Smart TV Connector von Amerry als Chromecast-Alternative im Test

Google hat auf der letzten Google I/O den interessanten und vor allem günstigen Streaming-Stick Chromecast vorgestellt, den Caschy euch bereits ausführlich vorgestellt hat. Der günstige Preis von 35$ hat schnell zu großer Nachfrage in den USA geführt und hierzulande wird er für 35€ im März zu haben sein. Einerseits hat er das Streaming für viele deutlich vereinfacht, andererseits ist der Stick aber auch teilweise stark limitiert – es gibt nur wenige von Google zugelassene Apps (vor allem für Deutschland) und es werden keine klassischen Streaming-Protokolle wie AirPlay oder Miracast unterstützt.

Amerry Smart TV Connector

Grund genug sich einmal mit Alternativen zu beschäftigen, die das Prinzip des Chromecasts ebenfalls abbilden und dennoch einige Vorteile versprechen. Daher habe ich mir den HDMI-Stick Smart TV Connector von Amerry zukommen lassen und ihn in für euch einem Test unterzogen.

Lieferumfang und Allgemeines

Der Lieferumfang ist ähnlich dem Chromecast: HDMI-Stick, ein WLAN-Empfänger (hängt an einem Y-USB-Kabel), das Netzteil (falls euer TV keinen USB-Port hat) und eine deutschsprachige Anleitung ist in dem Paket enthalten.

Interessanter sind da schon die unterstützten Streaming-Protokolle, die der kleine Stick laut Hersteller alle unterstützt. Dort sind die bekanntesten aufgeführt, die in eurem Haushalt vorkommen dürften:

  • DLNA
  • Miracast
  • AirPlay

Somit ist hier wohl der größte Unterschied zum Chromecast, welcher diese Standard-Protokolle nicht unterstützt. Die Vorteile sind, dass ihr somit alle Mediendateien und euren Bildschirm auf den TV oder Beamer bringen könnt und nicht auf bestimmte Apps eingeschränkt seid. Videos können in üblicher Full-HD Qualität bis zu 1080p wiedergegeben werden.

Die vorgesehenen Einsatzzwecke sind damit schnell ersichtlich. Neben dem Empfänger für alle Arten von Mediendateien – lokal oder aus dem Netz – könnt ihr ebenfalls den gesamten Bildschirm eurer Geräte spiegeln und nicht nur die Inhalte einzelner Apps, sofern sie die technischen Voraussetzungen erfüllen (Miracast ist beispielsweise nur in neueren Android-Geräten verfügbar).

Für den Stick stellt der Hersteller zudem über EZ-Cast die passende Software für alle populären Plattformen vor.

  • Android ab Geräten mit 4.0
  • Windows ab XP
  • Mac OS X ab 10.7

Einrichtung und Bedienung

Glücklicherweise nehmen sich Chromecast und der Smart TV Connector bei der Einrichtung nur wenig. Einfach an den Fernseher über HDMI anschließen, Strom bekommt er über den USB-Port oder das mitgelieferte Netzteil und schon bekommt ihr das Einrichtungsbild.

Einrichtung am TV

Ihr müsst dem Stick nun nur noch über eine der Apps, egal ob am Desktop oder am Android oder iOS Gerät, die WLAN-Zugangsdaten mitteilen. Der Stick baut anschließend sein eigenes WLAN auf, mit dem ihr euer Gerät im Anschluss verbinden müsst. Die SSID und das Kennwort werden auf dem TV im oberen Bereich angezeigt, das Passwort kann später geändert werden. Damit seid ihr dann bereits mit der Einrichtung fertig und dies hat bei mir problemlos funktioniert.

Öffnet nun eine der Apps und ihr bekommt den größtenteils überall gleich aussehenden Startbildschirm zu sehen.

iOS App Smart TV ConnectorDie Oberfläche ist selbsterklärend und man findet sich schnell zurecht. Folgende Optionen habt ihr in den mobilen Apps:

  • Fotos betrachten
  • Musik
  • Video
  • Dokumente (Präsentationen, Text, Tabellenkalkulationen)
  • Webbrowser
  • Kamera
  • Cloud Video (YouTube, Vimeo)
  • Kommentare/Wünsche für neue Funktionen
  • Update

Falls ihr eure Dateien nicht in der App betrachten wollt ist dies durch die unterstützten Streamingprotokolle ebenfalls möglich. Unter iOS nehmt ihr beispielsweise die YouTube App und habt automatisch das AirPlay Zeichen wo ihr das Video streamen könnt.

