LG Q6 Testbericht: Viel Display in der Mittelklasse

9. September 2017 Kategorie: Android, Hardware, Mobile, geschrieben von: caschy

LG hat neulich weitere Smartphones auf den Markt gebracht, darunter das LG Q6. Dieses hat mir LG für einen Test zugeschickt. Meine ersten, kurzen Eindrücke möchte ich mit euch teilen. Das erste Auspacken und das „in die Hand nehmen“ war positiv. Das liegt aber daran, dass ich schon das LG G6 als Handschmeichler empfand, der sich gut anfasst. Ich muss nicht immer das dünnste Smartphone haben, es sollte gut in der Hand liegen und das machen, was ich von ihm verlange.

Und damit ist man schon beim ersten Punkt angekommen, der technischen Ausstattung. LG setzt beim Q6 auf ein 5,5 Zoll großes Display, welches mit 2160 x 1080 Pixeln auflöst und mit Gorilla Glass in Version 3 geschützt ist. Wie auch das LG G6 setzt man auf möglichst wenig Gerät um das Display, sprich: Die Front ist schick anzusehen und bietet nach Angaben von LG eine Screen-to-Body-Ration von über 77 Prozent. Das hört sich natürlich fantastisch an, ist aber auch anders zu betrachten. Das LG setzt auf keine klassischen Hardware-Buttons, sondern hat die anpassbare Bedienleiste unten im Display. Da geht schon etwas Fläche verloren.

Kameras sind natürlich auch an Bord, LG hat hinten eine 13 Megapixel starke Kamera (f/2.2, Kontrast-Autofokus und LED-Blitz), vorne setzt man auf 5 Megapixel (f/2.2). Videos nimmt die Hauptkamera mit bis zu 1080p bei 30 Frames pro Sekunde auf.

Als Antrieb dient ein behäbiger Qualcomm-Snapdragon-SoC, genauer gesagt das Octa-Core-Modell 435, welches mit 1,40 Ghz taktet. Diesem steht 3 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung. Der Speicher ist 32 GB groß und lässt sich mittels microSD-Karte erweitern. Der Rest ist Standard: Micro-USB 2.0, 3.5mm-Klinke, WLAN 802.11b/g/n, Bluetooth 4.2 und NFC. Richtig gelesen, kein USB-C.

Die Verarbeitung ist LG beim Q6 gelungen, das Gerät weist keine außergewöhnlichen Spaltmaße auf, noch wirkt es irgendwie wackelig oder gar billig. Was mit aber sofort und das unangenehm auffiel, das ist das Fehlen eines Fingerabdrucklesers. Der ist mittlerweile schon in der unteren Mittelklasse in vielen Geräten verbaut und es ärgerte mich regelrecht, dass dieser im LG Q6 fehlt.

Wäre es bisher ein ganz gutes Gerät für viele gewesen, so kann ich dieses nicht mehr vorurteilsfrei bewerten. Ganz einfach: Ende 2017 darf so etwas schon in Geräten verbaut sein. Vor allem, wenn sie mit 349 Euro in den Markt starten. Zu viel Bequemlichkeit hängt an einem Fingerabdruckleser dran – zumindest für mich.

Kommen wir von den traurigen Sachen zu den guten. Als gut darf auf jeden Fall das Display mit seiner hohen Auflösung bezeichnet werden. Alles gestochen scharf und nichts wirkt ausgefranst. Auch die Farben wirken auf mich passend und selbst die Blickwinkelstabilität erscheint mir als standesgemäß.

Offensichtlich ist das Display das, was das Gerät in der Preisklasse positioniert. Einhand-Bedienung? Dank der Kompaktheit sollte das klar gehen. Habe nun nicht die kleinsten, wohl aber auch nicht die größten Hände, kam aber gut klar. Bei Interesse selber ausprobieren.

Die Leistung kann nach einigen Tagen der Nutzung für die meisten meiner Belange als ausreichend bezeichnet werden. Das System reagiert flott und sämtliche Geschichten wie Apps, Social Media und Internet steckte das Gerät ganz gut weg. Einfachere Spiele sind ebenfalls kein Problem, sobald aber die neueren Spiele auf das Gerät kommen, die viele Pixel von A nach B schieben, wird es logischerweise spürbar, dass der Snapdragon 435 nicht das schnellste Pferd im Stall ist. Normalnutzung: Jau. Neuere Spiele: eher nicht.

LG setzt auf einen 3.000 mAh starken Akku, das ist schon ordentlich für ein Gerät dieser Klasse. Unterwegs, selbst mit starken Social-Media-Aktivitäten und dem Schießen von Fotos, bekam ich das Gerät nicht im Normalbetrieb klein. Ihr solltet auf jeden Fall über den Tag kommen. Falls jemand synthetische Benchmarks mag: 50 Prozent Bildschirmhelligkeit durchgehend, aber ohne Facebook-App und andere Benachrichtigung, im WLAN: 8 Stunden Nutzung des PC Benchmarks, der verschiedene Tasks durchrattert, alles bei aktiviertem Bildschirm. Und nach den 8 Stunden ist der Akku von 100% auf 20% geschmolzen. Falls es nicht reicht irgendwann: Ein Stromsparmodus lässt sich zuschalten.

Das LG Q6 setzt auf Android 7.1, zum Stand 25. August ist bereits der Juli-2017-Patch von Google installiert. Das muss beim einem neuen Gerät nichts heißen, es bleibt abzuwarten, wie gut LG das in Zukunft macht. Ansonsten findet man erfreulich wenig Dritt-Software, dafür aber LGs Memo-Software, Aufgaben-Verwaltung und einen Kalender. Die Software mag ich in der Tat und mir als normaler Nutzer würde sie wahrscheinlich sogar ausreichen. Einfach und durchdacht, nutzbar. Telefonieren kann man mit diesen neumodischen Geräten auch, im Falle des LG Q6 muss dafür das grüne App-Icon mit dem Telefonhörer gestartet werden. Verblüffend: Telefonie funktionierte auch, sogar sehr gut ;).

Ebenfalls an Bord ist KnockOn, hiermit lässt sich das Display per Doppel-Tap an- oder ausschalten. Nachdem ich hier so stark das Fehlen des Fingerabdrucklesers kritisierte, sei erwähnt, dass sich das LG Q6 auch per Gesicht entsperren lässt. Das funktioniert in geschlossenen Räumen mit ausreichender Beleuchtung ganz gut, draußen in der Sonne war dieses Vorgehen so gut wie nie von Erfolg gekrönt.

Kommen wir zur Kamera und der häufigsten Funktion dieser: Fotos im automatischen Modus. Da hätte ich besseres erwartet: Bei schlechterem Licht fängt sehr früh das Rauschen an und selbst bei gutem Tageslicht fand ich die Fotos häufig farbarm und milchig. Dazu kam, dass der Fokus meines Erachtens hätte flotter sein dürfen.

Ein Fazit pro LG Q6 könnte ich nicht mit mir vereinbaren, denn dafür gibt es in dieser Preisklasse schon bessere Geräte. Die haben dann nicht nur eine Kamera, die mehr kann, sondern auch stärkere Hardware und einen Fingerabdruckleser. Für 349 Euro kann man das LG Q6 keinem rechtfertigen, nimmt man dabei den Preisverfall des LG G6 in den Augenwinkel oder ein Honor 8 oder 9 – selbst ein Samsung Galaxy S7 ist teilweise in der Preislage zu haben – und dieses ist besser.

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Über den Autor: caschy

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