Umweltbundesamt fordert Lebensdauer-Kennzeichnung für Elektrogeräte

Absurde Idee oder wirklich nötig? Das Umweltbundesamt fordert eine Kennzeichnung für Geräte, die ihre Lebensdauer angibt. Das erklärt Dr. Ines Oehme in einem Interview mit dem SWR3. Die Nutzer haben ihrer Meinung nach zu wenig Informationen. Produkte sollen deshalb entsprechend gekennzeichnet werden, eine verlässliche Mindestlebensdauer, in der keine Reparaturen anfallen, soll sich auf den Geräten befinden. Dabei sollen allerdings nicht unbedingt Zeiträume, sondern Leistungszyklen angegeben werden.

So könnten Waschmaschinen beispielsweise nach der Anzahl der Waschgänge gemessen werden, oder Lampen nach Anzahl der Brennstunden. In diesen angegebenen Leistungszyklen dürfte dann theoretisch kein Mangel vorkommen. Die Hersteller lehnen einen solchen Vorstoß allerdings ab. Werner Scholz vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie meint dazu, dass ein solches Label nur eine begrenzte Aussagekraft habe und auch mit einem sehr hohen Aufwand und Nachprüfungen verbunden wäre. Eine effektive Marktüberwachung, die nötig wäre, hält er für nicht realisierbar.

Scholz sagt zudem aus, dass es keine belastbaren Belege für eine geplante Obsoleszenz gibt. Er verweist auf Studien, die belegen sollen, dass Geräte heute nicht häufiger kaputt gehen als früher. Außerdem sei es gar nicht im Interesse der Hersteller, da eine Kundentreue nur erreicht wird, wenn die Geräte eben halten.

Geplante Obsoleszenz ist immer wieder ein Thema, vor allem günstige Kleinstbauteile für ein paar Cent sollen in modernen Geräten dafür sorgen, dass diese lieber früher als später kaputt gehen, damit der Kunde neu kauft. Nachweisen lässt sich so etwas schlecht, warum sollte ein Hersteller ein teureres und vielleicht langlebigeres Bauteil verwenden, wenn ein günstigeres „in der Regel“ auch seinen Job erledigt.

Sicher, ältere Geräte halten heute häufig länger als neuere, das liegt aber wohl eher an der Technik selbst. Eine Waschmaschine, die nur Wasser einlässt und dann die Trommel dreht ist natürlich weniger anfällig als eine mit digitaler Steuerung für die Zufuhr von Waschmittel und Weichspüler, die die Mengen auch noch am Gewicht der Waschladung festmacht. Das gleiche gilt zum Beispiel für Fernseher. Ein Röhrengerät ist relativ einfach gestrickt, hier etwas wirklich kaputt zu bekommen, ist schwierig, wesentlich schwieriger als in den Computern, die heutzutage als Smart TV getarnt im Wohnzimmer stehen.

Es ist allerdings auch nicht von der Hand zu weisen, dass Hersteller nicht vielleicht doch Interesse an schneller ausgetauschten Geräten besitzen, immerhin wollen sie Umsatz machen. Das ist einfacher, wenn ein Gerät häufiger nachgekauft werden muss. Allerdings gilt auch heute oft: „Wer billig kauft, kauft zwei Mal.“ Ob das dann unbedingt etwas mit einer geplanten Lebenszeitverkürzung eines Gerätes zu tun hat? Ich glaube nicht.

Was haltet Ihr von einer solchen Kennzeichnung? Wirklich nötig, oder werden die wichtigsten Punkte von der gesetzlichen und teilweise von den Herstellern freiwilligen Garantie und Gewährleistung abgedeckt?

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*Mitglied der Redaktion 2013 bis 2019* Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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27 Kommentare

  1. NotReallyAnonymous says:

    @bergzierde 26. Juni 2015 um 08:38 Uhr
    „Es gibt sehr wohl noch hochwertige Geräte die eine lange Lebensdauer haben und für die es auch eine umfangreiche Ersatzteilversorgung gibt. Frau oder Mann muß halt nur bereit (und in der Lage) sein, daß nötige Kleingeld zu investieren und nicht jeden Consumer-Schrott beim Discounter um die Ecke kaufen.“

    Soweit die Theorie. Die Praxis sieht dann leider aber so aus, dass minderwertige Ware unter anderem Label und Namen einfach zu höheren Preisen verkauft wird. Da wird dann ein- und der selbe Eßtisch sowohl für 150 Euro, als auch für 1.200 Euro verkauft – damit man auch ja jede Kundenschicht anspricht (den mißtrauischen blauen, den impulsiven grünen… den dekadenten roten Kundentypen ).
    Das betrifft vor allem Möbel und auch Handwerksprodukte – selbstverständlich auch Elektrogeräte. Früher konnte man bei Bosch an der Farbe des Werkzeugs erkennen, ob Schund oder „gefertigt in der Schweiz“ (blau / grün) – heute kommt das fast alles aus Fernost…

    Die Anzahl der Hersteller, die tatsächlich noch hochwertige Konsumgeräte verbauen, kannst Du an einer Hand abzählen: Miele, Miele, Miele und auch… Miele.

    Alle anderen, ganz gleich ob Siemens, Baukneckt, Blaupunkt, Grundig, Löwe, Toshiba, Sony… sind entweder nicht einmal mehr Unternehmen, die sie waren (Tochterfirmen von Beko , zum Beispiel) oder fertigen schlichtweg keine eigenen Produkte mehr (die letzten Toshiba Smart-TVs sind OEM-Produkte und wurden ebenfalls von türkischen Großunternehmen – hier allerdings in konkurrenzfähiger Qualität – gefertigt).

    tl;dr
    Der Verkaufspreis ist der denkbar schlechteste Indikator für Qualität und Haltbarkeit – die Zeiten sind vorbei.

