Jabra Elite Active 65t im Test für Sportsfreunde

Im April habe ich den Hersteller GN bzw. die Abteilung zur Marke Jabra in Kopenhagen besucht: Privat schätze ich die Marke sehr, da ich jede Woche dreimal zehn Kilometer jogge und die Elite Sports, hier mein Test der ersten Generation, dabei seit fast anderthalb Jahren mein ständiger Begleiter sind. Ich habe auch andere Modelle wie die Jaybird Run ausprobiert und an ihnen durchaus klangliche Pluspunkte feststellen können. Doch die Elite Sports sind für mich persönlich vor allem im Sitz unerreicht. Und der ist mir beim Laufen extrem wichtig, denn es gibt nichts Nervigeres, als beim Joggen ständig am Ohr rumfummeln zu müssen, damit die Kopfhörer korrekt sitzen und der Sound passt. Nun gibt es mit den Jabra Elite Active 65t aber eine neue True-Wireless-Lösung von Jabra, die sich speziell an Sportler richtet. Erweist sich das neue Modell als passende Alternative?

Als ich in Kopenhagen war, sprach ich mit dem Jabra-Team auch ganz direkt über meine persönlichen Kritikpunkte an den regulären Elite 65t: Sie sitzen bei mir beim Sport schlichtweg viel zu locker. Durch das Fehlen von Earwings musste ich beim Joggen immer nachjustieren. Das ist für mich ein Ausschlusskriterium. Ergo, das muss ich subjektiv klar sagen, fielen sie für mich als Sport-Accessoire heraus. Allerdings bewirbt Jabra die Elite 65t in erster Linie als Alltags-Kopfhörer mit besonderem Tragekomfort für den ganzen Tag, sauberer Sprachqualität und gutem Sound. Das passte soweit in meinem Test dann eben auch alles.

Für Sport hat Jabra mit den Elite Active 65t allerdings jetzt eine Variante nachgereicht, die ich auch schon auf der CES 2018 das erste Mal erblicken konnte. Hier sind eben doch wieder Sportler die Zielgruppe. Als Reaktion auf meine Kritik bot man mir an auch dieses Modell zu testen und im Sitz mit den Elite 65t (ohne Active) zu vergleichen. Da war ich einigermaßen gespannt, ob ich euch das neue Modell denn nun wieder für sportliche Ertüchtigung empfehlen könnte. Doch hier sind erst einmal die technischen Daten:

Technische Daten der Jabra Elite Active 65t

  • Gewicht 6,5 Gramm (rechter Earbud), 5,8 Gramm (linker Earbud), 67 Gramm (Ladeschale)
  • Maße 27 x 30 x 22,5 mm (Earbuds), 72 x 51 x 26,5 mm (Ladeschale)
  • Lieferumfang Micro-USB-Kabel, Charging Case, drei Eartips aus Silikon, Kurzanleitung
  • Schnittstelle Bluetooth 5.0
  • Reichweite bis zu zehn Meter
  • Akkulaufzeit bis zu fünf Stunden
  • Standby-Zeit ca. 200 Stunden
  • Schutzklasse IP56
  • Lautsprecher-Frequenzbereich 20 Hz bis 20 kHz
  • Mikrofon-Frequenzbereich 100 Hz bis 10 kHz
  • Impedanz 16 Ohm ±15% bei 1 kHz
  • Maximaler Input 8 mWatt
  • Preis: ca. 189,99 Euro

Liest man sich die technischen Daten genauer durch und vergleicht mit den ebenfalls von mir getesteten Jabra Elite 65t ohne das ausschlaggebende „Active“ fällt einem zunächst nur ein Unterschied auf: Die Schutzklasse hat sich von IP55 auf IP56 verbessert. Und tatsächlich sind die beiden Modelle von Jabra technisch identisch, sieht man von einer speziellen Beschichtung ab. So sind die Elite Active 65t eben auch gegen Schweiß resistent und damit vom Hersteller direkt für den Sport entwickelt worden.

