Zolo Liberty+ im Test: Bluetooth 5.0-Kopfhörer angehört

Anker etabliert mit Zolo eine Untermarke im Audio-Segment, die mit den Zolo Liberty und Liberty+-Modellen erstmalig komplett kabellose Kopfhörer anbietet und damit in Konkurrenz zu AirPods, Jaybird Run etc. geht. Man hat also potente Gegner, gegen die man sich beweisen möchte. Caschy hat euch bereits in einem kurzen Hörtest seine Meinung über die Zolo Liberty kundgetan. Ich hatte nun eine Weile die Zolo Liberty+ im Haus und konnte mir eine Meinung zu dem leicht verbesserten Modell bilden. Die Kopfhörer sind übrigens über eine Kickstarter-Kampagne finanziert worden, die insgesamt 2,8 Millionen US-Dollar einnehmen konnte.

Liberty / Liberty+

Zolo packt das Wesentliche in die Box, Earbuds, Lade-Case und je drei verschiedene Größen Ear Tips und Überzüge für die Earbuds. Im Gegensatz zu den Liberty, die in Schwarz und Weiß bei Amazon verfügbar sind, gibt es von den Liberty+ aktuell nur das schwarze Modell, welches hier vor mir liegt.

Die Verarbeitung der Kopfhörer und des Cases ist durchweg gut, da kann man wirklich nichts bemängeln. Was mir jedoch während der Einrichtung der kleinen Earbuds auffiel, die Überzüge inkl. Wings lassen sich wirklich bescheiden wechseln. Wie eine dünne Haut, die man versucht über einen Gegenstand zu ziehen, ziemlich frickelig. Man hat auch permanent das Gefühl, dass man die Überzüge beim Wechseln zerreisst. Auch fehlt bei den Liberty+ die Möglichkeit, andere Wings anzubringen, die passen sonst nämlich nicht mehr in die Mulden im Lade-Case.

Doch wie sitzen die Dinger denn nun im Ohr, nachdem man die passende Kombination aus Earbuds, Tips und Wings gefunden hat? Für den Einsatz im Alltag und für leichte Workouts im Fitnessstudio kann ich die Dinger sicher nehmen. Beim Joggen habe ich die Kopfhörer aber spätestens nach einem Kilometer aus den Ohren genommen, weil mir das Gewackel und das ständige Korrigieren auf die Nerven ging. Schnelle Bewegungen und grobe Workouts (Freeletics, Crossfit etc.) sind für die Zolo Liberty+ zumindest in meinen Ohren ein Problem. Durch die IPX5-Zertifizierung kann das Modell Schweiß und Regen übrigens ab.

Im nächsten Modell sollte sich Anker mal bei Jaybird umschauen, die bei X3, Freedom 2 und Run einen exzellenten Job gemacht haben, wenn es um sicheren Halt geht.

Kommen wir zum Klang, der mich etwas überrascht hat. Wichtig ist, die richtige Größe bei den Ear Tips gewählt zu haben, denn wenn die nicht passt, können In-Ear-Kopfhörer wirklich bescheiden klingen. Die von Zolo verbauten, 6 Millimeter großen Treiber machen einen guten Job. Höhen und Mitten sind präsent, klar und der Bass kommt überraschend druckvoll ins Ohr. Über die Zolo Life App habt ihr außerdem die Möglichkeit, den Klang über einen Equalizer entsprechend euren Wünschen anzupassen.

Zolo hat den Liberty+ übrigens einen Modus mitgeben, der die Umweltgeräusche per eingebauten Mikros in eure Ohren leitet. Das kann ganz nützlich sein, wenn man in Großstädten oder an viel befahrenen Straßen unterwegs ist und die Umwelt nicht ausblenden möchte. Sicherheit geht nun mal vor.

Ein Satz noch zu einem Leser-Wunsch, der mich während des Tests per Twitter erreichte. Bluetooth-Kopfhörer haben manchmal das Problem, dass man beim Video-Schauen auf dem Smartphone / Tablet einen Versatz zwischen Video und Ton hat, die Lippen sind einfach nicht synchron. Das Problem ließ sich auch bei diesen Bluetooth-5.0-Kopfhörern reproduzieren, leider.

Bleiben wir mal bei der App, die genau wie das Smartphone über den neuen Bluetooth-5.0-Standard mit den Kopfhörern kommuniziert. Während ich beim Musikhören überhaupt keine Verbindungsabbrüche zu verzeichnen hatte, ist die Verbindung zwischen App und Liberty+ wirklich ein Problem. Diese reisst immer wieder ab. Ist für mich aber kein Showstopper, da Zolo hier nachbessern kann und die App sowieso nicht ständig benutzt wird.

 

Die Akkulaufzeit der Kopfhörer wird vom Hersteller mit 3,5 Stunden angegeben wird, die ich leider nie erreichte, kommt halt auf genutzte Lautstärke und EQ-Einstellung an. Ich bin im Schnitt bei ca. 2,5 Stunden herausgekommen. Mit dem Case kommt man laut Hersteller auf insgesamt 48 Stunden, ohne das Case an den Strom zu hängen (per microUSB). Den Gesamtwert habe ich nicht genau gemessen, da die Laufzeit der Buds für mich entscheidend ist, aber ich bin bei um 35 bis 40 Stunden gelandet.

