Umweltbundesamt fordert Lebensdauer-Kennzeichnung für Elektrogeräte

25. Juni 2015 Kategorie: Hardware, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Absurde Idee oder wirklich nötig? Das Umweltbundesamt fordert eine Kennzeichnung für Geräte, die ihre Lebensdauer angibt. Das erklärt Dr. Ines Oehme in einem Interview mit dem SWR3. Die Nutzer haben ihrer Meinung nach zu wenig Informationen. Produkte sollen deshalb entsprechend gekennzeichnet werden, eine verlässliche Mindestlebensdauer, in der keine Reparaturen anfallen, soll sich auf den Geräten befinden. Dabei sollen allerdings nicht unbedingt Zeiträume, sondern Leistungszyklen angegeben werden.

So könnten Waschmaschinen beispielsweise nach der Anzahl der Waschgänge gemessen werden, oder Lampen nach Anzahl der Brennstunden. In diesen angegebenen Leistungszyklen dürfte dann theoretisch kein Mangel vorkommen. Die Hersteller lehnen einen solchen Vorstoß allerdings ab. Werner Scholz vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie meint dazu, dass ein solches Label nur eine begrenzte Aussagekraft habe und auch mit einem sehr hohen Aufwand und Nachprüfungen verbunden wäre. Eine effektive Marktüberwachung, die nötig wäre, hält er für nicht realisierbar.

Scholz sagt zudem aus, dass es keine belastbaren Belege für eine geplante Obsoleszenz gibt. Er verweist auf Studien, die belegen sollen, dass Geräte heute nicht häufiger kaputt gehen als früher. Außerdem sei es gar nicht im Interesse der Hersteller, da eine Kundentreue nur erreicht wird, wenn die Geräte eben halten.

Geplante Obsoleszenz ist immer wieder ein Thema, vor allem günstige Kleinstbauteile für ein paar Cent sollen in modernen Geräten dafür sorgen, dass diese lieber früher als später kaputt gehen, damit der Kunde neu kauft. Nachweisen lässt sich so etwas schlecht, warum sollte ein Hersteller ein teureres und vielleicht langlebigeres Bauteil verwenden, wenn ein günstigeres „in der Regel“ auch seinen Job erledigt.

Sicher, ältere Geräte halten heute häufig länger als neuere, das liegt aber wohl eher an der Technik selbst. Eine Waschmaschine, die nur Wasser einlässt und dann die Trommel dreht ist natürlich weniger anfällig als eine mit digitaler Steuerung für die Zufuhr von Waschmittel und Weichspüler, die die Mengen auch noch am Gewicht der Waschladung festmacht. Das gleiche gilt zum Beispiel für Fernseher. Ein Röhrengerät ist relativ einfach gestrickt, hier etwas wirklich kaputt zu bekommen, ist schwierig, wesentlich schwieriger als in den Computern, die heutzutage als Smart TV getarnt im Wohnzimmer stehen.

Es ist allerdings auch nicht von der Hand zu weisen, dass Hersteller nicht vielleicht doch Interesse an schneller ausgetauschten Geräten besitzen, immerhin wollen sie Umsatz machen. Das ist einfacher, wenn ein Gerät häufiger nachgekauft werden muss. Allerdings gilt auch heute oft: „Wer billig kauft, kauft zwei Mal.“ Ob das dann unbedingt etwas mit einer geplanten Lebenszeitverkürzung eines Gerätes zu tun hat? Ich glaube nicht.

Was haltet Ihr von einer solchen Kennzeichnung? Wirklich nötig, oder werden die wichtigsten Punkte von der gesetzlichen und teilweise von den Herstellern freiwilligen Garantie und Gewährleistung abgedeckt?



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Über den Autor: Sascha Ostermaier

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