YouTube streaming iOSGleiches funktioniert natürlich dank AirPlay z.B. auch für Spotify, die ARD-Mediathek oder lokale Videos und Musik. Bei iOS lief das über AirPlay bei mir im Test stabil und ruckelfrei, lediglich ein paar Sekunden Buffering zu Beginn waren üblich.

Unter Android sollte dies mit Miracast ähnlich funktionieren, jedoch hatte ich kein kompatibles Gerät im Haushalt. So blieb nur DLNA für den Test über das NAS oder über die App Skifta, die wir ebenfalls schon im Blog hatten. Dies lief ebenfalls größtenteils ohne Beanstandung, bei Full-HD-Inhalten hatte ich aber teilweise kleinere Ruckler. Schmerzvoll vermisst habe ich allerdings die direkte Unterstützung in den Apps, beispielsweise bei der YouTube App.

Was unter iOS mit AirPlay oder beim Chromecast einfach mit nur einem Klick erreichbar ist, ging hier nur über die Funktion Cloud Video aus der EZ Cast App. Die Suche geht dann über die mobile Seite von YouTube. Prinzipiell funktioniert es, aber speziell für YouTube unter Android fand ich den Chromecast hier besser. Die Funktion Cloud Video hat seltsamerweise neben legalen Anbietern auch den berüchtigten Anbieter Kinox.to in der Auswahl, welche in einem solchen Angebot nichts zu suchen hat und entfernt gehört.

EZ Cast Cloud VideoUnter Windows und Mac OS X kommt neben den klassischen Streaming noch die Nutzung als Bildschirm hinzu. So kann der vollständige Bildschirm entweder auf den Fernseher oder Beamer gespiegelt werden oder alternativ als weiterer externer Bildschirm genutzt werden. Der Ton wird ebenfalls direkt auf dem Endgerät wiedergegeben.

EZ Cast Mac OS XDer Graphic-Modus stellt das Bild insgesamt etwas schärfer da, während der Video-Modus eher für schnellere Übertragungsgeschwindigkeiten sorgen soll. Beim Videomodus versagte der Stick allerdings für mich, denn verschiedene Videos in Full-HD oder auch in geringerer Qualität haben ständig geruckelt und waren praktisch nicht anzusehen. Will man hingegen lediglich eine Präsentation auf den Beamer schicken ohne erst Kabel anzuschließen dann reicht der Stick vollkommen aus, die geringe Verzögerung von ca. 1-2 Sekunden fällt hier nicht ins Gewicht.

EZ Cast WindowsEine kleine Spielerei abseits des klassischen Streamings hat der Hersteller mit den Funktionen Kamera aufnehmen integriert. So könnt ihr das Smartphone beispielsweise als Kamera nutzen und einen Bereich damit überwachen. Ebenfalls kann einfach ein Foto aufgenommen werden und darauf kleine Anmerkungen vorgenommen werden. Gleiches funktioniert ebenfalls, wenn ihr den integrierten Browser nutzt. Wer es braucht… 😉

Fazit

Der Smart TV Connector von Amerry ist eine interessante Alternative zum Chromecast oder anderen Lösungen rund um den Raspberry Pi oder einen Apple TV. Wer lediglich unter Android unterwegs ist und hauptsächlich von dort streamen möchte, dem würde ich zum Chromecast raten, denn die Verzahnung im System ist einfach besser gelöst. Wer aber AirPlay und Miracast benötigt, der bekommt eine ähnlich einfache Lösung wie den Chromecast und hat erweiterte Einsatzgebiete wie Bildschirm spiegeln und nicht nur einen Browsertab.

Preislich nehmen sie sich so gut wie nichts, den Smart TV Connector bekommt ihr aktuell für um die 40€ bei verschiedenen Händlern. Ein Raspberry Pi kostet mit WLAN etwas mehr und ein Apple TV ist preislich noch etwas höher eingeordnet. Seine Hauptaufgabe erledigt er weitgehend ordentlich, bei einfacher Spiegelung am Desktop von Mediendateien gibt es allerdings noch großen Verbesserungsbedarf und die Verzögerung zwischen Desktop und Anzeige auf dem Bildschirm darf gerne noch etwas schneller sein. Der Hersteller liefert derzeit noch einiges an Updates (letztes am 31.12.13), womit Hoffnung auf Verbesserungen der Kritikpunkte besteht.