Trotzdem bleiben signifikante Unterschiede zum Sport-Flaggschiff, den Elite Sport: Letztere habe ich subjektiv im Klang und auch der Sprachqualität bei Anrufen als unterlegen bewertet. Nur die Elite Sports von Jabra bieten aber einen Pulsmesser, verschiedene Earwings für noch festeren Sitz und die Schutzklasse IP67. Jabra selbst empfiehlt die Elite Active 65t daher auf seiner Website für „Trainungsübungen“ und die Elite Sport für „Professionelles Training„.

Ausstattung und Verarbeitung

Gut, auch bei der Farbe hat sich der Jabra Elite Active 65t übrigens gewandelt: Sind die regulären Elite 65t schwarz / metallisch gehalten, so erstrahlen die Elite Active 65t nun in einer Farbkombination aus Blau und Kupfer. Mit bis zu acht Geräten kann man die komplett drahtlosen Kopfhörer koppeln. Zwei Geräte können parallel verbunden sein. Das ist allerdings zu den Elite 65t gleich geblieben und stellt also keine Neuerung dar.

Der Lieferumfang ist identisch geblieben: Neben den Kopfhörern an sich und einer zu den Elite 65t bis auf die angepasste Farbe identischen Ladeschale findet ihr in der Verpackung auch noch ein Micro-USB-Kabel, drei Eartips aus Silikon sowie eine Kurzanleitung. Nicht nur der Lieferumfang auch das Design ist, bis auf den Wechsel bei den Farben, identisch zu den Elite 65t geblieben. Es bleibt bei einem Gehäuse aus Plastik, das aber nun einen neuen Überzug erhalten hat. Das fühlt man übrigens auch, denn die Oberfläche wirkt haptisch rauer. Ob sich das wirklich auch durch mehr Grip beim Joggen bezahlt macht?

Die Ladeschale dient erneut auch als Powerbank, sie muss also nicht ständig am Strom hängen. Für sich bieten die Elite Active 65t eine Laufzeit von etwa fünf Stunden an. Die Ladeschale kann, wenn ihr sie denn vorher mit dem Micro-USB-Kabel komplett aufgeladen habt, die Kopfhörer mit zwei vollen Ladungen versorgen. Das ist praktisch, falls ihr mal länger unterwegs seid und die Earbuds zwischendurch ohne Netzstrom aufladen mögt.

Für alles weitere empfehle ich euch erneut einen Blick in den Test der Elite 65t, denn ich müsste mich hier sonst wiederholen.

Bedienung und App

Jabra hat die App Sound+ seit meinem Test der 65t mit einigen neuen Funktionen versorgt. Deswegen will ich auf die grundlegenden Features der Anwendung nicht nochmals eingehen – das alles könnt ihr in meinem vorherigen Test nämlich bei Interesse ohnehin nachlesen. Interessanter ist, wie sich die neuen Features von Jabra Sound+ so machen. Übrigens erhielt ich direkt nach dem Start der App auch prompt das erste Firmware-Update für die Elite Active 65t. Hier ist Jabra durchaus um die Pflege bemüht – auch die Elite Sports wurden beispielsweise erst am 31. Mai 2018 mit einer Aktualisierung bedacht.

In der App Sound+ hat sich einiges getan: Jabra hebt nun die „Momente“ hervor. Das sind bestimmte Standard-Einstellungen für z. B. das Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln, das Arbeiten oder auch den Sport. Für letzteren hat Jabra nun auch einen Schrittzähler implementiert.

Außerdem steht die App Jabra Sound+ mittlerweile komplett auf Deutsch zur Verfügung – als ich die Elite 65t getestet habe, war die App noch brandneu und nur auf Englisch nutzbar.

Bei den grundsätzlichen Einstellungsmöglichkeiten ist aber alles gleich geblieben. Immer noch gibt es einen Equalizer (mit verschiedenen Standardvorgaben in den einzelnen Momenten), den HearThrough-Modus, wenn ihr eure Umgebung über die Mikrofone weiterhin wahrnehmen möchtet und auch die Möglichkeit bei Anrufen Namen / Telefonnummer des Gegenübers durchsagen zu lassen. Auch wählt ihr aus, ob ihr als Sprachassistenten Amazon Alexa oder den jeweiligen Standard-Assistent eures Smartphones verwenden möchtet.

