, denn Google-Dienste gibt es hier keine und man hat nur Zugriff auf den Amazon Store, um Apps herunterzuladen. Diese landen dann in einer Übersicht, der einer von vielen Reitern ist. Neben der App-Übersicht findet ihr außerdem Direktzugriff auf Amazon Prime – also Filme, Serien, Musik – könnt direkt bei Amazon Bücher und Co. einkaufen oder bei Audible Hörbücher schießen. Alles im Amazon-Ökosystem. Wer das nicht möchte, kann den Google Play Store per Hand nachinstallieren, einen anderen Launcher installieren und kommt so nach und nach zu einem normalen Android-Tablet. Wer kein Gefrickel mag und Amazon nicht leiden kann, der sollte erst gar nicht zu einem Fire-Gerät greifen.

FreeTime Unlimited

Solltet ihr für euer Kind die Kids Edition des Fire HD 10 kaufen wollen, dann bekommt ihr nicht nur das Tablet mit der Schaumstoffhülle und einen kostenlosen Austausch des Tablets sollte es kaputtgehen, sondern auch ein Jahr FreeTime Unlimited obendrauf. Normalerweise kostet dieses Abo 4,99 Euro pro Monat oder 2,99 Euro pro Monat. Dabei handelt es sich quasi um eine Flatrate für Apps, Bücher, Audible-Hörbücher, Filme, Serien und Co., für die man normalerweise anderweitig Geld bezahlen müsste. Die FreeTime-App ist dann das Portal für euer Kind, über das es sich selbst Apps aus den altersgerechten Kategorien auswählen kann. Dafür müsst ihr zuerst ein Profil für euer Kind festlegen, damit die App auch weiß, welche Inhalte erlaubt und welche verboten sind.

Weiterhin könnt ihr weitere Altersfilter definieren oder Zeitlimits festlegen, damit euer Kind nicht zu lange spielt oder Filme schaut. Ihr könnt auch Ziele für euer Kind definieren. Stellt ihr ein, dass euer Kind 30 Minuten lesen muss, werden Unterhaltungsinhalte auf Wunsch erst nach Erreichen dieses Ziels für das Kind freigegeben. Frei nach dem Motto: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Ich bin selbst Vater von drei Kindern und ehrlich gesagt kein Fan dieser harten Blockierung. Ich kann selbst auf die Uhr sehen oder mit meinem Kind Regeln vereinbaren und es zum Einhalten dieser erziehen. Natürlich können diese Limits dennoch eine Hilfe sein, um Dinge durchzusetzen.

Mein Fazit zum Fire HD 10

Wer sich für ein Fire-Tablet entscheidet, der weiß, dass dies ein Einstieg oder eine Erweiterung des Amazon-Ökosystems ist. Google-Dienste fehlen somit auf dem Gerät, was es für den einen oder anderen unter euch schon unbrauchbar macht. Klar, kann man nachinstallieren, aber das wird nicht jeder tun. Wer mit Amazon auf einer Wellenlänge ist und wem die Auswahl der Apps aus dem Amazon Store ausreicht, der bekommt für knapp 150 Euro ein Android-Tablet für das Sofa oder die Terrasse. Inhalte sind durch die Oberfläche zügig zugänglich ohne extra in andere Apps springen zu müssen und man kann direkt mit dem Konsumieren starten. Gefallen hat mir vor allem die Laufzeit des Gerätes, auch wenn kein echtes Arbeitstier aus dem Tablet wird. Wer Premium möchte oder voll auf Google-Dienste setzt, sollte sich woanders im Android-Tablet-Markt umsehen.

Fire HD 10 bei Amazon

Fire HD 10 Kids Edition bei Amazon

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Oliver Posselt

Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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4 Kommentare

  1. Angefasst? Würde eher zu ausprobiert tendieren.

  2. Kann man da nicht mal halbwegs aktuelle Hardware einbauen und etwas mehr Ram?
    Und Bitte dieser Dicke Rahmen… Ich habe das 10’er (normal) das Display ist grottig und performance unterirdisch… dient nur bei Autofahrten für Kids als MP3 / Videoplayer

    • Die schwache Hardware ist genau der Grund, warum die Dinger so günstig erhältlich sind. Und genau das möchte Amazon ja auch – einen günstigen Einstieg in das Amazon-Ökosystem ermöglichen. Da spielt die Hardware kaum eine Rolle.

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