  2. Eigentlich wäre es viel wichtiger, die Mondpreise von Ersatzteilen einzuschränken.

    Wenn bei einer 5 Jahre alten Spülmaschine ein Ersatz-Besteckkorb mehr kostet, als der Restwert der Maschine, dann läuft irgendetwas massiv schief!

  3. @bergzierde
    Kaufpreis und Markenname spielen leider keine Rolle, beim Einschätzen der Qualität jedenfalls nicht. Klar, will ich ein Haus abreißen, kaufe ich mir auch keinen Bohrhammer von Aldi. Aber wenn ich gelegentlich mal ein Loch in ein Brett oder eine Wand bohren muss, auch mal Stahlbeton, dann brauche ich keine Hilti. Komischer Weise klappt das super mit der 60€ Maschine aus dem Discounter, aber der Bohrhammer für über 300€ zerlegte sich nach unter 7 Monaten. Daher, drauf geschissen.

    Leider ist die Bohrmaschine auch nur ein Beispiel. Ja, Miele hat gute Geräte, ja Vorwerk-Staubsauger (ich rede ausdrücklich nicht von Saugrobotern, die sind auch mehr beim Service als im Einsatz, immerhin stimmt da aber der Service) sind teilweise gut, aber ein großer Teil der sogenannten Markengeräte ist Elektroschrott, und das vollkommen bewusst von den Herstellern so gewollt. Und da nutzt ein Aufkleber gar nichts, da muss der Gesetzgeber schützen, auch wenn ich eigentlich gegen Marktregulierung bin, und man denken könnte, dass die Kunden Hersteller mit entsprechenden Namen schnell abstrafen, indem sie deren Müll nicht mehr kaufen. Leider erkennt man aber anhand des Labels auf einem Gerät den Hersteller nicht, man hat faktisch keine Chance, sich selbst zu schützen, daher muss die Gewährleistung endlich das werden, was sie sein soll.

  4. Ja, so eine Kennzeichnung ist überfällig!

  5. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Klar springen die Lobbies jetzt auf die Barrikaden, konnte man doch jahrelang überteuerten Müll verkaufen der 2-3 Monate nach Ablauf der Gewährleistung einen Totalausfall hatte. Mit einem solchen Label wäre die Lebensdauer auf einmal ein Wettbewerbsaspekt.

    Die technischen Einwände des Hr. Scholz kann ich nachvollziehen. Allerdings hat Hr. Scholz ein Problem das viele Techniker haben: er versucht ALLES technisch zu lösen. Das müsste man gar nicht. Wenn die Angaben tatsächlich verbindlich sein müssten, dann würde sich schlicht die Gewährleistung (nach eigenem Ermessen der Hersteller) verlängern.

    Der Wettbewerb führt dann über die Jahre ganz allein dazu, dass die Angabe der Lebensdauer sich ständig wächst und die Mittel zur technischen Prüfung um diese Lebensdauer zu garantieren verbessert werden um irgendwann günstiger zu sein als die Gewährleistung.

    So einfach ist das, man muss nur damit anfangen.

    P.S.: Im übrigen bin ich auch dafür – im Zeitalter in dem HW austauschbar ist und die Lebenszyklen von der SW bestimmt werden – dieses Gesetz so zu gestallten, dass es auch eine verbindliche Aussage dazu geben muss, wie lange SW Updates (mit entsprechender Definition was ein Update ist) für das Gerät zur Verfügung gestellt werden.
    Tatsache ist, dass es den meisten Benutzern nichts bringt wenn der TV 20 Jahre hält, wenn die SW auf dem Gerät nach 2 Jahren bereits aktuelle Inhalte nicht wiedergeben kann.
    Wegen mir: schlagt die Initialkosten auf die Verbraucher um (genau das wird passieren, wenn das besagte Gesetzt verabschiedet werden würde – also: nicht heulen @ Lobbies). Ich zahle lieber 100% mehr für meine Geräte wenn ich dann auch weiß, dass ich sie 200% länger nutzen kann. Mit dem netten Nebeneffekt, dass Afrika mal entmüllt wird.

  6. Ich warte schon lange auf eine solche Maßnahme! Nur hierdurch werden viele feststellen, das die etwas teureren Geräte oftmals auf Monats- Jahresschnitt gerechnet, die günstigeren Geräte sind! Das ist auch für Umwelt und Unterschicht-Bevölkerung gut..

  7. Mir fällt gerade ein, dass ich alle Elektrogeräte, die man bei IKEA kaufen kann, nur noch da kaufen werde, also insbesondere Küchengeräte und Fernseher. Grund: Ich habe ein unbeschränktes Rückgaberecht, wenn ich mit dem Gerät irgendwann nicht mehr zufrieden bin, also 4K doch mal Standard wird, das Gerät mit irgend einer Quelle nicht mehr zurecht kommt, oder die Spülmaschine ihren Geist aufgibt. Einfach zurück, nächstes Gerät mitnehmen, fertig.

    ich sehe ein, das Vorgehen von IKEA sollte nicht zum gesetzlichen Standard werden, das wäre etwas übertrieben, aber eine verlängerte Gewährleistung ohne Umkehr der Beweislast wäre schon mal ein Anfang.

    Ach so, die Politik lässt sich vor allem durch Lobbyisten beeinflussen… Mist. Bleibt es doch bei der faktischen Gewährleistung von 6 Monaten, danach darf man dann auf die Gunst des Herstellers oder Händlers hoffen. Mist.

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