Etwas enttäuschend ist das ergänzte Tracking der App: Besagter Schrittzähler ist damit gemeint – nicht sonderlich aufregend. Hier hätte man dann doch gerne mit GPS und erweiterten Features arbeiten dürfen. Das alles bleibt weiterhin den Jabra Elite Sport bzw. deren App Jabra Sport vorbehalten.

Sitz und Tragekomfort

Zu der Anrufqualität und dem Klang der Jabra Elite Active 65t könnte ich nichts schreiben, was ich nicht schon über die Elite 65t schrieb – denn hier gibt es absolut keine Veränderungen. Entsprechend verweise ich euch abermals an meinen bereits veröffentlichten Test. Doch der Knackpunkt ist der Sitz. Denn in diesem Bezug konnten mich die Elite 65t leider nicht überzeugen. Im Alltag war alles okay, aber beim Sport saßen mir die Earbuds leider zu locker. Macht die Beschichtung der Elite 65t Active hier wirklich einen merklichen Unterschied?

Meine Antwort ist: Jein. Durch die etwas rauere Beschichtung sitzen die Jabra Elite Active 65t beim Sport tatsächlich etwas sicherer als die regulären Elite 65t. Sie bewegen sich also weniger im Ohr, verrutschen nicht so leicht. Wichtig bleibt übrigens natürlich, dass ihr die für euch persönlich richtigen Eartip-Aufsätze nutzt. Auch das beeinflusst den Sitz nämlich entscheidend. Nun kommt das Aber: Mir persönlich sitzen auch die Elite Active 65t beim Joggen weiterhin zu locker. Denn um das Nachjustieren kam ich weiterhin nicht drumherum, wollte ich den guten Klang beibehalten und den Sitz fixieren.

Vielleicht schwanke ich beim Joggen besonders viel oder meine Ohren sind auf eine Weise geformt, der man nur mit Earwings beikommen kann. Aber aus meiner Sicht bleiben die Elite Sport oder als Alternative eines anderen Herstellers die Jaybird Run im Sitz die besseren Begleiter für den Sport. Zumindest bei mir persönlich machen die Earwings weiterhin den Unterschied. Die Ergebnisse, die ich hier erzielt habe, können aber bei euch abweichen. Denn wie gut die Earbuds im Ohr festploppen, hängt eben auch von der individuellen Form des Ohrs ab.

Zudem kann ich Jabras Aussagen eben durchaus bestätigen, dass die Elite Active 65t beim Sport besser / fester sitzen, als die regulären Elite 65t. Im direkten Vergleich ist die Gefahr, dass sie sich bewegen oder ein Stück herausrutschen geringer. Mir persönlich reicht der Unterschied aber eben noch nicht aus, um von den Elite Sport zu wechseln – selbst wenn die Elite Active 65t den besseren Klang bieten.

Im Endeffekt kann ich euch aber nur raten selbst herumzuprobieren: Jedes Ohr ist anders und jeder bewegt sich beim Sport anders. Die Jabra Elite Active 65t sind im Sitz definitiv ein Fortschritt gegenüber den regulären Elite 65t – und ohnehin aufgrund ihrer Schweißresistenz eher für Sport zu empfehlen. Ob euch die dezenten Verbesserungen aber ausreichen, um die neuen Earbuds zu eurem Begleiter beim Joggen, Fitnesstraining oder anderen Aktivitäten zu küren, das müsst ihr selbst abwägen.

Fazit

Die Jabra Elite Active 65t sind ca. 20 Euro teurer als die Elite 65t. Der einzige Unterschied liegt in der verbesserten Schutzklasse – IP56 statt IP55 – bzw. einer speziellen Beschichtung gegen Schweiß. Lohnt sich der Aufpreis und verbessert sich durch die schweißabweisende, raue Beschichtung der Sitz beim Sport? Das hat der Hersteller mir ja in Kopenhagen in Aussicht gestellt. Tatsächlich hat sich der Sitz bzw. Halt im Ohr verbessert. Die etwas angeraute Beschichtung sorgt dafür, dass die Elite Active 65t rutschfester im Ohr sitzen. Doch ideal ist das immer noch nicht: Die Jaybird Run oder auch Jabras hauseigene Elite Sport sitzen durch die Earwings, zumindest bei mir, deutlich sicherer. Für den Sport würde ich jene beiden Modelle, trotz der Abstriche beim Klang, also weiterhin vorziehen.