Persönlich bleibe ich bei meiner Lösung mit dem Raspberry Pi mit OpenELEC und XBMC, welches bekanntermaßen seit einiger Zeit auch AirPlay unterstützt. Die Einstiegshürde ist hierbei allerdings etwas größer und bis alles soweit funktioniert ist dies für unerfahrene Benutzer mit etwas höherem Aufwand verbunden und eine solche Stick-Lösung eine überlegenswerte Option.

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Der Gastautor ist ein toller Autor. Denn er ist das Alter Ego derjenigen, die hier ab und zu für frischen Wind sorgen. Unregelmäßig, oftmals nur 1x. Der Gastautor eben.

22 Kommentare

  1. Tja ich kann nach wie vor den Mehrwert solcher Chromecast Lösungen nicht erkennen:
    SmartTV – NAS – Tablet und dann gibt es nichts mehr was mir da als Zugabe solcher Lösungen noch einfallen würde ..

  2. Matze.B:

    Der Preis?

    Ich persönlich ziehe keinen Nutzen aus einem SmartTV, einen NAS benötige ich nicht. Dennoch möchte ich meine Musik und Filme bequem vom MacBook auf den Fernseher bekommen. Oben genannte Lösung und ähnliches sind perfekt dafür, wobei ich selbst einen AppleTV dafür nutze.

  3. @Lucas
    Um Musik und Filme vom Notebook unter Windows auf den TV zu bekommen brauche ich nichts zusätzliches, die UPnP Funktionalität bringt schon der Media Player mit, denke das kann OS X auch, oder?
    ‚keinen Nutzen aus einem SmartTV‘ tja der kann aber eben Musik u. Filme von out of the Box abspielen – das möchtest du ja auch 🙂

  4. >> Unter Android sollte dies mit Miracast ähnlich funktionieren,
    >> jedoch hatte ich kein kompatibles Gerät im Haushalt.

    Sehr schade, weil ich derzeit auf der Suche nach einem funktionierendem Miracast Produkt bin… bisher allerdings erschreckend erfolglos. So langsam glaube ich, dass Miracast ein Griff ins Klo war, und Google bestätigt dies indirekt mit der Entwicklung von Chromecast.

    Ich habe in den letzen Wochen 5 verschiedene Miracast-Dongles getestet, und alle schwächelten beim Spiegeln von Bewegtbildern (z.B. Youtube) – getestet mit Nexus 7 (2013) als auch mit Nexus 5. Dabei konnte ich 2 Probleme beobachten:

    Entweder war die Performance von Smartphone zu Dongle nicht ausreichend, d.h. man sah Rucker/Artefakte im Video.
    Oder die Performance zw. Dongle Endgerät war ausreichend, aber hat dabei so viel WLAN Kapazität des Geräts aufgefressen dass ich quasi nur noch auf lokale Inhalte wiedergeben konnte – der Zugriff aufs Internet/LAN (Router steht direkt daneben) war dann kaum mehr möglich.

    Hat hier jemand positive Erfahrungen mit Bewegtbildern auf Miracast gemacht, und kann ein entsprechendes Produkt empfehlen?

  5. Mein Notebook unterstützt WiDi (und somit Miracast).
    Aber wenn der Stick ein eigenes WLAN aufspannt, dann bin ich ja in dem Moment mit meinem Laptop offline, oder seh ich das falsch?

  6. Bei Miracast muss man aufpassen. Hatte mir einen Stick geholt um Google play Filme auf dem Fernseher zu streamen. Pustekuchen, das klappt genau nicht. Alle anderen Inhalte gehen. Erst mit dem Chromecast klappt das wunderbar.

  7. Durch die Airplay-Unterstützung ist Raspberry Pi deutlich interessanter geworden.
    Funzt auch ganz ordentlich.

  8. Patrick, vielen Dank für den interessanten Erfahrungsbericht. Die Kombination aus AirPlay, DLNA und Miracast als kompaktes HDMI-Dongle zu dem Preis klingt sehr interessant!

