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Mail-Scan: Google-Tipp an Behörden bringt Sexualtäter zur Strecke

Google hat in Houston einen Tipp an das National Center for Missing and Exploited Children gesendet, mit dem Hinweis, dass ein Nutzer kinderpornographisches Material in seiner Mailbox hat. Dieses erstattete wiederum Anzeige bei der Polizei in Houston, in der Folge wurde der Mann festgenommen. Dieses Vorgehen ist von Google nicht neu, bereits seit 2006 kämpft man aktiv gegen Kindesmissbrauch. Ich bin mir sicher, dass sich keiner beschwert, wenn durch so eine Methode ein Kinderschänder dingfest gemacht wird, allerdings muss man sich doch fragen, wie privat so ein E-Mail-Postfach eigentlich ist.

Eine der technischen Lösungen, die Google im Zuge des Kampfes gegen Inhalte, die Kindesmissbrauch zeigen, entwickelt hat, ist das Hashen von Bildern. Erkannte Bilder werden so gespeichert und können an anderen Stellen – oder auch in der Mailbox – wiedererkannt werden. Das ist ein automatisierter Vorgang, es ist also nicht so, dass da ein paar Google Mitarbeiter sitzen und sich die Inhalte der E-Mails anschauen.

Neben der Frage der Privatsphäre, die offenbar nicht gegeben ist, kommt auch die Frage auf, was wohl passiert, wenn mir jemand mit böser Absicht solches Material unterjubelt. Landet dann auch in der Mailbox, wird von Google erkannt und ein entsprechender Hinweis weitergegeben. In dem Fall in Houston hat es sicher keinen Falschen getroffen, der Mann musste sich wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes bereits 1994 verantworten. Ebenso wurde bei ihm weiteres belastendes Material gefunden. Aber was, wenn es nicht so wäre?

Interessant ist die Aussage von Google, was die Offenheit angeht. Diese wurde bereits vor längerem getätigt und bezieht sich nicht auf diesen Fall. Damals sagte Google: „Man sei im Geschäft mit der Bereitstellung von Informationen – doch es gibt Informationen, die hätten nie erstellt und zur Verfügung gestellt werden dürfen.“ Die Frage ist, ob dies eine Durchsuchung eines jeden E-Mail-Postfachs rechtfertigt.

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Sascha Ostermaier

*Mitglied der Redaktion 2013 bis 2019* Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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25 Kommentare

  1. „Genau wg. solcher Fälle ist es m.E. absolut notwendig, dass Daten elektronisch und automatisiert durchsucht werden“

    Einer macht was böses und dafür werden dann aber Millionen unschuldige überwacht.
    Kommt mir bekannt vor … so rechtfertigt doch die USA ihre scheinheilige Wirtschaftsspionage äh Terrorabwehr oder wie auch immer die es jetzt wieder nennen.

  2. @Norbert
    Mal angenommen, du eröffnest ein Konto bei meinem Webdienst. Ich habe in den 3000 Seiten AGBs irgendwo rein geschrieben, dass der Nutzer zustimmt, dass ich sein Auto kaputt kratzen darf. Am besten sind die AGBs auf meiner Muttersprache Baskisch verfasst, auf Englisch gibt es nur eine Zusammenfassung, wo das natürlich nicht auftritt. Am Ende setzt du den Harken bei „Ich verstehe und stimme zu“ (die häufigste Lüge der heutigen Zeit!) und hast einen tollen Account. Dann darf ich, obwohl es in den AGBs steht, dein Auto immer noch nicht kaputt machen. Im Baskenland ist das sicher etwas anderes, aber, wenn ich den Dienst auch in Deutschland anbiete, dann muss ich mich mit meinen AGBs auch an deutsches geltendes Recht halten.

    Leider ist dieses Recht ein wenig verwässert, so dass eventuell Google sogar im Recht ist, richtig ist das aber dadurch noch lange nicht.

  3. Besucherpete says:

    @klaus w.: Du vergisst dabei, dass es nicht nur einer ist, der „böses“ tut. Es ist ja nicht so, dass ich Deine Argumentation nicht verstehe. Aber ich habe wirklich ein Problem damit, dass Straftäter unter dem Deckmantel des Datenschutzes nicht belangt werden können (sollen). Sicher ist das ein Problem,dass nicht so einfach zu lösen ist, und vielleicht ist es auch zu kurz gedacht zusagen, dass ruhig alles gescannt werden soll (was immer noch weit weg davon ist, dass die Daten tatsächlich öffentlich und für jeden zugänglich sind). Aber pauschal zu verlangen, es dürfe gar nichts gescannt werden, ist auch nicht hilfreich und nicht weniger kurz gedacht.

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