Aber wie gut die Earbuds sitzen, hängt immer auch von der individuellen Form des Ohrs ab, so dass man meine Ergebnisse nicht zu vorschnell verallgemeinern sollte. Klanglich wiederum haben mich die Elite Active 65t voll überzeugt – sie sind aber eben auch technisch identisch zu den regulären Elite 65t. Auch die Qualität beim Telefonieren ist weiterhin erstklassig. Hier profitiert Jabra auch von seiner Erfahrung mit professioneller Geräuschunterdrückung im Markt für Geschäftskunden.

Somit sind die Jabra Elite Active 65t wirklich gute Earbuds, die für den Sport nochmal eine Ecke besser tauglich sind, als die regulären Elite 65t. Auch die Langlebigkeit dürfte dabei dank der Anti-Schweiß-Beschichtung höher sein. Welches die richtige True-Wireless-Lösung für euch ist, müsst ihr aber selbst entscheiden – ich persönlich finde die Elite Sport für Fitness immer noch von den ausprobierten Lösungen am besten.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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7 Kommentare

  1. Felix Grau says:

    Danke für den Test. Hab mir auf deine Empfehlung die Elite Sports gekauft und bin sehr zufrieden. Die beiden Test zeigen mir auch, dass ich nicht wechseln muss.

    • André Westphal says:

      Das freut mich – die Elite Sports finde ich auch nach wie vor subjektiv am besten von allen Sportkopfhörern, weil der Sitz für mich den Ausschlag gibt. Die sitzen bei mir einfach am besten. Meine Lektion ist bisher auch, dass ich einfach Earwings beim Joggen brauche.

      Klanglich sind die 65t deutlich besser – aber nutzt ja nix, wenn sie nicht fest genug sitzen. Wie gesagt, hängt das aber auch vom Ohr ab, habe manchmal das Gefühl ich habe da mehr Probleme als andere :-).

      Cool, dass du auch mit den Elite Sports zufrieden bist – nutze die auch fast jeden Tag sowohl zum Joggen als auch so mal zum Einkaufen. Schade, dass Jabra bisher keinen Nachfolger plant. Ein Nachfolgemodell mit ähnlicher Ergonomie aber dem Klang der 65t wäre dann das beste aus beiden Welten.

  2. Hallo André, danke für das Update zu den Active 65t. Hört sich so an, also ob ich sie mal für den Sport ausprobieren sollte. Was ich nicht in Erfahrung bringen konnte ist, welchen Audio Codec i.R.v. A2DP sie unterstützen. Dass es SBC sein muss ist klar, aber können sie auch AAC (wegen Kopplung mit dem iPhone bei mir)? Vielleicht kannst du das über deine direkten Kontakte zu GN ja zuverlässig und kurzfristig klären. Cheers.

  3. Hat den hier niemand Sorge, dass euch die Dinger das Hirn weg brutzeln? Bluetooth durch Hirn wurde noch nicht so ausführlich getestet…

  4. Eigentlich gibt es für die „guter Sitz“ Problematik sowieso nur eine wirkliche Lösung und die hört auf den Namen Otoplastik.

    Leider legt man dafür nochmal soviel hin wie für die Ohrhörer selbst. Ich würde es aber dennoch immer wieder investieren.

    🙂

  5. Das_Schaf says:

    Habe sowohl die 65t Active als auch die Elite Sport ausprobiert. Bei sitzen bei mir im Ohr einfach nicht richtig was dazu führt dass der Sound unterirdisch ist. Da halfen auch die verschiedenen Einsätze nicht. Inzwischen habe die die Airpods recht günstig bekommen und bin sehr zufrieden damit. Für den Sport brauche ich zwar so kleine Silikon-Hörner aber dafür ist der Sound wenigstens ok.

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