Genau wie andere Kopfhörer verfügen auch die Liberty+ über eine Steuerung an beiden Earbuds. Mit einem Druck auf den Knopf pausiert ihr die Musik oder nehmt einen Anruf an, ein doppelter Druck aktiviert Siri oder den Google Assistant. Per langem Druck auf den linken Earbud springt zum letzten Track, auf den rechten Earbud zum nächsten Lied. Die Lautstärke könnt ihr nur am Smartphone oder über die persönlichen Assistenten regeln. Funktioniert an und für sich ziemlich gut, nur müsst ihr aufpassen, beim Drücken des Knopfes, den Earbud nicht zu verschieben.

Kann man die Liberty+ empfehlen? Im Großen und Ganzen hat Anker hier einen guten Job gemacht, nur muss man den Einsatzzweck bedenken. Wer komplett Kabellose für den Sport sucht, wird mit den Liberty+ eventuell nicht glücklich. Für den Einsatz im Alltag ist das Modell auf jeden Fall einen Versuch wert, nur kann man hier wahrscheinlich auch zu dem billigeren Liberty-Modell greifen. Die Unterschiede sind nicht riesig, es sei denn, man benötigt dringend die App, Bluetooth 5 oder den Transparenz-Modus.

Wer In-Ears für den Sport mit hervorragenden Klang und sicherem Halt sucht und es nicht unbedingt komplett kabellose Kopfhörer sein müssen, der kommt an den Jaybird X3 oder Freedom meiner Meinung nach nicht vorbei, die genauso viel kosten, wie das günstigere Liberty-Modell. Die Jaybird Run sind kabellose In-Ears mit sehr gutem Halt, die jedoch nochmal etwas mehr Geld kosten, auch Jabra und andere Hersteller haben Alternativen parat.

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Oliver Posselt

Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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6 Kommentare

  1. Hast du einen Vergleich was den Sitz angeht zwischen den Liberty und Liberty+?

  2. Ich hatte die Liberty+ auch für 10 Tage und habe sie zurück geschickt:

    – Beim Joggen einfach nicht zu gebrauchen, jeder (Lauf-)Schritt hört sich wie ein Beat an.
    – Ansonsten war der Klang gut, aber schon sehr abgeschirmt von der Umwelt
    – Der Modus für Umweltgeräusche ist unnütz. Wer wirklich 4 Sekunden auf das Ding draufdrückt bekommt Ohrenschmerzen. Da nimmt man das Ding viel lieber raus.
    – Asynchroner Ton bei Videos, wirklich sehr schwer das richtig hinzubekommen
    – aber das schlimmste: ständige Verbindungsabbrüche. Besonders im Bett liegend ging da gar nichts. Alle 2(!) Sekunden ist die Verbindung flöten gegangen. Die Abbrüche kamen aber auch erst nach einer Woche gehäuft vor, keine Ahnung warum.
    – Zum Telefonieren nicht zu gebrauchen – Gesprächspartner hört einen nur sehr schlecht.

    Bin daher auf die Apple Airpods umgestiegen. Auch wenn die praktische Funktion „Pause beim Herausnehmen“ bei Android leider nicht geht. Die machen beim Joggen und beim Busfahren beidermaßen eine gute Figur.

  3. Ich habe das Headset als Unterstützer der Kickstarter Kampagne erstanden.
    Zum Musik und Podcast hören im Alltag, finde ich die Teile echt gut. Auch über den Sound kann ich nicht meckern, klingen recht ordentlich. Die angesprochenen Verbindungsabbrüche kommen bei mir nur sehr sehr selten vor. Sie sitzen bei mir auch erstaunlich gut in den Ohren. Ob der Halt bei intensiverer sportlicher Nutzung immernoch so gut ist, kann ich für mich aktuell noch nicht abschließend beurteilen. Bisher bin ich mit dem Halt und Sitz zufrieden, auch wenn ich lieber Comply-Foam-Tipps nutzen würde. Damit passen die Earbuds aber eben nicht mehr in die Ladeschale.
    Was mich aber kolossal nervt, dass sich die Überzüge mit den Wings beim einsetzen in die Ohren so verdrehen, dass man das „Gummihäutchen“ danach jedesmal neu herrichten muss, damit die Ladekontakte wieder frei sind.
    Und mindestens genauso nervig ist, dass die Headset-Funktion zum telefonieren nur auf dem rechten Ohrhörer läuft. Und wie Sebastian schon geschrieben hat, hört einen der Gegenüber extrem schlecht. Im Freien schon bei leichtem Wind sind Telefonate quasi unmöglich. Das Problem sollte sich jedoch hoffentlich per Update durch Neukalibrierung des Mikros zumindest verbessern lassen! Die schlechte Mikroeinstellung macht auch den Umgebungsgeräusche-Modus nicht sinnvoll nutzbar. Er lässt halt einfach alle Frequenzen durch, anstatt zu selektieren nach sinnvollen und unnützen Nebengeräuschen. Das können Andere deutlich besser!
    Soviel meine Alltags-Eindrücke zu den Zolo Liberty+ !

  4. Finde der Test trifft es ganz gut. Allerdings passen mir die Dinger super und ich muss selten bis nie korrigieren (beim Joggen). Wahrscheinlich abhängig von der Anatomie. Den im Kommentar beschriebene ‚Laufbeat‘ gibt es, finde den aber nicht dramatisch.

    Die Verbindungsqualität ist die beste bei mir bisher . Nur an Ampeln gibt es Aussetzer gelegentlich. Dabei wird das Signal kurz ausgeblendet was weniger nervig als komplette Pausen.

    Klanglich machen sie Spaß. Ein paar mal dachte ich der Klang wäre schlecht, hier hat dann ein neuverbinden geholfen.

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