Meta Cross-Check: Harsche Kritik durch das Oversight Board

Das Oversight Board schaut sich das Geschehen rund um Metas Plattformen an und wurde vor ca. 4 Jahren mit dem Segen von Mark Zuckerberg als möglichst unabhängiges Gremium ins Leben gerufen. So kommt es dann auch dazu, dass das Board jetzt harsche Kritik am hauseigenen Cross-Check-Programm von Meta übt. Man unterstellt dem Konzern, finanzielle Abwägungen über die Moral zu stellen.

Was ist Cross-Check? Nun vereinfacht gesagt ist damit eine Initiative gemeint, die für einige Nutzer separate Moderationsrichtlinien anlegt. Das sind z. B. Prominente, Politiker oder bestimmte Influencer. Durch eine Ausnahme von den automatischen Moderationssystemen will Meta verhindern, dass Beiträge hochkarätiger Nutzer möglicherweise zu Unrecht entschwinden. An dem Gedanken ist durchaus etwas dran, denn es ist wahrscheinlicher, dass eine Horde ärgerlicher Impfgegner z. B. massenhaft den Beitrag eines renommierten Mediziners meldet als einen von „Otto Durchschnittstyp“.

Allerdings kommt das Oversight Board zu dem Ergebnis, dass viel zu viele Kunden Teil von Cross-Check seien. Im Ergebnis würden oft Beiträge unbehelligt stehengelassen, die gelöscht werden sollten. Dabei nutzt Meta für die Moderation einerseits das „Early Response Secondary Review“ (ERSR), das eben nur bei High-Profile-Nutzern Verwendung findet, und „General Secondary Review“ (GSR), ein neueres System, das automatisch bestimmte Posts flaggen kann. Beide sollen laut dem Board fehlerbehaftet sein.

Zum einen würden beide Prozesse zeitverzögert arbeiten, sodass potenziell kritische Inhalte zu lange online bleiben könnten. Meta selbst etwa gestand ein, dass es mehr als fünf Tage dauern könne, bis zu strittigen Beiträgen von Usern der Cross-Check-Listen eine Entscheidung getroffen werde. Ebenfalls stellte das Oversight Board fest, dass Meta die Tendenz habe zu lasch mit seinen Regeln umzugehen, möglicherweise auch um dem Vorwurf der „Zensur“ auszuweichen.

Das Oversight Board rät Meta nun dazu, sein Cross-Check-Programm durch weitgehend unabhängige Teams aufzustocken, die extern arbeiten und unabhängig ökonomischer Interessen Metas Entscheidungen treffen könnten. Ebenfalls sollte es eine Art System geben, das bei mehreren Verstößen auch High-Profile-Usern wieder ihren Cross-Check-Status entziehen kann. Man wünscht sich auch, dass der Konzern den besonderen Status der Accounts für alle transparent mache.

Am Ende gibt es eben bei Facebook und Instagram quasi Nutzer erster und zweiter Klasse und bei den Nutzern erster Klasse werden kritische Inhalte nicht automatisch geprüft, sondern erst nach einer manuellen Prüfung möglicherweise gesperrt. Scheint aber verbesserungswürdig zu sein. Vermutlich wird Meta bald mit einer Antwort auf die Kritik des eigenen Oversight Boards reagieren und sich rechtfertigen.

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