    Verstehe ich richtig, dass unabhängig von dem gewählten Protokoll (AP/DLNA/MC) das Dongle immer ein eigenes WLAN aufspannt, mit dem man sich verbinden muss, statt dass es sich in das bereits existierende WLAN einklinkt?

  9. Kann so ein Gerät auch IPTV mit Senderlisten?
    Oder kennt jemand so ein Gerät?
    Ich bräuchte einen HDMI Stick das im Grunde nur IPTV beherrscht wo man mit der Fernbediehnung gemütlich umschalten kann.

  10. „Verkauf und Versand durch SNOGARD Computer GmbH“ steht auf der Amazon Seite. Den Namen hatte ich schon mal gehört. Nach Google -> „snogard bewertungen“ hatte ich mich dann auch wieder erinnert. Ach die. Schade. Hätte das Teil gerne mal ausprobiert.

  11. der meesta says:

    Hast Du den 1.0 oder den 2.0 getestet? Ich gehe mal vom Ersteren aus. Der 2.0 kostet so um die 70,-€….
    ……und da wäre ein Test interessanter 🙂

  12. „Der Stick baut anschließend sein eigenes WLAN auf, mit dem ihr euer Gerät im Anschluss verbinden müsst.“

    Das ist ein totales K.O. Kriterium für mich.

  13. @Mr.C
    Die Frage ist, ob das nur für die Einrichtung gemacht wird (ist beim Chromecast genauso) und der Stick dann auch in das heimische WLAN gehängt wird, oder ob es tatsächlich beim eigenen WLAN bleibt. Wäre ja käse wenns so wäre.

  14. @derberg

    Es gibt in D. auch keine alternativen Receiver für Telekom Entertain, da wirst du so etwas vergeblich suchen – die Frage ist ja vor allem: willst du dir das IPTV per WLAN vom Router holen??

  15. @Matze.B ja entweder per Wlan oder Kabel, CAT6 liegt in jedem Raum.
    Es geht nicht direct um Telekom Entertain, das ist ein anderer Anbieter wo man schon zugreifen kann.

  16. Der günstige Alleskönner ist in meinen Augen weiterhin ein Rapsberry PI mit XBMC. Dann noch Yatse auf’s Handy/Tablet und das Leben ist schön.

  17. Hallo,

    Der Stick fungiert wie ein AP, er stellt also eine Verbindung zu euren bestehenden WLAN her und stellt und stellt gleichzeitig unter anderen Namen ein eigenes WLAN zur Verfügung.

    Die WLAN Zugriffe der verbundenen Geräte werden dann durch den Stick weitergeleitet.

    Ihr habt also Nach wie Vor Internetzugang mit euren Geräten halt mit den Vor und Nachteilen eines AP.

  18. War der Vorstellung von chromecast zusammen mit dem n7 (.. 14) nicht etwas später!?!

  19. Hallo,
    Wenn der Stick als AP fungiert, müsste man ihn doch auch als Repeater nutzen können?

  20. Ich warte da lieber noch auf AirTame..
    http://www.indiegogo.com/projects/airtame-wireless-hdmi-for-everyone–2

    Dass sieht durchdachter und performanter aus.
    Raspberry Pi kommt nicht in Frage, da Airplay Screenmirroring unter Mac OSx nicht unterstützt wird (Shairport)
    Auch die rPlay-Entwicklung ist noch lange nicht funktionsfähig..

    Da das Crowdfunding-Ziel gesprengt wurde, kamen zur ursprünglichen Version viele Verbesserungen hinzu, die vielversprechend aussehen (DualCore, Dualband WIFI, Raspberry Pi Image!!!!!)

    Und im ersten Demovideo sieht Airplay-Mirroring schon krass flüssig aus..

  21. @marco die neueren Samsung smartTVs können miracast. Auch wenns nirgendwo offiziell steht. Bei mir gehts mit nem F6500 und dem nexus4 und nexus7 2013.

    Aber was anderes: Gibt es solch einen Stick auch mit LAN Anschluss? Bisher verwenden wir nen appleTV + AirParrot im Büro, um und gegenseitig Dinge zu zeigen.
    Zusätzlich Miracast Unterstützung und nen Browser (Wallboard) wären schon prima.