Wettrüsten: Streaming-Dienste sollen in diesem Jahr über 100 Milliarden Dollar für neue Inhalte ausgeben

Große Streamingdienste fahren längst mit Eigenproduktionen große Geschütze auf. Diese sind zwar auf der einen Seite oftmals hochkarätig, auf der anderen aber auch extrem kostspielig. Diverse Streamingdienst-Anbieter stehen da in Konkurrenz zueinander, allesamt im Kampf, neue Zuschauer zu gewinnen.

So planen nach Berechnungen der Financial Times auf Grundlage von Analystenberichten die acht größten US-Medienkonzerne in diesem Jahr Ausgaben von über 115 Milliarden Dollar für neue Filme und Fernsehsendungen. Darunter neben Walt Disney, Comcast und WarnerMedia auch Amazon. Oftmals übersteigen diese enormen Investitionsausgaben damit die Einnahmen der Streaming-Dienste – ein Verlustgeschäft. Ein gegenseitiges Wettrüsten mit Premium-Inhalten sei der Fall, um konkurrenzfähig zu bleiben. Einschließlich der Sportrechte sollen sich die geschätzten Gesamtausgaben auf etwa 140 Milliarden Dollar belaufen.

Aller Voraussicht nach soll alleine Disney seine Investitionen in Streaming-Inhalte um knapp 40 Prozent steigern. So wird eine Ausgabe für Filme und Fernsehsendungen in Höhe von etwa 23 Milliarden US-Dollar erwartet (33 Milliarden, einschließlich der Sportrechte). Im Vergleich zu 2021 sei dies ein Anstieg von über 30 Prozent, im Vergleich zu 2020 sogar um über 65 Prozent. Darunter eine geplante Neuauflage von Pinocchio mit Tom Hanks, ein neuer Teil der Cars-Reihe sowie die Star-Wars-Serie Obi-Wan Kenobi. Ein ähnliches Spiel bei Netflix oder auch Apple, die ebenfalls eine Menge Geld für neue Inhalte in die Hand nehmen dürften.
Die Investitionen der Anbieter erfolgen trotz verlangsamtem Abonnentenwachstum. Logisch, denn spätestens mit dem fünften Abo ist bei den meisten Nutzern dann auch irgendwann Schluss und die Zeit vor dem Bildschirm aufgebraucht. Bei Netflix sieht man da derzeit ein verlangsamtes Wachstum aufgrund eines „schwächeren Programmangebots“, welches sich pandemiebedingt auch auf Produktionsverzögerungen zurückführen lässt. Für Netflix seien Ausgaben über 17 Milliarden Dollar für Inhalte veranschlagt. 25 Prozent mehr als 2021, 57 Prozent mehr als die Ausgaben in Höhe von knapp 11 Milliarden in 2020. Man muss also auch vonseiten Netflix Mehrausgaben tätigen, um mit dem Markt Schritt zu halten. Stellt sich die Frage, ob Videostreaming wirklich ein gutes Geschäft ist. Doch bei Netflix prognostiziert man das Überschreiten der Gewinnschwelle noch in diesem Jahr. Begrenzte Drehorte sowie der Wettbewerb von Schauspielgrößen treiben die Kosten für Inhalte nach oben, wie Disneys Finanzchefin McCarthy gegenüber Investoren verlauten ließ.
Dürfte vielleicht den einen oder anderen Euro auch erklären, den beispielsweise Netflix seit dem letzten Kostenaufschlag für das Abo verlangt. Dass man dafür bei den Nutzern abliefern muss, weil die Konkurrenz nicht schläft, das versteht sich von selbst.

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Baujahr 1995. Technophiler Schwabe & Lehrer. Unterwegs vor allem im Bereich Smart Home und ständig auf der Suche nach neuen Gadgets & Technik-Trends aus Fernost. X; Threads; LinkedIn. Mail: felix@caschys.blog

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7 Kommentare

  1. Sollen sie ruhig machen. Solange die Filmindustrie es aber nicht schafft ähnlich der Musikindustrie alle bzw. fast alle Titel über EIN Abo zugänglich zu machen, werde ich weiter meine Abos aus Argentinien, Indien und Co beziehen und genügend Leute auch noch immer etwas irgendwo runterladen, wie man an den Zahlen sieht. Bei der Musik gibt es auch genügend Konkurrenz, da unterscheiden sich eben die Apps und die technischen Lösungen und nicht so sehr der Preis. Und Filme kosten mehr zu produzieren klar, dann können ja auch die Abos teurer sein als bei Musik. Oder ganz verwegen: zahlt den Schauspieler:innen/Stars weniger.

    • Türkei nicht vergessen. Solange der Typ weiter die Währung abstürzen lässt wir es nur noch billiger 😉

    • Es ist oft auch gar nicht erforderlich die Abos dauerhaft laufen zu lassen, wenn gerade keine neuen interessanten Inhalte kommen.

      • Wenn ich sie über DEU abboniert hätte, würde ich sie auch nicht laufen lassen. Aber über die oben genannten Länder und dann noch im Familienkreis geteilt, mache ich mir nicht den Stress die jedes mal neu zu abonnieren, wenn es mal was neues gibt. Schon allein weil ich auch meist spontan und dann auch gerne mal was älteres anschaue.

    • Sehe ich auch so, wir teilen uns die Streaming Dienste ebenfalls im Freundeskreis.
      Und da machen die Anbieter mit uns allen immer noch gut Gewinn, ohne die Möglichkeit der geteilten Abos hätten wir maximal 1-2 Dienste abonniert.

      Mehr lohnt sich nicht, dafür nutzen wir die Dienste viel zu selten.

  2. Klaus Mehdorn Travolta says:

    Hauptsache Paramount+ und dann irgendwann HBO Max kommen bald nach DE.

    • Weitere Streamingdienste können von mir aus da bleiben, wo sie heute sind. Ist eh schon überall Medienoverkill.

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